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Safari-SalamaReisebericht 18 vom 01.03. - 04.04.2007Auckland - Samoa - Auckland |
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Am Donnerstagabend, dem 01. März 2007, fliegen wir von Christchurch via Wellington nach Auckland, wo die Maschine planmässig um 22.00 Uhr landet. Leider müssen wir unser sämtliches Gepäck aus- und wieder einchecken, denn der Weiterflug in die Südsee geht erst um 01.00 Uhr, also am nächsten Kalendertag, weshalb es nicht möglich ist, alles durchzuchecken. Die Velos in die Schachteln gepresst, das Aufgabegepäck "minimal optimiert", das Handgepäck "maximal optimiert". Wieder weiss die Angestellte der Air New Zealand nicht, dass uns je 10kg für Sportgepäck zur Verfügung stehen und glaubt uns erst, als sie unsere Behauptung von "oben" bestätigt bekommt. Danach will's die Dame genau wissen, und so muss Roland seinen "federleichten Handgepäckrucksack" auf die Waage legen. Zum ersten Mal auf unserer Reise wird hier das Handgepäck gewogen. Satte 14kg haben wir da reingestopft! Umpacken ist also angesagt, denn lediglich 7kg sind erlaubt. Sabines eine Hinterradtasche, die ebenfalls mindestens 10kg wiegt, vergisst sie zu wägen und in der Hitze des Gefechts entgeht es der Angestellten doch glatt, uns überhaupt etwas fürs Übergewicht zu verrechnen... und tschüss! Also, wenn das kein Paradebeispiel ist für "Management nach Helikopter": Ankommen, Staub aufwirbeln und verduften :o) Schon am Check-In kommt leichtes Südseefeeling auf: Grossfamilien – alle Mitglieder mit beachtlichen Plattfüssen in Badelatschen, robust gebaut, farbenfroh gekleidet, manche Frauen mit einer Blume im Haar – mit einer Unmenge an Gepäck. Noch viel schlimmer als wir! Kisten, Säcke, Taschen, Koffer, hier ein Wasserkocher, dort ein Venti oder ein Büchergestell. Viele Südseeinsulaner sind nach Neuseeland und Australien emigriert und unterstützen ihre Familienmitglieder in der Heimat finanziell und materiell. Samoa ist das westlichste Land auf unserem Planeten und befindet sich unmittelbar östlich der Datumsgrenze. Der 2'860 km² grosse Inselstaat ist Teil Polynesiens und 90% der 178'000 Einwohner sind polynesischer Abstammung, womit das Land die Bevölkerung mit dem reinsten polynesischen Blut aufweist. Wir verlassen Auckland am frühen Morgen des 02. März 2007 und landen vier Stunden später auf dem Faleolo Airport, der auf der Hauptinsel Upolu und 30km westlich der Hauptstadt Apia liegt. Eine drückende Wärme empfängt uns, als wir in der Dunkelheit aus dem Flugzeug steigen und über die nasse Rollbahn zum Flughafengebäude marschieren. Es ist 5 Uhr morgens, am 01. März 2007 – wir haben also einen Tag gewonnen und sind Euch nun keine 12 Stunden mehr voraus, sondern stattdessen 12 Stunden hinterher. Da wir unsere Veloschachteln noch für den Rückflug benötigen und nach Möglichkeit in Apia einstellen möchten, lassen wir uns per Taxi zur Unterkunft fahren. Diese befindet sich in einem schönen Holzbau mit kleinem Umschwung und das Gebäude ist mit dem grossen Vordach und den lamellenartigen Wandelementen, die der natürlichen Belüftung dienen, ein typisches Beispiel für Tropenarchitektur. Die Belegschaft schläft noch als wir aufkreuzen und so müssen wir die Leute erst einmal wecken. Der PC wird gestartet, die zuständige Person verschwindet schlurpend, kommt wieder, verschwindet wieder, nur um kurz darauf wieder aufzutauchen und nach sage und schreibe dreiviertel Stunden bekommen wir wunschgemäss ein Doppelzimmer zugeteilt. Wer's eilig hat, ist in Samoa fehl am Platz! Die Dame führt uns zum Raum, schliesst diesen auf, doch: aha, da liegt schon jemand im Bett...! Um 12 Uhr sei ein anderes Zimmer für uns bereit, teilt uns die Receptionistin mit, und so machen wir uns erst einmal zu Fuss auf in Richtung Stadtzentrum. Wir sind nicht mehr an dieses feucht-heisse Klima gewöhnt und so schleppen wir uns ziemlich schlapp vorwärts. Wir gehen zum Fischmarkt, der zwar schon bald zu Ende ist, wo wir aber dennoch ein breites Angebot an Fischen und Krustentieren vorfinden. Man bekommt den Eindruck, als würde hier das halbe Riff leergefischt. Nicht, dass es Unmengen sind, die auf den weissgekachelten Tresen ausgebreitet werden, aber es sind Fische in allen erdenklichen Formen und Farben, von denen wir nie gedacht hätten, dass diese essbar seien. Auf dem Busbahnhof gehts lebhaft zu und her. Uralte klapprige Fahrzeuge sind hier unterwegs: lange, farbig bemalte und genietete Blechkisten hoch über dem Fahrgestell aufgebockt geben einen Bus her. Nur die Front ist verglast; Durchzug wird bei diesem Klima aus verständlichen Gründen bevorzugt. Wir besuchen den Kunsthandwerksmarkt. Die wunderbar geformten grossen Kavaschalen aus Massivholz stechen uns dabei sofort ins Auge... wenn die bloss nicht so schwer wären ;o) Es sind Behälter für ein alkoholisches Getränk, das aus einer Wurzel gewonnen und bei Versammlungen, Besuch oder an Festen – also fast immer – getrunken wird. An einem Stand kaufen wir fritierten Fisch und fritiertes Poulet auf Nudel und Bananen, die schmecken wie Kartoffeln – die samoanische Küche gehört nicht zu den raffiniertesten. Sabine kauft sich einen Lava-Lava, dieses landestypische Tuch, welches um die Hüfte geschlungen sowohl Männern wie auch Frauen als Rock dient. Wie in Myanmar! Zurück im Hotel machen wir uns daran, unsere Räder wieder zusammenzubauen, was mittlerweile ja schon ganz zügig geht, wenn da nicht unsere Pumpe langsam den Geist aufgeben würde. Über eine Stunde benötigt Roland um die Schläuche aufzupumpen – und das bei nach wie vor drückender Hitze! Am Ende ist das eine Ventil an Sabines Rad futsch und wir müssen den Ersatzschlauch ausgraben. Todmüde sinken wir um 23 Uhr ins Bett. Auch den nächsten Tag verbringen wir noch in Apia; schlendern über den Frischwarenmarkt. Das Angebot ist im Vergleich zu asiatischen Märkten eher beschränkt: Bananen, Kokosnüsse, Tarowurzeln (wie Kartoffeln), Papaya, Mandarinen, Avocados, Gurken und Zwiebeln. In kunstvoll geflochtenen Körben aus Palmblättern wird die Ware auf dem erdigen Boden zum Verkauf ausgelegt. Die Menschen erleben wir als sehr gesprächig, ehrlich und absolut unaufdringlich und sie strahlen eine ansteckende Fröhlichkeit aus. Auch wir decken uns natürlich mit allerhand Leckereien ein: Kokosnuss trinkfertig, Mandarinen und Palusami – Kokoscreme in jungen Taroblättern im Erdofen gebraten. Köstlich! Den Nachmittag verbringen wir mit schnorcheln und tauchen dabei ab in eine faszinierende Unterwasserwelt. Bevor wir am Samstag, dem 03. März 2007 mit reduziertem Gepäck auf unsere vierwöchige Radtour durch Samoa starten, kaufen wir uns noch Schnorchel und Taucherbrille; somit sind wir bestens gewappnet für unser Südseeabenteuer! Wir verlassen Apia westwärts. Anfänglich ist die Strasse noch in gutem Zustand, geht dann aber über in ein übles Asphaltflickwerk und führt für die letzten zwei Kilometer steil eine Schotterpiste mit groben Steinen hoch. Und das alles an der prallen Sonne bei weit über 40°C. Wir kämpfen uns den Stutz hoch, trinken wie die Kamele und legen nach acht Kilometern bereits unseren ersten Halt ein. Uns erwarten die Papase'ea Sliding Rocks – Pools mitten im Regenwald, welche durch eine natürliche "Wasserrutschbahn" miteinander verbunden sind. Wir verzichten jedoch darauf, über den scharfen Fels in die unbekannte Tiefe zu rutschen und beschränken unseren Besuch auf einen erfrischenden Schwumm im kalten Nass – phantastisch! Wieder an der gut ausgebauten Küstenstrasse, fahren wir durch viele Dörfer. Die Häuser stehen alle ziemlich verstreut und so realisieren wir es kaum, wenn wir ein Dorf verlassen und in ein neues gelangen. Malo! Hey, palagi (sprich: palangi), maaalo! – Hallo! Hey, Fremder, Haaallo! Von überall her werden wir freudig begrüsst. Die Kinder kommen barfuss an die Strasse gerannt, die Erwachsenen winken uns aus den schattenspendenden Fales zu. Fales bilden die am weitesten verbreitete Form der Behausung; gefolgt von Holzhäusern mit Verschalung und gemauerten Bauten. Sie werden auf einem Sockel aus Lavasteinen errichtet und bestehen aus im Oval angeordneten Holzstützen, die ein Palmblätterdach tragen. Eine Bretterlage bildet den Boden. Mit ihrer offenen Struktur sind Fales die ideale Bauweise für diese tropische Umgebung. Blenden aus geflochtenen Palmblättern können zum Schutz vor neugierigen Blicken oder bei Regen heruntergelassen werden. Manche Familien leben in den Fales, andere benutzen es nur tagsüber und bewohnen zusätzlich ein geschlossenes Haus. Nebst den Fales und Häusern befinden sich auch die Gräber der verstorbenen Familienmitglieder auf den jeweiligen Grundstücken. Manchmal werden die Toten direkt unter dem ausladenden Vordach des Wohnhauses bestattet, in anderen Fällen wurden sogar kleine Häuser mit Giebeldach, verglasten Fenstern und Vorhängen über dem Grab errichtet. Das Grab kann pyramidenförmig sein oder auch nur eine schlichte Betonplatte, auf der eine Grabplatte mit den Namen der Verstorbenen befestigt ist. Ist die Grabplatte nicht mit künstlichen Blumen geschmückt, so dient sie als Ort um rumzuhängen oder um Wäsche zu trocknen. Etwas westlich des Flughafens befindet sich die Mulifanua-Fähranlegestelle. Hier besteigen wir um 16 Uhr die letzte Fähre des Tages, die uns zur grössten Insel Samoas, nach Savai'i, bringt. Eine Stunde dauert die Fahrt über die "Strasse von Apolima". Die See ist ruhig, das Wasser klar und leuchtend türkisblau; südlich von uns liegen die mit dichter tropischer Vegetation bewachsenen Inseln Manono und Apolima. In Salelologa legt die Fähre an; dem Hauptort Savai'is. Hier beziehen wir ein Zimmer in einem neu errichteten Motel und machen uns dann auf die Suche nach etwas Essbarem. Es ist gar nicht einfach, an einem frühen Samstag Abend eine offene Lokalität zu finden. Das einzige "Restaurant" ist bereits geschlossen, auf dem Markt die Ware praktisch ausverkauft und so bleibt uns nichts anderes übrig, als uns an einem der wenigen Lebensmittelshops – ein Bretterverschlag von ca. 3x3x3m mit Klapptresen – einzudecken. Die Auswahl ist bescheiden und die Regale zur Hälfte leer. Die Samoaner bezeichnen sie vielleicht als zur Hälfte voll – es ist alles relativ! Zwei Sorten Dosenfleisch, drei Sorten Thon in Dose, ein Weissbrot – was für eine willkommene Überraschung! – Fruchtsalat in Dose, drei Sorten Kekse, Mehl, Salz, Pommes Chips, Nudeln, Seife, Zahnpasta und Windeln im Einzelverkauf. Wir kaufen Thon, Brot und ein Pack Kekse, das wir auf der Terrasse unserer Unterkunft verzehren. Zum Glück hält sich unser Hunger bei diesen Temperaturen in Grenzen! Die Samoaner sind ein sehr religiöses Volk. Der Sonntag ist dem Kirchenbesuch sowie der Familie gewidmet. In jedem Dorf stehen mehrere Kirchen – alles mächtige Bauten – als wollte man sich gegenseitig übertrumpfen. Absplitterungen der christlichen Hauptkirchen haben hier die Oberhand. In strahlendes Weiss gekleidet, das Gebetsbuch unter den Arm geklemmt, sind die Gläubigen zu Fuss auf dem Weg zum Gottesdienst. Die Frauen in langen Röcken und schickem breitkrempigem Hut, manche mit einer frischen Frangipani- oder Hibiskusblüte im Haar, die Männer in weissem Lava-Lava, weissem Hemd und Kittel, sowie Krawatte. Die Füsse stecken in Badelatschen. Auch die Jüngsten sind feinsäuberlich herausgeputzt und die Mädchen sehen aus wie kleine Bräute. In der Ferne ertönen melodiöse Gesänge – das scheint ja richtig feierlich zu sein! Wir stürzen uns in unsere besten Stücke – etwas beschämt müssen wir zugeben, dass wir zwar sauber, aber nicht im Entferntesten schick daherkommen – und schwingen uns auf unsere Radel. Seit Langem ziehts also auch uns mal wieder in eine Kirche! Schon beim ersten Gotteshaus winken uns die Leute herbei. Wir steigen von den Rädern, stellen diese in den Schatten und setzen uns in die hinterste Kirchenbank. Sitzt man in der hintersten Bank, so ist das hier nicht wirklich zuhinterst, denn auch unter dem gedeckten Vorplatz sind Menschen versammelt; andere verfolgen den Gottesdienst unter einem schattenspendenden Baum sitzend. Man plaudert, spaziert auf und ab und die Kinder verwandeln den Mittelgang in einen Spielplatz. Ein angenehmer Durchzug herrscht im Gotteshaus. Alle Fenster an den Längsseiten stehen offen und über unseren Köpfen wirbeln die Ventilatoren um die Wette. Manche Leute haben einen Fächer dabei, andere "winden" mit der Bibel. Wir haben keine Ahnung, bei welcher Sekte wir gelandet sind, was auch gar keine Rolle spielt, denn ein Erlebnis ist es allemal. Mit einer Freude und aus voller Kehle singen Jung und Alt die Kirchenlieder, die Predigt ist auf samoanisch und erst als das Wort "palangi" fällt, realisieren wir, dass der Pfarrer sich an uns wendet. Gerade nochmals Glück gehabt! Er wiederholt seine Worte auf englisch und heisst uns vor der ganzen versammelten Gemeinde willkommen. Mit Erstaunen stellen wir fest, dass mitten im Gottesdienst die Namen aller Kirchgänger heruntergelesen werden; zusätzlich ein Betrag in der lokalen Währung Tala. Vor der Kirche sehen wir auch eine Frau sitzen, die Geld von den einheimischen Gläubigen einzieht und diesen Betrag in ein Buch notiert. Später erfahren wir, dass die Leute einen grossen Teil ihres Lohnes der Kirche "spenden". "Spenden" ist dafür wohl das falsche Wort, denn der Druck, der dadurch entsteht, dass öffentlich der Betrag verlesen wird, ist enorm hoch und da will natürlich keiner hinten abfallen. Kein Wunder sind die Kirchen alle so gross und die Neubauten schiessen wie Pilze aus dem Boden – das sind die einzigen Baustellen, die wir auf der Insel sehen... Gottesdienste können hier problemlos drei Stunden dauern, und so brechen wir nach einer Stunde auf. Wir wollen noch in die "Kathedrale" des Ortes gehen. Obwohl dort zwar bald Schluss ist, setzen wir uns noch hin. Als die Leute den Raum verlassen, werden wir von allen gegrüsst. Manche schütteln uns die Hand und heissen uns auf Samoa willkommen. Eine Frau fragt uns gar, ob wir denn keine Fotos machen wollen, etwas, was uns in diesem Moment eigentlich als unpassend erscheint. Doch es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Einheimische uns bitten, sie zu fotografieren. Wir haben das auch bereits in Laos und im tibetischen Raum erlebt. Vor der Kirche werden wir dann auch schon von den Kindern erwartet, die ungeduldig darauf warten, dass sie vor der Linse posieren dürfen. Wir werden Savai'i im Gegenuhrzeigersinn umrunden und fahren an diesem Tag bis nach Lano, welches nur 19 km nördlich von Salelologa liegt. Unterwegs lädt uns Lami, ein Einheimischer, zum Mittagessen in sein bescheidenes Haus ein. Taro, Palusami und je zwei Stück Schweinshals an brauner Sauce werden uns serviert. Dazu gibts Kakao. Stolz erzählt uns der Mann, dass er vor Kurzem eine E-Mail erhalten hätte, in der man ihm mitgeteilt hat, dass er einer von weltweit 50 "Gewinnern" sei, die sich den Inhalt eines Jackpots in mehrfacher Millionenhöhe teilen können... sofern er vorgängig 2'000 britische Pfund auf ein genanntes Konto einzahle. Sofort werden wir stutzig. Lami bringt uns die Korrespondenz, denn er hat bereits geantwortet und mitgeteilt, dass er zwar am Betrag interessiert, jedoch nicht in der Lage sei, die geforderte Summe zu bezahlen. Wir versuchen ihm zu erklären, dass es sich hier um einen Betrug handelt und dass er auf keinen Fall etwas einzahlen soll. Lange reden wir mit ihm und am Ende scheint er verstanden zu haben, dass er wohl die Finger von dem verlockenden Angebot lassen sollte. Es ist aber nicht zu übersehen, dass der Mann natürlich sehr enttäuscht ist, wurde doch soeben sein Traum zerschlagen. Es ist einfach unfassbar, mit welcher Skrupellosigkeit diese Internetkriminellen offensichtlich selbst vor der armen Bevölkerung keinen Halt machen. In Lano erwartet uns ein traumhaft schöner korallenweisser Sandstrand mit Kokospalmen. Hier mieten wir ein Beach-Fale. Sofort tragen die Betreiber geflochtene Matten, Matratzen, Bettzeug, Moskitonetz und Glühbirne heran und in kürzester Zeit ist unsere Unterkunft hergerichtet. Wir sind weit und breit die einzigen Gäste – ist das nicht Luxus pur! Tenuewechsel und ab in die riesige Badewanne! 30°C warm ist das Wasser; infolge des Klimawandels 2°C wärmer als noch vor ein paar Jahren. Für die Korallen ist dies mittlerweile zu warm und das Riff ist schon arg zerstört. Trotzdem gefällt es uns hier sehr gut und so werden halt aus einer Nacht deren drei. Morgens und abends werden wir immer hervorragend bewirtet: Fangfrischen Fisch, Palusami, Taro, Reis, Kokossaft. Spannende Lektüren, Scrabble und Sudoku verkürzen die Zeit zwischen den Plansch-Phasen. Jede Nacht gibt es heftige Regenfälle und so sind Roland und der Falebesitzer gezwungen bei strömendem Regen mit Blachen unser leckes Dach abzudichten. Upolu und Savai'i sind Vulkaninseln – allein auf Savai'i befinden sich 470 Vulkankegel. 1905 erfolgte am Mt. Matavanu der letzte grosse Ausbruch. Mehrere Dörfer wurden verschüttet, als die Lavamasse am nordöstlichen Zipfel der Insel ins Meer strömte. Viele Menschen kamen um, manche konnten sich mit ihren Holzbooten nach Apia retten. Dieses Lavafeld ist noch sehr gut ersichtlich; nur langsam kann die Vegetation wieder Fuss fassen. Die erstarrte Lava hat skurrile Formen zurückgelassen: Wülste und Furchen, wie eine Teigmasse unter dem Knetstab. Wir besichtigen eine Kirche, die von einer 10m hohen Lavaschicht umgeben und wo das Magma durchs Kirchenportal eingedrungen ist. Ringsum gedeiht bereits wieder Regenwald und es kommt uns vor, als befänden wir uns in einer anderen Welt – Pompeij in jüngerer Zeit. Als wir die Fahrt fortsetzen stellen wir erstaunt fest, dass es sogar Familien gibt, die auf dieser unwirtlichen Lavamasse leben. Später erfahren wir, dass diese Leute aus ihren Dörfern verbannt wurden, weil irgend ein Mitglied etwas auf dem Kerbholz hat. Rechtssprechung in erster Instanz fällt u.a. in den Zuständigkeitsbereich der Matais. Das jeweils älteste Familienmitglied hält den Status des Matai inne. Einmal wöchentlich treffen sich die Oberhäupter zum Matai-Meeting, welches in einem grossen Fale abgehalten wird. Dorfangelegenheiten werden bei dieser Zusammenkunft diskutiert oder eben Vergehen geahndet. Strafen können von Dosenfisch, Schweinen oder Kühen, die der fehlbare Familienclan opfern muss, bis hin zur Verbannung aus dem Dorf oder gar Wegweisung von der Insel reichen. Polizei sehen wir hier nie unterwegs; die soziale Kontrolle im Land ist stark ausgeprägt und Probleme werden dorfintern gelöst. Die Kriminalität im Land ist sehr niedrig, die Selbstmordrate unter den Jugendlichen jedoch eine der Höchsten weltweit. Die Gemeinschaft ist hier alles, das Individuum nichts und so mangelt es vielen Jungen an Selbstbewusstsein. Man arbeitet, um die Familie zu unterstützen, für sich selber kann man nichts auf die Seite legen. In Manase, dem touristischsten Ort auf Savai'i, bleiben wir ebenfalls drei Nächte. Der Tourismus ist in Samoa noch nicht stark verbreitet und so ist es auch hier sehr angenehm. Wir lernen Harry aus Finnland kennen, den wir – mit Unterbrüchen – bis nach Apia immer wieder antreffen werden. Von Manase fahren wir in einem Tag nach Falealupo-Tai. Eine anstrengende Fahrt ins gebirgigere Landesinnere steht uns bevor. Diese Gegend ist kaum besiedelt und wir sind von üppigem Regenwald umgeben. Es ist extrem anstrengend bei diesem schwül-heissen Klima unterwegs zu sein und wir können uns gar nicht mehr vorstellen, wie wir Malaysia damals überlebt haben. Als wir nach 60km und über 600 Höhenmetern unser Tagesziel erreichen, sind wir ziemlich geschafft. Für zwei Nächte beziehen wir ein Beach-Fale. Als wir Falealupo-Tai am 12. März 2007 verlassen, regnet es leicht. Diese täglichen Regenschauer sind uns immer sehr willkommen, bringen sie doch eine kleine Abkühlung. Regnets dann zu heftig, so finden wir auch schnell ein Fale, in dem wir unterstehen können. Auf sandigem Pfad, der direkt entlang der Küste führt und beidseitig mit schattenspendenden Kokospalmen gesäumt ist, fahren wir ans Cape Mulinuu. Dies ist der westlichste Punkt auf der Welt und wir befinden uns nur 37km östlich der Datumslinie. Das ist schon ein spezielles Gefühl; vor allem wenn wir uns mal wieder ins Gedächtnis rufen, wo auf dem Globus wir derzeit überhaupt stecken: auf einem verschwindend kleinen Fleckchen Erde, inmitten eines riesigen Ozeans! Über Satuiatua gelangen wir zurück nach Salelologa, wo wir auch schon wieder auf Harry treffen. Die Südküste Savai'is weist vermehrt Strände aus Lavasand auf. Hier machen wir auch einen Abstecher zu den Alofaaga Blowholes. Es sind kanalartige Öffnungen in der erstarrten Lavamasse, durch die die Wellen gepresst werden und als Fontänen in die Höhe schiessen. In Salelologa lernen wir auch Tom, einen ca. 55-jährigen Engländer, kennen, und während Sabine sich für einen Ruhetag entscheidet, besuchen die drei Männer den Afu Aau Wasserfall – ein Fall von 20m Höhe mit Pool mitten im Dschungel. Unsere Gastgeber sind sehr aktiv in der Kirche und dort für die Jugendarbeit verantwortlich. Am Abend laden sie uns ein, eine Veranstaltung zu besuchen, die fünf Dörfer weiter entfernt stattfindet. Es ist ein Musik-Theater-Festival, an dem Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren teilnehmen. Gesänge und samoanische Legenden werden aufgeführt. Andere Zuschauer leisten uns wertvolle Dolmetscherdienste. Die Darbietungen sind sehr unterhaltsam, auch wenn alles ziemlich unkoordiniert und chaotisch verläuft und die Mehrheit der Zuschaür gar nicht richtig zuhört. Am Samstag, dem 17. März 2007, setzen wir wieder nach Upolu über. Nach zwei Tagen mit zum Teil starkem Niederschlag, brennt heute die Sonne wieder heftig auf uns nieder. Innert kürzester Zeit sind wir schweissgebadet. Wir sind froh, dass wir im Schatten der Palmen entlang der Küste fahren können und starten mit der Inselumrundung ebenfalls im Gegenuhrzeigersinn. Mittagsrast legen wir bei einem Lebensmittel-Schopf ein, kaufen zwei Instantnudelsuppen – Importware aus China – die uns die Verkäuferin mit kochendem Wasser aufgiesst. Flüssigkeit und Salz – jetzt fehlen eigentlich nur noch die Vitamine. Ausserhalb Apias und Salelologas zu Früchten oder Gurken zu kommen, ist fast unmöglich. Stände entlang der Strasse sind kaum vorhanden. Irgendwie logisch, wenn man bedenkt, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt und somit Selbstversorger ist. Manchmal haben wir Glück und begegnen unterwegs einem Kokosbauern, der mit seiner Ernte, die er über der Schulter trägt, entlang der Strasse läuft. Wir kaufen zwei Nüsse, die das Gegenüber uns mit der Machete öffnet, sodass wir den erfrischenden Saft trinken können. Schätzungsweise einen halben Liter Flüssigkeit können wir auf diese Weise zu uns nehmen. Bald erreichen wir den südlichen Küstenabschnitt, wo wir auch schon wieder heftig in die Pedale treten müssen. Einen Hügel gilt es zu überqueren, der die Verbindung herstellt zwischen dem Festland und einer kleinen Halbinsel. Steil führt die beinahe schnurgerade Strasse bergwärts und verlangt uns alle Kräfte ab. Mehr als einmal legen wir Halt ein, damit wir verschnaufen, trinken und die Sicht über den Regenwald aufs azurblaue Meer und die kokosgesäumten Sandstrände geniessen können. Dieser Abschnitt ist zwar anstrengend, aber wunderschön und so entschädigt uns die Natur einmal mehr für die Strapazen. Die Strasse führt durch dichten Tropenwald und bald steht uns auch schon eine rasante Abfahrt bevor an deren Ende wir eine Furt überqueren müssen. In Saanapu mieten wir für zwei Nächte ein Bungalow. Die Strecke nach Lalomanu, am südöstlichen Ende der Insel, teilen wir in zwei Etappen auf. Wir kommen dabei an zwei Wasserfällen vorbei – dem Togitogiga – und dem Sopoaga-Wasserfall. Beim "To Sua Trench" erwartet uns ein sehr schöner Küstenabschnitt, der uns sofort an die Curio Bay in Neuseeland erinnert. Nur zu Fuss ist dieser Küstenstreifen erreichbar. Über Lavafelsen steigen wir hinunter auf Meereshöhe. Bei Ebbe ist der Besuch am lohnenswertesten, denn da kommen die Aquarien am besten zur Geltung: Löcher in der Lavamasse, gefüllt mit Korallen in rosa, beige und hellblau und natürlich das volle Spektrum an Rifffischen, Krebsen und Muscheln. Lalomanu ist der touristischste Ort Samoas und nach so langer Zeit der Zweisamkeit macht es uns auch gar nichts aus, uns mal wieder mit anderen Reisenden auszutauschen. Wir treffen natürlich wieder auf Harry und Tom, sowie auf viele andere interessante Leute, mit denen wir uns oft bis spät abends unterhalten: Medizinstudentinnen aus England, die hier ein Praktikum absolvieren, Australierinnen, die an Entwicklungsprojekten mitarbeiten, einen österreichischen Bauingenieur, der von der EU aus Partnerprojekte betreut, Familien mit Kindern, reisefreudige Pensionierte, Matrosen eines Schiffes der US Küstenwache, die in Apia anlegen mussten, weil ihr Schiff einen Motorschaden hat und sie nun auf Ersatzteile warten, Surfer, die hier auf gute Wellen hoffen, Amis, die Dschordsch Dabbeljuu immer noch super finden, einen Zahnarzt, der auch Zauberer ist und natürlich eine ganze Menge Leute, die einfach hier sind, weil's so erholsam und schön ist. Ach ja, und dann wäre da noch "Barney", den Sabine so getauft hat, weil er eine verblüffende Ähnlichkeit aufweist mit "Barney Feuerstein" (das ist der kleine blonde Dicke der Familie Feuerstein), einen ultrakurzen Lava-Lava umgeschlungen hat – das tropische Pendant zur Fellversion – und auch keinen Hehl daraus macht, dass er hier ist um die Bordelle Apias abzuklappern und die Männer während des Abendessens geifernd mit brandheissen Tipps versorgt... Und dann hat sich der widerliche Kerl auch noch in Sabine verguckt – total plump zwar und alles Wedeln mit dem Ehering nützt nichts – was natürlich umgehend zur Folge hat, dass Roland nur noch mit Genehmigung ins Wasser, auf die Toilette oder sonst irgendwohin gehen darf. Und so nach dem Motto: "And what do you do, when you don't have sex?", erfahren wir, dass "Barney" – es ist zum Kreischen – Architekt ist in Neuseeland... und so weiss er angeblich bestens über Le Corbusiers Liebesleben Bescheid, was an der ETH nicht abgehandelt wurde und uns eigentlich auch nicht näher interessiert... Acht Nächte bleiben wir in Lalomanu, wohnen wieder in einem Beach-Fale, werden kulinarisch so hervorragend verwöhnt, wie noch nie seit wir in Samoa sind, geniessen während unzähligen Schnorchelgängen die Vielfalt unter Wasser und kommen kaum dazu unsere Weiterreise durchs südliche Afrika zu planen oder diesen Reisebericht zu verfassen, denn natürlich dürfen auch wir immer wieder von unserer Reise berichten. Die Fahrt zurück an die Nordküste führt durch die Berge und ist einmal mehr sehr spektakulär. Wir sind umgeben von üppig bewachsenen Vulkankegeln. Bei drückender Hitze, kämpfen wir uns den Le Mafa Pass (425m.ü.M) hoch und – wie könnte es anders sein – haben doch glatt 200m unter der Kuppe noch eine Panne: Kettenriss bei Sabine. Nach 30 Minuten ist auch dieser Schaden behoben und so nehmen wir die letzten paar Höhenmeter noch unter die Felgen. Zuoberst werden wir – wie täglich – von kläffenden Hunden verfolgt, die sich aber bald aus dem Rennen zurückziehen, denn nun sind wir im Vorteil: es geht abwärts! In Saoluafata bleiben wir nur eine Nacht, denn das Beach-Fale ist etwas gar schmuddelig und eine Ratte kackt uns von oben immer aufs Moskitonetz. Bevor wir am 29. März 2007 zurück nach Apia pedalen, legen wir beim Piula Cave Pool noch einen Halt ein. Das sind zwei Pools mit kristallklarem Wasser direkt am Meer, die durch eine Quelle gespiesen werden und teilweise in einer Vulkanhöhle liegen. Durch einen 3m langen engen Gang, der völlig unter Wasser ist, sind die Pools miteinander verbunden. Roland nimmt seinen ganzen Mut zusammen und schwimmt hinein ins Dunkel. Am Ende des einen Pools taucht er ab und sucht, direkt am Boden schwimmend, die Felswand nach der Öffnung ab, die in den Verbindungsgang führt. Er erspäht einen feinen Lichtschimmer und kommt nochmals kurz hoch, um Luft zu schnappen. Dann taucht er erneut ab und nach wenigen Zügen hat er's auch schon geschafft und kommt im anderen Pool wieder hoch. Zurück ist's dann doch etwas unangenehmer, denn man kann kein Licht erkennen und taucht einfach hinein in den finsteren Gang. Alle Achtung! Als wir uns auf der Einfahrt nach Apia befinden, kommen wir an einer grossen Baustelle vorbei. Banner in chinesischer Schrift begrenzen das Gebiet. Es ist die Stadion-Anlage für die "2007 South Pacific Games", die hier im August stattfinden werden. Angeblich wurden die Sporteinrichtungen zu einem grossen Teil von den Chinesen finanziert. Das ist erfreulich, denn es zeigt, dass auch China sich an "Entwicklungsprojekten" beteiligt. Ob die wohl bereits ein Auge auf den ausgedehnten tropischen Regenwald geworfen haben... Auf Fiji wurden vor kurzem chinesische Shops und andere Einrichtungen angezündet, da die Wirtschaft sich zunehmend in den Pranken der Pandas befindet. Doch – und da klingt nun kein Zynismus mit – kann man das diesem geschäftstüchtigen Volk verübeln? China ist nicht umsonst auf dem Vormarsch! Die Samoaner sind, um es mit ihren eigenen Worten auszudrücken, ein faules Volk ("We are lazy people"), sind froh, wenn sie nicht zuviel arbeiten müssen und stattdessen im Schatten rumhängen können – von der Hand in den Mund leben, das reicht. Entwicklungshelfer vollbringen auch hier wieder Wunder. Was nützt es, Projekte hochzuziehen, wenn die Anlagen nachher verlottern, weil keiner Unterhalt betreibt? Wir wollen eine Frauenorganisation besuchen, in der Kunsthandwerk herstellt wird – der Schuppen ist verlassen. Projekte, die von der EU mitfinanziert werden und eine Bausumme ab einer gewissen Höhe generieren, werden in Europa ausgeschrieben – welche Chance hat da lokales Gewerbe? Bauteile und Elemente erreichen die Südsee per Frachtschiff innert vier bis sechs Wochen – alles piccobello Massarbeit! Im August werden hier, wie erwähnt, die südpazifischen Spiele ausgetragen. Noch ist nicht klar, wo die 5'000 Athleten und rund 1'000 Zuschauer untergebracht werden sollen. Ob die sich wohl alle mit einfachen Beach-Fales mit einem WC für 30 Personen und Duschen, die aus nicht mehr als einem 25mm Kunstoffrohr bestehen, zufrieden geben werden und wo man morgens eine vor Fett triefende Omelette serviert bekommt? Wir haben uns für Einfachheit entschieden, haben das bewusst so gewählt und nie bereut. Aber die Athleten? Wir möchten ja keinen 1'000m-Lauf mit Schlabberomelette im Magen absolvieren müssen – und das erst noch auf Zeit... Auch der öffentliche Verkehr sollte noch ausgebaut werden, denn es ist mittlerweile unumgänglich, dass die Teilnehmer über beide grossen Inseln verstreut untergebracht werden müssen... aber warum die ganze Aufregung – der Startschuss fällt ja erst in vier Monaten! Und wie gesagt – lassen wir dabei aber mal die lästige Frage nach der Finanzierung ausser Betracht – innert einem Monat könnte ja auch die Ware aus Europa rübergeschippert werden. Wer weiss, vielleicht arbeiten ja im fernen Ausland bereits einige Architekten Nachtschicht und entwickeln vorfabrizierte und stapelbare Schlaf-Kuben, optional mit Aircon, Venti oder als Modell "Meeresbrise". Bei der Planung ist aber nicht zu vergessen: standfest gegen Zyklone sollten die Dinger auch noch sein! Global-Networking nennt man das, oder? Am Montag, dem 2. April 2007, fliegen wir zurück nach Auckland. Nur noch zwei Tage verbringen wir im Land der Kiwis und flattern dann am frühen Morgen des 5. April via Sydney nach Johannesburg und von dort tagsdarauf weiter nach Gaborone, der Hauptstadt Botswanas. Schlafen also in nächster Zeit auf den Flughäfen. Somit treten wir in Bälde unsere Heimreise an – fortan gehts nur noch west- und nordwärts! Wir freuen uns sehr auf den afrikanischen Kontinenten, haben uns entschieden "nur" Botswana, Namibia und allenfalls einen Teil Südafrikas zu bereisen. Wir starten unseren bevorstehenden Abschnitt aber mit grossem Respekt – es wird die grösste Herausforderung unserer Reise werden: Hitze, dünne Versorgungslage, lange Distanzen, Wasserknappheit... Wir halten Euch auf dem Rollenden! Tourenstatistik:
Sabine & Roland, 04.04.2007 |
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