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Safari-SalamaReisebericht 23 vom 16.09. - 28.09.2007Kapstadt - Lissabon mit dem Frachtschiff DAL EAST LONDON |
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Nachdem wir am Samstag Abend, dem 15. September 2007, vergebens zum Hafen geradelt sind – die DAL EAST LONDON warte noch auf einen Anlegeplatz und liege vor der Küste Kapstadts vor Anker – pedalen wir etwas enttäuscht zurück zu unserem Guesthouse, wo wir uns im letzten noch freien Zimmer für eine Nacht einquartieren können. Hoffentlich klappts morgen – wir freuen uns so auf die bevorstehende Zeit auf dem Schiff! In der Nacht hat es geregnet. Als wir um 6.15 Uhr aufbrechen, können wir zum Glück bei Trockenheit losfahren. Es ist noch dunkel, die Strassen haben wir für uns, es geht konstant abwärts. Wir gelangen zum Tor des Hafenareals und müssen die Hafenbecken grossräumig umfahren, bis wir nach mehreren Kilometern Punkt 7 Uhr den Container-Terminal erreichen. Mit unserem Dokumentenstapel und den Pässen begibt sich Roland zur Reception, von wo aus man ihn weiterschickt. Eine halbe Ewigkeit dauert es, bis er endlich mit einem "bewarnwesteten" Angestellten auftaucht. Es scheint niemand für uns zuständig zu sein; keiner weiss etwas von uns und nachdem Roland den MAERSK-Angestellten aufgeklärt hat, dass gewisse Containerschiffe auch Passagiere transportieren und MAERSK unser "Ansprechpartner vor Ort sei", erbarmt sich der Logistiker unserer doch noch. Als wir ihm die Kontakt-Adresse unterbreiten, staunt er nicht schlecht, dass er für uns verantwortlich sein soll. Wir folgen ihm also ins Grossraumbüro, wo er sogleich eine Serie von Telefonaten startet. Nachdem wir bei der Immigration unsere Pässe haben "Ausreise-Stempeln-lassen", werden wir zum Dock eskortiert. Auf dem Hafenareal herrscht Hochbetrieb: gigantische Stapelfahrzeuge verschieben Container von A nach B, gewaltige Krane mit Laufkatzen rollen entlang der Kante des Hafenbeckens, wo sie unaufhörlich die vor Anker liegenden Frachter beladen. Ein logistisch perfekt ausgeklügeltes Chaos – jeder Container landet auf dem ihm eigens zugewiesenen Platz. Wir erreichen den Anlegeplatz unseres Frachtschiffs: DAL EAST LONDON – MONROVIA prangt in grossen Lettern am Heck – unser Zuhause für die nächsten zwei Wochen! Der Agent übergibt uns an die Crew, die sich sogleich um uns kümmert, die Velos verstaut und unsere Gepäckstücke ins sechs Stockwerke höher gelegene Deck E schleppt. Hier befindet sich unsere Kabine. Wow! Es ist lange her, seit wir derart luxuriös gehaust haben! Der 2.30m x 5.70m grosse Raum – Roland krabbelt zum Ausmessen mit einem A4-Blatt rum :o) – ist zweigeteilt in einen Schlaf- und einen Wohnbereich. Doppelbett mit Schrank, Pult, Sofa, Tisch, Stühle, Kühlschrank, TV und Radio bilden das Inventar. Ebenfalls haben wir ein Privatbad mit Dusche, WC und Lavabo zur Verfügung. Alles vom Feinsten – das Schiff ist erst seit 2006 im Verkehr. Die drei Fenster unserer Kabine sind in Richtung Bug ausgerichtet, sodass wir immer schön unsere Fracht überblicken können. Ja, uns gefällt's hier auf Anhieb! Nach der Kaffeepause begeben wir uns auf Deck G – dort befindet sich die Brücke; das Cockpit des Frachters. Von hier aus schauen wir zu, wie unser Kahn "gelöscht" – in diesem Fall beladen – wird. Ohne Ende schweben Container an uns vorbei, die im Bauch des Schiffes verstaut werden. Der Logistiker im Terminal und unser 1. Offizier im Bord-Büro überwachen den Ladevorgang an ihren Bildschirmen. Auch der Kranführer stapelt computerunterstützt. Einerseits wird nach Destination gestapelt, andererseits soll die ganze Fracht gewichtsmässig ausgeglichen verteilt sein; sonst gehen wir schwimmen :o). Die Bildschirmoberfläche zeigt mehrere Querschnitte durchs Schiff an: rote, blaue, grüne Quadrate unterschiedlich hoch aufgetürmt – wie ein Logik-Rätsel. Um 17.00 Uhr sollen wir auslaufen. Bald zeichnet sich ab, dass das nicht realistisch ist. Die Abfahrt wird auf 22.00 Uhr verschoben. Kapstadt hat die Lichter angemacht, die Umrisse des Table Mountains sind in der Dunkelheit nur noch schwach zu erkennen, der Himmel ist klar und die Temperaturen sind mild. Wir stehen wieder auf der Brücke. Auch um 22.00 Uhr ist der Ladevorgang noch nicht abgeschlossen. Obwohl Scheinwerfer das Frachtdeck vollflächig ausleuchten, muss der Kranführer anspruchsvolle Arbeit leisten. Aus einer Höhe von 40m platziert er präzise die tonnenschwere schwebende Last. Jede Bewegung kostet – da darf man sich keine Fehler erlauben. Als wir am nächsten Morgen aus unserem Bullauge blicken, fliegen noch immer Container an unserer Nase vorbei. Nach dem Z'morge, welches uns in der Offiziersmesse auf dem sogenannten Poopdeck serviert wird, klettern wir wieder 7 Stockwerke hoch zur Brücke. Im Hafenbecken tümmeln sich Seelöwen und wir sehen zu, wie andere Frachtkähne herausgelotst und Schiffe, die vor der Küste auf einen freien Anlegeplatz warten mussten, in den Hafen rein gelotst werden. Um 09.00 Uhr soll es auch bei uns losgehen! Die Kräne stehen mittlerweile still. Wir überblicken unsere Fracht und stellen fest, dass der eine Container nicht korrekt mit dem darunterliegenden verzahnt ist. Ob wir das wohl melden sollen? Na ja, kann wohl nichts schaden... Und so informieren wir den Offizier, der auf der Brücke Wache hält. Dieser Hinweis hat zur Folge, dass sich der herbeigerufene Captain weigert, loszufahren, solange der Container nicht fachgerecht platziert ist. Funk und Telefonate mit dem Terminal hin und her. Nein, mit Spanngurten geht's auch nicht; es muss wieder ein Kran her! Macht nochmals US$ 200.-! Danach ist es endlich soweit: um 11.00 Uhr lösen unsere Matrosen die oberarmdicken Schiffstaue! Wir legen ab auf unsere Nonstoppfahrt nach Lissabon, die voraussichtlich 15 Tage dauern wird. Unglaublich, wir lassen einen riesigen Kontinenten einfach rechts liegen, ohne anzulegen! Man kann die Tatsache, dass Afrika immer noch nicht richtig im Welthandel Fuss fassen konnte, wohl kaum bildhafter darstellen... Obwohl die DAL EAST LONDON acht Passagiere befördern könnte, sind wir die einzigen Gäste an Bord. Die Crew besteht aus 18 Männern: Captain, 1., 2. und 3. Offizier, Chief-Engineer, 2. und 3. Engineer, Elektriker, Koch, Steward, sowie acht Matrosen mit unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen. Der Captain und der Elektriker sind Russen, der Chief-Engineer ist Deutscher, der 2. Engineer ist aus der Ukraine. Die restlichen Besatzungsmitglieder sind Philippinos. Ein richtiges Multikulti-Schiff – wir fühlen uns sofort wohl! Es geht hier sehr gesittet zu und her, alles ist tadellos sauber, jede Person hat ihre eigene Kabine mit Privatdusche. Die DAL EAST LONDON gehört zur Flotte der Reederei Helle Ritscher in Hamburg, fährt aus steuertechnischen Gründen unter liberischer Flagge – Hauptstadt Monrovia. DAL steht für Deutsche Afrika Linien. Mit einer Länge von 179m und einer Breite von 28m ist die DAL EAST LONDON ein mittelgrosses Frachtschiff. Von Kiel bis Radar beträgt die Höhe 46m; bei einem Tiefgang von 11m. Die maximale Leistung des Motors beträgt 16'980KW, was 22'770PS entspricht. Leer wiegt der Frachter 8'400 Tonnen. 16'500 Tonnen Cargo können geladen werden. Knapp 1'200 Tonnen Schweröl – in einer Zeitspanne von 24 Stunden verbrennen wir 70 Tonnen! – ermöglichen uns das Vorwärtskommen. Ebenfalls können der Boden und die Schiffswände mit bis zu 3'350 Tonnen Ballastwasser gefüllt werden, die stabilisierend wirken. Obwohl wir mit 760 Containern nur zur Hälfte beladen sind, haben wir gewichtsmässig das obere Limit erreicht. Wir befördern mehrheitlich Äpfel, Zitrusfrüchte und tiefgefrorenes Fleisch. Viele Container sind Kühlcontainer, deren Temperatur täglich überprüft werden muss. Im Schnitt sind wir mit 19.8 Knoten unterwegs, was knapp 40km/h entspricht. So legen wir in 24 Stunden 475 Seemeilen zurück – eine Strecke von ca. 900km. Die See ist überwiegend ruhig, und so hat Roland nur einmal die WC-Schüssel innigst umarmt. Das war am Tag als wir ausgelaufen sind. Zwischen Durban und Kapstadt ist das Meer immer sehr unruhig, was auch wir zu spüren bekommen haben. Europa empfängt uns leicht stürmisch – Sabine verzichtet aufs z'Nacht... So ne Seefahrt, die ist lustig, so ne Seefahrt, die ist schön... :o/ Von wegen eine Frachtschiffreise sei langweilig... Viel Zeit verbringen wir auf der Brücke, wo wir uns die Navigationsgeräte erklären lassen, auf dem Radarbildschirm nach anderen Schiffen Ausschau halten und diese identifizieren, Seekarten lesen und interpretieren. Heute läuft alles elektronisch. Ausser im Maschinenraum können wir uns auf dem ganzen Schiff frei bewegen. Der Koch freut sich auch immer, wenn wir ihn in der Kombüse besuchen und ihm beim Zubereiten der Mahlzeiten behilflich sind. So wurde auch die Geburtstagstorte für den Captain ein Gemeinschaftswerk. Essen tun wir hier immer ausgezeichnet. Kaum zu glauben, wie es der Koch bei einem Tagesbudget von Euro 4.- pro Person schafft, uns solch abwechslungsreiche Menus aufzutischen. Auch darf natürlich die Grillparty auf dem Deck am Samstagabend nicht fehlen. Velounterhalt erledigen wir ebenfalls auf dem Deck. Sportliche Abwechslung gibts bei Ping-Pong oder mittels Hometrainer im Fitnessraum oder im schiffseigenen Minipool auf Deck B. Natürlich kommen wir auch viel zum Lesen, und dazu unsere verbleibende Reise durch Portugal, Spanien und Frankreich zu planen. Am Freitag abend, dem 28. September, legen wir nach 12 Tagen auf See im Hafen von Lissabon an. Bei angenehmen Temperaturen und sonnigem Wetter setzen wir Fuss auf die iberische Halbinsel. Gemischte Gefühle machen sich in uns breit. Plötzlich scheint alles so schnell zu gehen... Ursprünglich hätten wir noch eine Nacht auf dem Schiff verbringen können, sollen dieses nun jedoch früher als geplant verlassen, da die Zollbehörde an Wochenenden nicht arbeitet und der Schalter in einer Stunde schliesst... Und so müssen wir in aller Eile unseren Karsumpel zusammenpacken und uns von der Crew verabschieden. Dabei hat der Koch gerade einen Abschiedskuchen in den Ofen geschoben... Bei einsetzender Dunkelheit begeben wir uns ins Stadtzentrum, wo wir nach mehrmaligem Suchen auch eine einfache, schöne und zentral gelegene Unterkunft finden. Die nächsten drei Tage werden wir also in Lissabon verbringen, bevor wir unseren letzten Reise-Abschnitt antreten. Am 22. Oktober treffen wir Urs und Lukas in Leon (Spanien), die uns für zwei Wochen per Velo begleiten werden. Tourenstatistik:
Sabine & Roland, 28.09.2007 |
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| © pk&mk 30.09.2007 | |||