Safari-Salama

Reisebericht 2 vom 08.09. - 18.10.2005

Triest - Istrien - Dalmatien - Dubrovnik

Rovinj Stahlesel mit Ausblick Kampf gegen den Wind Noch einige km zu radeln Im Nationalpark Plitwitzer-Seen Passhöhe erreicht und überglücklich Insel Korcula Dubrovnik

In Triest heisst es für Sabine erst mal: Fäden ziehen am Kinn und über dem Auge. Wir suchen daher das nahegelegene Spital auf und landen in den Katakomben der Notfallaufnahme. Braune Plättli am Boden, weisse bis auf halbe Raumhöhe an den Wänden – könnte auch ein Schlachthof sein. Im Spital Chur sagte man Sabine, dass sie vom Arm einen Ultraschall machen solle, sofern dieser nach einer Woche noch schmerzt. Also verlangen wir nach einem Ultraschall und werden einen Stock höher geschickt. Doch dort ist das Röntgen. Sabine kratzt ihre letzten italienischen Brocken zusammen und macht den Ärzten klar, dass bereits geröntgt wurde und alles i.O. sei und nun ein "ultrasono" gemacht werden müsse. Doch scheint es das Wort "ultrasono" nicht zu geben, denn die Ärzte sagen, dass es für eine "econografia" eine Wartezeit gebe. Sabine meint, das sei kein Problem und sie würde morgen wieder kommen, worauf der Arzt erwidert, dass es sich um eine Wartezeit von 2 Monaten handelt. Aha. Als die Ärzte erfahren, dass wir am Anfang einer Weltreise seien, meinen sie, dass wir erst mal wieder für 10 Tage nach Hause sollen. Wir entscheiden uns jedoch die Reise geruhsam weiterzuführen und natürlich die Etappenziele Sabines Zustand anzupassen.

Istrien, der sehr touristische Landteil im Nordwesten Kroatiens, liegt vor uns. Doch bevor wir den kroatischen Zoll passieren, radeln wir einen kurzen Abschnitt durch Slowenien. Das pittoreske Städtchen Piran liegt auf einer Landzunge, welche sich in die Adria erstreckt. Verwinkelte enge Gassen gehören zum typischen Ortsbild.

Ein kurzer Abstecher ins Landesinnere Istriens bringt uns zum Dorf Motovun, welches herrschaftlich auf einem knapp 300m hohen Hügel thront. Die äusserst abwechslungsreiche Landschaft erinnert uns an jene der Toscana, welche wir letzten Herbst mit unseren Freunden Petra und Luki durchradelt haben. Der steile Aufstieg am Ende des Tages ist sehr anstrengend, doch werden wir mit einem tollen Blick über das Umland belohnt. Auf der Stadtmauer kochen wir uns eine Suppe und geniessen den Sonnenuntergang.
Überwiegend der Küstenstrasse entlang, besuchen wir die mittelalterlichen Städte. Porec, ganz im Norden, wird immer noch durch den Decumanus aus der Römerzeit bestimmt. Hauptanziehungspunkt bildet jedoch die architektonisch sehr nüchterne byzantinische Kathedrale aus dem 6.Jh. Entlang der Küste reihen sich die zahlreichen Restaurants mit dem sehr reichhaltigen Angebot an Fischgerichten. Während wir am Gelato schlemmen sind, sprechen uns Regula und Erwin aus St. Gallen an. Sie haben uns bereits vor zwei Tagen in Slowenien mit dem Camper überholt. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir ihnen hier in Istrien begegnen.
Auf dem Weg nach Rovinj passieren wir etliche Restaurants, die direkt an der Strasse Spanferkel grillieren. Leider sind wir zu diesem Zeitpunkt noch zu wenig hungrig, um die istrische Spezialität auszuprobieren. In Rovinj schlendern wir durch die engen mittelalterlichen Gassen, welche sehr verwinkelt sind und immer wieder Durchblicke in Hinterhöfe preisgeben und oft herrliche Fotosujets bieten. Mit einer köstlichen Fischplatte lassen wir uns kulinarisch verwöhnen und geniessen das mediterrane Klima.

Wir setzen unsere Reise fort in Richtung Pula und passieren den fjordähnlichen Limskikanal. Die Strasse führt wie bis anhin dauernd rauf und runter. Pulas Hauptattraktion ist zweifelsohne das römische Amphitheater aus dem 3.Jh.n.Chr. Der sehr gut erhaltene Bau diente vorwiegend Gladiatorenkämpfen und bot Platz für 20'000 Schaulustige. Wir beabsichtigen, von hier die Fähre nach Mali Losinj zu nehmen, um die Inseln Losinj und Cres längs zu durchqueren. Leider ist die Schifffahrtshochsaison vor einer Woche zu Ende gegangen und etliche Kurse werden nun nicht mehr angeboten oder nur noch beschränkt. Da nach Mali Losinj keine Fähre mehr fährt, bleibt uns nichts anderes übrig als weiter der Küste entlang zu radeln bis nach Brestova, wo uns eine Fähre hinüber nach Cres bringt. Eine langgezogene karstige und sehr gebirgige Insel erwartet uns. Direkt von der Anlegestelle sind 400 Höhenmeter zu überwinden. Pinien, Oliven- und Feigenbäume, sowie viele uns unbekannte Büsche, Sukkulenten und teilweise flächendeckender Salbei überziehen die Insel und bilden mit dem karstigen Boden eine einzigartige Landschaft. Immer wieder werden Blicke über die Adria und die umliegenden Inseln des Kvarner-Golfes frei. Das tiefblaue Wasser wird in den unzugänglichen Buchten zu türkisblauer Farbe. Ab und zu pflücken wir frische Feigen, welche vorzüglich schmecken. In Valun, einem kleinen Fischerdörflein mit idyllischer Bucht, schlagen wir unser Zelt auf und lassen die Zeit vergessen. Nichts ahnend geniessen wir den letzten schönen Tag vor dem mehrere Tage andauernden Kälteeinbruch.

Am nächsten Tag steigt das Thermometer bei stürmischem Wind und heftigem Regen noch knapp auf 15°C. Wir sind gezwungen den ganzen Tag im Zelt zu verbringen und mit Lesen und Scrabblespielen die Zeit totzuschlagen. Trotz leichter Wetterbesserung in den kommenden Tagen bleiben die Temperaturen ziemlich tief und die Sturmböen anhaltend. Insbesondere bei der Überfahrt über die mehrere hundert Meter lange Betonbogenbrücke, welche die Insel Krk mit dem Festland verbindet, bleiben wir von den orkanartigen Windstössen nicht verschont. Teilweise stemmen wir uns mit aller Kraft gegen den Wind und kommen trotzdem kaum vorwärts. An Fahren ist überhaupt nicht mehr zu denken. Wir suchen den nächsten Übernachtungsort auf und hoffen auf besseres Wetter am nächsten Tag. Laut Information des Nachbarn, welcher sehr gut deutsch spricht, soll es auch besser werden. Viele Leute sprechen in Kroatien ziemlich gut deutsch. Meistens handelt es sich um ehemalige Gastarbeiter von Deutschland oder der Schweiz.

Doch auf dem gesamten Küstenstreifen südwärts bis nach Senj begleitet uns ununterbrochen die heftige Bura (= Bora; kalter Wind von den Bergen). Ab Novi Vinodolski ist die Strasse für Wohnmobile, Busse, Autos mit Anhänger und Motorradfahrer sogar gesperrt. Wir schliessen daraus, dass dies wohl auch für Radler gilt ;-). Doch der Umweg führt über die Gebirgskette, welche parallel zur Küste verläuft und nicht besiedelt ist. Da sich kaum jemand an das Verbot hält und wir die nächste Bucht als passierbar einschätzen, schlagen wir nichts ahnend auch die Küstenstrasse ein. Doch kurz nach Novi Vinodolski sind 2 grössere Buchten zu umfahren. So etwas haben wir noch nie erlebt! Der Wind pfeift uns um die Ohren und verschlägt uns zeitweise fast den Atem. Falls ein Durchkommen möglich sein sollte, dann nur mit schiebenden Fahrrädern. Um die engen Kurven bläst der Wind mit voller Wucht, sodass wir schauen müssen nicht weggeblasen zu werden. Roland läuft Sabine entgegen, um ihr das Fahrrad abzunehmen und die Strasse hochzuschieben. Mit den unübersichtlichen Kurven und dem starken Verkehr, sowie den unberechenbaren Windböen, welche unvermittelt einmal von links, dann von rechts oder von vorne kommen, ist es sehr gefährlich. Wir sind heil froh, die schlimmste Passage überwunden zu haben. Doch bis Senj ist nicht an Radfahren zu denken und so bleibt uns nichts anderes übrig, als die Räder über 25km auf der Hauptverkehrsachse Nord-Süd zu schieben. In Senj gönnen wir uns einen Ruhetag und besichtigen die Burg Nehaj mit dem interessanten Museum über die Uskoken (kriegerisches Volk von Senj). Die Burg ist bekannt aus der Geschichte "Die Rote Zora".

Am 23.09.05 verlassen wir Senj in Richtung Otocac. Der Wind bläst immer noch von den Velebiten. Nach 2km entscheiden wir uns umzukehren und den Bus über den 700m hohen Pass zu nehmen. Sobald wir ins Landesinnere kommen, stellen wir fest, dass die Gegend viel ärmlicher wird. Die Bevölkerung lebt sehr bescheiden, meist steht nur ein kleines Gebäude mitten zwischen Hühnern, Truthähnen, einzelnen Schweinen und Schafen oder Ziegen. Die Landwirtschaft ist die Haupteinnahmequelle. Was uns aber viel mehr bedrückt, sind die Erinnerungen an den Balkankrieg vor knapp 15 Jahren: Überall stehen zerfallene oder abgebrannte Häuser, die Fassaden haben unzählige Einschusslöcher von Maschinengewehren und Granaten. Teilweise sind ganze Dörfer verlassen. Anscheinend ist das Geld für einen Wiederaufbau bei der ärmeren Bevölkerung nicht vorhanden. Warnschilder am Strassenrand weisen immer wieder auf verminte Felder hin. Es wird noch einige Jahre dauern, bis die Kriegsschäden beseitigt sind und ein wirtschaftlicher Aufschwung absehbar ist. Doch die traurigen Erinnerungen werden immer bleiben.

Sobald wir uns dem Nationalpark Plitwitzer-Seen nähern, ändert sich die Umgebung in eine hochmoorähnliche alpine Landschaft. Die Plitwitzer-Seen sind ein Wunder der Natur. Im karstigen Gebirge hat sich über Jahrtausende eine wunderbare Seenlandschaft mit idyllischen Wasserfällen und Kaskaden gebildet. Sie ist von derartiger Schönheit, dass das Gebiet in das Weltnaturerbe der Unesco aufgenommen wurde. Der Park gehört bestimmt zu einem der Highlights einer Kroatienreise.

Ein guter Entscheid ist, nicht wie ursprünglich geplant via Hauptverkehrsachse nach Zadar zu fahren, sondern eine viel weniger stark befahrene aber mehrere Gebirgszüge überquerende Alternativroute zu wählen. Hier sind die Übernachtungsmöglichkeiten sehr spärlich und so bleibt uns nichts anderes übrig, als wild zu campieren. So dürfen wir eine sehr herzliche Begegnung mit einem alten Ehepaar erleben, als wir um Erlaubnis bitten, auf ihrem Feld das Zelt aufzustellen. Nach ersten Verständigungsproblemen dürfen wir auf ihrem bescheidenen Hof ihre liebenswürdige Gastfreundschaft erleben. Ganz erstaunt sind sie über unsere Zeltausrüstung. Am Abend erhalten wir eigens geräucherten Schinken und zum Zmorgen bereitet uns die Frau Spiegeleier mit Gurken, selbst gebackenes Brot und Kaffee zu. Dieses Erlebnis wird uns stets in bester Erinnerung bleiben.

Um wieder an die Küste zu gelangen, wählen wir eine Passstrasse, welche auf unserer Karte als Nebenstrasse eingezeichnet ist und auf gut 900m.ü.M. führt. Während dem Aufstieg auf einer Schotterpiste mit angenehmer Steigung treffen wir auf eine Truppe Männer, mit zwei Minibussen und einem Ambulanzfahrzeug. Wir fragen uns, ob die wohl vom Militär sind oder eine Försterausbildung machen. Es stellt sich nun heraus, dass es sich um eine Minensuchtruppe handelt. Die kleineren Nebenstrassen und ganze Waldabschnitte sind noch vermint. Kein einfacher Job, welcher diese Männer verrichten müssen.
Kaum haben wir die Passhöhe erreicht, ändert sich die Vegetation vom bereits herbstlich verfärbten Buchenwald in eine zum Meer hin gewandte trockene Karstlandschaft. Der anstrengende Aufstieg hat sich mit dem herrlichen Ausblick und der wunderbaren Landschaft allemal gelohnt. Doch auf eine rasante Abfahrt haben wir uns vergebens gefreut. Der Weg ist so steinig und karstig, dass wir die Räder hinunterstossen müssen. Wir sind uns bewusst, dass wir es nicht bis zum nächsten Ort schaffen werden und irgendwo unterwegs zwischen den Felsen das Zelt aufstellen müssen. Doch einfach wird es bestimmt nicht, einen passenden Platz zu finden, da wir die Strasse wegen den Minen nicht verlassen dürfen. So kommt uns ein an der Strasse liegendes Mausoleum gerade gelegen. Da wir einen ebenen Untergrund und Schutz vor dem Wind benötigen, bekommt unser Zelt direkt einen Platz auf der Plattform des Mausoleumeingangs. So sind wir zumindest auf drei Seiten von den wilden Bären geschützt, welche Sabine die ganze Nacht zu hören glaubt und deshalb kein Auge zutut und auch Roland vom Schlafen abhält. Wir sind beide froh, als es endlich Morgen ist und die Sonne aufgeht. Der letzte Teil der Abfahrt können wir sogar fahrend geniessen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Starigrad, das Tor zum Nationalpark Paklenica. Wir campieren direkt am Meer auf einem kleinen Campingplatz. Wir haben kaum geduscht und das Nachtessen gekocht, als wieder ein heftiges Gewitter mit Sturm aufkommt. Wieder können wir kaum schlafen, derart heftige Windböen fegen über unser Zelt und lassen den Regen unter das Vorzelt spritzen. Wir können nur hoffen, dass wir das Unwetter trocken und heil überstehen. Wie kleine Bäche fliesst das Wasser um und unters Zelt. In der nächsten Nacht dürfen wir das Ganze noch einmal erleben, doch immerhin ohne Regen, aber mit noch heftigerem Windsturm. Roland steht mitten in der Nacht auf, um die Sturmverankerung vorzunehmen; sämtliche Schnüre werden gespannt und alle Heringe eingeschlagen. Trotzdem wird das Zelt völlig durchgeschüttelt, sodass sogar das Gestänge leicht verbogen wird. Aber glücklicherweise hält es dem Wind stand.

Der Ausflug zum Paklenica-Nationalpark ist ein weiteres Highlight auf unserer Reise. Kroatien hat mit seiner abwechslungsreichen Landschaft, von den canyonartigen Flussläufen über karstige Gebirgszüge und Höhlen bis hin zur traumhaften Küstenregion mit den unzähligen Inseln und türkisblauen Buchten sehr viel zu bieten. Die Schluchten im Paklenica-Nationalpark sind so eindrücklich und die Felswände senkrecht aufragend, dass sie ein Mekka für Kletterer sind. Internationale Climbing-Competitions mit allen Schwierigkeitsgraden werden hier durchgeführt. Die Kulisse dafür ist genial und atemberaubend.

Um nach Zadar zu gelangen müssen wir infolge heftiger Bura wieder einmal mehr den Bus nehmen. Doch sobald wir uns von den Gebirgsketten entfernen, nimmt der Wind stark ab. So hoffen wir, dass südlich von Zadar, wo das Gebirge abflacht, die Bura nicht mehr so allgegenwärtig sein wird und das Radfahren wieder möglich wird und Spass macht. Heute Abend wird Brigitte – Sabines Cousine – in Zadar eintreffen und uns für die nächsten 2 Wochen bis nach Dubrovnik begleiten. Wir arrangieren ein kleines Appartement mit 2 Zimmern und einer Küche und gehen um 22.00 Uhr auf den Busbahnhof. Pünktlich trifft Brigitte ein und wir begrüssen sie herzlich. Schnell wird das Fahrrad zusammenmontiert und zum Appartement zurückgeradelt, wo wir bis Mitternacht zu plaudern haben. Am folgenden Tag steht die Besichtigung der befestigten Altstadt auf dem Programm. Zadar hatte im 19.Jh. eine prominente Promenade mit prächtigen Herrschaftspalästen. Es herrschte ein reges Treiben am Hafen, wo die mächtigen Handelsschiffe anlegten. Leider ist heute nicht mehr allzuviel von dieser prunkvollen Epoche zu sehen, da etliche Gebäude in den beiden Weltkriegen zerstört wurden.

Zadar hinter uns gelassen, steuern wir das südlich gelegene Sibenik an. Sibenik kann sich mit seiner sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Altstadt durchaus sehen lassen. Wir schlendern durch die eng verwinkelten Gassen, welche oft durch steile Treppen miteinander verbunden sind. Die ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommene Kathedrale ist durch die sehr homogene Erscheinung und ihre Proportionen sowie durch die vorfabrizierten Kalksteine einzigartig. Den 20km entfernten Krka-Nationalpark besuchen wir während eines Tagesausflugs von Sibenik aus. Der Fluss Krka erodierte im Laufe von Jahrtausenden einen Canyon in das Karstgestein und überwindet in mehreren Stufen in Form von Wasserfällen und Kaskaden den Höhenunterschied zum Meer hin. Auf dem Rückweg werden wir von strömendem Regen überrascht und zusätzlich durch die spritzenden Lastwagen und Reisecars von oben bis unten völlig durchnässt. Zurück in unserer Unterkunft (Zimmer mit Miniküche) nutzen wir sämtliche Möglichkeiten, um die nassen Kleider zu trocknen. Überall, an Schrank, an Türen und an der Duschvorhangstange, sowie an Stühlen und Leitungen hängen Kleider zum Trocknen. Die Besitzerin ruft ihre Tochter an, welche ein wenig englisch kann, nachdem das Fragen nach den Zeitungen um die Schuhe auszustopfen, auf Grund von Verständigungsproblemen erfolglos bleibt. Mit einem Haarföhn bewaffnet versuchen wir den Trocknungsprozess zu beschleunigen. Doch 3 Paar Schuhe abwechslungsweise die Nacht durch zu trocknen ist ohne Wecker zu stellen logistisch nicht einfach. So kommt noch der Ventilator, welcher für heissere Tage gedacht ist, zum Einsatz. Doch Rolands Schuhe, die am längsten dicht blieben, sind auch am nächsten Morgen noch feucht. So wird der Backofen in Betrieb genommen und zusammen mit dem Venti in eine wirkungsvolle Trocknungsmaschine – sozusagen einen Umluftofen – umfunktioniert. Hat geklappt!

Doch auch die kommenden Tage regnet es immer wieder. Brigitte darf eine ganze regnerische Woche mit uns erleben, bis sich das Wetter wieder von der sonnigen Seite zeigt. Die herrliche Küstenlandschaft bis nach Split käme bei Sonnenschein noch besser zur Geltung. Doch wir lassen uns vom schlechten Wetter die Stimmung nicht vermiesen. In Split verweilen wir 2 Tage und besichtigen den Diokletian Palast, der sich der gleichnamige römische Kaiser als Altersresidenz bauen liess. Der Palast nimmt die Hälfte der Altstadt ein und wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten zu einer kleinen Stadt ergänzt. Ausserhalb Splits liegen die Überreste der ehemaligen römischen Siedlung Salona. Das Amphitheater ist jedoch von der Grösse und der Substanz her nicht mit jenem in Pula vergleichbar.

Zurück in Split erkundigen wir uns nach dem Fahrplan der Fähren zu den Inseln Brac, Hvar und Korcula. Die Strecke nach Dubrovnik möchten wir mehrheitlich über diese Inseln zurücklegen. Da wir im Norden mit dem reduzierten Fahrplan konfrontiert wurden, wollen wir frühzeitig alle Fährverbindungen abchecken, um nicht plötzlich auf einer Insel steckenzubleiben. Die Insel Brac müssen wir aus Zeitgründen weglassen, da in einer Woche Brigittes Rückflug ist und wir nicht hetzen wollen. So nehmen wir die Fähre nach Starigrad auf der Insel Hvar. Mit einer Riesenfähre gehts bei starkem Wind und trübem Wetter hinüber zur scheinbar sonnenreichsten Insel Kroatiens. Nach 1.5h Fahrt erreichen wir bei strömendem Regen den Hafen. Auf die eingeplante Zusatzschlaufe verzichten wir und verweilen die nächsten 4h im Einkaufszentrum, wo wir sämtliche Regale durchkämmen. Als der Regen nachlässt, entscheiden wir uns auf direktem Weg nach Hvar zu fahren. Die Strecke führt über einen Gebirgszug auf die andere Seite der Insel.

In Hvar angelangt, erkundigen wir uns sicherheitshalber nochmals über die morgige Weiterfahrt nach Vela Luka (Insel Korcula). Da erfahren wir, dass das einzige Schiff, welches täglich nur einmal ausläuft, ein Katamaran sei und keine Fahrräder transportiert. In Split hat uns selbstverständlich niemand darauf hingewiesen. Es ist halt schon besser immer dreimal nachzufragen, wobei wir bereits froh sind, wenn wir zweimal die selbe Antwort bekommen.
Am Schalter in Hvar erklärt man uns, dass heute Abend infolge des schlechten Wetters ausnahmsweise ein grosses Schiff hier in diesem Minihafen anlegen wird, da der planmässige Katamaran diesen Nachmittag infolge Sturms umkehren musste und die Leute eben heute abend transportiert würden. Vielleicht hätten wir Glück und könnten die Räder mitnehmen – es hängt halt von der Laune des Kapitäns ab – und die Velotickets seien auf dem Schiff zu besorgen. Um 19.30 sollen wir am Hafen sein. Wir sind uns schnell einig, dass wir diesen Joker setzen und sind pünktlich am Hafen. Mittlerweile sind natürlich viele andere Touristen auf uns "Exoten" aufmerksam geworden und fiebern mit uns mit, ob wir wohl mitfahren können oder nicht. Es ist bereits Nacht als mit halbstündiger Verspätung der Riesenkahn einfährt – mehrere Stockwerke hoch und in unseren Augen wie die Titanic – nur nicht so schick. Ein Monster in diesem malerischen Fischerhafen! Der Kahn ankert aus Platzmangel parallel zur Mole und nicht wie sonst bei Fähren üblich, quer dazu. Da die Laderampe nicht runtergelassen werden kann, dient ein hochziehbarer wackliger Steg als Einstieg, der nun auf die Mole runtergelassen wird. Roland ellbögelt sich vor und erkundigt sich beim Schiffsjungen nach einer Mitreisemöglichkeit. Dieser muss natürlich zuerst den Vorgesetzten fragen und in der Zwischenzeit schleppen sich die Passagiere den Steg hoch. Als der Schiffsjunge kopfschüttelnd zurückkehrt, glauben wir bereits verloren zu haben. Auch die andern Passagiere, die mit uns mitfieberten können es kaum glauben. Roland fragt nochmals und plötzlich klappts. Wie auf Kommando spurtet Brigitte zum Ticketschalter, Sabine schleppt die Taschen hoch und Roland kümmert sich um die Velos und muss aufpassen, dass er mit den Pedalen nicht im grobmaschigen Seilgeländer der Wackeltreppe hängen bleibt. Horror!
Dank uns hat das Schiff noch weitere 10 Min. Verspätung, was uns aber ziemlich kalt lässt. Als endlich alles raufgehievt ist, verlangt der Matrose die Tickets. Drei Passagiertickets strecken wir ihm entgegen. Velotickets? – Ne, haben wir keine, müssen wir angeblich auf dem Schiff kaufen. Der Matrose flucht auf kroatisch, was wir aber nicht so gut verstehen ;-) und lässt die Räder gratis mitfahren, denn er kann keine Tickets ausstellen.
Als wir nach 2-stündiger Fahrt Vela Luka erreichen, regnet es immer noch in Strömen. Am nächsten Morgen jedoch starten wir unsere Weiterfahrt bei stahlblauem Himmel und radeln voller Elan bis ans andere Ende der Insel – nach Korcula.
Von dort setzen wir über auf die Halbinsel Peljesac – nur noch gut 100km trennen uns von unserem ersten "Etappenziel" Dubrovnik. In Ston, dort wo die Halbinsel am Festland "angewachsen" ist, gibt es viele Austernzuchten und auch wir müssen natürlich degustieren.

Am 13. Oktober radeln wir nach 6 Velowochen bei Regen in Dubrovnik – der sogenannten Perle der Adria – ein. Dubrovnik ist eine wunderschöne, vollständig durch eine Stadtmauer eingefasste, mittelalterliche Stadt, die lange als Freistadt Handel mit der Türkei, Syrien, Ägypten und Venedig betrieb. Dubrovnik wurde 1991 / 1992, während des letzten Balkankriegs, belagert und stark bombadiert. Die meisten Dächer sowie viele Fassaden und Strassenbeläge mussten in der Folge erneuert werden. Heute sind praktisch alle sichtbaren Schäden verschwunden.

Bevor wir am Samstag Brigitte an den Flughafen begleiten, feiern wir unser erstes "Etappenziel" und Brigittes Ferienziel mit einem wunderbaren Abendessen (Fischplatte und Seafood-Risotto).

Am 18. Oktober werden wir die Nachtfähre (8h) nach Bari (Apulien/Süditalien) nehmen, wo wir während ca. 1 Woche auf Umwegen nach Brindisi radeln werden, bevor wir anschliessend nach Igoumenitsa (Griechenland) übersetzen.

Tourenstatistik:
  • Anzahl Reisetage:
  • Anzahl Velotage:
  • Total Velodistanz:
    Davon nicht asphaltiert:
  • Total gefahrene Höhenmeter:
  • Total reine Fahrzeit:
  • Total Distanz mit öffentlichem Verkehr:
53
35
1'686km
84km
15'670m
125h 49min
750km

Zu den Fotos...

Sabine & Roland, 18.10.2005

© pk&mk 03.01.2006