Safari-Salama

Reisebericht 1 vom 27.08. - 07.09.2005

Basel - Bregenz - Chur - Triest

Los gehts Idylle am Rhein Erfrischendes Bad im Rhein Unser Zuhause Kunsthaus Bregenz Historisches Städtchen Werdenberg

Bestimmt warten einige von Euch schon ungeduldig auf unseren ersten Reisebericht.
Am Samstag, dem 27.08.05 ist es endlich soweit: Morgens um 09.00 Uhr stehen die Fahrräder mit ca. 60kg Gepäck vollbeladen im Vorgärtlein in Basel bereit. Nun steht uns nur noch der schwere Abschied von Urs und Lukas – Sabines Vater und Bruder – bevor. Es fällt uns allen nicht leicht, doch der Entscheid, dieses Abenteuer anzupacken, wurde schon vor einiger Zeit gefällt und die Reise über Monate hinweg organisiert und vorbereitet. Unsere schöne Wohnung in Luzern haben wir aufgegeben, die beiden Jobs gekündigt und sämtliche administrativen Angelegenheiten, sowie versicherungstechnischen Abklärungen erledigt.

Nun kann's also losgehen. Bei herrlichem Wetter verlassen wir Basel und nehmen's erst mal sehr gemütlich. Unsere Route folgt für die nächsten Tage der schweizerischen Veloroute Nr 2 – der Rheinroute – bis nach Chur. Danach soll es entlang der Bündner Route über den Albulapass ins Engadin und weiter über den Ofenpass durch den Schweizer Nationalpark ins Südtirol gehen.
Aber vorerst radeln wir nach Pratteln und decken uns mit Proviant für diesen Tag und das nächste Morgenessen ein. Hier in der Schweiz ist die Versorgung mit Lebensmitteln ja noch sehr einfach und wir müssen immer nur für einen Tag einkaufen, d.h. es kommt dann immer nur wenig zusätzliches Gewicht dazu. In andern Ländern, die wir noch zu bereisen beabsichtigen, wie China oder Afrika, wird sich nebst mehreren Tagesrationen insbesondere das Trinkwasser stark auf unser Gesamtgewicht und folglich die Reisegeschwindigkeit auswirken.
Vor dem Coop in Pratteln werden wir bereits das erste Mal von einer jungen Frau angesprochen, die wissen will, ob wir nach Basel fahren. Als sie erfährt, dass wir am ersten Tag einer 2-jährigen Weltreise stehen, ist sie verständlicherweise sehr erstaunt und wünscht uns alles Gute.
Auf dem Campingplatz in Möhlin stellen wir zum ersten Mal auf dieser Reise unser Zelt auf. Wie auch an den folgenden Tagen, kochen wir am Abend mit dem Benzinkocher. Es gibt abwechslungsweise Teigwaren oder Reis mit Gemüse, Champignons und einer Sauce. Tagsüber verpflegen wir uns mit Sandwiches, Früchten, Gurke und selbstverständlich Schweizer Schokolade solange diese noch erhältlich ist. Bevor wir die Schweiz verlassen werden, werden wir uns bestimmt noch mit einer Menge dieser bekömmlichen Tafeln eindecken.

Unser zweiter Tag führt uns weiter rheinaufwärts bis nach Zurzach. In Hettenschwil besuchen wir Vreni und Martin. Vreni hat mit Sabine zusammen studiert. Auf ihrem Hof werden wir herzlich empfangen und mit feiner Meringue und Glacé bewirtet. Herzlichen Dank – es war schön, mit Euch zusammenzusitzen.

Die nächste Etappe beinhaltet den Rheinabschnitt bis nach Schaffhausen. In der Region um die Thur mäandriert der Rhein sehr idyllisch zwischen stark bewaldeten Hügeln. Teilweise wurde die Landschaft zum Naturschutzgebiet erklärt. Den Rheinfall besichtigen wir nicht näher, ist er uns doch schon bekannt. Unmittelbar nach Schaffhausen – in Langwiesen – campieren wir direkt am Rhein. Roland nimmt ein Erfrischungsbad während Sabine lieber die Wärme der Sonne geniesst. Mit dem Wetter haben wir viel Glück, war es und wird es auch in den nächsten Tagen immer um 30°C.
Je mehr wir uns dem Bodensee nähern, desto mehr Touristen sind mit dem Fahrrad unterwegs. Oftmals sind es auch nur Tagesausflügler. Das historische und gut restaurierte Städtchen Stein am Rhein ist ein beliebtes Reiseziel und somit auch sehr mit Touristengruppen überlaufen. In Kreuzlingen besorgen wir einen Ersatz für Rolands Rückspiegel, der gestern Abend abgebrochen ist, nachdem das Velo von einem Windstoss umgeworfen wurde. Der Velohändler ist von unserem Vorhaben begeistert und erzählt sofort von seinen eigenen Veloreisen in die USA und in Neuseeland. Er gewährt uns grosszügigen Rabatt auf den Spiegel. Kurz vor Romanshorn schlagen wir unser Zelt auf und geniessen die Abkühlung im Bodensee.
Am folgenden Tag machen wir einen Abstecher nach Bregenz, um das vor wenigen Jahre erstellte Kunsthaus zu besichtigen, welches vom bekannten Schweizer Architekten Peter Zumthor geplant wurde. Die Architektur des Glaskubus' mit Betoninnenleben fasziniert uns sehr und die zur Zeit laufende Ausstellung über Roy Lichtenstein ist das Tüpfchen auf dem i. Die Strecke nach Bregenz führt uns durch das unter Schutz stehende Rheindelta mit einladenden Sandstränden bei Rohrspitz. Im "Ryntel" werden die beiden Hügelzüge rechter- und linkerhand allmählich höher bis sie eher zu Bergketten werden. Das Tal wird enger und wir nähern uns mehr und mehr den Alpen. In Werdenberg steht der Besuch der kleinsten Stadt der Schweiz auf dem Programm. Mit seinen geschichtsträchtigen, wunderbar restaurierten und zu den ältesten Holzhäusern gehörenden Riegelbauten ist es von besonderer kulturhistorischer Bedeutung. Der Museumsbesuch lohnt sich allemal. Auf dem Rheindamm nähern wir uns dank leichtem Rückenwind zügig unserem Tagesziel Malans. Wie bereits bei den meisten Camping-Plätzen zuvor, machen wir uns lustig über die Ausstattungen, welche alle auf einem Camping-Platz anzutreffen sind: Dies fängt an beim als Chalet eingepackten Wohnwagen, geht über zu ganz fein säuberlich gestalteten Zwerglandschaften mit Teich bis hin zu abgeschotteten Revieren mit Gartenzaun und Hecken. Oft steht dann noch ein dicker Schlitten vor dem "Paradies". Aber die Leute scheinen sich wohl zu fühlen.
Am Freitag radeln wir nach unserem Morgenessen, bestehend aus Brot, Konfi und Orangensaft, weiter nach Chur, wo wir uns wieder einmal mehr mit Proviant eindecken. Beim Mittagsrast studieren wir die Karte bis nach Kroatien und berechnen die ungefähre Route und Tagesabschnitte, da wir Anfangs Oktober Brigitte, Sabines Cousine, in Zadar treffen werden. Sie wird uns für 2 Wochen mit dem Velo bis nach Dubrovnik begleiten. Noch ahnen wir nicht, dass bis dahin die Reise einen anderen Verlauf nehmen wird.

Nach der Mittagsrast setzen wir unsere Fahrt fort in Richtung Domat / Ems. Wir passieren die Ems-Chemie – liebe Grüsse von Christoph Blocher ;-) – und kommen an einem Golfplatz vorbei. Seit einiger Zeit bereits fahren wir auf Schotter. Es geht leicht rauf und runter. Roland voraus, Sabine kurz hinter ihm. Plötzlich hört Roland ein Krachen. Er kehrt um und findet Sabine auf dem Boden liegend. Sie ist in einer tieferen Kiesstelle ins Schleudern geraten, was mit diesem Gepäck auch nicht verwunderlich ist, und gestürzt. Roland eilt zur Hilfe. Sabine ist glücklicherweise bei Bewusstsein aber sehr verwirrt und fragt ununterbrochen die gleichen Fragen. Sie hat zwei Platzwunden an Kinn und über dem Auge, die ganze rechte Seite ist geschürft, beide Knie und der rechte Arm sind aufgeschlagen und bluten stark. Roland hebt Sabine zur Seite und wäscht ihr die Wunden und die Steine aus dem Mund. Danach eilt er zum Golfplatz und bittet um Hilfe. Eine hilfsbereite Bäuerin begleitet ihn mit dem Auto an die Unfallstelle und fährt mit uns zum Arzt in Domat / Ems. Dieser näht umgehend die Schrammen und reinigt und versorgt die andern Verletzungen. Währenddem Sabine verarztet wird, kehren Roland und Frau Röschmann zu den Velos zurück, um diese mit einem Anhänger abzuholen. Danach bringt uns Frau Röschmann ins Kantonsspital nach Chur, wo Sabine erst mal auf der Notfallstation behandelt wird. Sabine ist immer noch ziemlich verwirrt und nach einigem Warten wird sie zum CT gebracht. Dort wird der ganze Schädel durchleuchtet. Anschliessend wird der rechte Oberarm geröntgt. Sowohl CT wie auch Röntgenbild sind beruhigend: Sabine hatte Glück im Unglück und ist ohne innere Verletzungen davongekommen. Helm sei Dank!
Während 24h wird sie nun ärztlich beobachtet. Puls und Blutdruck werden zuerst im Stunden-, dann im 2-Stunden Takt gemessen, ebenfalls werden immer die Pupillen kontrolliert.
Roland ist, nachdem die Besuchszeit um war, zum Campingplatz in Chur geradelt und hat sich dort bis auf Weiteres niedergelassen. Er nutzt nun die Zeit um Kleider zu waschen und um Sabines Fahrrad zu kontrollieren, welches wie durch ein Wunder ganz geblieben ist. Einzig das eine Glas der Sonnenbrille ist zerbrochen. In der Stadt findet Roland schnell Ersatz.
An Schlafen ist in der Nacht nicht gross zu denken und am nächsten Tag (Samstag) steht fest, dass Sabine noch eine weitere Nacht, also bis am Sonntag, im Spital bleiben muss. Mittlerweile ist auch das rechte Auge stark angeschwollen, sodass sie fast nicht heraussieht. Sie freut sich auf 13.00 Uhr dann ist Besuchszeit und Roland kommt und bleibt bis am Abend. Am Sonntag Nachmittag darf Sabine das Spital verlassen. Mit Verbandsmaterial, Medikamenten und einem Arztbericht verlassen wir die Station.
Roland hat bereits ein Hotel in der Nähe für zwei Nächte reserviert. Dort spazieren wir nun hin. Nach einer kurzen Ruhepause machen wir uns auf in Richtung Stadt, wo wir die SUVA-Filiale und die Zahnarztpraxis ausfindig machen wollen.
Am Montag wird Sabines abgesplitterter Zahn geflickt und Roland klärt das Administrative bei der SUVA ab. An ein Weiterradeln ist in den nächsten Tagen nicht zu denken, sodass wir uns entscheiden, per Postauto via San Bernardino nach Bellinzona und von dort per Zug weiter nach Triest zu fahren. Schliesslich wollen wir wie bereits erwähnt am 01.10.05 Brigitte in Kroatien treffen.
Die Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr verläuft relativ ruhig, einzig das Umsteigen in Bellinzona und Mestre wird jeweils zu einem kleinen Abenteuer: Während sich Roland um die Velos kümmert (Selbstverlad!), ist Hinkebein-Lahmarm-Blauaug Sabine fürs Gepäck verantwortlich. Doch Dank der Mithilfe der andern Passagiere schaffen wir den Verlad unserer 11 (!) Gepäckstücke problemlos. Seit gestern Abend sind wir nun also in Triest – schneller am Meer als erwartet – und verbringen hier drei Nächte in einem Hotel. Morgen müssen noch Sabines Fäden im Gesicht gezogen werden und dann steht unserer Weiterfahrt in Richtung Kroatien nichts mehr im Wege. Wir freuen uns riesig, wenns endlich weitergeht – sehr langsam zwar, aber immerhin aus eigener Kraft.

Tourenstatistik:
  • Anzahl Reisetage:
  • Anzahl Velotage:
  • Total Velodistanz:
    Davon nicht asphaltiert:
  • Total gefahrene Höhenmeter:
  • Total reine Fahrzeit:
  • Total Distanz mit öffentlichem Verkehr:
12
7
399km
46km
1'728m
29h 04min
670km

Zu den Fotos...

Sabine & Roland, 07.09.2005

© pk&mk 07.01.2006