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Safari-SalamaReisebericht 8 vom 01.04. - 30.04.2006Huai Sai - Luang Prabang - Vientiane - Pakse |
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Von Huai Sai aus starten wir die zweitägige Bootsfahrt auf dem Mekong nach Luang Prabang. Die Zollabfertigung verläuft reibungslos. Das laotische Zollhüttchen muss man jedoch schon intensiver suchen; ansonsten befindet man sich plötzlich ohne Einreisestempel im Land. Mit schätzungsweise hundert weiteren Reisenden, alles Rucksacktouristen, werden wir in den kleinsten und ältesten Holzkahn gepfercht, der sich an der Anlegestelle befindet. Unsere Fahrräder werden aufs brütendheisse Blechdach gehievt und festgebunden. Tatsächlich ist Rolands Sattel leicht geschmolzen, als wir das Velo am Abend vom Dach nehmen... Es geht das Gerücht um, dass ursprünglich zwei Boote für diese Fahrt vorgesehen gewesen wären und nun aus irgendwelchen Gründen – es lässt sich auf diese Weise halt ein wenig Treibstoff sparen ... – auf eines reduziert wurde. Sollten wir zuhause wieder einmal eine Schlagzeile "überfülltes Boot auf Mekong gekentert" lesen, so können wir uns jetzt die genaueren Umstände lebhaft vorstellen... Wie Hühner auf ihren Stangen kommen wir uns vor und müssen es uns hier für die nächsten 8 Stunden bequem machen. Die herrliche Berglandschaft, durch die sich der Mekong schlängelt, entschädigt uns immerhin für diese mühsame Art der Fortbewegung. Die Fahrt führt an sehr einfachen Siedlungen vorbei, welche nur auf dem Wasserweg erreichbar sind. Die Siedler leben vom Fischfang, waschen Gold und betreiben Landwirtschaft. Sehr kleine Felder werden auf den Sandbänken des Mekongs angelegt; meist nur für den Eigengebrauch. Wir passieren einige Stellen, die sehr felsig sind und wo die schroffen Felsblöcke wie Inseln aus dem Flusslauf ragen. Als wir bei Dunkelheit in Muang Pakbeng anlegen, empfangen uns unzählige Kinder und Jugendliche. Sie warten darauf, dass sie die Taschen und Rucksäcke die steilen und rutschigen Klippen hinaufschleppen und so ein wenig Geld verdienen können. Roland kümmert sich wieder darum, dass die Velos unbeschadet vom Bootsdach runtergehievt werden und Sabine hat alle Mühe, dafür zu sorgen, dass unsere Taschen nicht plötzlich die Klippen raufrennen. Bis wir unsere Räder endlich wieder bepackt haben, ist das reservierte Guesthouse natürlich ausgebucht – Mehrfachbuchungen! Wir müssen uns ziemlich ins Zeug legen, um ein angemessenes Zimmer für den bereits im Voraus bezahlten Betrag zu bekommen – ja, ja wir lernen immer wieder dazu... Wir sagen Euch: Ein solcher Massen-Rucksack-Touri-Tag schafft uns mehr als 100km radeln, ganz ehrlich! Unsere Nerven liegen ziemlich blank; ein gutes Abendessen wirkt ein kleines Wunder. Der zweite Tag auf dem Mekong verläuft ruhiger, denn wir haben ein geräumigeres Boot zugeteilt bekommen und so können wir die verbleibenden 9h bis ans Ziel richtig geniessen.
In Luang Prabang kommen wir sogleich mit der vergangenen französischen Kolonialzeit (1893-1941) in Kontakt. Noch ganze Strassenzüge erinnern mit ihren Bauten aus dieser Epoche an die Vorherrschaft der Franzosen im 18. und 19.Jh. In den stilvollen und gut erhaltenen Gebäuden mit Holzbalkonen und Faltläden im Parterre, befinden sich heute Restaurants, Cafes, Boutiquen und Läden mit lokalem Kunsthandwerk. Es herrscht eine richtiggehend einladende Atmosphäre. Am besten lässt man die Stimmung mit einem frischen Frucht-Shake und einem Stück Kuchen auf sich wirken ;-). Auch die Baguettes, die hier in den Bäckereien und am Strassenrand verkauft werden, sind ein Überbleibsel der Franzosen. Luang Prabang ist aus kultureller Sicht von derartiger Bedeutung, dass ganze Stadtteile ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurden. In den unzähligen Läden und insbesondere auf dem sehr einladenden und schönen Night-Market, wird uns die Vielfalt des nordlaotischen Kunsthandwerks präsentiert. Silberschmuck und Opiumpfeifen in allen erdenklichen Formen werden von den Angehörigen der Hmong Volksgruppe hergestellt und verkauft. Beim riesigen Angebot von Seidenstoffen müssen wir mit uns immer wieder hart bleiben... Die hiesige Webkunst ist hochstehend. In sehr komplizierten und zeitaufwändigen Arbeitsvorgängen werden feine, detaillierte Muster gewoben. Für einen Wandbehang sitzt eine Weberin schnell einmal mehrere Wochen am Webstuhl. Auch kulinarisch lassen wir es uns hier ausgezeichnet gehen. Da die laotische Küche nicht vieles zu bieten hat, was unseren Gaumen kitzelt – wir gehen später noch darauf ein – geniessen wir täglich in einem indischen Restaurant die Spezialitäten dieses Subkontinents. Am zweiten Tag unseres 3-tägigen Aufenthalts in Luang Prabang besuchen wir den Kouang Si Wasserfall. Entlang der 30km langen Schotterpiste, welche in sehr gutem Zustand ist, kommen wir an einfachen Bambushüttensiedlungen vorbei, passieren ausgetrocknete Reisfelder und Busch- und Waldlandschaften. Die Gemüsefelder werden in erschwerlicher Handarbeit bewässert. Dabei tragen die Frauen und Männer einen Holzstab über der Schulter, an beiden Enden hängt eine mit Flusswasser gefüllte Giesskanne. Etliche Stunden beansprucht diese Art von Bewässerung, bis ein kleines Feld getränkt ist. Es stimmt uns immer wieder nachdenklich, wenn wir sehen mit welch einfachen Mitteln die Leute ihren Alltag meistern müssen, währenddem wir mit unserer High-Tech-Ausrüstung die Freizeit verbringen. Ja, wir befinden uns in zwei Welten! Der Kouang Si Wasserfall, mit seiner über mehrere Stufen fallenden Wassermenge, ist beeindruckend. Nach dem grossen Fall von ca. 100m fliesst das klare Wasser kaskadenartig durch etliche im Dschungel gelegene Pools, wo es in der Sonne türkisfarben schimmert. Wir lassen uns natürlich die Gelegenheit nicht entgehen, uns in einer dieser idyllischen Freiluftbadewannen von der Hinfahrt zu erfrischen. Nachdem wir drei Tage in Luang Prabang verbracht haben, machen wir uns auf den Weg nach Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Gut 360km liegen dazwischen und einige hohe Gebirgszüge. Wir fahren auf der "Route coloniale", der heutigen Strasse Nr 13 – der Hauptverbindungsstrecke Nord-Süd. Nur wenige Fahrzeuge sind unterwegs – ein richtiges Radlerparadies. Die Strecke ist sehr dünn besiedelt und somit gilt es den Abschnitt nach Vientiane und später nach Pakse in realisierbare Tagesetappen einzuteilen. Laos gehört mit einer Fläche vergleichbar mit jener von Grossbritannien, aber nur 5 Mio Einwohnern, zu den am dünnsten besiedelten Ländern Südostasiens.
Bereits am ersten Tag erwartet uns eine anstrengende Etappe bis zum ersten Übernachtungsort Keo Kacham. 80km müssen wir zurückzulegen und knapp 2'000 Höhenmeter. Dabei haben wir zwei Pässe zu meistern, welche zu unserer grossen Erleichterung nicht diese mörderischen Steigungen der Strassen Nordwestthailands haben. Sonst hätten wir mit unserer Vollpackung wohl kapitulieren müssen. Doch wie es so ist, wenn man durch die Berge kurvt: Wir werden mit einer grandiosen Kulisse, rasanten Abfahrten und einer wohltuenden Zufriedenheit belohnt. Auf dieser Fahrt erleben wir hautnahen Kontakt mit der Bevölkerung und bekommen Einblick in das entbehrungsreiche Leben dieser arbeitsamen Bergstämme. Kaum nähern wir uns einem Dorf, rennen uns die Kinder aus ihren Verstecken in, unter oder zwischen den Hütten entgegen; mit beiden Armen winkend und laut "oh, falang, falang" und "sabaidii, sabaidii" (= Fremder, Fremder resp. hallo, hallo) rufend. Auch die jungen Mütter wollen ihren Babys die "falangs" zeigen und winken uns mit deren Ärmchen zu. Natürlich erwidern auch wir immer mit "sabaidii, sabaidii", was in den nächsten Wochen unser meistgebrauchtes Wort wird.
Die Hilltribes (Bergvölker) leben ausschliesslich von der Landwirtschaft. Dafür werden auch hier im sehr steilen Gelände die Wälder brandgerodet, um Anbauflächen für Trockenreis zu gewinnen. Diese Reissorte gedeiht nicht im Wasser stehend, sondern auf trockenem Grund. Nach 2-3 Jahren ist die Fruchtbarkeit eines solch gerodeten Bodens erschöpft. Auf diese Weise werden noch jährlich ca. 100'000ha Wald vernichtet, wobei der Wert des abgebrannten Holzes oft in keinem "vernünftigen" Verhältnis zum Wert des gewonnenen Reises steht – mit dem grossen Unterschied, dass man Holz nicht essen kann. So primitiv die Behausungen der lokalen Bevölkerung sind, so bescheiden fallen oft auch unsere Unterkünfte aus. Dies können wir besonders am zweiten Tag erleben, als wir früher als vorgesehen in einem Dorf halten und uns entscheiden zu übernachten. Wir erfahren von einem jungen Mann, wohl dem einzigen im ganzen Dorf, der englisch spricht, dass am nächsten Abend hier ein Tempelfinanzierungsfest stattfinden wird. Hilltribes aus über 20 umliegenden Dörfern werden anreisen und Tänze aufführen. Dies möchten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Da es in diesem Ort keine Guesthouses gibt, bietet uns der junge Mann an, in seinem Haus, d.h. einem kahlen Raum mit Zementboden, zu übernachten. Wir müssen nur die Luftmatratzen aufblasen und das Moskitonetz spannen. Im Nu hat das halbe Dorf von unserem Aufenthalt Kenntnis und so schauen uns die Leute von der Strasse her zu, wie wir uns einrichten. Immer wieder zaubern wir aus unsern Taschen Dinge hervor, die sie in Staunen versetzen und natürlich darf auch die eine oder andere Person auf unseren Supermatratzen probeliegen. Eine Tür in den Raum gibt es nicht, denn die Fassade besteht aus Metallpanelen, die nachts eingeschoben werden und für ein Minimum an Privatsphäre sorgen. Das WC, ein Plumpsklo hinter einer Bambuswand, liegt in steilem Gelände unterhalb des Hauses. Wer's eilig hat, riskiert einen Unfall in die Unterhose oder stürzt den Hang runter ... oder beides. Elektrizität ist in den Dörfern entlang dieser Hauptstrasse Nr 13 vorhanden, doch das Wasser muss man sich mit Eimern an der gemeinsamen Wasserstelle holen. Es ist auch hier, wo wir uns eine bescheidene Dusche – eine Katzenwäsche – gönnen, mitten zwischen den Hütten. Mit unseren Badetüchern schirmen wir uns ein wenig gegen neugierige Blicke ab. "Falangs" am waschen, welch ein Ereignis! Hier an der Waschstelle sorgen auch Sabines Kontaktlinsen für staunende Gesichter: hei, eine Glasscheibe im Auge!!! Leider müssen wir am nächsten Tag von Somnath, unserm liebenswürdigen Gastgeber, erfahren, dass der Vorsteher des Dorfes mit unserer Anwesenheit nicht einverstanden ist, da Fremde offensichtlich ausschliesslich in Guesthouses übernachten dürfen. Da wir unserm Gastgeber keine Probleme bereiten wollen, nehmen wir sofort die nächsten 16km nach Phou Khoun unter die Räder. In diesem Kreuzungsort auf der Passhöhe (ca. 1'400m.ü.M.) soll es Übernachtungsmöglichkeiten geben. Mit dem Besuch des Festes wird es leider nichts, da wir keine Mitfahrgelegenheit finden. Mit dem Fahrrad wollen wir in diesem Gebiet bei Dunkelheit nicht unterwegs sein, denn Fahrzeugbeleuchtung ist hier keine Selbstverständlichkeit und – gerade nach einem Fest – sind sicher viele in angetrunkenem Zustand unterwegs. Normalerweise schwingen wir uns immer sehr früh – gegen 06.00 Uhr – auf unsere Sättel, um die angenehmeren Morgentemperaturen zu nutzen. Doch heute müssen wir unseren Start etwas verschieben, da sich die Wolken noch so richtig entleeren und die Sicht auf knapp 20m beschränkt ist. Bei dichtem Morgennebel verlassen wir Phou Khoun und es ist richtig nasskalt. An diesem Tag dürfen wir eine rasante Abfahrt geniessen. Sobald wir uns Vang Vieng nähern, ragen imposant die bekannten Kalkfelsen in den Himmel. Wie Gugelhöpfe stehen die mehrere hundert Meter hohen Gipfel in der Landschaft. Diese sind besonders eindrücklich, wenn man mit Fahrradtempo an ihnen vorbeifährt. Vang Vieng hat sich zu einem richtigen Hippie-Mekka entwickelt. Uns entspricht diese "Herumhänge-Mentalität" nicht und so bleiben wir hier nur eine Nacht. In den letzten Tagen haben wir uns fast ausschliesslich von "Foe" ernährt, einer einfachen Nudelsuppe mit etwas Grünkraut. Bis wir den Süden erreichen, bildet sie unsere Hauptverpflegung, denn die laotische Küche kann nicht begeistern. Darauf, dass uns nicht die Vielfalt und Köstlichkeit einer thailändischen Küche erwartet, haben wir uns eingestellt, doch dass ausserhalb der grossen Städte nur Foe, Klebereis und auf einem Teller aufgetürmter roher Kohl und Kraut erhältlich ist, erstaunt uns, denn die Gegend wäre fruchtbar. Beschränkt man sich nicht – wie momentan wir es tun – nur auf die vegetarischen Angebote, so ist der Speisezettel schon vielfältiger. Doch schon ein kurzer Blick auf diese Palette lässt wohl auch den bodenständigsten Fleischesser schnell zum Vegi werden. Die Laoten grillieren und essen alles, was ihnen vor die Steinschleuder fliegt, unter die Machete schleicht oder vor die Flinte springt: Hühnerbeine finden vorzugsweise den Weg in die Suppe und alles, was nicht Knochen ist, wird von den Klauen genagt. Fettklumpen, "Gäder" mit Knochen, Innereien. Hühnerköpfe, schwarz gegrillte ganze Kücken. Hühnereier werden ausgeschlürft, in denen das Kücken schon halb entwickelt ist, aufgespiesste Frösche, Eichhörnchen, Echsen, Schlangen und Becken, randvoll gefüllt mit Käfern und Maden – die gibts übrigens wahlweise auch grilliert! Steht ein Fest an, muss auch mal ein Hund daran glauben, aber das ist ja im Appenzell nicht anders... ;-) Unser derzeit sehr einfacher Lebensstil hat natürlich auch ein günstiges Reisen zur Folge. Auf dem Lande ist ein einfaches, aber immer sauberes Doppelzimmer mit Privatbad für 4-5 sFr. erhältlich, während wir für Nudelsuppe und Getränk pro Person 1 sFr. rechnen müssen. In Vientiane, der Hauptstadt des Landes, begeben wir uns auf direktestem Weg zur vietnamesischen Botschaft, denn wir wollen die Visen organisieren, bevor in 3 Tagen das 3-tägige Neujahrsfest beginnt und alle offiziellen Einrichtungen und Läden geschlossen sind. Wir haben Glück, denn bereits 2 Tage später sind unsere Pässe abholbereit. In Vientiane, welches direkt am Mekong liegt, ist es wieder schwüler und heiss. Das Thermometer steigt meist auf 35°C. Da kommt uns das klimatisierte Internet-Cafe gerade gelegen, um unseren 7. Reisebericht zu schreiben, welcher ja mittlerweile auch schon zu den Akten gehört. Wir geniessen hier ebenfalls zwei äusserst entspannende Massagen. Während einer Stunde werden unsere strapazierten und verspannten Muskeln professionell durchgeknetet. Am Tag bevor wir in Richtung Süden aufbrechen wollen, stellen wir fest, dass Rolands Rad ziemlich Spiel hat. Wir vermuten, dass etwas mit dem Kugellager nicht in Ordnung oder die Nabe defekt ist. Sofort sucht Roland einen Velomechaniker auf, denn wie bereits erwähnt, sind die Geschäfte über Neujahr geschlossen. Nach langem Suchen kann ihm ein Veloverkäufer helfen. Es stellt sich heraus, dass nur die Schrauben des Radlagers etwas locker sind, welche wir mit unseren zu kleinen Schlüsseln nicht anziehen konnten. Doch beim Anziehen der Schrauben klemmt der "Fachmann" das Kabel des Nabendynamos ab. Diesen Folgeschaden kann er jedoch nicht mehr selber reparieren. So heisst es: schnell mit dem Vorderrad auf den Morgenmarket rennen und eine Bude finden, wo alte Radios geflickt werden. Denn da wird gelötet, genau was wir brauchen. Von einem Stand zum anderen geschickt, reicht es gerade noch vor Mittag das Kabel zusammenzulöten und zurück zum Velomechaniker zu hetzen. Schon werden die ersten Bierharassen angeschleppt, um das anstehende Festival "einzuläuten". Die Stadt hat nebst einem breiteren kulinarischen Angebot und einigen Wats nicht allzu viel zu bieten. Beim Besuch des Wat Si Saket wird soeben der erste Tag des Neujahrs- und Wasserfestes gefeiert. Die Gläubigen erhalten beim Eingang der Tempelanlage von den Novizen eine Schale mit Wasser und Blüten. Damit werden die zahlreichen Buddhafiguren bespritzt und gereinigt. Auf den Strassen geht das Wasserfest etwas ungesitteter zu und her. Mit grossen Wasserkübeln ausgerüstet, fahren ganze Trupps von Pickups durch die Strassen. Die Kinder, welche sich auf der Ladefläche befinden, spritzen sich gegenseitig – z.T. mit gefärbtem Wasser – mit Becken, Kübeln und Wasserpistolen voll. Wir kommen zum Glück ziemlich gnädig davon. Am 15. April 2006 schwingen wir uns wieder um 6.00 Uhr auf unsere Sättel, um unser nächstes Ziel – Pakse, ganz im Süden von Laos – anzusteuern. Die Sonne geht zu dieser Stunde auf, doch heute bleibt der Himmel bedeckt, was uns auch nicht ungelegen kommt, denn bereits um 9.00 Uhr wird es drückend heiss. Bis Pakse sind es 690km, welche mehr oder weniger dem Mekong entlang führen. Den Fluss selber sehen wir jedoch nur einmal für kurze Zeit. Auch auf diesem Abschnitt unserer Reise müssen wir die Tagesetappen so einteilen, dass wir jeden Abend ein Dach über dem Kopf haben. Meist sind es nur kleine Dörfer oder Strassenkreuzungen, die ein Guesthouse haben. Mit Ausnahme zweier Abschnitte, wo wir gut 140km zurückzulegen haben, legen wir bis nach Pakse täglich mindestens 100km zurück. Und gerade bei einer dieser längeren Strecke, sind die sonst sehr zuverlässigen Kilometerangaben unserer Nelles-Karte unkorrekt. Anstatt 140km gibt es am 5. Tag 170km zu strampeln und dies bei schwülen 37°C. Heute läufts besonders zäh, haben wir doch in den letzten 4 Tagen bereits 450km zurückgelegt. Dies ist definitiv zu viel für unsere Körper und Roland erwacht tagsdarauf sogar mit Temperatur. Er, der sonst problemlos den Windrechen spielt, hat nach dieser Mordsetappe so richtiggehend zu kämpfen. Die Kilometersteine am sechsten und letzten Tag scheinen in immer grösseren Abständen aufzutauchen und die Pausen müssen länger und häufiger angesetzt werden. Wahrscheinlich schaffen wir es nur Dank der Unterstützung von Alkazyl. 38.5 Grad zeigt am Abend der Fiebermesser an und Roland erholt sich unter einem Beutel Eis. Unsere Körper brauchen Erholung und wir entschliessen, in Pakse einen Ruhetag einzulegen und nicht mit den Rädern zu den 4'000 Inseln ganz im Süden von Laos zu radeln, sondern mit dem Bus dorthin zu reisen. Somit steht nach langem Hin und Her auch fest, dass wir via Thailand aus Laos ausreisen und von Westen her nach Kambodscha gelangen werden. Denn die Strasse von Norden direkt nach Kambodscha ist nicht asphaltiert und kann in der Regenzeit zu einer knöcheltiefen Schlammpiste werden. Andere Fernradler brauchten 10 Tage für gut 200km Sumpffahrt und mussten unterwegs zelten. Dies stellt sich als weiser Entscheid heraus, denn bereits am 2. Tag auf den 4'000 Inseln an der kambodschanischen Grenze regnet es in Strömen und sämtliche Wege und Felder werden überschwemmt. So kommt der von der Bevölkerung lang ersehnte Monsunregen etwas früher als erwartet. Doch wir haben Glück und können die äusserst reizvolle Landschaft des breiten Mekong mit den unzähligen Inseln und zwei spektakulären Wasserfällen noch bei schönem Wetter besichtigen. Auf der Insel Don Det verweilen wir 3 Tage in einem Bungalow mit Veranda und unternehmen Ausflüge mit dem Boot oder mit gemieteten Drahteseln. Die grösseren Inseln sind bewohnt und die Bevölkerung lebt vor allem vom Fischfang und von der Landwirtschaft. Bei jeder Holzhütte, welche auf Stützen gebaut ist, treiben sich Hühner, Schweine und Truthähne herum. Zurück in Pakse, ziehen wir auch dieses Mal wieder mit reduziertem Gepäck los auf die dreitägige Fahrt durchs Bolavens-Plateau. Dieses Hochplateau liegt zwischen 1'000 und 1'200m.ü.M. Zu Kolonialzeiten führten hier die Franzosen den Tee- und Kaffeanbau ein. Das angenehme Klima lässt auch Kardamon und Pfeffer gedeihen. Doch das Plateau lockt auch mit der herrlichen Landschaft und den zahlreichen spektakulären Wasserfällen. Als kleine Flüsse fliesst das Wasser auf dem Hochplateau durch Tropenwald, bis es über die Plateaukante in tief erodierte Täler stürzt. Einige der Wasserfälle laden zum Baden ein, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Eine Massage in einem von der Natur geformten und betriebenen Whirlpool – herrlich! Der Besuch des Bolavens-Plateaus bildet den krönenden Abschluss unserer Reise durch das verträumte Laos. Tourenstatistik:
Sabine & Roland, 29.04.2006 |
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| © pk&mk 30.04.2006 | |||