Safari-Salama

Reisebericht 5 vom 23.12.2005 - 01.02.2006

Satun - Bangkok

Ankunft auf Ko Lipe Seit langem wieder einmal zelten... Unser Kollege Detlef Karstinseln Den Spreu vom Weizen trennen Rafflesia im Khao Sok Nationalpark Gibts einen schoeneren Radweg? Salzbauer Fast in der Pole Position

Wir staunen nicht schlecht, als wir feststellen, dass einige von Euch vor uns von den überschwemmten Gebieten in Nordmalaysia und Südthailand erfahren haben und uns per Mail zu warnen versuchten. Offensichtlich ist unser Entscheid, von Satun aus das Thailandabenteuer zu starten, richtig, denn wir bleiben von weiteren Unwettern verschont. Seit dem 21.12.2005 befinden wir uns also im ehemaligen Siam, wo wir vom Wetter nur so verwöhnt werden.

Mit dem Grenzübertritt werden wir auch gleich ins Jahr 2548 nach Buddha (mittlerweile 2549) vorwärtsgebeamt. 543 Jahre sind wir Euch nun also voraus, können Euch aber beruhigen, denn die Weltentwicklung scheint in diesem halben Jahrtausend nicht so rasant vorangeschritten zu sein, wie in anderen historischen Epochen. Noch immer sind TV und Internet weit verbreitet und die Busse rattern qualmend durch die Strassen.

Unsere erste Nacht in Thailand verläuft bereits ziemlich unruhig, hat sich doch eine Fledermaus durch das Loch im Dach in unser Zimmer verirrt. Orientierungslos flattert Batman durch den Raum, streift dabei sogar Sabines Knie und die Haare, was natürlich augenblicklich zu heftigem Gekreische führt! Raus aus den Federn und Licht an! – Batman hat sich mittlerweile unter Rolands Bett verkrochen. Wir rollen die Liege durchs halbe Zimmer; zuerst kommt ein ziemlicher Kothaufen zum Vorschein – Batman übernachtet wohl schon länger hier – danach der Ruhestörer selbst. Mit Abfalleimer und einem Blatt Papier bewaffnet pirscht sich Roland an ... "Hat ihn", sprach die Gattin ... und sanft wird das Tier in die Freiheit entlassen.

Als wir Satun verlassen, ist der Himmel immer noch stark bewölkt, aber wir entscheiden uns dennoch loszufahren. Im Laufe des Tages hellt sich der Himmel auch auf und so geniessen wir an unserem ersten Thailand-Velotag eine angenehme und überwiegend flache Strecke. Auch hier hupen uns die anderen Verkehrsteilnehmer zu, die Menschen am Strassenrand winken und grüssen uns freundlich mit Hello-Rufen. An unserem z'Nünihalt erwarten uns wieder wunderbare Köstlichkeiten: fritierte Bananenstreifen und Maniokscheiben – herrlich ... und dazu gibts frische Ananas. Frisch gestärkt setzen wir unsere Fahrt fort. Es dauert nicht lange als ein Auto überholt und vor uns anhält. Eine Thailänderin steigt aus und wir erkennen, dass neben dem Thaiautoschild auch noch ein CH mit Kreuz klebt! Wir unterhalten uns mit der Frau und erfahren, dass sie und ihr Schweizer Freund auf der Insel Ko Lipe, welche vor Pak Bara liegt, ein Café betreiben. Sie schwärmt uns vor, erzählt von weissem Pulversand, türkisblauem Meer und dass es dort nur wenige Touris hat. Wir sind hin und weg – da wollen wir die Weihnachtstage verbringen! "See you on Ko Lipe" verabschieden wir uns und setzen die Fahrt fort. Bald erreichen wir Langu, wo wir eine wunderbare Nudelsuppe (Flüssigkeit und Salz!) geniessen und viele Früchte einkaufen – Vorrat für die Insel! Nach weiteren 10km erreichen wir Pak Bara: nichts Spezielles und eigentlich nur der Ausgangspunkt um auf die sich im Tarutao Marine National Park befindenden Inseln Ko Tarutao, Ko Adang und Ko Lipe zu gelangen.

Wir entscheiden uns, die Velos und sämtliches Gepäck mit auf die Insel zu nehmen, was zu einem kleinen Abenteuer wird. Um unser Boot zu erreichen, müssen wir zuerst unser sämtliches Hab und Gut über wacklige Bretter und über das Deck eines dazwischenliegenden Bootes schleppen. Die Fahrt dauert 3.5h und führt an mehreren kleinen Inseln vorbei. Als wir uns vor Ko Lipe befinden, müssen wir auf dem offenen Meer umsteigen, denn unser Boot hat zuviel Tiefgang und kann daher nicht über das Korallenriff fahren, das die Insel umgibt. Ein Longtailboat kommt mit lärmendem Motor herangebraust. Dieses lange schmale Holzboot dient der Insel- und Küstenbevölkerung als Hauptverkehrsmittel und hat den Namen aufgrund der Schiffsschraube, die sich am Ende einer langen Stange befindet und zugleich als Ruder dient.

Ko Lipe ist eine traumhaft schöne Insel und zählt 600 Einwohner – die Chao Leh. Dieses Fischervolk – Seenomaden genannt – lebt in äusserst bescheidenen Verhältnissen: in Hütten mit Wellblechdächern und geflochtenen Wänden. Vor jeder Hütte – und manchmal auch unter freistehenden Bäumen – gibt es eine einladende hölzerne Plattform, wo im Schatten Dorfgespräche stattfinden, die Nachbarn sich gegenseitig massieren, Mütter ihre Kinder stillen oder man in der Mittagshitze ein Nickerchen abhalten kann. Autos gibt es keine und auf den sandigen Wegen verkehren Velos, Mofas, Menschen, Hühner und Hunde. Glücklicherweise blieb dieses kleine Paradies vom Tsunami verschont. Wir werden für 5 Nächte vorübergehende und stolze Besitzer eines bescheidenen aber sehr einladenden Palmblätter-Bungalows direkt unter Kokospalmen und am türkisblauen Meer. Wir geniessen die Ruhe, die vielfältige Unterwasserwelt beim Schnorcheln, lesen viel und Sabine geht fleissig auf Muschelsuche.

Nach 5 Tagen ziehen wir weiter. Zwar noch nicht aufs Festland, sondern auf Ko Tarutao – die Hauptinsel des gleichnamigen Nationalparks. Ko Tarutao ist unbewohnt, praktisch vollständig mit Urwald bedeckt und diente von 1937-1948 als Gefängnisinsel für vorwiegend politische Kriminelle. Zu dieser Zeit tümmelten sich angeblich noch Krokodile und Haie in den umliegenden Gewässern, was die Häftlinge zusätzlich am Flüchten hindern sollte. In Ketten gelegt, waren die Gefangenen für den Strassenbau (=Schotterpisten) verantwortlich. Heute befinden sich an drei Stränden ein paar wenige Unterkünfte. Vom einen Strand aus hat man diverse Möglichkeiten Dschungelwanderungen zu unternehmen und so schlagen wir hier – zum ersten Mal seit wir in Asien sind – unser Zelt auf. Auch unsere Wanderschuhe werden seit längerem wieder einmal ausgepackt und so entdecken wir auf mehreren Dschungelwanderungen eine beachtliche Anzahl von Tieren: Langschwanz-Makkaken, Dusky Langurs (beides Affen), ein Wildschwein, Zwergrehe, eine grosse Baumechse, diverse Eichhörnchen, Hornbills (wie Tukane), Seeadler und eine ganze Menge Schmetterlinge. Die eine Wanderung führt tiefer in den Urwald hinein, einem malerischen Flusslauf entlang. Den gesuchten Wasserfall können wir leider nicht erreichen, da wir noch längere Zeit durchs Wasser waten müssten und so geniessen wir eine Abkühlung in einem nahegelegenen natürlichen Pool.

Auch die 3 Tage auf Ko Tarutao vergehen wie im Flug und am Neujahrstag setzen wir wieder aufs Festland über. Hier ist erst einmal grosse Reinigung angesagt: Während Roland unsere beiden Velos vom Salzwasser befreit und blitzblank putzt, einen Kettenwechsel vornimmt (machen wir alle 1'500-2'000 km) und die Speichen und Schrauben kontrolliert, kümmert sich Sabine um die Kleiderwäsche. Von Hand wird alles eingeseift und geschrubbt, bis sich fast Blasen bilden. Ihr werdet es kaum glauben, aber bisher hatten wir wirklich keinerlei Schwierigkeiten mit unserer Ausrüstung und sind top zufrieden. In Kroatien hatten wir den bisher einzigen platten Reifen an Rolands Rad zu verbuchen – und dies auch nur wegen eines ausgerissenen Ventils. Die Strassen hier sind vom Feinsten, doch das wird sich in nächster Zeit wohl schlagartig – im wahrsten Sinne des Wortes – ändern ...

Von Pak Bara aus fahren wir weiter Richtung Trang (im Landesinnern) und Pak Meng (wieder an der Küste) nach Krabi. Diese Gegend ist sehr abwechslungsreich und faszinierend. Freistehende Karstfelsen in fantastischen Formationen, einige sogar mit Tropfsteinhöhlen, prägen das saftig grüne Landschaftsbild, welches uns sehr märchenhaft vorkommt. Über weite Strecken fahren wir an Kautschukplantagen vorbei. Die lichten Haine sind uns oft willkommene Schattenspender. Viele Familien leben hier von der Kautschukgewinnung und wir können den Prozess von der Ernte bis zur Herstellung von Halbfertigprodukten in Form von flachgewalzten Gummi-Matten mitverfolgen. Thailand ist der weltgrösste Kautschuk-Produzent.

Eines Tages – wir halten um die Mittagszeit wieder einmal Ausschau nach einer Suppen-Bude – sehen wir am Strassenrand eine ganze Menge geparkte Autos stehen. Neben der Hütte sind noch einige Zelte als Unterstände aufgestellt. Dieser Ort scheint beliebt zu sein und sicher gibt es hier was Leckeres zu essen! Wir steigen vom Rad und stellen bald fest, dass es sich um eine Hochzeitsgesellschaft handelt. Sicher 200 Personen sind versammelt. Wir wollen uns gerade wieder auf unsere Räder schwingen, als uns zwei Frauen herbeiwinken. Sie sprechen ein wenig englisch und als sie erfahren, dass wir hier ein Restaurant vermuteten, bitten sie uns höflich Platz zu nehmen und uns der Gesellschaft anzuschliessen. Wir sind ziemlich überrumpelt, und es ist uns ein wenig unangenehm, denn ungewollt stehlen wir zwei farangs (Ausländer) dem Brautpaar fast die Show. Wir dürfen uns an einen der Tische setzen und werden sogleich höflich bewirtet. Das Essen ist sehr bescheiden und wird in riesigen Töpfen über Feuerstellen hinter der Hütte zubereitet. Berge von Geschirr stapeln sich und stehen zum Abwasch bereit. Alle Arbeiten werden auf dem Erdboden verrichtet. Wir bekommen Cola und Wasser, sowie eine Suppe serviert in der allerlei Undefinierbares schwimmt. Oje, oje ... jetzt bloss nicht das Gesicht verlieren! Bei den schwimmenden Gemüsestücken haben wir natürlich keine Mühe, aber die grossen Fettschwarten und Hautteile verlangen uns doch einiges ab! Jeden Löffel Suppe spülen wir mit Cola runter – immer ein gequältes Lächeln im Gesicht – und zum Glück steht ja noch eine Schüssel Reis bereit. Der Mangosalat mag zwar gerade noch den Nachgeschmack der Fettschwarten zu übertünchen, ist aber derart scharf, dass er auch keine richtige Alternative darstellt. Währenddem sich die Hochzeitsgesellschaft kulinarisch verwöhnen lässt, feiert das Brautpaar in einem engen Nebenraum die eigentliche Zeremonie. Umgeben von einigen anderen Leuten, knieen sie auf Kissen in der Raummitte; vor sich ein paar kleine Schalen mit Blüten und Flüssigkeiten. Wir vermuten, dass es sich um eine buddhistische Hochzeit handelt. Nach der Zeremonie gehen die Leute von Tisch zu Tisch, wo sie mit Geldscheinen gefüllte Couverts entgegennehmen. Für uns wird es langsam Zeit aufzubrechen und so möchten wir uns von unseren Tischnachbarn und dem Brautpaar verabschieden. Doch halt: So einfach geht das nicht, denn zuerst gibts noch Fotoshooting. Wir – in unseren üblen verschwitzten Kleidern – haben die Ehre, als Erste mit dem Brautpaar für ein Erinnerungsfoto zu posieren.

Von Krabi aus geht es weiter auf die Insel Ko Phi Phi. Dieses Mal lassen wir die Velos auf dem Festland zurück und nehmen nur gerade das Allernotwendigste mit, was in unserem 30 Liter Rucksack Platz findet. Ko Phi Phi ist in unseren Augen ziemlich touristisch. Die Insel wurde vom Tsunami stark in Mitleidenschaft gezogen: 700 Einheimische (= 98% der Inselbevölkerung) und 1'300 Touristen fanden damals den Tod; heute erinnern noch etliche Bauruinen, wie Streichhölzer umgeknickte Palmen und viele Baustellen an das unfassbare Ereignis. Vier Tage bleiben wir auf der Insel, unternehmen einen Bootsausflug, wo wir die spektakulären Kalksteinformationen der südlich gelegenen Insel bewundern und in paradiesischen Buchten schnorcheln können. An zwei Tagen geht Roland tauchen und obwohl er keine Mantas, Haie und Walhaie erspäht, ist er von der farbenprächtigen Unterwasserwelt hell begeistert. Als Highlights seiner Tauchgänge kann er u.a. immerhin eine Schildkröte, eine Muräne, Lion fishes und eine Meerschlange verbuchen.

Auf dem Weg nach Phang Nga kommen wir am Than Bokkhorani Nationalpark vorbei, der uns mit seinen im Wald gelegenen Kalksinterterrassen und Bachläufen sehr an den Krka-Nationalpark in Kroatien erinnert.

Nachdem wir uns fast einen Monat im Süden des Landes aufgehalten haben, kribbelt es uns langsam wieder in den Beinen und wir wollen "wieder vorwärtskommen". Fortan gehts täglich "Hügel auf, Hügel ab". Wie wir anfangs schon erwähnt haben, werden wir vom Wetter nur so verwöhnt; kein Regen mehr und Temperaturen von 32-35 Grad im Schatten. Da wir jedoch nur selten im Schatten fahren, kämpfen wir tagsüber mit Temperaturen von über 40 Grad. Unsere Velo-Bar (6.5 Liter in 5 Bidons) wird jeden Morgen aufgefüllt – wir schwitzen literweise! Wenn Ihr staunt, weshalb wir auf den Fotos immer die gleichen Oberteile tragen, so liegt dies daran, dass wir sie als unsere bequemsten Stücke auserkoren haben. Sie werden jeden Abend ausgewaschen ;-).

Den ersten Halt auf unserer Weiterfahrt in Richtung Norden legen wir im Khao Sok Nationalpark ein. Hier übernachten wir für zwei Nächte in einem echten Baumhaus – herrlich! Glückspilze wie wir sind, sind wir sogar in der richtigen Jahreszeit hier, sodass wir eine blühende Rafflesia bestaunen können. Diese äusserst seltene Pflanze mit der weltweit grössten Blüte gehört zu den Schmarotzern und hat – wie gewisse Baumpilze – keine eigenen Wurzeln. Sporen dieser Rafflesia setzen sich auf Lianen fest, wo sie zu keimen beginnen und zu fussballgrossen Knollen heranwachsen und sich später zu einer prächtigen leuchtend roten Blüte entfalten. Diese blüht nur während 3-4 Tagen, bevor sie wieder abstirbt. Die grössten Rafflesia-Arten auf Sumatra erreichen einen Durchmesser von bis zu 100cm. Unser Exemplar war mit gut 50cm aber auch schon sehr beeindruckend. Anders als im Regenwald von Tarutao, führt unsere Wanderung dieses Mal durch imposanten Bambuswald. Gegen 20m hoch sind die grössten Stämme; mit einem Durchmesser von 20cm. Wir entdecken kunstvoll gewobene Spinnennetze, kommen an Bauwerken der Weberameisen vorbei – gefaltete und gerollte Blätter, die als Nester dienen. Kleine Erdtürme – wie Mini-Termitenhügel – säumen den Weg. Es handelt sich vermutlich um Schlupftürme von Zikaden, welche die ersten 15(!) Jahre ihres Lebens unter der Erde verbringen.

Vom Khao Sok Nationalpark aus fahren wir weiter der Westküste entlang nordwärts. Khura Buri, Ranong und Kra Buri sind unsere nächsten Etappen, bevor wir beim "Isthmus von Kra" – mit 53km die engste Stelle der malaysischen Halbinsel – von der Andamanenküste an den Golf von Thailand wechseln. Mit Chumphon erreichen wir seit längerem wieder einmal eine grössere Stadt.

Seit wir den Süden verlassen haben, begegnen wir beinahe täglich anderen Radfahrern. Natürlich legen wir da immer gerne eine Pause ein, um uns mit unseren "Kollegen" zu unterhalten und Infos auszutauschen. Schweizer haben wir noch keine getroffen, dafür Holländer, Engländer und Deutsche. Grossen Respekt zollen wir vor allem den diversen pensionierten Ehepaaren, die z.T. schon weite Strecken Südostasiens per Radel zurückgelegt haben.

Am Tag, an dem wir in Richtung Ranong steuern, rast uns plötzlich eine Polizei-Eskorte entgegen. Huiuiui und erst noch auf unserer Seite – was soll denn das? Kurz darauf folgt eine Kolonne von Pick-ups; jeder mit anderem Länderwappen an der Scheibe. Da! Die Schweiz!!! Die Teilnehmer des internationalen Velorennens Bangkok – Phuket sind daran an uns vorbei zu flitzen! Freudig halten wir an und warten auf die Fahrer. --- Summm --- Summm; in zwei Blöcken spurten sie an uns vorbei; wir hupen und winken ihnen zu, doch die Profis haben natürlich keine Zeit zu reagieren ... Pfu, die haben ja auch nur so ultraleichte Velööli und als Gepäck einzig die Trinkflasche!

Während im Süden eindeutig die Gummiplantagen überwiegen, so prägen in dieser Gegend Ananas- und Kokosplantagen, sowie Crevettenfarmen das Landschaftsbild.

An einem Tag – wir legen gerade einen Trinkhalt ein – überquert ein Mann auf unserer Höhe die Strasse. Er ist schwer beladen, denn über der Schulter trägt er zwei grosse mit Kokosnüssen gefüllte Körbe. Die Nüsse deponiert er auf einem Haufen neben uns. Beeindruckt lächeln wir ihm zu und er verschwindet wieder im Gebüsch auf der anderen Strassenseite. Plötzlich sehen wir, dass eine Kokosnuss nach der anderen von den Palmen fällt, doch wir können gar niemanden auf der Palme entdecken. Da – mit einem Mal – verstehen wir, weshalb auf den Kokos-Pick-ups immer Langschwanz-Makkaken mitfahren! Natürlich, die helfen bei der Ernte! Wir lassen unsere Stahlesel am Strassenrand stehen und machen uns auf die Suche nach den Arbeitern. Bald begegnen wir zwei Kokosbauern mit je einem Affen an einer langen Leine. Die Tiere sitzen in der Baumkrone und auf Kommando (pro Nuss ein Kommando!) drehen sie die Früchte vom Stamm und lassen sie zu Boden fallen, wo sie vom dritten Kokosbauern zusammengesammelt werden. Ziemlich lange verweilen wir dort und schauen fasziniert zu. Ein schönes Beispiel für Teamwork zwischen Mensch und Tier. Die Männer freut es, dass wir Interesse an ihrer Arbeit zeigen und zur Erfrischung reichen sie uns eine Kokosnuss, die wir gerne annehmen. Auf dem Weg zurück zu den Velos versuchen wir – mir brachialer Neandertalertechnik – die Nuss zu öffnen, um an das saftige Fleisch zu kommen. Die Männer haben uns beobachtet und wollen uns etwas mitteilen, das wir jedoch nicht verstehen. Es dauert nicht lange und der eine Bauer bringt uns noch zwei Früchte – reifere und mit saftigem Fleisch. Ja, das sollte eine Weile reichen! Doch: damit noch nicht genug: Wir wollen uns gerade aufs Radel schwingen und losfahren, als die Bauern noch drei Nüsse heranschleppen (jede wiegt mit Schwimmhaut gute 2kg), die fasrige Schwimmhaut entfernen und uns die Früchte überreichen. Sie deuten dabei auf unsere Waden ... damit wir eben genügend Kokospower tanken können. Wir wissen zwar noch nicht, wie wir in der nächsten Zeit soviele Kokosnüsse verzehren sollten, freuen uns aber sehr über diese herzliche Geste und Roland bindet das Geschenk hinten auf seine Taschen.

Die Küste entlang des Golfs von Thailand ist rauher und so bläst uns von Chumphon bis nach Samut Songkhram der Wind zum Teil heftig entgegen. Wir sind froh, dass wir die ersten 150km auf einer Nebenstrasse fahren können und erst kurz vor Tap Sakae auf die Autobahn wechseln müssen. Zum Teil verläuft unser Schleichweg direkt neben dem schönen Sandstrand – wunderbar! Nördlich von Prachuap Khiri Khan besuchen wir den Khao Sam Rai Yot Nationalpark – das Gebiet mit den 300 Gipfeln. Nein, nein, keine Angst, die müssen wir nicht überqueren, denn die Strasse schlängelt sich durch die in der Ebene gelegenen Crevettenfarmen. Es ist eine eigenartige Landschaft: sumpfartiges Marschgebiet mit völlig ausgetrockneter Oberfläche, denn hier windet es konstant. Die Landschaft bietet vielen Zugvögeln aus Osteuropa und Sibirien einen Platz zum Zwischenlanden und Nisten, wenn sie sich auf dem Weg in südlichere Gefilde befinden. Bevor hier die Crevettenfarmen erstellt wurden, war dieses Gebiet überwiegend mit Mangroven bewachsen. Dieser wichtige Lebensraum ist nun leider verschwunden.

Für die Strecke von Cha-am nach Samut Songkhram können wir wieder eine Nebenstrasse benutzen, die erst noch ca. 15km kürzer ist als der Weg via Autobahn! Anstelle von Crevettenfarmen, herrschen hier Salzfelder vor. Salzfelder soweit das Auge reicht und wir fahren wieder auf Dämmen durch die beeindruckende und einzigartige Landschaft. Es ist auch an diesem Tag, an dem wir bereits nach 8.5km unsere erste Pause einlegen: Wir haben die 5'000km Marke erreicht und stossen freudig mit unseren Wasserflaschen an! Ausgiebiger gefeiert wird dieses Ereignis dann über Mittag, wo wir beide, anstelle der legendären Nudelsuppe, einen 6-Kugeln-Coupe verschlingen. Der schmilzt uns so richtig die Kehle runter!

Samut Songkhram liegt nur noch gut 60km westlich von Bangkok. Von hier aus unternehmen wir per Bus einen Tagesausflug zu einem "Floating Market" (Schwimmender Markt). Damit wir den Ort vor der grossen Tourimasse erreichen, sitzen wir bereits um 06.00 Uhr im Bus. Es ist noch finster und auf dem Weg zum Busbahnhof begegnen wir vielen orange-gewandeten buddhistischen Mönchen, die barfuss durch die Strassen gehen und von den Leuten Almosen in Form von Lebensmitteln entgegennehmen, die sie in einer grossen umgehängten Schale unter ihrem Umhang tragen. Als wir nach Dreiviertelstunden Damnoen Saduak erreichen, herrscht zu unserem Erstaunen noch nicht viel Betrieb auf den Khlongs, den 10m breiten Wasserstrassen, die im 18.Jh. angelegt wurden und insgesamt ein Netz von ca. 35km bilden. Immer mehr lange schmale Holzboote kreuzen auf. Die einen sind vollbeladen mit Früchten, auf anderen wird Nudelsuppe zubereitet, auf wieder anderen werden fritierte Köstlichkeiten feilgeboten. Die Mehrheit der Marktfrauen trägt grosse Sonnenhüte aus Stroh, die aussehen wie Lampenschirme. Sie treiben die Boote voran, indem sie mit Holzstöcken in den Grund des Kanals stochern. Als Käufer kann man sich bei den Marktbooten eindecken indem man sich entweder an den Kanalrand setzt, oder aber ein Boot mietet und zwischen den Marktständen hindurchgondelt. Als die Touristenboote zunehmend Überhand nehmen wird es für uns Zeit, den Schauplatz wieder zu verlassen. Obwohl die Szenerie stark vermarktet wird, hat sich dieser Ausflug in unseren Augen gelohnt, denn wer weiss, ob bei der heutigen rasanten globalen Entwicklung diese Tradition überlebt hätte, wenn da nicht der Tourismus wäre?

Damit wir uns nicht durch den Grossstadtverkehr kämpfen müssen, nehmen wir den Bus von Samut Songkhram nach Bangkok. Hier haben wir eine ganze Menge zu erledigen: Das Visum für Myanmar will organisiert sein, Roland muss zum Zahnarzt und sich die abgebrochene Plombe ersetzen lassen (hat bestens geklappt!) und wir müssen die Botschaften sämtlicher asiatischer Länder abklappern, die noch vor uns liegen und uns nach den Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen erkundigen. Erst danach können wir unsere Weiterreise richtig planen.

Wir haben uns lange überlegt, ob und vor allem wie wir Myanmar (früher Burma) bereisen wollen. Das Land (48 Mio Einw.), das einer Militärdiktatur unterliegt, ist eines der weltweit meist isolierten Länder. Vom BIP gehen jährlich 5% in die Verteidigung, jedoch nur 0.5% in die Bildung und 0.4% in die Gesundheit (CH: 1.1% / 5.5% / 5.9%). Auf 241 Einwohner bereist jährlich 1 Besucher das Land (CH: 1 Einw: 1.4 Bes). Die staatliche Zensur (inkl. Internet, sofern überhaupt vorhanden) ist sehr hoch und das Schulabgangsalter liegt bei 9 Jahren. Auf einen Arzt kommen 3'300 Einw. (CH: 300) und die Lebenserwartung liegt bei 57 Jahren. Pro 1'000 Einw. gibt es 1 Auto und 6 Telefone (CH: 494 / 746). Zu Thailand hat das Land 3 Grenzübergänge, an denen jedoch nur 1-Tages-Visen ausgestellt werden. Wir hätten zwar in Bangkok problemlos ein Visum für 28 Tage beantragen können. Auch hätten wir, mit einiger Anstrengung, den nächstgelegenen Grenzübergang bei Mae Sot innert der gesetzten Frist erreichen können, doch hätten wir uns dann in Myanmar in einer Sperrzone befunden, die man als Ausländer nur mit militärischer Begleitung passieren kann. Diesen Escort-Service gibt es nicht in erster Linie wegen Überfällen o.ä., sondern weil die Regierung schlicht und einfach verhindern will, das ausländische Augen "zuviel" sehen. Vor allem in den grenznahen Bergregionen werden gewisse Minderheiten stark unterdrückt und in einigen nördlichen Gebieten blüht der Opiumhandel. Die Grenzregion ist nicht nur gebirgig, sondern auch ziemlich dünn besiedelt und so wären wir per Radel nur langsam vorwärts gekommen und hätten garantiert Mühe gehabt, eine Unterkunft zu finden. Campieren scheint uns in diesem Gebiet keine Alternative zu sein. Das Land ist sehr gross (678'500km²), und die für den Tourismus offenen Gebiete um die Hauptstadt Rangoon und Mandalay (im Norden) liegen gegen 1'000km auseinander. Wir würden also ohnehin für gewisse Abschnitte auf den ÖV umsteigen müssen. So haben wir uns entschieden, den für Touristen üblichen Weg einzuschlagen. Die Velos und das meiste Gepäck werden wir in Bangkok einstellen und per Flugzeug einreisen. Einen Monat lang werden wir nun also mit den Rucksäcken unterwegs sein und wir freuen uns darauf, das reiche historische und kulturelle Erbe, sowie die landschaftlichen Schönheiten Myanmars zu besuchen

Tourenstatistik:
  • Anzahl Reisetage:
  • Anzahl Velotage:
  • Total Velodistanz:
    Davon nicht asphaltiert:
  • Total gefahrene Höhenmeter:
  • Total reine Fahrzeit:
159
92
5'126km
93km
35'978m
344h 47min

Zu den Fotos...

Sabine & Roland, 01.02.2006

© pk&mk 06.02.2006