Safari-Salama

Reisebericht 20 vom 09.05. - 17.06.2007

Kasane - Livingstone (Sambia) - Nata - Maun - Rundu (Namibia) - Tsumeb - Etosha - Tsumeb

Auf nach Sambia Typische Shopfassade Victoria-Fälle Unsere Unterkunft bei der Dorfpolizei Dorfdusche Korbflechterin in Maun Wasserlilie (Okavango Delta) Über dem Okavango Delta Giftig? Geht doch auch einfacher! Afrika! Bei Silvia und Friedwart in Sinzogoro Embo in Sinzogoro An einer Wasserstelle Happy Birthday, Roland! Im Etosha 100-jähriges Nestdorf der Webervögel (Etosha) Sogar mit dem Auto holen wir einen Plattfuss Begegnung am Wasserloch Überlebenskünstler in endloser Weite

Als wir am 9. Mai 2007, nach fünf Nächten in Kasane, unser Zelt abbrechen, stossen wir doch tatsächlich auf einen Mitbewohner: Ein Frosch hat es sich zwischen Blache und Zeltboden bequem gemacht. Ganz platt hat er sich hingesetzt und schaut etwas wehmütig drein, als Sabine ihn hochhebt und ins Gebüsch verfrachtet.

Kurz vor 09.00 Uhr pedalen wir los in Richtung Osten – vorerst zurück nach Kazungula. Ostwärts heisst gegen den Wind! Nach knapp 15km auf guter Asphaltstrasse erreichen wir die Fähranlegestelle. Unzählige LKWs stehen schon Schlange – vielleicht schon seit Tagen. Über sandig staubigen Grund gelangen wir zur Fähre. Pro Überfahrt können lediglich zwei PWs und ein LKW transportiert werden; wir haben natürlich keinen Grund zur Sorge und rollen direkt aufs Deck! Keine zehn Minuten dauert die Fahrt über den Zambesi und das Bild auf sambischer Seite ist kaum anders: Sand und Staub, Kisten und Säcke, Handkarren, Esel und LKWs... aber die Frauen, die sind hier viel farbenfroher gekleidet; eher so, wie wir es als "typisch afrikanisch" bezeichnen würden. Elegant sehen sie aus, wie sie von Kopf bis Fuss in den gleichen buntgemusterten Stoff gehüllt sind. Nicht selten balancieren sie Taschen, Körbe oder Säcke auf dem Kopf; ihren Körper in aufrechter Haltung.

Die Gebühr für die Überfahrt begleichen wir in einem einfachen Bau aus rohbelassenem Beton und holen bei der Zollbehörde – in einem ebensolchen Gebäude – unseren Einreisestempel. Auf perfekter Strasse spulen wir los in Richtung Livingstone. Anders als in Botswana begegnen wir hier immer wieder einheimischen Velofahrern. Wir können den Sambiern gegenüber beide noch nicht so locker sein – wurden von reisenden Südafrikanern bereits gewarnt. Wir sagen es frei heraus: Es nervt, dieses miese Gefühl, bisher grundlos mit sich herumzuschleppen! Warum berichten Touren-Radfahrer, die Sambia, Botswana, Namibia und Südafrika durchradelt haben – um nur einige Länder zu nennen – durchwegs positiv? Leiden hier eigentlich alle weissen Afrikaner unter Paranoia? "Wir sind ja nicht rassistisch, aber..." Ausnahmslos alle, mit denen wir bisher in Kontakt gekommen sind, machen die Schwarzen verantwortlich für Probleme jedwelcher Art. Zwei Sätze später erfahren wir dann, dass sie zuhause einen Koch, Gärtner und eine Putzfrau beschäftigen – es sind wohl kaum Weisse... Klar, es wird dadurch gerechtfertigt, dass Arbeitsplätze geschaffen werden. Weisser oben, Schwarzer unten. Wir putzen unseren Dreck selber!

Sambia scheint uns einiges ärmer zu sein als Botswana; vor allem die ländliche Bevölkerung lebt in ausgesprochen bescheidenen Hütten aus Ästen, Lehm, Plastik und Gras. In wenigen Fällen glitzert ein Stück Wellblech im Sonnenlicht. Auch hier werden wir von den Leuten immer freundlich begrüsst!

Dieser Tag ist aus topographischer Sicht einer der abwechslungsreicheren: Es geht immer etwas rauf und runter. Tagsüber herrschen angenehme 27°C. Wir erreichen den Mosi-oa-Tunya Nationalpark, der auch die Victoria-Fälle miteinbezieht. Unterwegs erspähen wir doch tatsächlich – unweit des Strassenrands – eine Gruppe von Marabus. Es sind sicher gegen 20 Tiere, doch als wir uns ihnen nähern, entschwinden sie in die Lüfte. Nach 82km rollen wir im staubig trockenen Livingstone ein, wo wir in einem Backpacker Hostel für vier Nächte ein sauberes, wenn auch einfaches Doppelzimmer beziehen und uns ein feines zNacht mit Reis, Schweinsplätzli, Rüebli und Randensalat kochen.

Die Victoria-Fälle sind ein eindrückliches Naturspektakel! Von Norden her kommend fliesst der Zambesi über ein Plateau, bis er südlich von Livingstone und nördlich der Kleinstadt Victoria Falls – also auf der Grenze Sambia/Zimbabwe – als tosende 1.7km lange und 110m hohe Wasserwand in einen Erdriss stürzt. Zu Spitzenzeiten sind das unvorstellbare 550'000m³ Wasser/Sek. Auch an diesem Tag ist die ganze Luft voller Gischt und die Sicht ist leider sehr eingeschränkt, sodass wir die komplette Dimension der Wand bloss erahnen können. Natürlich sind wir nach der Besichtigung der Fälle pflotschnass – eine willkomene Erfrischung bei den vorherrschenden 30°C!

Drei Tage bleiben wir in Livingstone und besuchen u.a. das sehr informative Livingstone-Museum. Es wartet mit einer Vielzahl an Themen unterschiedlicher Art auf: naturhistorische und ethnologische Abteilung, Raumplanung – ja, das gibt es hier – und natürlich interessante Exponate zu David Livingstone, dem Arzt, Missionar und Afrikaerforscher, der Mitte 19.Jh. als angeblich erster Weisser die Fälle gesehen haben soll.

Während Sabine den 19. Reisebericht eintöggelt – in aufwändiger Salamitaktik, denn die seltenen Phasen zwischen zwei Stromausfällen wollen effizient genutzt sein, macht sich Roland auf ins Stadtzentrum, wo er im Supermarkt einkaufen geht. Ziemlich konsterniert kehrt er zurück: "Jetzt hör mal zu, was mir soeben passiert ist!" Und so erzählt er, wie er – anders als an den Tagen zuvor – dieses Mal das Brot nicht auf dem Schwarzmarkt, sondern direkt im Supermarkt kaufen konnte. Die Menschen stehen Schlange und auch Roland reiht sich ein. Die Tür zur Backstube wird geöffnet, ein schwarzer Angestellter rollt eine erste Ladung Brot heraus. Als er Roland erblickt, ergreift er ein solches und will es ihm – dem einzigen Weissen – überreichen, der im hinteren Teil der Schlange steht. Roland – ziemlich perplex – lehnt ab, mit der einfachen Begründung, dass er noch nicht an der Reihe sei. Der Angestellte ist beharrlich; Roland auch. Am Ende hat sich Roland durchgesetzt; einige Kundinnen haben sich nach ihm umgedreht. "Keep your spirit" (Behalte deinen Geist) – gibt ihm eine Frau mit auf den Weg, als er mit seinem Brot in der Tasche davonmarschiert.

Ebenso, wie wir uns ärgern, wenn man uns in gewissen Ländern aufgrund unseres "westlichen Aussehens" das x-fache des Preises abzockt (2- bis 3-facher Preis geht ja noch, alles andere grenzt an Respektlosigkeit – es ist traurig, aber in den meisten Fällen leider wahr: je weisser desto reicher!), so ist es uns genauso unerklärlich, weshalb wir aufgrund unserer Hautfarbe bevorzugt behandelt werden sollen.

Am Sonntag, dem 13. Mai 2007, fahren wir die knapp 70km von Livingstone nach Kazungula zurück. Beim botswanischen Zoll müssen wir unsere Räder durch eine mit grauenhafter Desinfektionsbrühe gefüllte Bodensenke stossen und unsere Schuhsohlen ebenfalls entkeimen – Vorsichtsmassnahmen gegen die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche. Wir haben Glück und kommen hier auch sofort zu einer Mitfahrgelegenheit – ihr wisst schon: die wilden Tiere – sodass wir bereits gegen Abend das 300km entfernte Nata erreichen.

Die Durchquerung des Makgadikgadi-/Nxai-Nationalparks steht uns bevor. Zwischen Nata und Maun erstreckt sich eine schier endlose und kaum besiedelte Ebene. Wir setzen für diesen Abschnitt drei Radeltage ein. Nach gut 100km erreichen wir den staubig-trostlosen Ort Gweta. Im Dorfshop stocken wir unseren Vorrat auf: Brot, Fischschwänze an Tomatensauce in Dose (Filets bleiben in Europa, Afrika bekommt die Schwänze!), Äpfel, Tomaten. Eine saftige Wassermelone – ja, die gedeihen hier! – kaufen wir am Strassenrand.

Von Gweta aus würden wir gerne an einer geführten Tour in die Makgadikgadi-Salzpfanne teilnehmen. Vor ca. 10'000 Jahren befand sich in dieser Ebene ein 60'000km² grosser Salzsee, der im Norden bis zum Okavango und Chobe reichte. Klimatische Veränderungen führten dazu, dass der See austrocknete; was zurückblieb ist eine 12'000km² grosse Salzpanne – die grösste der Welt. Nebst der Salzpfanne besteht die Ebene aus Palmenwäldern, Grasland und Savanne und bildet den Lebensraum vieler Herdentiere, wie Zebras und Gnus. Leider wird aus dem Ausflug nichts, da wir uns eine Woche vorher hätten anmelden müssen – völlig unverständlich diese Frist, herrscht hier doch sonst tote Hose! Einzig mit Quadbikes (vierrädrige Motorräder) – werden wir aufgeklärt – gehen organisierte Touren auf die Pfanne, was unserer Einstellung ohnehin nicht entsprechen würde.

Wieder werden wir vor Elefanten, Löwen und Leoparden gewarnt, als wir Gweta verlassen – Sabine ist ziemlich angespannt – doch da ist nichts! Topfeben und monoton, wenig Verkehr, Busch links, Busch rechts, kaum Schatten, drei Eidechsen pro Tag, eine lebendige und viele plattgefahrene Schlangen, 34°C. Bisher kommen wir mit unserer Velobar (total 6 Liter) zurecht, ohne dass wir zusätzliches Wasser mittragen müssen. Ein Auto fährt neben uns her: Es sind Dagmar und Arno aus Liechtenstein. Sie bieten uns eine kalte Cola an, die wir natürlich nicht ablehnen und so schalten wir noch eine Plauder-Halbstunde ein. Kaum haben wir uns verabschiedet, platzt der Pneu bei Sabines Hinterrad. Es ist nur ein kleines Loch. Dieses und zwei weitere Schwachstellen hinterlegen wir vorerst mit einem Stück Autopneu. Wir müssen es wieder einmal erwähnen: Die Schwalbe Marathon XR Pneus sind phänomenal – jene von Sabine mussten noch nie ersetzt werden und haben nun bald 20'000km hinter sich!

Phuduhudu ist das einzige Dorf, das zwischen Gweta und Maun liegt, befindet sich innerhalb des Nationalparks und bietet uns die einzige Möglichkeit zur Übernachtung. Als wir den Ort erreichen, führen uns ein paar Jugendliche direkt zum Polizeiquartier. Das ist ein Sandplatz mit drei bescheidenen gemauerten Häuschen – ringsum eingezäunt mit mannshohem Maschendraht. Der Polizist nimmt uns herzlich auf und so dürfen wir unser Nachtlager in einem verlassenen strohgedeckten Lehmbau innerhalb des Polizeiareals aufschlagen. Motlamedi – so heisst der Ordnungshüter – spricht englisch und so können wir uns bestens mit ihm unterhalten. Es ist eine interessante, gebildete und wissbegierige Person. Er kann uns viele wertvolle Hintergrundinformationen zu seinem Land geben. Von uns will er wissen, ob es in der Schweiz auch Flüsse gäbe, die ganzjährig Wasser führen und ob es darin auch Krokodile hätte.

Im Verlaufe des Gesprächs erfahren wir, dass letzte Nacht zwei Löwen ins Dorf eingedrungen seien und eine Kuh gerissen hätten – kein Wunder sind hier alle Grundstücke zwei Meter hoch eingezäunt! Zoofeeling einmal anders :o)! Das WC befindet sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite und so pinkeln wir in der Nacht in unseren Käfig. Zum Glück realisieren wir erst am Morgen, dass unsere Käfigtür nur aus einem Rahmen ohne Füllung bestand... Wasser gibts von einer der sieben kommunalen Grundwasserbohrstellen. Ausgezeichnet und trinkfertig! Auch waschen tun wir uns an diesem Hahn und gegen Abend herrscht hier Hochbetrieb, wenn Frauen, Kinder und in seltenen Fällen auch Männer an die Wasserstelle kommen, um ihre Eimer zu füllen.

137km stehen uns bis nach Maun noch bevor – das werden fast 7.5 Stunden im Sattel werden. Um die Mittagszeit – ca. bei km 65 – erreichen wir den Büffelzaun, wo wir im Schatten unser Pic-Nic verzehren und die Wasserflaschen auffüllen können. Als wir wieder losfahren wollen, sprechen uns Autofahrer an und es stellt sich heraus, dass es die Besitzer des Camps "The Bridge" sind, das wir heute Abend ansteuern werden – so ein Zufall! Aber vor uns liegen noch gut 70km. Je flacher die Strecke, desto mehr schmerzen unsere Hintern – ja, ja, auch nach knapp zwei Jahren hats da noch keine Hornhaut! Abschnittsweise haben wir Gegenwind und als wir endlich in Maun einrollen, fängt Sabine auch noch einen Plattfuss ein! Der ist zwar schnell geflickt, doch hat der Supermarkt soeben geschlossen – Auffahrt! Also kaufen wir beim "Hungry Lion" – der afrikanischen Version des McDonalds – zwei Big Mac take away und nehmen bei einsetzender Dämmerung die verbleibenden 10km zur "Bridge" unter die Felgen. Es ist dunkel als wir das Camp erreichen. Helena und Dave haben uns schon erwartet und bieten uns für diese Nacht eines ihrer bereits eingerichteten Zelte an, damit wir unseres nicht mehr aufstellen müssen – Spätankommerbonus! Ist das nicht freundlich! Big Mac im Schein der Stirnlampe im Zelt, superheisse Freiluftdusche hinter Schilfwänden, Fledermäuse kacken vom Baum aufs Zelt, Hippos grunzen im Wasserloch – was will man mehr :o)?

Insgesamt sechs Tage verbringen wir in und um Maun. Velounterhalt samt Kettenwechsel steht an. In der Nähe unseres Camps besuchen wir eine Kooperation von Korbflechterinnen. Über 300 Frauen arbeiten für die Vereinigung. Sie kommen aus verschiedenen Dörfern des Okavango-Deltas und stellen qualitativ hochstehende Körbe aus Palmblättern her. Wir sind beeindruckt vom Engagement der innovativen (schwarzen!) Firmengründerin, den kunstvollen Körben... und kaufen zünftig ein!

Eines der Highlights während unserer Zeit in Maun stellt der zweitägige Ausflug mit dem Mokoro dar. Mokoros sind Einbäume; das unentbehrliche Fortbewegungsmittel für die Bewohner des Deltas. Wie der Chobe-River hat auch der Okavango seinen Ursprung im angolanischen Regenwald. Er resultiert aus dem Zusammenfluss des Cubango mit dem Cuito. Ist der Okavango nach der Regenzeit angeschwollen und hat er die Grenze Namibia/Botswana erreicht, so benötigt das Wasser vier Monate um die 200m Höhendifferenz bis nach Maun zurückzulegen. Erst gegen Ende Mai sind somit auch die temporären Sümpfe überschwemmt. Etwa die Hälfte des Deltas besteht aus permanentem Sumpf, das Wasser der restlichen Fläche verdunstet oder versandet in den Folgemonaten. Der Okavango ist der einzige Fluss der Welt, der nicht in ein Meer sondern in eine Wüste entwässert.

Als wir auf unseren Zweitages-Ausflug starten, hat das Wasser den Deltarand noch nicht erreicht, und so fahren wir per Jeep erst einmal während zwei Stunden durch trockene Savannenlandschaft. Mit uns auf dem Ausflug sind Leanne, Charles und Paul aus Kanada, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstehen. Zwei Giraffen erspähen wir während der Fahrt, Strausse und andere Vögel. Stellenweise ist der Weg derart sandig, dass wir auch einmal steckenbleiben und das Fahrzeug mit Schaufel und Muskelkraft wieder aus dem lockeren Untergrund befreien müssen. Wir erreichen ein abgelegenes und sehr einfaches Lehmhüttendorf, welches am Rand des permanenten Sumpfes liegt. Fortan gehts mit drei einheimischen Führern auf dem Wasserweg weiter. Wir machen es uns in einem der drei mit Schilfgras gepolsterten Mokoros bequem und lassen uns für die nächsten zwei Stunden durch das Wasserkanalsystem des Okavango-Deltas treiben. Im engen Kanal gleiten wir vorbei an Papyrus, Schilf, Seerosen und Wasserhyazinthen und geniessen die absolute Stille, die uns umgibt. Kurz bevor wir unser Camp erreichen, sichten wir einen Elefanten, der unweit von uns an der Tränke ist. Es ist ein Bulle in der Mast – die feuchten Drüsenstreifen hinter dem Auge sind nicht zu übersehen – Vorsicht ist geboten! Als wir uns ihm langsam nähern, fühlt er sich bedroht, fächert heftig mit den Ohren und schreitet auf uns zu. Sofort treten unsere Guides den Rückzug an, denn im Mokoro sind wir dem Tier hilflos ausgeliefert – uns allen rast das Herz!

Am Waldrand, einladend unter Bäumen, schlagen wir unsere Zelte auf, sammeln Brennholz und starten gegen 16.00 Uhr auf einen zweistündigen Buschwalk. Vier Elefanten kreuzen unseren Weg – wieder macht ein Bulle Anstalten um uns zu vertreiben. Wir marschieren durch Savannenlandschaft, entdecken etliche Tierspuren, die wir mit Philipps Hilfe identifizieren und lernen einiges über die Verwendung der hiesigen Pflanzen.

Schon um 6.00 Uhr ist am nächsten Morgen Tagwache. Während des Frühstücks bestätigt Philipp, dass nachts Löwengebrüll zu vernehmen war. Wie verhält man sich eigentlich korrekterweise im Falle einer Begegnung mit Löwen – will Sabine wissen. Och – lautet die Antwort – dem Tier einfach nie den Rücken zuwenden und immer tief in die Augen blicken. Ach so, ist ja ganz einfach...! Bei Sonnenaufgang marschieren wir los auf unsere vierstündige Wanderung. Nach etwa einer Stunde stossen wir auf eine Gruppe Impalas (Antilopenart). Die Tiere scheinen nervös zu sein und so schweifen unsere Blicke über das hüfthohe trockene Gras, das uns umgibt. Nein! Das darf ja nicht wahr sein! Keine 100m vor uns: vier beige Ohren und vier schwarze Augen – zwei Löwinnen auf der Lauer! Sie haben uns längst entdeckt. Tief in die Augen blicken, tief in die Augen blicken... Sicher fünf Minuten lang tun wir dies, bis sich die grossen Katzen erheben und gemächlich davontrotten. Hat geklappt und wir können wieder aufatmen! Auch an diesem Tag entdecken wir zahlreiche Tierspuren, u.a. von Elefanten, Löwen, Büffeln, Giraffen, Hyänen und Schlangen. Wir kommen auch an Giraffen- und Elefantenskeletten vorbei – eindrücklich diese Gewaltsknochen, die von einer Löwenattacke übriggeblieben sind.

Per Mokoro und Jeep gehts zurück nach Maun. Noch im Delta – mitten im Nichts – steht eine alte Frau mit Kind am Strassenrand und wartet auf eine Mitfahrgelegenheit. Unser weisser Fahrer fährt vorbei. Warum halten wir nicht an – fragt Sabine – die Frau hat deutlich gewunken. Ach, macht es Euch denn nichts aus? fragt der Typ zurück. Wir fünf verstehen die Welt nicht mehr und fordern den Fahrer auf zurückzufahren. Als wir auf der Höhe der Frau sind, stellt es sich heraus, dass ihr Ziel nicht an unserer Strecke liegt. Die Sache ist somit erledigt.

Von wegen die Apartheid sei abgeschafft... Auf dem Papier vielleicht, ja, aber in den Köpfen existiert sie noch weiter – das ist das Einzige was zählt! Ohne Umdenken keine Veränderung! Das allgegenwärtige Schwarz-Weiss-Denken empfinden wir als sehr belastend; es beschäftigt uns tagaus, tagein und lässt uns manchmal fast verzweifeln.

Am Dienstag, dem 22. Mai, löst Roland spontan sein Geburtstagsgeschenk vorgängig ein. Wir heben ab auf einen einstündigen Flug übers Delta! Leanne, Charles und Paul haben wir auch gluschtig gemacht und so mieten wir zusammen eine 5-Plätzer Cessna 206. Um 16.00 Uhr hebt die Propellermaschine ab und so kommen wir in den Genuss, bei Abendlicht das Delta einmal aus anderer Perspektive bestaunen zu können. Üppiges Grün unter uns, durchzogen von in der Sonne schimmernden Wasseradern. Wir befinden uns ca. 200m über dem Boden. Nur wenige Elefanten, Giraffen, Büffel und Antilopen erspähen wir und das auch nur Dank des langen Schattens, den die Tiere werfen. Der Flug ist ziemlich unruhig. Sabine und Andri: Nur Dank Eurer Medis gabs bei uns nicht kötzi kötzi, und so sind wir alle froh, als wir – ziemlich bleich zwar – nach einer Stunde wieder festen Boden unter den Füssen haben...

Die kommende Nacht bildet den Anfang einer dreitägigen Kaltfront, die von Südafrika nordwärts strömt. An der Garden Route (zwischen Kapstadt und Port Elizabeth) hats sogar geschneit, 17 Menschen sind erfroren und wir schlottern nachts bei 2°C!

Am Donnerstag, dem 24. Mai 2007 verlassen wir Maun endgültig in südwestlicher Richtung. Es rollt gut – wir haben Rückenwind! Gegen Mittag haben uns Leo aus Spanien und Dereck aus England, unsere Campingnachbarn, mit ihren Motorrädern eingeholt. Gemeinsam geniessen wir ein reichhaltiges Pic-Nic und verabschieden uns dann definitiv. Nach 110 flachen Kilometern erreichen wir Sehithwa, wo wir unser Zelt auf dem neu erstellten Polizeiareal zwischen Eselsbollen und Sandhaufen aufstellen dürfen.

Eigentlich möchten wir am nächsten Tag bis nach Nokaneng fahren, doch es kommt mal wieder alles anders als geplant. Kurz vor Mittag treffen wir Silvia und Friedwart, ein Lehrerpaar aus Bäretschwil/ZH, das für drei Jahre für INTERTEAM – ein Hilfswerk, das Know How vermittelt – in Nord-Namibia im Einsatz ist. Wir unterhalten uns längere Zeit mit den Beiden und werden eingeladen, sie in Sinzogoro – westlich von Rundu – zu besuchen. Eine Einladung, die wir natürlich gerne annehmen!

Nach 5km erreichen wir Tsau, wo wir im Schatten vor dem Dorfladen picknicken. An der Fassade entdecken wir einen Anschlag: Tanz, Modeschau, Trommelmusik – Live heute Abend! Im Privatgarten (sprich Sandhaufen) des Polizisten dürfen wir das Zelt aufstellen. Pünktlich um 19.00 Uhr – es ist stockdunkel – stehen wir vor der Community-Hall (Gemeindehalle). Ein heruntergekommenes gemauertes Gebäude, zerschlagene Scheiben, Tür aus der Angel, Löcher im Dach. Wir sind die Einzigen... Im Schein unserer Taschenlampe schlurpen wir durch den Sand zur nahegelegenen Dorfkooperative, wo wir eine Dose Pfirsiche kaufen und vertröstet werden: Schaut in einer Stunde nochmals vorbei. Siehe da: Wir haben Glück, aber es stellt sich heraus, dass es sich bei diesem Anlass vielmehr um eine Schülerdisco handelt. Stromausfall! Man organisiert Kerzen und für den Radiorekorder eine Autobatterie. So wenig brauchts und die Jugend ist happy!

Auch in Gumare übernachten wir wieder bei der Polizei. 20'000km können wir an diesem Tag feiern! Nebst Pasta mit Briefli-Sauce gibts heute also auch noch Glace und Pommes Frites vom Tankstellen-Shop! Vor dem Polizei-Hauptgebäude hats ein Betonpodest. Sehr praktisch – da setzen wir uns hin, brutzeln, lassen das Pastawasser überkochen, weil wir zu sehr mit unserer Glace beschäftigt sind... plötzlich bekommen wir Besuch vom einen Polizisten, der uns zwar höflich aber bestimmt darauf aufmerksam macht, dass wir auf dem Fahnenpodest hocken, was doch etwas unangebracht sei... klar, das geht natürlich nicht, und so verschieben wir uns um ein paar Meter. Ordnung muss sein :o)!

Am Tag, an dem wir Sepupa verlassen, stossen wir auf Günter aus Bern, der letzten Oktober in der Schweiz gestartet, durch die nord- und ostafrikanischen Länder pedalt und nun auf dem Weg nach Kapstadt ist (www.smile53.ch). Welche Freude, sich mal wieder mit einem Gspänli auszutauschen!

20km vor der Grenze wollen wir ein letztes Mal auf botswanischem Boden übernachten; wir steuern die Drotsky's Cabins an. Kaum haben wir die Hauptstrasse in Richtung Okavango verlassen, landen wir auch schon im Sand. Es folgen 2km mehrheitlich Stossen; das beansprucht etwa eine halbe Stunde. Wir kommen an eine Weggabelung: Nochmals 2km würden uns bevorstehen! Uns reichts und so stellen wir unser Zelt etwas abseits des Pfads im Busch auf. Um 18.30 Uhr ist hier dunkel, Sabine ist schon im Körbli und Roland mit einem Bein auch schon drin, als ein Auto heranfährt und auf unserer Höhe anhält. Es sind die Besitzer der Cabins und wir befinden uns angeblich auf ihrem Land. Wir schildern ihnen unsere missliche Lage und stossen dabei offenbar auf Verständnis, denn uns wird sogleich ein komplettes Ferienhaus mit Küche, drei Schlafzimmern, Wohnzimmer und zwei Bädern zur Verfügung gestellt – und das erst noch gratis – und keine 200m von unserem Not-Camp entfernt. Und so packen wir halt in nächtlicher Aktion unsere tausend Sachen wieder zusammen...

Am Mittwoch, dem 30. Mai 2007, überqueren wir den Mohembo Grenzposten und fahren in Namibia ein. Aus- und Einreise verlaufen problemlos. Auf namibischer Seite befinden wir uns sogleich im Mahango-Schutzgebiet. Vor ein paar Tagen hat es hier einen tragischen Zwischenfall gegeben: Zwei Parkranger sind von einem Elefantenbullen angegriffen und getötet worden. Das Tier musste in der Folge erlegt werden. Für uns zwei Strampel-Fritzen heisst das, dass wir warten müssen, bis ein Pick-up mit freier Ladefläche heranfährt, der uns ans andere Parkende bringen kann.

In der Mahangu-Lodge wollen wir übernachten. Auch diese liegt abseits der Hauptstrasse, angeblich wunderschön direkt am Ufer des Okavango. Wir legen wieder 2km fahrend-stossend zurück und erreichen eine Barriere. Infolge Sumpf müssen wir einen Umweg fahren – vier statt einen Kilometer. Noch bei der Barriere kommt für Sabine DIE Erlösung – in Form von vier Österreichern, die kurzerhand Sabines Velo mitsamt den Taschen aufs Autodach hieven – Sabine hat dort oben auch noch bequem Platz – und die sechs (statt vier!) Kilometer über den holprig-sandigen Pfad zur Lodge fahren. Roland legt die Strecke pedalend zurück. Mit Jeanette, Helmut, Verena und Thomas verbringen wir einen sehr gemütlichen Abend.

Zwei Nächte verbringen wir in der Mahangu-Lodge. Während Roland sich für einen Game-Drive entscheidet, zieht Sabine eine Fahrt auf dem Okavango vor. Und weil wir uns nicht einigen können, wer den Fotoapparat mitnehmen darf – beide haben da plausible Gründe, weshalb garantiert nicht der andere den Knipser bekommt – werfen wir eine Münze. Roland gewinnt, aber Sabine, die sieht dafür herdenweise Krokodile und Hippos – was ja nicht anders zu erwarten war :o)! Abends geniessen wir es auf dem Hochsitz zu sitzen und nach Tieren Ausschau zu halten – leider nicht sehr ergiebig – und gehen dann im lodgeeigenen Restaurant ausgezeichnet essen.

Zwei Tage setzen wir ein, um die Strecke nach Rundu zurückzulegen. Wir machen uns auf flache Monotonie gefasst und treffen damit voll ins Schwarze! Nach 102km – knapp nach der Hälfte – und um rekordverdächtige vier Platten an Rolands Rad reicher, erreichen wir ein Quarantäne Camp, wo wir unser Zelt aufstellen und die Wasserflaschen auffüllen können.

Tagsdarauf nehmen wir die verbleibenden 119km unter die Räder. Dank Rückenwind und nach wie vor tadelloser Strasse kommen wir zügig voran. Es ist Samstag. Wir vermuten, dass hier – wie in Botswana auch – die Supermärkte um 17.00 Uhr dicht machen und treten kräftig in die Pedale... immer einen 2 Liter Glace-Kübel vor Augen! Sabine ist voll im Element und hängt zeitweise sogar Roland ab, was sonst eher selten vorkommt :o). Nachdem wir bei Roland wieder zweimal Plattfuss verbuchen müssen, den Pneu wechseln, wieder Platte haben und dann auch noch den Schlauch ersetzen können, geht zur Abwechslung auch mal wieder bei Sabines Hinterrad die Luft aus. Und so schwinden mit jeder Reparatur-Orgie unsere Aussichten auf eine erfrischende Glace am Ziel! Nein, wir geben nicht auf – verfressene Dickköpfe, halt – spulen, was das Zeug hält und rollen exakt um 16.55 Uhr vor dem Spar Supermarkt ein! Freudensprünge: An Wochenenden bis 19.00 Uhr geöffnet, türülüü!!! Ja, nichts wie rein, Sabine spielt Bello beim Velo und Roland geht ins Schlaraffenland! Zum zNacht gibts Pommes Frites, Kuchen und eben: 2 Liter Glace! Man muss ja nicht immer gesund essen und auf die Linie schauen wir schon gar nicht mehr :o).

Am 3. Juni 2007 fahren wir nach Sinzogoro, welches 35km westlich von Rundu am Okavango liegt und wo wir Silvia und Friedwart mit einem Besuch überraschen wollen. Die letzten 7km gehören zu den schlimmsten unserer bisherigen Reise: Wellblech, Staub, Steine und rücksichtslose Automobilisten... und so sind wir froh, als wir endlich das erlösende gelbe Tor der Leevi Hakusembe Senior Secondary School erreichen.

Die Überraschung ist gelungen, die Wiedersehensfreude gross, der Empfang herzlich! Wir sind nicht die einzigen Gäste. Auch Elvira und Petra – zwei Schweizer Velofahrerinnen, die fünf Wochen durch Namibia pedalt sind, sind noch für einen Tag zu Besuch. Ja, und nachdem das Schweizer Sextett ausgiebig und einstimmig den Fondue-, Raclette-, Schoggi- und Birchermüslimangel beklagt hat, geniessen wir ein herrliches namibisches "Upper Class"-zNacht: Kudu-, Eland-, Oryx-, Rind- und Springbock-Filets vom Braai (Feuerstelle). Es gibt keine Worte, um das zu beschreiben, was da unsere Gaumen erfreut hat!

Wir verbringen einen unterhaltsamen Abend, tauschen u.a. Reiseinfos und Ausrüstungstipps aus. Auch Silvia und Friedwart haben ihre Velos dabei: sind vor ihrem Einsatz bei Leevi während eines Monats durch einen Teil Südafrikas geradelt.

Zwei spannende, lehrreiche und anregende Tage verbringen wir bei Silvia und Friedwart, die die Abwechslung, die unser Besuch in ihren bewegten und nicht immer einfachen Alltag bringt, auch sichtlich geniessen. Wir dürfen die Beiden in die Schule begleiten, an Lektionen teilnehmen und bekommen einen kleinen Einblick in ihre Aufgabe als Mentoren. Sie unterrichten nicht Schüler, sondern versuchen den Lehrpersonen Anregungen für alternative Unterrichtsmethoden zu geben. Keine leichte Aufgabe, in einer Gesellschaft, in der Kinder vielfach als unmündige Wesen angesehen werden, das Lehrpersonal mangelhaft ausgebildet ist, die hohen Köpfe der Schule nicht viel mehr machen als Ende Monat einen – für hiesige Verhältnisse – dicken Lohn zu kassieren und auch der Rohrstock nicht selten zum Einsatz kommt. Kleine Fortschritte werden zu Erfolgserlebnissen! Doch, was schreiben wir noch lange? Lest selber nach unter www.storto.ch. Ist übrigens nicht nur für Lehrer sehr interessant!

Wir geniessen die gemeinsame Zeit, verstehen uns ausgezeichnet mit unseren Gastgebern, führen angeregte Gespräche über Entwicklungszusammenarbeit, Armut, Reichtum, Traditionen hier und dort, Korruption, Fortschritt, Globalisierung, Gesellschaftsstrukturen – Themen halt, die einem beim Reisen in ausgeprägterem Masse immer wieder beschäftigen. Viele Fragen sind offen, Lösungsansätze oftmals ausstehend; Frustrationsgrad und Verzweiflung manchmal entsprechend hoch...

Michael, ein ehemaliger Schüler von Leevi, möchte uns sein Dorf zeigen. Er bringt uns zu einer Hütte, wo draussen in grossen Plastikeimern Hirse- und Maisschnaps gegoren wird. Alkohol ist hier ein grosses Problem. Der Rektor der Primarschule betreibt zwei Bars – macht Euch selber einen Reim drauf! Er hält auch eine Funktion als Geldverleiher inne – hohe Rückzahlungszinsen lassen sein Konto anschwellen... Er ist der einzige im Dorf, der Elektroanschluss hat. Michael zeigt uns sein Embo (Homestead = Lehmhüttensiedlung eines Familien-Clans). Haben die Jugendlichen das geschlechtsfähige Alter erreicht, beziehen sie eine eigene Strohhütte und so sehen Embos manchmal aus wie kleine Dörfer und sind von einem hohen Schilfzaun umgeben. Wir kommen uns vor wie in der Steinzeit. Frauen stampfen Mais und Hirse mit einem Riesenstössel in einem Holzmörser. Rinder ziehen einen langen mit Wasserkanistern beladenen Holzschlitten. Ein enormer Kraftakt, denn der Boden ist eine unendliche Sandfläche. Das Rad wurde ja schon lange erfunden – und der Widerstand wäre damit bestimmt geringer...

Um viele Eindrücke reicher, verlassen wir am 6. Juni 2007 Sinzogoro wieder in Richtung Rundu. Der Abschied von Silvia und Friedwart fällt nicht leicht, wir fühlten uns richtig zuhause – nochmals ganz herzlichen Dank euch beiden für die schöne gemeinsame Zeit!

260 trostlos eintönige Kilometer trennen uns noch von Grootfontein. Nach gut 120km sind wir gezwungen bei einer Pic-Nic-Area zu campieren. In Rundu mussten wir unsere Uhr um eine Stunde zurückstellen und so ist es jetzt bereits um 17.30 Uhr dunkel. Für uns heisst das, dass wir spätestens um 17.00 Uhr ein Camp haben müssen und dann dalli dalli.

08. Juni – Happy Birthday, Roland! Wir erwachen nach einer kalten Nacht am Rand eines Stoppelfelds – 2°C herrschen morgens im Zelt – und Sabine trällert erst mal Happy Birthday in allen erdenklichen Sprachen :o). Bald sind wir im Sattel, wollen die verbleibende Strecke nach Grootfontein in einem Tag schaffen – die Landschaft ist ja so schrecklich öde hier! Beim Mittagsrast darf Roland sein Geschenk entgegennehmen, das Sabine schon seit Neuseeland "mitschleppt": Drei Beutel Pulver für Creme – einmal Vanille, einmal Caramel und einmal Schoggi! Jetzt brauchen wir nur noch frische Milch, was man hier problemlos auftreiben kann. Dazu gibts Schoggikuchen aus dem Supermarkt mit 24 Kerzli – was eigentlich vor 11 Jahren aktueller gewesen wäre :o).

Der Wind meints nicht gut mit uns und so übernachten wir bereits nach 85km in einem Camp. Aha, wir nähern uns deutschem Hohheitsgebiet; hier wird man mit "Tach" und "Mo-geen" begrüsst! Abends gehen wir schick essen.

Am 09. Juni erreichen wir Grootfontein, wo wir einen Ruhetag einschalten. Roland pedalt zum 30km entfernt gelegenen Hoba Meteoriten, der vor ca. 80'000 Jahren vom Himmel geplumpst ist, beachtliche 66 Tonnen wiegt und zu über 90% aus Eisen besteht. Sabine beschliesst den Tag lesend und Berichte schreibend zu verbringen (Was!? – 60km für einen Metallbollen!?!).

Tagsdarauf rollen wir in Tsumeb ein – alles gegen den Wind! Wir besuchen die kleine aber erstaunlich grüne Stadt, die sehr deutsch angehaucht ist, auch wenn man sich in die 50er Jahre zurückversetzt fühlt. Geschäfte, Kleidung, Werbetafeln – alles ziemlich bieder. Tsumeb hat ein interessantes Museum und so lernen wir einiges aus der Zeit, als die deutsche Schutztruppe die Gegend vor Burenangriffen schützte. Auch viele Kristalle und Erze sind ausgestellt; die Region um Tsumeb ist reich an Bodenschätzen.

Im Mousebird Backpackers beziehen wir für vorerst zwei Nächte ein schönes Zimmer. Leider müssen wir feststellen, dass unsere Ersatz-Matten noch nicht eingetroffen sind – liegen wir halt noch länger flach...

Am Mittwoch, dem 13. Juni 2007, mieten wir für drei Tage ein Auto – wir wollen den Etosha Nationalpark besuchen. Es wird ein unvergessliches Erlebnis werden! Oryxe, Springböcke, Gnus, Zebras, Rotkuhantilopen und Elefanten erspähen wir in grossen Herden. Giraffen, Kudus und Strausse hats hier in rauhen Mengen und an den wenigen Wasserlöchern herrscht Hochbetrieb. Sogar 4 Löwinnen auf der Lauer im hohen Gras können wir entdecken. Stunden verbringen wir mit Tierbeobachtungen, staunen über das soziale Verhalten, denn an den Wasserstellen herrscht eine klare Hierarchie. Eines der Highlights tagsüber stellt zweifellos eine ca. 500-köpfige Zebraherde an der Tränke dar – die ganze Gegend ist gestreift!

Abends besuchen wir die künstlich angelegten und beleuchteten Wasserlöcher bei den Camps. Elefantengruppen mit rund 15 Tieren, Spitzmaulnashörner und Giraffen stillen hier ihren Durst. Honigdachse und Schakale machen sich in der Zwischenzeit über die Abfalleimer her. Webervögel bauen fleissig an ihren Kommunalnestern, welche nicht selten 100-jährig oder älter sind.

Auch landschaftlich ist der Etosha sehr abwechslungsreich: Nebst der scheinbar endlosen Salzpfanne, fahren wir auch durch Wald, Gras- und Savannenlandschaft – ein eindrückliches Wechselspiel von Farben.

Ja, und ob ihr's glaubt oder nicht; wir bringen es sogar fertig, mit dem Auto einen Platten einzufangen – und das in totaler Abgeschiedenheit am Rand der Pfanne! Platte am Velo, Platte am Auto – irgendwie ist uns ersteres lieber :o).

Nochmals vier Nächte verbringen wir im Mousebird. Wir geniessen die gemeinsame Zeit mit Claudia, Thomas und ihrem vierjährigen Sohn Leon. Sie sind im September in St. Gallen mit ihrem Hanomag losgefahren und haben die west- und zentralafrikanischen Länder bereist. Auch Pascal gesellt sich zu uns. Er hat vom Elsass aus per Velo in der gleichen Zeitspanne dieselbe Strecke zurückgelegt! Auch stehen bei uns noch einige Reparaturarbeiten an und der Reisebericht will ebenfalls fertiggestellt sein.

Am Dienstag, dem 19. Juni, gehts bei uns weiter: Wir freuen uns, denn endlich soll es landschaftlich schöner und abwechslungsreicher werden – wir sind gespannt, was uns erwarten wird!

Tourenstatistik:
  • Anzahl Reisetage:
  • Anzahl Velotage:
  • Total Velodistanz:
    Davon nicht asphaltiert:
  • Total gefahrene Höhenmeter:
  • Total reine Fahrzeit:
660
342
21'035km
868km
149'835m
1'838h 35min

Zu den Fotos...

Sabine & Roland, 18.06.2007

© pk&mk 24.06.2007