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Safari-SalamaReisebericht 24 vom 29.09. - 03.11.2007Lissabon - Coimbra - Serra Da Estrela - Viseu - Dourotal - Miranda Do Douro - Leon - Burgos - Pamplona |
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Drei Tage Lissabon bilden den Auftakt unserer verbleibenden Reise durchs südwestliche Europa, wobei wir diese jeweils mit einem Besuch in einer der unzähligen Pastelarias einläuten. Pastelarias sind ein Mix aus Cafe, Bar, Patisserie und Sandwicheria mit einer schier unermesslichen Auswahl an Leckereien. Noch können wir nicht ahnen, dass wir während unserer ganzen Zeit in Portugal täglich der Versuchung dieser kleinen und allgegenwärtigen Schlemmerlokale verfallen werden... :o) Wir tun es den Einheimischen gleich und geniessen hier zum Frühstück Gipfeli, Blätterteig- und anderes Süssgebäck mit und ohne Füllung, frisch gepressten Orangensaft und – seit Urzeiten mal wieder – richtig guten Kaffi! Bei wechselhaftem Wetter besuchen wir die unterschiedlichen Quartiere, die sich steil die Hügel hochziehen – in Lissabon gehts ständig hoch und runter. Kurze altmodische Trämli gibt es hier, die in einem Affenzahn die Steigungen bewältigen und quietschend um die engen Kurven flitzen.
Wir waren beide noch nie in Portugal und so lernen wir nun einiges über die bewegte Vergangenheit und die Kultur des Landes. Es ist erfrischend mal wieder durch eine Stadt zu schlendern, die über mehrere Geschichtsepochen hinweg entstanden und in der diese Entwicklung auch heute noch ablesbar ist. Leider mangelt es oft an den finanziellen Mitteln um die aufwändig gestalteten historischen Bauten zu unterhalten, weshalb viele dem Zerfall preisgegeben sind. 1755 wurde Lissabon und die Umgebung von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Ein ganzer Stadtteil wurde dem Erdboden gleichgemacht und in der Folge in Rasterstruktur neu errichtet.
Am Dienstag, dem 2. Oktober 2007, verlassen wir Lissabon westwärts. Die bevorstehenden Tage bis nach Coimbra widmen wir zu einem grossen Teil der Besichtigung von kulturhistorisch bedeutungsvollen Bauwerken. In Belem – einem am Tejo gelegenen Stadtteil Lissabons – besuchen wir das "Mosteiro dos Jeronimos" (Hieronimus-Kloster). Eine Anlage, die aus dem Zeitalter der Entdeckungen stammt. Hier lernen wir auch den manuelinischen Baustil kennen – Gotik in der Grundstruktur, angereichert mit Elementen aus der Seefahrt und den Kolonien. Weltkugeln, Schiffstaue und Ananas zieren hier Säulen und Torbögen. Via Sintra und Mafra erreichen wir den Küstenort Peniche. Die Veloetappen fallen kurz aus. In und um Sintra besichtigen wir die ehemalige königliche Sommerresidenz, sowie einen Adels-Landsitz mit prächtiger Gartenanlage. Der gigantische barocke Königspalast in Mafra mit 880 Räumen, einer Kapelle in den Dimensionen einer Kathedrale, sowie integriertem Kloster, ist ein Paradebeispiel für den damals vorherrschenden Überschwang und Grössenwahn der amtierenden Herrscher. Obidos, Alcobaça und Batalha sind weitere Zwischenstationen auf unserem Weg nach Leiria. Nach Möglichkeit meiden wir grössere Strassen und so erleben wir Portugal als ausgesprochen hügelreiches Land. Auch stimmen unsere drei (!) Strassenkarten weder untereinander noch mit der Realität überein, so dass es vorkommt, dass wir plötzlich auf einer – wenn auch äusserst spärlich befahrenen – Autobahn landen. Tja, und so schliessen wir halt Bekanntschaft mit einem portugiesischen Ordnungshüter ... :o) Eine Woche nachdem wir Lissabon verlassen haben erreichen wir die Universitätsstadt Coimbra, die am Rio Mondego liegt und wo wir einen Ruhetag einlegen. Natürlich besuchen wir auch das im Zentrum der Stadt auf einem Hügel gelegene Viertel der Universität, deren Anfänge bis ins 12.Jh. zurückreichen. Wir geniessen das lebhafte Treiben in den schattigen engen Gassen der Altstadt, die Strassencafes, das ganze südländische Ambiente. Obwohl wir problemlos noch mehr Zeit in Coimbra verbringen könnten, ziehen wir am 11. Oktober weiter in Richtung Osten – nach so viel Kultur zieht es uns wieder hinaus in die Natur. Wir möchten gerne ein paar Tage im Nationalpark "Serra da Estrela" verbringen. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich, führt anfänglich entlang eines Flusses durch ein enges Tal. Danach begleiten Kork- und Steineichen, Kastanien, Eucalyptus, Föhren, Ginster, Erika und Farn unseren Weg. Bei herrlichem Herbstwetter pedalen wir ununterbrochen Hügel rauf, Hügel runter. Wir passieren viele entlegene Dörfer, die noch als intakte Einheit erscheinen. Die Gegend ist reich an Granit und so wurde dieses Gestein auch als Baumateriel eingesetzt. Zunehmend wird die Umgebung karger und die Strasse führt kontinuierlich steil bergwärts. Schafe und Ziegen grasen die unwirtliche Landschaft ab – Käseproduktion ist eine der Haupteinnahmequellen in den wenigen Bergdörfern. Wir haben die Topographie unterschätzt, schaffen es nicht mehr das ursprünglich gesetzte Tagesziel zu erreichen. Bis auf 1'670m.ü.M. haben wir uns hochgekämpft. Wir finden einen sehr schön gelegenen Platz zum wild zelten; zwischen flachen Granitblöcken und Büschen – mit grandioser Aussicht auf die hügelige Landschaft unter uns. Nach den letzten Sonnenstrahlen wird es frisch und nachts ist es empfindlich kalt. Am nächsten Morgen nehmen wir die verbleibenden Höhenmeter unter die Räder. Die Passhöhe liegt nur 60m tiefer als der Gipfel des "Torre" – der mit 1'993m.ü.M. höchste Berg des Landes. Eine gewaltige Abfahrt hinunter nach Manteigas steht uns bevor, auf der wir 1'100 Höhenmeter vernichten dürfen. Es ist Samstag, der 13. Oktober, und offensichtlich nicht nur in der Schweiz ein beliebtes Hochzeitsdatum – Herzliche Grüsse nach Sursee :o)... Pic-Nic mampfend sitzen wir an der Sonne auf dem Platz neben der Kirche und haben die reinste Modeschau vor Augen. Mit einem Reis- und Rosenblätterregen wird das frisch getraute Paar empfangen und ins Eheleben entlassen. Anhand unserer – neu erstandenen – Karte ist nicht erkennbar, dass Manteigas in einem "Kessel" liegt und so entpuppt sich die "geniale Haarnadelkurvenabfahrt" , auf die wir uns schon lange gefreut haben, als eine ebenfalls wunderbare aber happige Haarnadelkurvenauffahrt :o)... In Gouveia, wo wir am Abend einrollen, beziehen wir gleich ein schmales dreistöckiges Ferienhäuschen im alten Dorfkern. Anstelle von Manicure und Pedicure gibts Füdlicure – wir müssen halt Prioritäten setzen – denn in den vergangenen drei Tagen haben wir knapp 4'000 Höhenmeter zurückgelegt. In Viseu legen wir einen Ruhetag ein und setzen unsere Reise dann nordwärts fort in Richtung Douro-Tal. Ein weiterer landschaftlich äusserst reizvoller Reiseabschnitt steht uns bevor: das Anbaugebiet des Portweins. Von Lamego aus gelangen wir via Peso da Regua an den Douro, dem wir flussaufwärts bis nach Pinhao folgen. Hier wechseln wir rüber auf die andere Flussseite. Alijo, Alfandega da Fe und Mogadouro sind unsere jeweiligen Übernachtungsorte, bis wir am 20. Oktober den Grenzort Miranda do Douro erreichen. Der Herbst ist eine hervorragende Jahreszeit um diese Gegend zu bereisen, denn die Reben, die diese hügelreiche mit Schiefersteinen terrassierte Topographie überziehen, leuchten in der Sonne in kräftigem Rot und Orange. Die Weinlese ist vorüber; hin und wieder begegnen wir einem Traubentransporter auf den wenig befahrenen Strassen, die zwischen den Rebbergen verlaufen. Sandeman, Croft, Taylor's – grosse Tafeln mit den Namen der Porto-Winzereien sind schon von Weitem an den Hängen erkennbar. Das Erbe der Engländer ist nicht zu übersehen: Damit der Rebsaft auf langen Schiffsreisen nicht sauer wurde, haben sie Ende 17.Jh. begonnen, ihn mit Branntwein zu versetzen. Bei Mirando do Douro überqueren wir den Douro abermals, der nun Duero heisst, denn fortan befinden wir uns in spanischem Hoheitsgebiet. Auch hier ziehen wir es vor Nebenstrassen zu folgen, die uns durch eine ebenfalls hügelige aber viel kargere Landschaft führen. Die spanischen Dörfer in dieser Region sind weniger ursprünglich als jene im Nachbarland. Am Dienstag, dem 23. Oktober, steuern wir von Benavente nach Leon. Noch 80km trennen uns von unserem Treffpunkt mit Urs und Lukas. Ob sie wohl schon eingetroffen sind? Als wir losradeln herrschen kalte 9°C und es regnet. Während drei Wochen hat uns das Wetter nur so verwöhnt und ausgerechnet heute... Warm eingepackt pedalen wir los. Mehrere Male müssen wir an diesem Tag unsere Fahrt unterbrechen und unterstehen – es scheint uns, als kämen wir nicht vom Fleck! Um 18.00 Uhr haben wir uns vor der Kathedrale verabredet – noch eine Stunde bleibt uns. Etwas widerwillig trotten wir aus dem Schutz der Tankstelle hervor – "Gring abe u strample"... :o) Pünklich mit dem sechs Uhr Glockenschlag – Ehrensache halt – rollen wir triefend nass auf dem Platz der Kathedrale ein, wo Urs und Lukas auch schon auf uns warten und uns freudig empfangen. Genau ein Jahr ist es her, dass Urs uns in China besucht hat; Lukas haben wir seit unserer Abreise vor mehr als zwei Jahren nicht mehr gesehen. Die Wiedersehensfreude ist riesig, viel haben wir uns zu erzählen und im Hotel haben uns die beiden einen Schämpis-Empfang vorbereitet. Ein Gabentempel mit diversen Geschenken kulinarischer Art erwartet uns, sowie Literatur in Form der aktuellsten CH-Tagespresse und Landkarten von Frankreich und der Schweiz; letzteres damit wir auch sicher den Weg nach Hause finden. In Leon legen wir einen Ruhetag ein, den wir beide bitter nötig haben, denn der Letzte liegt neun Tage zurück. Wir stillen unseren Kultur-, Shopping- und anderen Hunger... Die Strecke von Leon nach Pamplona, die wir in den kommenden Tagen gemeinsam zurücklegen werden, verläuft teilweise auf dem Pilgerweg, der nach Santiago de Compostela führt und sich in der nordwestlichen Ecke Spaniens befindet. Dass wir – als Teil unserer Heimreise – von West nach Ost fahren scheint für uns logisch zu sein. Nicht so für viele hilfsbereite Einheimische: Wild gestikulierende Automobilisten oder Fussgänger, die uns vom Strassenrand her zurufen und uns darauf aufmerksam machen, dass wir in die falsche Richtung fahren würden... Ja, hier sind wir eindeutig verkehrt herum unterwegs :o). Obwohl das Thermometer in diesen Tagen durchschnittlich 13°C anzeigt, sind noch erstaunlich viele Pilger unterwegs. Nicht wenigen sind die Qualen anzusehen, die sie durchstehen – die Füsse voller Blasen... Nicht nur religiöse, sondern auch spirituelle und vermehrt sportliche Gründe motivieren die Leute, diese Strapazen auf sich zu nehmen und dem mit der Venusmuschel (Jakobsmuschel) gekennzeichneten "Camino de Santiago" zu folgen. Bis nach Burgos führt unsere Route durch überwiegend flache Gegend, manchmal auch über längere Distanz über Schotter. Das Wetter ist auf unserer Seite und so geniessen wir unser reichhaltiges Pic-Nic mit Käse, Chorizo, Oliven, Früchten, Brot und Süssgebäck immer auf irgendeinem Dorfplatz. Ab Burgos, wo wir einen Ruhetag eingelegt haben, wird die Landschaft abwechslungsreicher: Mal durch Wälder, über Stoppelfelder, entlang von Flüssen, vermehrt hoch und runter, an Oliven- und Pappelhainen vorbei. In Agés übernachten wir in einer der vielen einfachen Pilgerunterkünfte, die es entlang des Weges gibt. Anja, unsere Gastgeberin, kann in ihrem kleinen Massenlager sieben Gäste beherbergen. Sie bewohnt ein kleines uraltes Bauernhaus mitten im Dorf; geheizt wird mit Brennholz. Nebst uns hat sich auch Birgit hier einquartiert, die den Pilgerweg schon zum zweiten Mal absolviert. Alle helfen mit bei der Zubereitung des Abendessens, das wir dann bei einem Glas Rotwein in der warmen urchigen Küche verschlingen. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Der Tag, an dem wir Agés verlassen, bildet den einzigen Regentag während dieser zwei Wochen. Die Region um Logroño umfasst das Anbaugebiet des Rioja. Eine fantastische farbenfrohe Hügellandschaft. Unzählige Äcker in den verschiedensten Brauntönen, Reben im gelb-orange-roten Herbstkleid in Reih und Glied. Gegen Norden sind die Montes Vascos (baskische Gebirge) zu erkennen. Von Estella aus brechen wir auf unsere letzte gemeinsame Etappe auf. Wenn sie auch nur gut 50km lang ist, wird sie doch zur Königsetappe. Wiederum haben wir grosses Glück und können bei fantastischem herbstlichem Sonnenwetter unterwegs sein. Bald schon steht uns ein langer kontinuierlicher Aufstieg durch den Wald bevor, bis wir auf 840m.ü.M. die Passhöhe des "Etxauri-Passes" erreichen. Mit einem grandiosen Blick hinunter nach Pamplona und nordostwärts zu den verschneiten Gipfeln der Pyrenäen, sowie natürlich – da macht jedes Radlerherz Freudensprünge – einer 8km Abfahrt, werden wir belohnt! Am Freitag, dem 2. November 2007 fahren wir in Pamplona ein, wo wir wegen des Feiertages nur mit grosser Mühe eine Unterkunft finden. Wir alle haben die Fahrt zu viert sehr genossen – viva la vuelta! – und am 4. November werden unsere beiden Mitstrampler die Rückkehr in die Schweiz antreten. Wir haben am TV die Wetterprognosen mitverfolgt und können in den kommenden Tagen mit nach wie vor sonnigem Wetter rechnen. Daher möchten wir Plan A durchziehen, und die Pyrenäen anpeilen, die wir zu überqueren beabsichtigen, bevor wir auf unsere Tour de France starten. Die Schweiz – oder treffender ausgedrückt – wir, rücken näher! Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie sehr wir uns aufs Wiedersehen mit Euch allen freuen. Viel Nachwuchs hats bei unseren lieben Daheimgebliebenen in der Zwischenzeit gegeben, den wir natürlich endlich kennenlernen möchten, sowie Veränderungen unterschiedlicher Art. Wir freuen uns unheimlich auf Euch und werden – wenn es das Wetter zulässt, zum Abschluss auch noch auf eine kleine Tour de Suisse starten. Lasst Euch überraschen :o) Tourenstatistik:
Sabine & Roland, 03.11.2007 |
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| © pk&mk 04.11.2007 | |||