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Safari-SalamaReisebericht 22 vom 22.07. - 15.09.2007Windhoek - Keetmanshoop - Fish River Canyon - Springbok - Clanwilliam - Elands Bay - Kapstadt |
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Obwohl wir uns - was die Strecke per Fahrrad betrifft - für eine Routenänderung entschieden haben, möchten wir uns einige Highlights dieses Wüstenlands Namibia nicht entgehen lassen. Daher mieten wir am 23. Juli 2007 für fünf Tage ein Auto. Wir verlassen Windhoek in südwestlicher Richtung und erreichen nach 8km die C26 - eine der Haupt-Schotterpisten. Die Landschaft ist gebirgig und die Strasse führt über unzählige Hügel. Die Piste besteht mehrheitlich aus Wellblech und gröberen Steinen; wir sind froh, sind wir nicht per Velo unterwegs. Manchmal holpern wir mit nur 40km/h durch die Gegend; wollen keinen Platten einfangen in dieser Abgeschiedenheit. Wir fahren über den Kupferberg-Pass; tatsächlich sind wir von rötlichen Felsen umgeben. Auf dem steinigen Untergrund wächst goldgelbes Gras. Das Sonnenlicht ist - wie immer tagsüber - sehr grell und intensiv, sodass die Farben nur am frühen Morgen oder in der Abendsonne so richtig schön zur Geltung kommen. Paviane überqueren die Fahrbahn und wir sehen viele Dorf-Nester der Weber-Vögel; riesige Strohknäuel mit unzähligen Einfluglöchern auf der Unterseite, die ausladend an den stachligen Ästen der Kameldorn-Akazien hängen. Mit grosser Ausdauer und mit akribischer Präzision werden diese Behausungen der unscheinbaren spatzengrossen Bewohner kontinuierlich erweitert. Nicht selten brechen die Äste unter der Last des Nestes ab; bis zu 100 Jahre Web-Arbeit werden so mit einem Schlag vernichtet. Mit Bewunderung schauen wir diesen flinken Baumeistern zu. Die Hakos-Berge zu unserer Rechten erreichen wir den Gamsberg-Pass, der auf etwa 1'800m.ü.M. liegt. Der Wind bläst heftig und so verzehren wir unser Pic-Nic im Auto; unter uns stehen Tafelberg-Ketten in der flachen Steinlandschaft. Unterwegs beobachten wir am Wegrand einen Kudubock mit zwei Weibchen und drei Kälbern. Ein Südafrikaner, der uns vorher überholt hat, ist extra umgekehrt, um uns auf die Tiere aufmerksam zu machen. Beim Gaub-Pass, dem dritten "Pass" an diesem Tag, handelt es sich eher um ein trockenes Flussbett als um eine Erhebung. Es ist bereits nach 16.00 Uhr, als wir in Solitaire ankommen und gleich die Gelegenheit nutzen, um den Tank wieder zu füllen. Sesriem - unser ursprüngliches Ziel - würden wir nicht mehr bei Tag erreichen. Zu schlecht war die Strasse, sodass wir langsamer vorwärts gekommen sind als geplant. Und so schlagen wir hier auf dem Camping unser Zelt auf. Wer Sossusvlei, die imposanten Sanddünen westlich von Sesriem, bei idealen Lichtverhältnissen bestaunen will, muss Sesriem am frühen Morgen verlassen. Da wir den Ort am Tag zuvor nicht mehr erreichen konnten, beschliessen wir, vorerst den Naukluft Mountain Nationalpark zu besuchen. Namibia, das trockenste afrikanische Land südlich der Sahara, umfasst die mit 130 Mio. Jahren älteste Wüste der Welt. Die aride Topographie lässt sich grob gesagt in fünf Landschaftsräume unterteilen: die Kalahari-Wüste entlang der Grenzen zu Botswana und Südafrika, das verhältnismässig dicht bewaldete sogenannte Bushfeld in den Regionen Kavango und Caprivi im Norden und Nordosten des Landes, das zentrale Hochland mit den charakteristischen Tafelbergen, die auch Inselberge genannt werden, die ausgeprägte Dünenlandschaft im Bereich der Skelettküste, welche nur mit Spezialbewilligung zugänglich ist und den Nordwesten Namibias bildet, sowie die Namib-Wüste und die Ebenen entlang der Küste, die für den Westen und Südwesten des Landes typisch sind. Der Namib Naukluft Park umfasst das Gebiet zwischen Swakopmund und Lüderitz und weist fast durchgehend eine Breite von 150km auf. Mit insgesamt 50'000km² - bestehend aus Wüste, Halbwüste und Dünenlandschaft - ist er einer der weltweit grössten Nationalparks. Auch die Naukluftberge, ein Wanderparadies zwischen Sesriem, Büllsport und Solitaire gelegen, sind Teil dieses Naturschutzgebiets. Um 07.00 Uhr verlassen wir Solitaire also in Richtung Naukluft Mountain Park. Drei Stunden später stehen wir auch schon am Ausgangspunkt unserer Wanderung: Wanderschuhe montiert, Rucksack gepackt und 4.5 Liter Wasser aufgeladen. Wir entscheiden uns, die eine der beiden Tagestouren unter die Füsse zu nehmen; 17km und 6-7 Stunden reine Marschzeit. Um es gleich vorweg zu nehmen: Was wir auf dieser, wenn auch teilweise anstrengenden Wanderung erleben, gehört zum Schönsten unseres bisherigen Afrika-Aufenthalts. Der Weg führt uns durch trockene steinige Flussbette, an steilen Felswänden vorbei, durch Tuftlandschaft, durch die kleine Flüsse fliessen und in denen sich Pools mit verschiedenartigen Wasserpflanzen gebildet haben. Zum ersten Mal, seitdem wir vor zwei Monaten den Okavango verlassen haben, stehen wir wieder an einem fliessenden Gewässer! Ein wahres Paradies auf Erden! Klippschliefer, wie eine Kreuzung aus Meerschweinchen und Murmeli ("Murschweinchen", "Meermeli" ) sehen wir und viele Paviane. Der Weg ist fast durchgehend gut markiert, sodass wir uns nur selten verlaufen. Wir sehen Köcherbäume, kommen an Schilf und Kakteen vorbei. Ein steiler Aufstieg führt uns auf die höchste Stelle der Wanderung auf 1'910m.ü.M., von wo aus wir eine wunderbare Aussicht auf die felsige Landschaft in der Ebene geniessen. Nudelfertig, aber um viele schöne Eindrücke reicher, erreichen wir pünktlich zum Sonnenuntergang nach 7 Stunden unser Camp. Tagsdarauf fahren wir nach Sesriem, wo wir uns den Sesriem Canyon anschauen. Eine schmale Schlucht - beidseitig durch hohe zerklüftete Nagelfluhfelsen begrenzt - zerschneidet die endlose Steinwüste. Am Morgen des 26. Juli 2007 rasselt der Wecker schon um 05.00 Uhr. Nur ungern kriechen wir aus dem Schlafsack, denn das Thermometer zeigt kalte 3°C an. Dreiviertel Stunden später stehen wir in völliger Dunkelheit mit unzähligen anderen Autos Schlange und warten darauf, dass das Tor geöffnet wird. 65km auf neu asphaltierter Strasse trennen uns noch von den gewaltigen Sanddünen von Sossusvlei. Die Morgendämmerung setzt langsam ein; es herrscht eine ganz spezielle Stimmung. Wir fahren durch eine mit gelbem Gras bewachsene Ebene, die beidseitig von hohen Sanddünen gefasst ist. Am Ausgangspunkt angekommen, herrschen noch immer 5°C. Der Wind weht heftig, aber die ersten wärmenden Sonnenstrahlen lassen nicht mehr lange auf sich warten. Wir machen uns auf, die mit 300m höchste der umliegenden Dünen zu erklimmen. Zwei Schritte vor, einer zurück :o). Die anfänglich noch intensiv rot leuchtenden Sanddünen gehen bald in einen orange-rosa Ton über und die tief stehende Sonne wirft lange Schatten. Die einzigartige Dünenlandschaft kommt so wunderbar zur Geltung: scharfe Grate, sanft geschwungene Formen, vom Wind zu Wellen verwehte Verfrachtungen, eigenartige Formationen. Ein Blick in die Ferne: Dünen bis zum Horizont und weit und breit kein Meer. Nachdem wir für den Aufstieg eine ganze Stunde gebraucht haben, bringen wir den Abstieg im Nu hinter uns. Als würde man durch knietiefen Neuschnee rennen! Unter uns liegt die weisse ausgetrocknete Salzpfanne des Dead Vlei. Bizarr stehende tote Bäume auf der blendend weissen Ebene, deren Oberfläche aufgrund der Hitze und Trockenheit in unzählige Fragmente zerteilt ist. Roland fotographiert und fotographiert und fotographiert :o). Bei fantastischem Abendlicht fahren wir zurück nach Sesriem. Am nächsten Tag gehts über den Remhoogte-Pass nach Rehoboth und von dort zurück in die Hauptstadt Windhoek. Wir sind derzeit in einem etwas ungeschickten Rhythmus: Es ist immer Wochenende, wenn wir eine Stadt erreichen, was ungünstig ist um unsere "to do"-Liste abzuarbeiten. Nachdem Roland am Samstag keinen Erfolg hatte, macht er sich am Montag nochmals auf die Suche nach einem 28"-Ersatzpneu für sein Rad. Beim letzten der vier Veloläden - und nachdem er auch schon alle Hardware-Shops abgeklappert hat - wird er fündig und ersteht einen der drei einzigen 28"-Pneus, die es in ganz Namibia gibt! Dieser ist zwar noch schmaler als die bisherigen, aber schliesslich besser als gar nichts. Ebenfalls muss Ersatz her für unsere Exped-Luftmatratzen, die mittlerweile grossflächig entlang der Schweissnähte lecken und auch die inneren Kammerunterteilungen sind aufgeplatzt, sodass die Matratzen allmählich zu Riesenwürsten mutieren :o). Ideal für "e tüüfe, gsunde Schlaf" - Y wet y hätt es happy Bett! Die Ersatz-Matratzen, die uns Exped per UPS nach Tsumeb hat schicken lassen, haben wir nie zu Gesicht bekommen... Fortan müssen wir uns mit zwei "kuschelig weichen" 12mm-Schaumstoff-Matten begnügen, die Sabine noch zusätzlich auf ihre Hintertaschen schnallt - sieht aus wie zwei Triebwerke! Am Dienstag, dem 31. Juli 2007 verlassen wir Windhoek und folgen der ebenfalls nur spärlich befahrenen asphaltierten Hauptstrasse bis nach Rehoboth. Via Kalkrand erreichen wir zwei Tage später Mariental. Obwohl Sabine am 1. August aus voller Kehle unsere Herz-Schmerz-Hymne in die Wüste hinaus posaunt, kommt hier kein wirklich urchiges Hardcore-Rütli-Feeling auf. Es wäre ja schon einiges besser gewesen, hätte Roland sich nicht standhaft geweigert unser Fähnli zu schwingen, aber eben... Berechtigte Zweifel kommen auf, ob er auch wirklich ein echter Innerschweizer ist :o). Bis nach Mariental ist der Wind auf unserer Seite und wir können vom hervorragenden Rückenwind profitieren. Der 3. August 2007, der Tag an dem wir Mariental verlassen, bildet den Anfang einer mehrere Tage anhaltenden Kaltfront. Bei unangenehmen 5°C starten wir um 07.45 Uhr in Richtung Keetmanshoop - den 240km entfernt gelegenen Hauptort des Südens. Zwei Tage planen wir für diese Strecke ein. Während des ganzen Tages bläst uns der kalte Wind heftig aus Süden und Südosten entgegen. Das schlägt auf die Psyche. Und obwohl wir uns am Abend auf geringerer Höhe befinden, haben wir den Eindruck, als wären wir den ganzen Tag bergwärts gefahren. Wie bei M. C. Eschers Trugbildern. Nach 100km erreichen wir Asab - eine schwarze Farm, die einen sehr heruntergekommenen Eindruck macht. Es ist noch zu früh, um uns hier niederzulassen, sonst müssen wir morgen 140km bewältigen. Wir fahren weiter; treten kräftig in die Pedale. Links Steinwüste, rechts Steinwüste... und immer dieser konstante Wind! Unsere verbleibenden Wasserreserven lassen es nicht zu, dass wir wild campieren. Und so rollen wir - mit den letzten Sonnenstrahlen und nach 153 kräfteraubenden Kilometern - erschöpft in der kleinen Ortschaft Tses ein. Die Siedlung besteht fast ausschliesslich aus Hütten, die aus Recycling-Materialien zusammengebaut wurden. Bei einem der besseren Steinhäuser erkundigen wir uns, ob es im Ort eine Übernachtungsmöglichkeit gäbe. Da es hier weder einen Camping geschweige denn ein Guesthouse hat, begleitet uns die Frau zur katholischen Missions-Kirche mit angegliederter Internats-Schule. Hier könne man uns sicher weiterhelfen. Im Nu sind wir von gegen 80 Kindern umringt, die freudig vor, hinter und neben uns herrennen, als wir bei Dunkelheit auf dem staubigen Areal einfahren. Was für ein Empfang! Wir haben aber kein Glück und werden abgewiesen... Uns kommt die Weihnachtsgeschichte in den Sinn :o( ... und so bietet uns die hilfsbereite Frau kurzerhand ein bescheidenes Zimmer mit Doppelbett an, das auf dem Gelände hinter ihrem Haus steht. Im Hof streunen fünf Hunde umher und als wir unsere Velos entladen wollen, wird Roland doch tatsächlich vom einen Köter in die Wade gebissen! Auch das noch! Das ging unheimlich schnell. Zwei blutige Wunden sind die Folge, was ziemlich schmerzhaft ist. Uns schwant Schlimmeres: Was, wenn das Tier tollwütig ist? Obwohl die Frau beteuert, dass der Hund geimpft sei, sind wir skeptisch. Vorerst desinfizieren wir die Wunde und sind froh, dass wir uns vor der Abreise präventiv gegen diese tödliche Krankheit haben impfen lassen. So bleibt uns jetzt etwas mehr Zeit, um einen Arzt aufzusuchen. Nach einer erholsamen Nacht schwingen wir uns am Morgen auf die Räder und rollen am Samstag, dem 4. August 2007, in Keetmanshoop ein. Der riesige Spitalkomplex thront ausserhalb der Ortschaft auf einer Erhebung und ist schon von weitem erkennbar. Ein Spital mitten in der Wüste! Das staatliche Krankenhaus macht soweit einen guten Eindruck. Mit Impfausweis bewaffnet, begibt sich Roland zum Empfang. 20 N$ Behandlungsgebühr muss er entrichten, was knapp 4 CHF oder dem Gegenwert von vier Flaschen Bier entspricht. Unter der Woche kostet es 8 N$. Danach erfährt er, dass an Wochenenden keine Ärzte im Spital seien. Ach so!?! Er hätte aber Glück, denn wegen eines Notfalls sei ein Arzt unterwegs hierher. Nach einiger Zeit ist Roland an der Reihe. Unsere vollbepackten Velos können wir in der "Spitallobby" parkieren; draussen lungern zuviele Leute herum, viele Aidspatienten - das ist nicht zu übersehen - manche im letzten Stadium ihrer Krankheit, bis auf die Knochen abgemagert. Ein Bild, das uns nachdenklich stimmt... Der behandelnde Arzt ist ukrainischer Herkunft - Namibia hat keine "eigenen" Ärzte. Bald stellt es sich heraus, dass der Mediziner wenig Erfahrung in der Behandlung von Tollwut hat; zumal wir präventiv geimpft sind. Das erstaunt nicht, denn wer impft sich hier schon vorsorglich gegen diese Krankheit, wenn die Leute nicht einmal Gebrauch machen von den Gratis-Kondomen, die vielerorts aufliegen um sich vor einer HIV-Ansteckung zu schützen...? Und so konsultiert der Arzt erst einmal ein medizinisches Kompendium, sowie den Beipackzettel eines Tollwut-Präparats. Er kommt zum Schluss, dass Roland drei mögliche Behandlungsarten zur "Auswahl" hat, die er uns kurz erläutert. Die eine, welche aus einer Sequenz von 5 Impfungen, verteilt auf 3 Monate, besteht, so klären wir den Mediziner auf, kommt jedoch nicht in Frage, da Roland bereits geimpft ist und uns der Impfarzt das seinerzeit so mitgeteilt hat. Bleibt also noch die Variante "Rosskur" mit sogenanntem Gamma Globulin, welche starke Nebenwirkungen auslösen kann, sodass Roland über Nacht zur Überwachung im Spital bleiben müsste. Das Brisante an dieser Variante ist, dass für Rolands Körpergewicht gar nicht genügend Impfstoff vorrätig ist und der Arzt die fehlende Dosis bei Privatärzten im Ort zusammenbetteln müsste. Aber auch die feiern ja jetzt alle Wochenend-Grillparty... Die 3. Möglichkeit - Variante "Softy" - sieht eine Spritze jetzt vor und eine in drei Wochen. Also von einem Architekten zu erwarten, dass er sich mit den Vor- und Nachteilen von "Gamma-Dingsbums intramuskulär" auskennt, ist in etwa so vermessen, wie wenn man einen Mediziner eine Wasserdampfdiffussionskurve durch ein mehrschichtiges Bauteil ermitteln lassen würde... Wir glotzen nur blöd. Und so rät Roland dem Arzt nach reichlicher Überlegung, ihm doch Variante "Softy" zu verordnen. Schliesslich hat er keine Lust auf Nebenwirkungen und zieht ein Hotelbett der Spitalpritsche vor... Wirklich kompetente Auskunft und die Bestätigung, dass wir richtig gepokert haben ( jupiduu, wir sind jetzt auch Ärzte :o) ) bekommen wir dann tagsdarauf - an einem Sonntag Abend! - per e-mail von Dr. Schmid, dem Apotheker der Seeapotheke in Luzern. Und so erfahren wir dann auch, dass die zweite Impfung nicht in 3 Wochen, sondern in 3 Tagen fällig ist... Von Keetmanshoop aus unternehmen wir einen Ausflug zum gut 20km entfernten Köcherbaumwald, wo wir die eigenartigen Aloe-Gewächse mit den sternförmigen Trieben bewundern können. Bis 300 Jahre alt werden diese anspruchslosen Pflanzen, die im südlichen Namibia und nordwestlichen Südafrika heimisch sind. Am Mittwoch, dem 8. August 2007, verlassen wir Keetmanshoop westwärts und erreichen im Verlaufe des Nachmittags Seeheim. Also, dass wir dort einzig und allein ein Hotel mit schäbigem Zeltplatz vorfinden, hätten wir nicht gerade erwartet. Wir kaufen der Hotelküche mal wieder ein Brot und 6 Eier ab... Zwei Schottertage später ereichen wir Hobas. Die Fahrt führt uns über längere Distanz entlang der Bahnlinie und hin und wieder tuckert sogar eine Zugskomposition mit Diesellok an uns vorbei. So langsam ist der Zug unterwegs, dass der Lokführer in seiner Kabine sogar die Zeitung lesen kann... Eine Herde von 18 Steppenzebras erspähen wir, sowie eine Gruppe von 8 Oryxen und viele Strausse, über die wir uns immer besonders amüsieren, weil sie so tuntenhaft davonrennen, kaum dass sie uns entdeckt haben. Obwohl wir ja schon öfters Wildlife ausserhalb von Parks bewundern konnten, freuen wir uns nach wie vor über jedes Tier, das uns begegnet. Hobas bildet den Ausgangspunkt, um zum 11km entfernten Fish River Canyon zu gelangen. Nach dem Grand Canyon in den USA, soll der Fish River Canyon der zweitgrösste der Welt sein. Auf ausgefahrener Piste kämpfen wir uns zum Aussichtspunkt hoch und werden einmal mehr belohnt. Der spektakuläre Canyon ist 160km lang und 270m tief. In engen Schlaufen hat sich der Fish River in die ebene Landschaft gefressen, was nun den Anschein macht als läge eine Riesenschlange mitten in der Wüste. In Grünau legen wir einen Ruhetag ein und verlassen den Ort am 13. August mit zusätzlich 4 Litern Wasser. Auf Asphalt ist unser Wasserkonsum zwar einiges geringer als auf Schotter und die Temperaturen erreichen derzeit maximal 18°C, aber wir vermuten, dass wir es nicht in einem Zug bis an die Grenze nach Noordoewer schaffen werden. Kalter Wind bläst uns von vorne und vorne seitlich entgegen, als wir uns durch die weitläufige Steinebene kämpfen. Nach 93km sind wir geschafft, hieven unsere Taschen und Velos über den Zaun, der Niemandsland vor allen und doch niemandem schützt, und stellen unser Zelt im Windschatten eines kleinen Busches auf, der uns nur mässigen Sichtschutz bietet. Am nächsten Morgen scheint der Wind seine Richtung geändert zu haben. Im Nu sind wir im Sattel, wollen von den guten Bedingungen profitieren. Eine "Bouzegreddi" vor uns! Unser Glück währt leider nur kurz, denn der Wind dreht und bei jedem LKW, der uns kreuzt oder überholt krallen wir uns an der Lenkstange fest. Die Sogwirkung ist enorm und Sabine entkommt einmal nur knapp einem Unfall. Huch, das war knapp... Noordoewer liegt im Tal des Oranje-Rivers, der an dieser Stelle die Grenze zu Südafrika bildet. Je mehr wir uns dem "Grenz-Nest" nähern, desto mehr verfinstert sich der Himmel. Dicke Wolken ziehen von Süden her auf und so erleben wir auf den letzen 10km den für uns ersten Regen seit 4½ Monaten. Wir pedalen durch die furztrockene vegetationslose Wüste, frieren an unsere Tentakeln und müssen nun auch noch Vollgas geben, damit wir nicht noch völlig verschifft werden. Das erste Hotel, das wir ansteuern ist bankrott, das zweite ausgebucht, beim dritten und letzten beziehen wir eines der schönsten Zimmer auf unserer ganzen Reise... und dann, ab unter die heisse Dusche... und gar nie mehr herauskommen; Wasserknappheit hin oder her! Da für die nächsten Tage schlechtes Wetter prognostiziert ist und 16°C Lufttemperatur ja auch nicht unbedingt "planschfreundlich" sind, verzichten wir auf die 4-tägige Kanutour auf dem Oranje-River. Am Mittwoch, dem 15. August 2007, passieren wir bei Vioolsdrif die Grenze zu Südafrika. Der Oranje River befindet sich an dieser Stelle auf etwa 200m.ü.M. Während des ganzen Tages gehts leicht aufwärts bis wir auf 1'000m.ü.M. eine Passhöhe erreichen. Der Himmel ist bedeckt, aber der Regen hält sich zurück. Die Landschaft wird zunehmend grüner - was für ein abrupter Wechsel! Niedere Büsche in allen erdenklichen Grüntönen und zunehmend mehr Blumen begleiten unseren Weg. Nach so vielen Wochen in der Trockenheit kommt in uns ein wahres Gefühl der Frische auf - richtige Frühlingsstimmung! In Steinkopf übernachten wir zum ersten Mal - nach unserer Nacht auf dem Flughafen Johannesburg - auf südafrikanischem Boden. Der nordwestliche Teil Südafrikas - besser bekannt unter dem Namen Namaqualand - wartet mit einer Überraschung auf: Diese halbwüstenhafte Gegend verwandelt sich alljährlich zwischen Mitte August und Mitte September - nach dem Winterregen - in ein farbenprächtiges Meer von blühenden Blumen. Margaritenarten in leuchtendem Orange, Gelb oder reinstem Weiss, eine Vielfalt von Lippenblütlern, Lilien, blühende Sukkulenten und eine Menge weiterer prächtiger Blumen, die uns nicht bekannt sind, überziehen die hügelige Landschaft, die wir bis nach Vanrhynsdorp durchfahren. Immer wieder legen wir Halt ein, um die Blüten zu bewundern die am Wegrand stehen und in der Menge wie Confetti wirken. Die Vielfalt und Fülle an Blumen wie sie hier anzutreffen ist, sei angeblich einzigartig auf der Welt. Hin und wieder folgen wir den Tipps von einheimischen Touristen und nehmen den einen oder andern Abstecher unter die Felgen. Wir sind von einem herrlichen Duft umgeben und können es kaum fassen, dass die Gegend hier so "üppig" ist, im Vergleich zum kargen Namibia. Am 25. August verlassen wir Vanrhynsdorp ostwärts. Nieuwoudtville ist unser Ziel. Seitdem wir Mariental vor drei Wochen hinter uns gelassen haben, kämpfen wir täglich gegen heftigen Wind und sind froh nun endlich einmal ost- statt südwärts zu fahren. Aber: gruphudughrrmpf - natürlich bläst der Cheib heute aus Osten... Also ehrlich: es ist zum die Ohren lampen lassen. Anfänglich pedalen wir über eine mit Blumen gespickte Ebene, bis die Strasse an den Fuss eines Tafelbergs führt. 5.5 steile und schweisstreibende Kilometer später, haben wir mit dem Vanrhyns-Pass das obere Niveau des Tafelbergs erreicht, von wo aus wir eine fantastische Aussicht geniessen können. Schlagartig wechselt in dieser Höhe auf 850m.ü.M die Vegetation: Nadelbäume, Sumpf-/Moorlandschaft, nach wie vor viele verschiedene Blumen. Wir entdecken auch eine der unzähligen und sehr dekorativen Proteenarten, die zur Nationalblume Südafrikas auserkoren wurde. Wir rollen auf dem Camping ein. Das läuft dann jeweils so oder ähnlich ab: Hei, schau mal, zwei Radfahrer! Und das Gepäck! Die müssen ja verrückt sein! Hallooo! Woher seid Ihr heute gekommen? Waaas - den Pass hoch? Ja, wir haben Euch überholt - also, wir bewundern Euch! Woher? Ah, aus der Schweiz - wir waren anno sowieso auch in Interlaken! Wohin? Seit wann? Wie lange noch? Wieviele Kilometer pro Tag? Wieviele Platten? Ja, und die Frau macht auch alles mit? Gefällt Euch Südafrika? Hattet Ihr schon Probleme mit Leuten unterwegs? Wir laden Euch ein zu einem Bier - erzählt uns Eure Geschichte! Wieviel Gepäck? Erinnert Ihr Euch an uns, wir haben Euch zugewunken, als Ihr nach Springbok den steilen Abschnitt hochgeradelt seid, hehehe? Ja, und wir, wir haben Euch schon auf dem Camping in Kamieskroon gesehen, wir sind die mit dem grünen Vorzelt beim Wohnwagen... Es ist der pure Wahn! Wir sind hier bekannt wie bunte Hunde! Alle geben uns ihre Adresse - wir könnten in ganz Südafrika aufs Zelten verzichten und müssten uns auch nie auf Hotelsuche begeben :o). Um die Nerven der äusserst gastfreundlichen und interessierten Südafrikaner zu schonen, erzählen wir kaum jemandem unsere ganze Geschichte. Das hat sich bewährt. Botswana, Namibia und Südafrika - das reicht vollkommen. Sonst bekommen die Leute noch einen Herzanfall. Wir überlegen uns ernsthaft, ob wir jeweils nach Sonnenuntergang eine Inforunde veranstalten sollen; das wäre am Effizientesten. Denn nach unserer Ankunft werden wir jeweils derart in Beschlag genommen, dass wir kaum zum Zelt aufstellen, Kochen oder zum "Brünzle" kommen. Aber wir haben ja "Windle in unseren Sexy-Velohösli"... :o). 15km ausserhalb Nieuwoudtville liegt eine Farm, auf deren Areal es prächtig blühen soll. Die Besitzer lassen ihre Schafe während der Blütezeit woanders weiden, damit die Farbenpracht jedermann zugänglich ist. Was wir dort antreffen, übertrifft alles bisher Gesehene. Ein Blütenteppich bis an den Horizont. Immer wieder entdecken wir neue Arten. Roland fotographiert viel; sehr viel sogar - er will zuhause eben ein Blumenbuch herausgeben. Naja, wir sind ja gespannt, müssen ihn dann vielleicht hin und wieder einmal daran erinnern... :o). Montag, 27. August 2007! Wir feiern "zwei Jahre on the road" und "noch 150km bis wir 24'000km in den Waden haben"! Entlang des Olifant-Rivers (Elefanten-Fluss) gelangen wir nach Clanwilliam. Die Gegend ist ausgesprochen fruchtbar und eines der Haupt-Weinanbaugebiete des Landes. Hier wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Die Blumenpracht wird durch ausgedehnte Felder abgelöst. Clanwilliam ist das Zentrum der Rotbusch-Tee-Produktion (Rooibos-Tea). Der Rotbusch-Tee-Strauch ist in Südafrika endemisch und gedeiht zu einem grossen Teil in den Cederbergen, die bis 2'000m hoch sind. Sabine erweitert ihre Riesen-Palette an chinesischem Tee um weitere Sorten... "Cha jo au nüt drfür, dass die alli so guet sin" Bei Schützen-Gigers gibts zuhause nur noch Tee :o). In Clanwilliam verlassen wir die Hauptachse Nord-Süd und pedalen in Richtung Küste. Elands Bay, Velddrif und Langebaan sind unsere Übernachtungsorte. Durch den Westcoast Nationalpark gehts weiter südwärts. Dieser Abschnitt ist landschaftlich besonders reizvoll, zumal es auch hier wieder in ganzer Fülle blüht. Saftig grüne Buschlandschaft wechselt sich ab mit Dünen - im Hintergrund immer das türkisblaue Meer. Es herrscht kaum Verkehr und so haben wir das grosse Glück an diesem Tag nicht weniger als 21 - lebendige! - Landschildkröten zählen zu können, die tapsig-flink die Fahrbahn überqueren oder mantschend am Strassenrand unter einem Busch hocken. Wir flippen fast aus - Schildkröten in freier Wildbahn sieht man nicht alle Tage... Über Yzerfontein und Melkbosstrand erreichen wir bei Regen am Mittwoch, dem 5. September 2007 ein weiteres grosses Etappenziel - Kapstadt! Bei abwechselnd sonnig-regnerischem Wetter geniessen wir das Grossstadtleben: Besuch auf Robben Island - der Kapstadt vorgelagerten Gefängnisinsel, auf der Nelson Mandela und viele andere Kämpfer gegen die Apartheid festgehalten wurden, Multi-Kulti-Küche testen, Museumsbesuche, Spaziergang durch das muslimische Bo Kaap-Viertel mit den farbenfrohen Häusern, Shopping, Kaffee und Kuchen, Veloschläuche kaufen, per Velo dem schönen Küstenstreifen entlang nach Hout Bay fahren, wo wir Yvonne und Jeremy, die hier auf ihrem Segelboot wohnen, besuchen und die wir im Namaqualand kennengelernt haben, Reisebericht fertig stellen und und und... Am Samstag abend, dem 15. September 2007 werden wir voraussichtlich an Bord der DAL EAST LONDON gehen, das Frachtschiff, das uns innert 15 Tagen nach Lissabon bringt. Schon lange freuen wir uns auf diesen etwas ruhigeren Abschnitt unserer Reise! Fertig Sand - jetzt kommt Meer! Tourenstatistik:
Sabine & Roland, 13.09.2005 |
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