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Safari-SalamaReisebericht 17 vom 29.01. - 01.03.2007Queenstown - Invercargill - Dunedin - Christchurch - Auckland |
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Kalte 12°C herrschen und es regnet in Strömen, als wir am Montag morgen, dem 29.01.07 startklar in Grahams Wohnzimmer stehen. Ehrlich gesagt kann sich niemand von uns so richtig vorstellen, bei diesem Hundewetter loszudüsen. Und so schalten wir erst einmal eine Krisensitzung ein: Noch einen Tag in Queenstown einlegen? Silvia und Beata schütteln heftig den Kopf. Direkter Bus nach Te Anau? Sabine und Roland schütteln ebenso heftig den Kopf. Asphaltierte Strasse "aussen rum" via Kingston, Lumsden und Mossburn? oder: Dampfschiff über den Wakatipu-See, knapp 90km Schotterpiste und schöne Landschaft? Nach einer Stunde – der Regen hat mittlerweile etwas nachgelassen – sind wir gleich weit wie gestern und entscheiden uns – wen wundert’s – für die Dampfschiff-Schotter-Variante. 1912 wurde die TSS Earnslaw in Dunedin gebaut, dort gleich wieder zerlegt und per Zug nach Kingston gebracht, wo sie wieder zusammengenietet wurde. Sie diente als Transportmittel für die elf abgelegenen Farmen, die am Lake Wakatipu lagen und stellte für die Anwohner die wichtigste Verbindung zur Aussenwelt dar. Das Schiff operierte vor allem als Gütertransportschiff und konnte ursprünglich bis zu 1'500 Schafe, 30 Stück Vieh oder 1'000 Passagiere befördern. Während der einstündigen Überfahrt wird eine Tonne Kohle verfeuert – ausnahmsweise können wir mal den Faserpelz beiseite legen ;-). Es weht ein frischer Wind als wir lospedalen und wie so oft in Neuseeland, wissen wir auch jetzt nicht, was wir am Besten anziehen sollen. Jacke? Regenjacke? Lange Hose? Kurze Hose? Regenhose? Ihr seht, trotz beschränkten Platzverhältnissen, haben wir doch eine beachtliche Garderobe zur "Auswahl-Qual"... Die Fahrt führt über sanfte Hügel, vorbei an Schafweiden, wo Merinos grasen und der Schotter ist trotz der heftigen nächtlichen Regenfälle gut befahrbar. Zu unserer Rechten haben wir anfänglich noch den hellblauen Wakatipu-See; im Hintergrund die frisch schneegepuderten Berge. Auch zwei Furten gilt es zu überqueren, was wir glücklicherweise alle trocken hinter uns bringen. Nach einem etwas zäheren Anstieg ändert sich die Vegetation schlagartig: Wir befinden uns auf einer kargen Hochebene – im Norden durch die Thomson Mts, im Südosten durch die Eyre Mts eingefasst. Es ist faszinierend: um uns herum nichts als trockene Grasbüschel, soweit das Auge reicht. Dies ist wieder einmal ein solcher Abschnitt, wo man im Nu gedanklich wegdriftet, strampeln tun die Beine von selber – alles geht ganz einfach. Ein fast unbeschreibliches Gefühl. Da! Roland bremst ab! Am Pistenrand entdeckt er ein Albino-Frettchen, das zwar nicht scheu ist, aber dennoch flink genug, um der Fotolinse zu entkommen. Bei den idyllisch in einem Wald gelegenen Mavora-Seen richten wir uns für die Nacht ein. Dabei leistet uns "Robin" – ein kleiner neugieriger Vogel auf dünnen Stelzenbeinen – Gesellschaft: Er stibitzt aus unseren Töpfen, und selbst wenn man in die Büsche geht, ist man nicht unbeobachtet. Mit dem WC-Papier im Schnabel davonflattern findet er besonders toll... Und dann schnappt er uns wieder die Karotten, naja...!?! Te Anau bildet für uns den Ausgangspunkt um zum 120km nördlich gelegenen Milford Sound zu gelangen. Der ganze Südwesten der Südinsel wurde zum Fjordland Nationalpark erklärt und gehört mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von 6'000-7'000mm zu den regenreichsten Gebieten unseres Planeten. Die Wahrscheinlichkeit ist also gross, dass auch wir die Strecke zum Milford Sound bei Regen werden zurücklegen müssen - und dann ist es erst noch eine Sackgasse! Irgendwie hält sich bei uns allen die Motivation etwas in Grenzen... Aber an einer organisierten Tour teilnehmen, das wollen wir schon gar nicht – den ganzen Tag ein Riesenstress; von morgens um acht bis abends um sechs: rein in den Bus, Informationsschwall, raus, knipsi, knipsi, rein, weiter, raus, knipsi, knipsi, rein und weiter – für uns der blanke Horror! Wir wollen uns Zeit nehmen für das was wir machen! Also, wir könnten ja auch ein Auto mieten, meint Roland – Mensch, wir sind offenbar schon derart velodegeneriert, dass wir an diese Möglichkeit fast nicht mehr gedacht haben... gesagt, getan! Es herrscht eine spezielle Stimmung am Morgen früh. Über dem Lake Te Anau spannt sich in Halbkreisform ein perfekter Regenbogen und die Berge und Felder leuchten intensiv in der Morgensonne. Wir fahren durch dichten Regenwald und je mehr wir uns dem Milford Sound nähern, desto dunkler werden die Wolken. Wir passieren den Homer Tunnel (ca. 800m.ü.M.) – einen der wenigen Tunnel Neuseelands! Bis zum Milford Sound fällt die Strasse teilweise serpentinenartig ab. Beidseitig der Strasse ragen steile Granitwände senkrecht zum Himmel empor. Überall plätschert es und Wasserfälle stürzen tosend zu Tal. Gute 2 Stunden dauert die Schifffahrt durch den Milford Sound. Es ist schon eindrücklich, wenn man da – natürlich in voller Regenmontur – so auf dem Deck steht; neben sich eine 1'600m hohe senkrechte Felswand. Pelzrobben erspähen wir und eine Gruppe "Bottlenose-Delfine". Wir verlassen Te Anau in südlicher Richtung und folgen der sogenannten "Southern Scenic Route" nach Tuatapere. Es ist uns zwar nicht ganz klar, weshalb die Strecke diesen Namen trägt, ist sie doch eher etwas monoton: Farm reiht sich an Farm. Wir befinden uns an einer kleinen Hügelauffahrt, als es plötzlich laut knallt: Rolands Hinterreif ist geplatzt! Wir schieben unsere Räder hoch auf die Kuppe und starten sogleich mit den Reparaturarbeiten. Zu viert schaffen wir das im Nu und jeder Handgriff sitzt. In Tuatapere verzichten wir aufs Kochen, denn es fängt an wie aus Kübeln zu giessen, kaum sind unsere Zelte verankert. So schnell geht das hier in Neuseeland: Man erreicht das Ziel bei klarem Himmel, es windet, Wolken ziehen auf und schon kübelt es. Wir geniessen eine Riesenportion Pommes frites, fritierte Muscheln, fritierte Ananas, Burger und Tortillas – kann man sich etwas Ungesunderes vorstellen? Es schmeckt auf alle Fälle ausgezeichnet! Bevor wir am 03.02.07 in Invercargill einrollen, legen wir in Riverton Mittagsrast ein. Das schmucke Städtchen, schön an einem kleinen Meeresarm gelegen, war ursprünglich eine Basis für Wal- und Robbenjäger. Leider wird das Ortsmuseum gerade renoviert, denn gerne hätten wir uns etwas über die Zeit der Walfängerei informiert. Drei Nächte bleiben wir in Invercargill, wo wir in einem einladenden Hostel in viktorianischem Stil wohnen. Beata und Roland flicken Beatas Hinterrad, bei welchem schon wieder eine Speiche geborsten ist... wie heisst es so schön: Übung macht den Meister! In der Zwischenzeit brutzeln Silvia und Sabine ein feines z’Nacht, denn wir feiern 2'000km Neuseeland! Der Sonntag, der 4. Februar, ist ein spezieller Tag: Wir folgen einem Schild, das wir tagszuvor am Strassenrand gesehen haben und besuchen ein Rodeo! Also das ist ja wirklich ein Spektakel – ein wahres Volksfest! – und Beata und Silvia, unsere beiden pferdevernarrten Veterinärinnen sind natürlich voll in ihrem Element! 10km ausserhalb von Invercargill befindet sich die Arena, direkt hinter Dünen am Meer. Wir rollen über den Parkplatz, vorbei an Pferdewagen und im Slalom durch die Rossböllen. Im Hintergrund plärt Country-Music aus dem Lautsprecher. Cowboys und Cowgirls mit Hut, kariertem Hemd, grosser Gürtelschnalle und Stiefeln, die Kühlbox in der Hand, PicNic-Decke, Sonnenschirm und Faltstühle unter dem Arm und den Nachwuchs im Schlepptau oder im Kinderwagen... man macht es sich in der Böschung bequem – wir uns auch. Das Rodeo ist schon in vollem Gange und im Nu haben uns die Nachbarn die Regeln erklärt. Diese sind denn im Grunde genommen auch ganz einfach, denn es geht eigentlich einfach darum, während 8 Sekunden im Sattel zu bleiben und sich mit nur einer Hand festzukrallen. Wenn da bloss der Gaul nicht so wild wäre... Dem Tier wird mit einem Gurt das Becken zusammengeschnürt, was es zur Furie werden lässt! 8 Sekunden können ver... lange sein! Es ist ein internationales Meeting und die Teilnehmer aus Australien, Neuseeland, den USA und Kanada werden je nach Alter in verschiedene Kategorien eingeteilt. Es gibt auch eine Disziplin für Frauen, bei der die Teilnehmerinnen auf Zeit um drei im Dreieck angeordnete Fässer reiten müssen. Rodeo, Stierreiten und Cow-Wrestling sind den Männern vorenthalten. Bei letzterem treiben zwei Reiter ein Rind, wobei sich der eine Reiter im richtigen Moment vom Pferd auf das Rind stürzt, dieses an den Hörnern packt und zu Boden wirft. Verrückte Typen, keine ungefährliche Angelegenheit und so musste auch die Ambulanz mehr als einmal in die Arena rollen. Für uns war’s von A-Z ein spektakulärer Tag. Sechs Tage nehmen wir uns Zeit, um von Invercargill nach Dunedin zu pedalen; der landschaftlich wunderschöne Küstenabschnitt der Catlins steht uns bevor. Bei Fortrose verlassen wir die Hauptstrasse und folgen der Nebenstrasse, welche südwärts an die Küste führt. Vorbei an seichten Buchten, über denen ein feiner Teppich von leuchtend grünen Algen liegt. Bald geht die Nebenstrasse über in eine Schotterpiste, die zunehmend durch hügeliges Gelände führt. Den Abstecher zum Slope Point wollen wir uns nicht entgehen lassen, bildet dieser doch den südlichsten Punkt der Südinsel. Neben uns sind kaum andere Verkehrsteilnehmer unterwegs, was das Vorwärtskommen trotz anspruchsvoller Topographie angenehm gestaltet. Wir kämpfen gegen den Wind an. Auf den Weiden und am Pistenrand stehen stark von dieser Naturgewalt verformte Bäume und geben uns einen Eindruck davon, wie heftig der Wind hier zeitweise übers Land fegt. An der nahegelegenen Weirs Beach schlagen wir unsere Zelte auf – an einer ruhigen Bucht, geschützt durch eine Sandbank. Die Curio Bay (Porpoise Bay) bildet aus unserer Sicht das Juwel der Catlins. Vor Jahrmillionen wuchs hier noch Regenwald und die Gegend war vulkanisch. Und so kam es, dass nach jeder Vulkaneruption ein Teil des Regenwalds verschüttet wurde. Mindestens dreimal geschah dies, denn an den Küstenwänden sind die Schichten eindeutig ersichtlich. Der verschüttete Wald war einem enormen Druck ausgesetzt und im Laufe der Erdgeschichte transformierte sich die ursprünglich organische Materie unter dieser Kraft zu Gestein – ein versteinerter Wald entstand. Bei Ebbe ist dieser noch heute ganz klar als solcher zu erkennen, wenngleich er sich auch sehr von jenem beispielsweise im Westen der USA unterscheidet. Wir spazieren hinaus auf die gewaltige, den Klippen vorgelagerte Felsplatte und befinden uns sogleich in einer spektakulären Landschaft. Da liegen steinerne Baumstämme und mineralische Strünke lassen sich ausmachen – bei einigen sind gar die Jahrringe noch zu erkennen. Die Wucht der Wellen hat Teile der Felsplatte ausgehöhlt, sodass sich Pools gebildet haben, in denen wahre Mini-Meeres-Biotope entstanden sind; Algen in ihrer ganzen Formen- und Farbenvielfalt, Schwimmpflanzen mit "Balloonauftrieb", Muscheln, Krebse und Schnecken haben sich hier angesiedelt und mit etwas Glück findet man im einen oder anderen Loch gar eine blaue oder rote Anemone. Hin und wieder entdecken wir einen "gefangenen" Fisch; der muss halt ein paar Stunden warten, bis die Flut wieder kommt und er dann seinen Weg hinaus ins offene Meer unter die Flossen nehmen kann. So wie man auf der Felsplatte einen ruhigen Mikrokosmos vorfindet, so dynamisch spielt sich das Leben am Rande der Felsplatte ab: Gleich oberhalb der Wasseroberfläche haben sich gewaltige sukkulente Algen mit Hilfe riesiger Saugnäpfe festgesaugt. Wie grosse Bündel aus breiten Spinatnudeln sehen sie aus und werden von der Brandung gewaltig hin und her getrieben. Man könnte beinahe in Trance geraten, wenn man so dasteht am Klippenrand und die Bewegungen mitverfolgt. Lange hält uns diese eigenartige Landschaft fest, doch irgendwann wird es Zeit, dass wir auf dem nahegelegenen Zeltplatz unsere mobilen Villen aufstellen. Gegen Abend – die Felsplatte ist mittlerweile überflutet – kehren wir zurück, denn wir möchten die seltenen Gelbaugenpinguine (ca. 60cm hoch) beobachten, wenn sie an Land kommen um sich um ihre Brut zu kümmern. Wir haben Glück und können doch fünf der zehn hier lebenden Tiere erspähen, wie sie sich wie eine Boje anschwemmen lassen und etwas tolpatschig und unbeholfen den beschwerlichen Weg über die Felsen bis zu ihrem Nistplatz unter die Füsse nehmen. Als wir am nächsten Morgen losfahren wollen, wird unsere Abfahrt ein bisschen verzögert: Ein Seelöwenweibchen erscheint plötzlich zwischen den Flaxbüschen und wälzt sich genüsslich im Rasen. Sicher eine Viertelstunde können wir dem trägen Tier zusehen. Menschenscheu scheint es nicht zu sein – im Gegenteil: eher wir sind es, die immer eine sichere Distanz wahren. Via Papatowai, Kaka Point und Waihola erreichen wir am 11.02.07 die schottischste aller neuseeländischen Städte: die Universitätsstadt Dunedin. Dieser verbleibende Abschnitt führt abwechslungsweise durch dichten Regenwald, bringt uns zurück zur Küste und lässt die Höhenmeterstatistik ansteigen. In Dunedin legen wir drei Ruhetage ein, wobei wir an einem Tag einen Ausflug zur Otago-Halbinsel unternehmen. Die Fahrt direkt entlang des Ufers ist einmal mehr wunderschön und wir lassen uns vom Rückenwind in rasantem Tempo an den nordöstlichsten Zipfel – das Cape Taiaroa – schieben. Dort gibts eine Kolonie von Königsalbatrossen. Es soll der angeblich einzige Ort auf der Erde sein, wo diese Spezie nistet. 9kg schwer werden die Tiere und haben eine beeindruckende Flügelspannweite von bis zu 3m. Bis zu 1'800km können sie pro Tag (!) zurücklegen – da können wir gleich einpacken! – und wenn sie ausschwärmen, um Futter für ihr Jungtier aufzutreiben, so sind ihnen auch 300km nicht zu weit... kein Wunder, bei einer Geschwindigkeit von bis zu 100km/h. 2.5kg Fische können sie in ihrem Hals transportieren, die sie dann im "Rachen zu Schnabel-Verfahren" an ihre Brut weiterreichen. Wir sind schlichtwegs fasziniert von den eleganten Tieren, auch wenn es lange dauert, bis wir endlich einige live zu sehen bekommen, die hoch über unseren Köpfen kreisen und dabei geschickt die Thermik ausnutzen. Aus der Ferne sind sie kaum von Möwen zu unterscheiden. Wie jedesmal, wenn wir wieder in einer Stadt sind, schwärmen wir tagsdarauf individuell aus; jeder gestaltet sein eigenes Programm. Solche Freiräume sind extrem wichtig, wenn man bedenkt, dass wir seit Monaten täglich während 24 Stunden aneinander kleben. Und so haben wir uns am Abend eine ganze Menge zu erzählen: Beata und Sabine haben sich die Stadt angeschaut und Silvia wollte es so richtig wissen: Sie ist zur Baldwin-Street pedalt; mit 35% Neigung die steilste Strasse der Welt. Einen beachtlichen Teil, nämlich den ersten Drittel, hat sie fahrend bezwungen, bevor sie dann doch aufgeben musste. Hut ab! "Was? Du auch?" tönts von Roland. Auch er war dort und hat sich gleich die ganze Strasse hochgekämpft! Mensch, wenn man sich einmal aufteilt, wirds spannend und keiner ist zur Stelle, um die Gewaltsleistungen unserer Karawanenmitglieder fotografisch festzuhalten! Das holen wir nach, als wir am nächsten Tag aufbrechen, wobei sich Silvia die Qual nicht mehr antut, Roland jedoch sein Gepäck ablädt und nochmals den Stutz hochkeucht – Beata und Sabine ebenfalls keuchend, aber zu Fuss und mit Fotoapparat voraus!... Und bitte immer schön lächeln... Am 16.02.07 erreichen wir Oamaru. Endlich mal wieder ein bisschen Kultur – wenn auch nur ein klitzekleines Bisschen! Oamaru ist eine historische Hafenstadt, in der noch viele Bauten aus den 1880er / 1890er Jahren erhalten geblieben sind. Im Nu sind Sabine und Roland auf dem Heritage Trail zu finden. Im Architekturbüro Forrester und Lemon hätte man damals arbeiten sollen, denn praktisch alle noch vorhandenen "historischen" Bauten stammen aus diesem Büro: Banken, Kirchen, Theater, Postgebäude, Hotels... Der Stil: eklektizistisch von Neogotisch bis Neogriechisch. Der pure Wahn und alles in lokalem beigem Kalk! Wie schon erwähnt, war Oamaru v.a. früher eine wichtige Hafenstadt: Wolle, Frischfleisch und Getreide wurden von hier aus nach England verschifft. Am Abend, als es dämmert, begeben wir uns zum Hafengelände, wo wir uns einmal mehr auf die Lauer machen. Es dauert auch nicht lange und wir können im Schein der Strassenleuchte einige Pärchen von Blaupinguinen (ca. 30cm hoch) erkennen, die an Land watscheln. Oamaru verlassen wir nordwestwärts, folgen verschiedenen Landstrassen durchs Hinterland und gelangen bei Duntroon ins Waitaki-Tal. Es ist heiss, die Sonne brennt gnadenlos und in Kurow benötigen wir dringend eine Abkühlung: Glace-Stop! Obwohl der Waitaki Flusslauf durch unzählige Wasserkraftwerke verbaut ist, ist der Abschnitt landschaftlich sehr reizvoll. Am Lake Aviemore – natürlich einem Stausee – stellen wir in schöner Umgebung unsere Zelte auf, geniessen die Ruhe und brutzeln uns feine Gnocchi an Pestosauce mit Parmesan. Über Otematata und Omarama erreichen wir den Ruathaniwha-See, der westlich von Twizel liegt. Unterwegs legen wir an einer Lachsfarm Halt ein und während Silvia, Sabine und Roland sich ein dickes Stück Frischgeräucherten erstehen – Aperos sind immer gut – hütet unser Anti-Seafood-Mitglied Beata die Göppel. Es ist ca. 17.00 Uhr und wir befinden uns etwa 380km von Christchurch entfernt. Und wie das halt so ist, wenn wir und unsere Stahlesel irgendwo rumstehen, kommt Beata schnell mit einem Panda ins Gespräch. Dieser bewundert unsere Ausrüstung und will wissen, ob wir nach Queenstown oder nach Christchurch fahren. "Ehhh, nach Christchurch", antwortet Beata und als sie den erstaunten Blick des Pandas wahrnimmt, fügt sie schnell hinzu: also etwa fünf Tage benötigen wir für die Strecke – ach so !?! :o). Trocken ist die Gegend und so sind hier – bei einer jährlichen Niederschlagsmenge von noch ca. 600mm – überall mobile Regenmaschinen zur Felderbewässerung im Einsatz. Labile Fachwerkgestelle auf Rädern, mehrere 100m lang, die Wasser versprühen. Wir erreichen den Lake Pukaki – ebenfalls einen Stausee – tiefblau in der Farbe und in der Ferne erheben sich die schneebedeckten Southern Alps. Den Mount Cook – mit 3'754m.ü.M. Neuseelands höchsten Berg – können wir bei wolkenlosem Himmel in seiner ganzen Grösse bestaunen; ein präziser Kegel. Wir folgen dem Kanal, der den Lake Pukaki mit dem Lake Tekapo verbindet und erreichen gegen Ende des Tages eine neue Stauebene, wo sich uns eine wunderbare Sicht auf den Lake Tekapo eröffnet. Hier legen wir einen Ruhetag ein und geniessen das dolce far niente. Ach ja, und zum Znacht einen Riesenkübel Glace, denn am nächsten Tag startet Beata ihren 6.5-wöchigen Ramadan und so futtert sie sich aus verständlichen Gründen nochmals so richtig mit Süssigkeiten voll... wir zeigen uns total solidarisch und schlemmen ebenfalls :o). Geraldine, Methven und Glentunnel (vor Darfield) sind die letzten Übernachtungsorte, bevor wir am Samstag, dem 24.02.07 in Christchurch einrollen. Just an diesem Tag zeigt der Velocompi 3'000km Neuseeland an, was wir am Abend natürlich gebührend feiern! Eine sehr schöne Zeit neigt sich dem Ende entgegen und am 01.03.07 werden wir uns von Beata und Silvia verabschieden müssen. Beata wird zurück in die Schweiz fliegen, während Silvia es noch nicht so eilig hat und noch zwei Wochen Hängematte-Bikini-Kokosnuss-Cocktail auf Hawaii einschaltet. Wir beiden werden den nächsten Monat in der Südsee verbringen, haben uns für die Inselgruppe Samoa entschieden. Jupiii, wir "gewinnen" sogar einen Tag, denn Samoa liegt östlich der Datumsgrenze – ist das nicht fantastisch! Ferien vom Reisen sind angesagt und wir freuen uns sehr auf diesen Abschnitt und darauf, den Velosattel gegen die Hängematte, die Strassenkarte gegen ein spannendes Buch und die Velohose gegen die Badehose einzutauschen! Tourenstatistik:
Sabine & Roland, 01.03.2007 |
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| © pk&mk 25.03.2007 | |||