| home | safari-salama | packliste | route | berichte | fotos |
Safari-SalamaReisebericht 16 vom 25.12.2006 - 28.01.2007Wellington - Picton - Greymouth - Haast - Queenstown |
|||
|
|
Am 25. Dezember 2006 läuft unsere Inter Islander Fähre pünktlich um 18.15 Uhr aus dem Hafen von Wellington aus. Drei Wochen haben wir auf der Nordinsel verbracht und möchten die verbleibenden zwei Monate auf der landschaftlich noch vielfältigeren jedoch wesentlich dünner besiedelten Südinsel verbringen. Wir überqueren die Cook Strait und laufen drei Stunden später bei stark bewölktem Himmel in Picton ein, einem kleinen Nest, das am Ende des Queen Charlotte Sounds liegt. Als Erstes möchten wir den Norden der Südinsel erkunden und so verlassen wir Picton tagsdarauf in westlicher Richtung. Wir geniessen die hügelige Fahrt entlang des Queen Charlotte Sounds und die Ausblicke auf die Fjordlandschaft unter uns mit dem tiefblauen Meer, den entlegenen und nur per Boot zugänglichen Buchten und den bewaldeten und kaum besiedelten Hügeln. Ein Abstecher in Richtung Norden führt uns entlang des Kenepuru Fjords. Auch hier gehts ständig auf und ab und der Wind bläst heftig von vorn. Wir sind fast die einzigen Verkehrsteilnehmer und bei den wenigen Häusern, an denen wir vorbeikommen, handelt es sich um Ferienhäuser an traumhafter Lage. Wir fahren bis kurz vor Portage, wo wir unsere Zelte auf dem DOC Campingplatz aufstellen. DOC Zeltplätze findet man im ganzen Land, sind oft sehr einfach ausgestattet (nur Kaltwasser, keine Dusche) und werden vom staatlichen Departement für Naturschutz unterhalten. In der Regel sind es sehr kleine Zeltplätze, befinden sich jedoch stets an sehr schöner Lage. Mangels festinstallierter Küche ist bei uns seit Urzeiten wieder einmal "volles Campingprogramm" angesagt: Kocher und Brennflasche installieren, Pfannen und Kelle ausgraben! Heute steht Thai-Reis mit gebratenem Gemüse an Kokossauce auf dem Menuplan ... doch wir müssen fast verhungern! Sowohl Silvias nigelnagelneuer als auch unser Kocher geben nicht viel mehr als ein müdes Gesäusel mit Zwischenpfupf von sich. Also: Kanüle reinigen, Düsenkopf wechseln, nochmals pumpen... es säuselt immer noch. Eine Flamme solls geben, und zwar eine blaue, die zischt und nicht eine gelbe, die so schlapp vor sich hin züngelt... Nach mehreren Versuchen – es hat mittlerweile auch schon angefangen zu regnen – geben wirs auf und Silvia schwärmt aus, um bei anderen Touris einen Kocher zu erbetteln. Diese haben natürlich Mitleid mit uns armen Geschöpfen, sodass wir kurz vor dem Eindunkeln doch noch zu einer warmen Mahlzeit kommen. Trotz leichten Regens verbringen wir eine ruhige Nacht; mit Ausnahme von Roland, der plötzlich durch ein Rascheln geweckt wird. Doch bis er sich aus dem Schlafsack gepellt und die "Zelttür" auf- und wieder zugezurrt hat, herrscht draussen auch schon wieder Stille. So schleicht der Mutige mit Taschenlampe bewaffnet ums Zelt und entdeckt in Sabines Vorzelt unser z’Morgebrot – zur Hälfte weggefressen, durch den Plastik hindurch! Mittlerweile ist auch Sabine wach, doch die bevorzugt es, in "heiklen" Situationen im Schlafsack auszuharren. Roland ist überzeugt, dass das halbe Brot auf die Kappe eines Kiwi geht und macht sich – im Pyjama wohlverstanden – auf, in den Wald, um den Übeltäter aufzuspüren. Kiwis sind vom Aussterben bedrohte Vögel, die in Neuseeland endemisch sind. Sie sind nachtaktiv, flugunfähig – hatten über Jahrhunderte keine natürlichen Feinde – sind ca. 30cm lang und ebenso hoch, haben daunenartiges, feines braunes Gefieder, grosse Ohrenlöcher, schlechtes Sehvermögen, Riesenfüsse und einen enorm langen Schnabel, an dessen Spitze sich zwei Nasenlöcher befinden und mit denen sie ihre Nahrung im Unterholz ausmachen können. Glücklich kann sich wähnen, wer ein solches Exemplar in freier Wildbahn zu Gesicht bekommt. Nach einiger Zeit kehrt Roland erfolglos zurück, legt aber das Brot an den Waldrand, damit der "Kiwi" sich bedienen kann. Am Morgen sind sich die Frauen einig: das war ein Possum – schau doch mal die grossen Bissen; aber Roland bleibt bei seiner Kiwi-Version – ist ja auch viel fesselnder... und Frau darf schliesslich einem Mann die Illusionen nicht nehmen... :o) Via Havelock gelangen wir nach Nelson, der angeblich sonnigsten Stadt Neuseelands, wo wir einen Ruhetag einlegen. Kocherdefekt abklären, wobei sich herausstellt, dass man uns in Auckland den falschen Brennstoff verkauft hat..., Sabines Velo bekommt ein neues Tretlager und einen neuen Wechsel. Am 30. Dezember erreichen wir Kaiteriteri, welches nördlich von Motueka direkt an der Tasman Bucht liegt. Die Mehrheit von uns möchte von hier aus über Neujahr für drei Tage im Abel Tasman Nationalpark kayaken gehen; womit sich die Minderheit – das ist in diesem Falle Sabine, eine geborene Antiwasserratte – dem Gruppendruck wohl oder übel zu fügen hat: Also, wenn ich in der Einführungslektion eine Eskimorolle machen muss, dann könnt ihr Silvester alleine feiern...! Ob man's glaubt oder nicht: Die drei Tage sind der Plausch! Zwei Zweierboote beziehen wir, stopfen Zelte, Schlafsäcke, Kocher, Kleider und Food in die erstaunlich geräumigen Gepäcklöcher im Boot und zwängen uns in die neuste Kayak-Mode – die figurbetonende Spritzdecke aus Neopren-Material. Wie Sardinen in der Dose! Fortan werden unsere Armmuskeln gefordert; wer vorne sitzt, hält nach Felsen Ausschau, der Hintermann darf steuern. Sonne und Regen wechseln sich ab, die felsige Küstenlandschaft mit den einsamen Buchten, die jeweils zu unseren Nachtlagern werden, ist atemberaubend schön. Die Gezeiten sind unsere ständigen Begleiter, wie auch die Seelöwen, Stachelrochen, Kormorane und Austernfischer, denen wir unterwegs begegnen und die allesamt keine Scheu vor uns zeigen. Die Nächte sind frisch und so harren wir mit letzter Kraft am Abend des 31. Dezember aus, bis unsere Uhren endlich Mitternacht anzeigen. Mit Faserpelz und langen Hosen stehen wir am Strand, blicken in den Sternenhimmel und lassen den Korken knallen... E guets Neus!!! In zwölf Stunden ist's auch bei Euch "drüben" soweit! Dann sitzen wir aber bereits wieder im Boot und paddeln heftig in der aufkommenden Flut. Von Kaiteriteri fahren wir über den Takaka Hill (791m.ü.M.) nach Collingwood. Unterwegs können wir bei Betsy und John Hills übernachten, die wir in Vietnam in einem der unzähligen Schneidershops kennengelernt haben, und die uns nun zu einem herrlichen zNacht einladen und uns unsere Zelte auf ihrem Grundstück aufstellen lassen. Die beiden betreiben eine Farm, haben ca. 280ha zu bewirtschaften, bestehend aus ausgedehnten Weide- und Waldflächen. Der Forstwald zieht sich bis weit in die Berge hoch und in einem 25-Jahresrhythmus werden die Stämme gefällt. 300 Kühe und 250 Rinder nennen die Hills ihr Eigen; aber so wirklich den Überblick hat hier niemand. Die 6'000 Liter Milch, die die Kühe täglich geben, werden von einem grossen Milchtransporter direkt auf der Farm abgeholt. Pro Liter Milch verdient der Farmer 30 Cents, was in etwa 25Rp. entspricht. Wir sind per Auto unterwegs, als uns John durch seine Farmgründe führt. Das Gebiet erstreckt sich über eine Länge von 10km und befindet sich inmitten der Landschaft, die als Kulisse für den Dreiteiler "Lord of the Rings" gedient hat. Bevor wir tagsdarauf aufbrechen, dürfen wir uns noch mit Mandarinen, Orangen, Grapefruits, Aprikosen und Pflaumen direkt ab Baum bedienen. Einmal mehr durften wir hier eine sehr herzliche Gastfreundschaft erleben! Collingwood ist ein ca. 300-Seelen-Nest mit zwei Strassen und hat – wie so viele Küstenorte hier – seine Glanzzeit um 1850 erlebt, als der Goldrausch viele Europäer nach Neuseeland lockte. 35 Hotels gab es und unzählige Minen und es wurde damals sogar ernsthaft diskutiert, ob Collingwood zur Landeshauptstadt avancieren soll. Uns dient der Ort an der Golden Bay als Ausgangspunkt, um zum nördlich gelegenen Cape Farewell zu gelangen. Es erwartet uns ein erlebnisreicher Tag und so wollen wir Euch wieder einmal Einblick in unser Tagebuch gewähren: Collingwood - Cape Farewell - Collingwood Während sich Silvia und Beata für eine halbtägige organisierte Tour zum Farewell Spit entscheiden, beschliessen wir, auf eigene Faust per Fahrrad bis Port Puponga hochzuradeln und zu Fuss den Pillar Point und den Wharariki Strand zu besichtigen. Die Küstenlandschaft nördlich von Collingwood ist einfach sagenhaft schön. Zur Zeit ist Flut und so sind die sehr flachen Buchten überschwemmt. An manchen Stellen ragen Grasbüschel aus dem untiefen Wasser und Wasservögel suchen nach Nahrung. Auf der anderen Strassenseite liegen saftig grüne Wiesen, die sich über die Hügel ziehen und mit einzelnen freistehenden Bäumen bestückt sind. Wir passieren eine Schafsfarm, wo gerade frische Wolle herumliegt. Kurzentschlossen besuchen wir die Farm und können live miterleben, wie die Schafe in unglaublichem Tempo geschoren werden. Hier handelt es sich um eine kleine Farm mit "nur" 1'800 Schafen. Der Bauer erzählt uns vieles und sehr Interessantes über die Schafzucht. Die Schafe werden jährlich 2-3 mal geschoren. Ausgewachsene Tiere geben bis 4kg Wolle, während Lämmer nur den Ertrag von 1.5-2kg abwerfen. Für 1kg gute Wolle erhält der Bauer 2.50 bis 3.00 NZD (ca. 2.50 sFr.). Davon kann man hier nicht sonderlich gut leben. Doch uns erstaunt es auch sehr, dass ein Schaf nur ca. 60 NZD Wert ist (ca. 50.- sFr.). In nur 2.5 Minuten ist ein Schaf geschoren. Die Wolle wird aussortiert und je nach Körperteil wovon sie gewonnen wurde, separiert. Bei grossen Farmen wird dies alles durch professionelle Teams, die von Farm zu Farm ziehen, in Akkordarbeit erledigt – dies hier ist jedoch ein kleiner Familienbetrieb. Nach soviel Wissen setzen wir unsere Fahrt zum Nordzipfel der Südinsel fort. Beim Visitor Center können wir einen Blick auf die sandige, 25km lang Sichel des Farewell Spit geniessen. Diese Landzunge besteht aus hohen Sanddünen und ist ein wichtiges Brutgebiet vieler Zugvögel (u.a. Tölpel, Austernfischer). Vom Pillar Point aus, wo uns der Wind orkanartig um die Ohren pfeift, ist die ganze Länge des Farewell Spit und die zerklüftete Küste um das Cape zu bestaunen. Das rauhe Klima und die buschartige Vegetation erinnern uns an Bilder von Irland und Schottland. Wir radeln weiter auf der Schotterpiste zum Wharariki-Strand. Der Wind bläst uns ununterbrochen den Staub ins Gesicht. Es ist kräftezehrend gegen diese Kraft anzutreten. Doch der eigenartige Strand ist jede Anstrengung Wert. Über sattgrüne Schafweiden mit vom Wind geformten Büschen und Bäumen und entlang von idyllischen Seen, gelangen wir zum rauhen Wharariki-Strand. Riesige Felstürme stehen im dunkelgrauen Sand, Nagelfluhbrocken und kleine Wasserlöcher geben der Landschaft eine bizarre Erscheinung. Heftige Windstösse fegen über die Bucht – wir werden Sand gestrahlt! Ganz eigenartige Gebilde in der Form von Höhenkurvenlandschaften frisst der Wind in den Sand. Die skurrile Küstenformation mit im Meer stehenden natürlichen Felsbögen und dem rauhen Klima geben diesem Ort einen ganz mystischen Ausdruck. Bei bereits vorangeschrittener Zeit machen wir uns auf den 28km langen Heimweg. Die Ebbe ist in der Zwischenzeit eingekehrt und hat dabei die Küste der Golden Bay in ein völlig anderes Bild verwandelt. Seichtes Sumpfgebiet erstreckt sich nun kilometerweit ins Meer hinaus. Der Wind ist noch viel orkanartiger geworden. Teilweise können wir uns kaum noch auf dem Fahrrad halten und werden öfters von der Fahrbahn geweht. Mit aller Kraft stemmen wir uns gegen diese unberechenbaren Kräfte der Natur. Ein Windstoss vermag sogar Rolands Hinterrad von der Fahrbahn zu heben, sodass Roland beinahe stürzt und abschnittsweise sind wir gezwungen die Räder neben uns her zu stossen. Völlig entkräftet kehren wir ins Hostel zurück, wo Silvia und Beata bereits damit beschäftigt sind, ein herrliches zNacht zu brutzeln. Am 06. Januar trennen sich für eine knappe Woche unsere Wege, Silvia und Beata möchten in 4 Tagen den 84km langen Heaphy Track absolvieren, der von Collingwood südwestwärts an die Küste nach Karamea führt und landschaftlich sehr reizvoll sein soll. Wir ziehen es derweil vor, in 5 Tagen die Strecke Collingwood-Motueka-Westport per Velo zurückzulegen. Leider werden wir wettermässig nicht gerade verwöhnt und müssen mehrheitlich durch den Regen strampeln. Wir nähern uns eindeutig der für heftigen Regen berüchtigten Westküste! Als wir Westport – nun wieder als Viererkarawane – verlassen, herrscht stahlblauer Himmel und die Sonne brennt heftig auf uns nieder. Fantastisch, da rollts auch gleich besser! Wir fahren entlang der traumhaften aber hügeligen Küste, vorbei an Sand- und Kiesstränden, Felsformationen und üppigen Wäldern, die sich zu unserer Linken den Berg hinauf erstrecken. Hier gedeihen auch wilde Hortensien, Fresien und Ginster. An einem Strand legen wir Pic-Nic-Halt ein und kommen kaum mehr los: Fotografieren, Steine sammeln, den Wellen zusehen... Wären da nicht die lästigen Sandflies, wir wären wahrscheinlich immer noch dort. Ja, diese Viecher können einen zum Wahnsinn treiben: Kaum steigen wir vom Sattel, werden wir von den aufdringlichen Blutsaugern auch schon attackiert. Winzige schwarze Fliegen, die sich an allen freien Körperstellen, jedoch bevorzugt an Füssen und Knöcheln, festsaugen und Bisse hinterlassen, die anschwillen und tagelang grauenhaft jucken... Antibrumm, Sonnencreme, Schweiss! In Punakaiki sehen wir uns die Pancake-Rocks an; Felsgebilde, die aufeinandergeschichteten Omeletten ähneln. Hier können wir in der Morgenfrühe auch mehrere Gruppen der seltenen Hectordelfine (runde Rückenflosse) beobachten, die in Ufernähe spielend auf Nahrungssuche sind. Bei Regen radeln wir in Greymouth ein – mit 10'000 Einwohnern die grösste Metropople an der Westküste. Es ist Samstag-Nachmittag und total ausgestorben. Ja, das vermissen wir hier: die Menschen! Bei aller Schönheit, die die Natur zu bieten hat, ist es einfach schade, wenn man weder unterwegs noch in den Orten kaum einer Seele begegnet. Wir denken viel zurück an die Zeit in Asien, wo wir über lebhafte Märkte schlendern oder durch enge Gassen bummeln konnten, wo gebrutzelt und gewaschen wurde, wo wir durch Dörfer kamen, in denen es aus jedem zweiten Haus klapperte, wir vom Sattel stiegen und den Weberinnen bei der Arbeit zusehen konnten. Hier herrscht diesbezüglich tote Hose und uns fehlt was! Wie auch immer: Wir werden erst im dritten Hostel fündig, in dem es uns auf Anhieb sehr gefällt. Umso wichtiger, denn hier wollen wir einen Ruhetag einlegen. Während es die Frauen am Abend ins Kino zieht, wo sie sich den neuesten James Bond ansehen, erklärt sich Roland bereit, einzukaufen, Wäsche zu machen und vier Zöpfe zu backen! Wow, das ist aber ein Service! Und als die drei Frauen vom Ausgang zurück sind, steht Roland knetend in der Küche, von allen umschwärmt, die ihn bewundern und sich fragen, was für ein "special bread" das am Ende denn geben sollte? Für die kommenden Tage wird gutes Wetter prognostiziert, weshalb wir planmässig entlang der Westküste südwärts fahren können. Die Gegend um Hokitika gilt als das Zentrum des "Greenstones" (Pounamu), wie die inländische Jade bezeichnet wird, und so werden hier natürlich Anhänger in traditioneller Maoriart zu Hauf angeboten. Via Okarito, eine sehr schöne Lagune mit Zeltplatz, in der der weisse Reiher heimisch ist, erreichen wir Franz Joseph, den Ausgangsort, der zum gleichnamigen Gletscher führt. Östlich von uns liegen nun die schneebedeckten Southern Alps, deren höchste Erhebung – den Mt. Cook (3'754m.ü.M.) und den Mt. Tasman (3'498m.ü.M.) – wir sogar kurz zu Gesicht bekommen. Sowohl bei Franz Joseph als auch beim Fox Glacier unternehmen wir kurze Wanderungen zu den Gletschern. Es ist faszinierend: Wir wandern durch dichten Regenwald und haben immer wieder Ausblicke auf die unter uns liegende Gletscherzunge, die fast bis auf Meereshöhe hinabführt. Fortan regnet es fast täglich oder ist zumindest sehr stark bewölkt und auch die Sandfly-Angriffe tragen ihren Teil dazu bei, dass wir – mit einer Ausnahme – aufs Zelten verzichten. Die eine Ausnahme ist dort, wo wir einen türkisblauen Bach, den Paringa-River überqueren, der von Kiesbänken gefasst wird und wo wir eine einladende Wiese entdecken, auf der wir spontan unsere beiden Zelte aufstellen. Schnell stürzen wir uns in lange Kleider und halten das Antibrumm griffbereit. Am Abend gibts sogar ein Lagerfeuer am Ufer – richtig schön! In der Nacht regnet es in Strömen und auch am Morgen lässt er nicht nach, sodass wir erst einmal lesend die Zeit in unseren Zelten totschlagen. Als Beatas und Silvias Mägen anfangen zu knurren, macht sich Silvia auf in den Regen um Tee zu kochen. Irgendetwas werkelt sie rum, man hört es nicht so genau, denn der Regen prasselt heftig aufs Zeltdach. Das Einzige, was wir nach einiger Zeit vernehmen, ist ein verzweifeltes: Nein! Den Kocher kann ich wohl wegwerfen! Aus irgendeinem unerklärlichen Grund hat die Flasche Feuer gefangen, sodass der ganze Düsenkopf weggeschmolzen ist. So ein Mist! Doch können wir von Glück reden, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Erst gegen Mittag brechen wir – bei nach wie vor strömendem Regen – auf in Richtung Haast. Auch an unserem letzten Westküstenabschnitt kommen wir immer wieder an Seen vorbei, die teilweise so ruhig und klar sind, dass sich die ganze Landschaft darin spiegelt. In Haast verlassen wir die nasse Westküste und überqueren den Haastpass, der ein paar happige Steigungen für uns bereithält. Kaum haben wir die Passhöhe (564m.ü.M.) erreicht, ändert sich die Vegetation auch schon schlagartig. Vorbei sind die üppigen Regenwälder mit dem dichten Unterholz und den wunderschönen Farnbäumen; ab jetzt wirds trockener, Ebenen sind steppenartig und Nadelbäume kommen wieder vermehrt vor. Von Makarora bläst uns der Wind direkt nach Wanaka. Am Wanakasee flitzen wir vorbei, werden über mehrere Hügel getragen, ja sogar über den "Neck" stösst uns der heftige Wind – diese enge Verbindung, die zwischen dem Wanaka- und dem Haweasee liegt. Wunderschön liegen die tiefblauen Seen eingebettet in den Bergen, Kühe gehen hier an die Tränke und weit und breit ist kein Haus zu sehen. Wir rasen über die Hügel und rollen innert kürzester Zeit in Wanaka ein. Obwohl wir diese Etappe richtig locker hinter uns bringen konnten, legen wir in Wanaka zwei Ruhetage ein, denn die letzten liegen acht Tage zurück. Faulenzen, Lesen, Wandern, Lädele, Kino, Zöpfe und Aprikosen-Rhabarber-Äpfel-Wähen backen bestimmen unser Tagesprogramm. Abends vor dem zu Bett gehen, stehen wir noch auf dem nahen Hügel in T-Shirts und Shorts, denn wir sind endlich die Sandflyplage los – und bewundern den Kometen McNaught, der während einigen Wochen den Himmel über der südlichen Hemisphäre ziert. Am Donnerstag, dem 25. Januar 2007, erreichen wir via den Crown Saddle – mit 1'076m.ü.M. die höchste asphaltierte Strasse Neuseelands – und Arrowtown, das touristische Queenstown (362m.ü.M.). Zwei Möglichkeiten hatten wir, um von Wanaka nach Queenstown zu gelangen und sind froh, dass wir uns für die zwar etwas anstrengendere, dafür aber umso schönere Route entschieden haben. Die ersten 25km bis zum historischen Goldgräberort Cardrona – heute ist dies der Ausgangsort für das gleichnamige Skigebiet – führen nur leicht aufwärts. Danach verengt sich das Tal allmählich und die Strasse wird steiler. Wir folgen einem ruhigen Bergbach, dessen Ufer mit Weidenbäumen und dichten Blumenfeldern mit Rittersporn, Fingerhut und Königskerze gesäumt ist. Eine richtige Augenweide! Auf der Passhöhe werden wir einmal mehr mit einer spektakulären Aussicht belohnt. In Queenstown bleiben wir drei Tage und können bei Graham, einem weiteren Rafting-Kollegen von Beata, wohnen. Wir unternehmen einen Ausflug in den Skippers Canyon, eine imposante Schlucht am Shotover-Fluss. Tagsdarauf entscheiden wir uns die 7-stündige Wanderung auf den Gipfel des "Ben Lomond" (1'748m.ü.M.) unter die Schuhsohlen zu nehmen, während Silvia und Beata einen Adrenalin-Kick bevorzugen und auf eine halbtägige Raftingtour gehen. Zwei Drittel unseres Neuseeland-Abenteuers liegen bereits hinter uns – die Zeit vergeht wie im Flug! Und nun freuen wir uns auf die noch vor uns liegende Strecke nach Christchurch, von wo aus wir uns nächstes Mal bei Euch melden werden. Tourenstatistik:
Sabine & Roland, 28.01.2007 |
||
| © pk&mk 04.02.2007 | |||