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Velotour Südafrika - NamibiaReisebericht vom 25.05. - 09.06.2005Der Abschluss unserer Reise: Vom Ovamboland nach Windhoek & per Flugzeug zurück in die Schweiz |
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english: Heute hätten wir uns beinahe als Schlepper betätigt & einen blinden Passagier unerkannt aus dem Land transportiert: 'Unser' Frosch hats sich nämlich zwischen Zelt- & Unterboden gemütlich gemacht & wäre beim Zusammenpacken fast eingerollt worden! Markus will ihn dann ins Wasser schaffen, was sich als schwieriges Unterfangen herausstellt: Komischerweise fühlt sich der Frosch auf dem Grillrost nicht sehr wohl & flieht unter einen Baum... Heute verlassen wir Namibia für kurze Zeit & setzen den Fuss auf das Niemandsland zwischen dem namibischen & dem angolanischen Zoll, dort liegen nämlich die Ruacana Falls. Beim Zollübergang werden wir von Kopf bis Fuss ausgiebig gemustert, ausgefragt, unsere Velos bestaunt, die Polsterung unserer Sättel mit den Händen ausprobiert. Erst nach dem Statement des einen Zollbeamten, dass er sich eine solche Velotour mit Patricias Sattel ja wohl noch vorstellen könne, sicherlich aber nicht mit dem harten Sattel von Markus, wird der Schlagbaum geöffnet & wir dürfen passieren ;-). Mit 120m Höhe & mehreren hundert Metern Breite böten die Ruacana Falls bestimmt ein tolles Naturspektakel, wenn es denn auch etwas Wasser hätte... Die Falls wurden nämlich fast vollständig trockengelegt, das meiste Wasser wird oberhalb der Fälle gesammelt & für Namibias Stromproduktion verwendet. Während der Regenzeit sollen die Fälle Wasser führen, aber in der jetztigen Saison ist da leider nichts. In den vergangenen paar Wochen wurden wir von verschiedenen Einheimischen mehrmals gewarnt: Im nördlichen Namibia, insbesondere in der Umgebung von Oshakati & Ondangwa, müssten wir vorsichtig sein & wild Zelten sei in dieser Gegend nicht angebracht. Die Kriminalität sei hier im sogenannten Ovamboland viel grösser als im restlichen Land & einige Leute rieten uns, diese Gegend nicht per Bike zu bereisen. Wir sind unsicher, wie wir mit diesen Ratschlägen umgehen sollen: Einerseits haben wir in den bisherigen 2.5 Monaten Velotour kaum negative Erfahrungen gemacht, fühlten uns meistens sicher & hatten manchmal eher den Eindruck, einige Einheimische litten unter Paranoia. Andererseits wollen wir auch nichts riskieren. Eine grobe Hochrechnung der verbleibenden Kilometer bis Windhoek sowie der dafür noch vorhandenen Tage ergibt zudem, dass wir nicht mehr die gesamte Strecke per Velo zurücklegen können. Wir entscheiden uns deshalb schweren Herzens, die ca. 200km von Ruacana Village bis Ondangwa per Buschtaxi zurückzulegen. Gemäss dem Hippo Pools Camping-Manager sollen beim Abzweiger zu Ruacana Village zahlreiche Taxis vorbeifahren. Vielleicht sind seine Aussagen etwas zu optimistisch oder es liegt daran, dass heute (einmal mehr) namibischer Feiertag ist, auf jeden Fall sehen wir weit & breit kein Taxi! Wir stellen uns trotzdem an den Strassenrand, schreiben ein paar Postkarten & flicken einen Platten, als sich mit der Zeit ein Pastor zu uns gesellt, welcher ebenfalls eine Mitfahrgelegenheit sucht. Nach einer Wartezeit von ca. 1.5 Stunden hält ein Auto an: Die Velos & unser gesamtes Gepäck werden im Anhänger verstaut, wir zwei sowie der Pastor finden problemlos im Land Rover Platz. Wir sind erstaunt, dass neben diesen 3 Passagieren nur noch der Fahrer sowie sein 'Ladechef' im Auto sitzen & freuen uns auf eine gemütliche, ca. 2-stündige Fahrt. Aber eigentlich hätten wir es ja wissen müssen: In Afrika werden die Fahrzeuge gefüllt & fahren nicht halbleer in der Gegend herum! Alle paar Kilometer halten wir an, Erwachsene, Kinder, Tiere, Gepäck werden zu- oder ausgeladen, der Fahrer drückt auf die Hupe, weicht knapp den Eseln, Kühen & Ziegen aus, die sich auf dieser Strasse ebenfalls zu Hause fühlen, der Ladechef brüllt zum Fenster raus & wirbt zusätzliche Passagiere an & aus dem Radio plärrt laut afrikanische Musik. Maximal befinden sich 11 Erwachsene, 1 Jugendliche, 2 Kleinkinder sowie ein Hund im Land Rover & einige Kubikmeter Gepäck (irgendwo zuunterst unsere Siebensachen) auf dem Anhänger! Das nenn ich Effizienz! Selbstverständlich sind wir die einzigen Weissen. Abgesehen von leichter Überladung fährt unser Chauffeur ziemlich korrekt & sicher & gönnt sich im Gegensatz zum Ladechef auf der ganzen Fahrt nur ein oder zwei Schluck Bier. Die durchfahrene Gegend erfüllt das Klischee des 'real Africa', wie wir es z.B. von Uganda oder Zimbabwe her kennen, viel stärker als bisher: Das Leben findet auf der Strasse statt, Menschen, Tiere & Gerüche überall. Nach ca. 3.5 Stunden Fahrt erreichen wir Ondangwa & wir steigen mitten im Dorf an einer Tankstelle aus. Für die gesamte Fahrt bezahlen wir N$ 70.- pro Person, also ca. CHF 14.-! Darin ist selbstverständlich auch der Zuschlag für weisse Touris bereits inbegriffen, aber uns ist es dies allemal wert. Mit den Velos gehts anschliessend zum Nakambale Rest Camp, einer ehemaligen finnischen Missionsstation. Wie bereits auf dem Opuwo Camping installiert sich auch hier ein Hahn in der Nähe unseres Zelts & kräht sich ab morgens um ca. 04:00 heiser. Uns stört dies allerdings nicht gross, das nahe Hundegebell lässt uns eh nur noch schlecht schlafen... Die folgenden drei Tage bis Tsumeb sind ziemlich öd & gehören mit Sicherheit nicht zu unseren Highlights: Kilometerlange Geraden (z.B. 55km ohne jegliche Richtungsänderung!) & topfeben (heute gehts 25Hm bergauf & 12Hm bergab!). Hinzu kommt die Monotonie der Landschaft sowie der Teerstrasse (wir vermissen 'unsere' Gravel Roads!). Zumindest ist das Sichtfeld ziemlich eingeschränkt, ein Blick in die Weite ist bei dieser absoluten Flachheit kaum möglich. Auf Grund der Tatsache, dass wir mit der Ankunft am Kunene unser grosses Ziel erreicht haben, ist bei uns der 'Kick' momentan irgendwie weg, wir fühlen uns bereits auf dem Heimweg, obwohl bis Windhoek noch fast 900km vor uns liegen! Den einzigen Adrenalinschub verpassen uns einige (zum Glück wenige) Autofahrer, die uns entgegenkommen, auf unserer Höhe ein anderes Auto oder Lastwagen überholen, dadurch auf unserer Fahrbahn frontal auf uns zusteuern & dazu noch die Frechheit haben, uns mittels Hupe darauf aufmerksam zu machen, dass diese Fahrbahn momentan ihnen gehöre... Unsere Nerven sind in solchen Situationen etwas schwächer als die der namibischen Verkehrsteilnehmer, so dass wir die Situation jeweils mittels eines Schwenkers auf den Kies-Randstreifen entschärfen. Als wir eines Morgens monoton & einschläfernd durch die Ebene fahren, ertönt von hinten plötzlich ein Schrei. Als Markus zurückschaut, pedalt nicht nur Patricia hinter ihm, sondern auch noch ein Schwarzer! Dieser hat sich unbemerkt von hinten genähert & stiess eine Art Jauchzer aus, als er uns erreichte. Wir zwei sind dafür fast zu Tode erschrocken. Die Kommunikation gestaltet sich als schwierig, unser Begleiter spricht leider kaum Englisch. Dafür können wir mal die Fahrkünste der (eher selten anzutreffenden) schwarzen Velofahrer aus der Nähe bewundern: Wenn ein Schwarzer (korrekterweise) auf der linken Strassenseite fährt & sieht, dass sich von hinten ein Auto nähert, wechselt er auf die rechte Strassenseite & fährt da so lange als Geisterfahrer weiter, bis ein Fahrzeug von vorne kommt. Dann wechselt er wieder auf die linke Seite & bleibt da, bis das nächste Auto von hinten herandüst usw. Wir passen uns diesen Spielchen nicht an & bleiben konsequent auf der linken Strassenseite; die Autofahrer sollen sich gefälligst an uns gewöhnen & uns ausweichen! Bei den namibischen Velofahrern sind noch weitere Obskuritäten festzustellen: Konsequent verzichten die meisten auf unnötigen Ballast wie Brems-, Gangkabel oder Pedale (die nackten Holme tuns schliesslich auch) ;-). Beim Lake Otjikoto treffen wir auf einen ca. 70-jährigen Mann & der uns in wenigen Minuten die ganze Geschichte & Geologie dieses ca. 100x100m grossen & 100m tiefen Sees erklärt, in dessen dunklen Gründen die deutschen Truppen 1915 vor der Kapitulation einige Kanonen versenkten. Als wir nach dem Picknick zu unseren Bikes zurückkehren, zeigt er stolz seine vermasste Skizze unseres Bobs, welche er in der Zwischenzeit angefertigt hat. Er repariere & baue alles aus Stahl & werde für seinen Sohn auch diesen Anhänger nachbauen ;-). Im Mousebird-Backpackers von Tsumeb sind wir zum ersten Mal auf unserer Reise im grösseren Stil von anderen Globetrottern umgeben: Wir treffen auf 2 deutsche Motorradfahrer, welche je seit 1.5 Jahren unterwegs sind sowie auf die beiden Schweizer Tania & Vincenzo aus Thalwil, sie sind für etwa 8 Monate auf der Reise. Obwohl die Geschichten der anderen ebenfalls interessant & spannend tönen, sind wir weiterhin überzeugt, dass wir mit niemandem tauschen möchten & unsere Fortbewegungs- & Reiseart die beste ist! In Grootfontein verlassen wir die Tar Roads, kehren auf die Gravel Roads zurück & gleichzeitig wird auch die Landschaft wieder viel spannender & abwechslungsreicher! Wir machen einen kurzen Abstecher zum Hoba Meteorit. Der gut 8m³ grosse Meteorit wiegt etwa 60 Tonnen & weist ein Alter von 80'000 Jahren auf! Um den Meteoriten wurde ein liebevolles parkähnliches Areal mit Pflanzenlehrpfad & Grillplätzen aufgebaut. Im weiteren Tagesverlauf begegnen wir verschiedensten Tieren: 5-(!) & 6-beinige Stabheuschrecken, Warthogs, eine Sippe Baboons, welche auf der Strasse spielt sowie eine Schlange, die sich vor unserem 'Wassertest' in Sicherheit bringt. Die nächste Nacht verbringen wir auf der Kamrav-Guestfarm, wo wir die einzigen Gäste sind. Maryna, die Hausherrin, ist extrem gastfreundlich, bringt uns bereits vor dem Zelt aufstellen selbstgebackene Guetzli & versorgt uns abends mit farmeigenen Kudu- & Oryxsteaks, welche wir dann selber auf dem Feuer zubereiten! Mmmh, schmeckt ausgezeichnet! Den Spätnachmittag verbringen wir auf Liegestühlen beim Beobachten von Spring-, Bless- & Steenböcken, Kudus, Duikers & Straussen, die sich im Farmareal um die beiden Wasserlöcher versammeln. Zum Lachen bringen uns die Springböcke, wenn sie wieder mal ihren ganz eigenen 4-beinigen Hüpfer machen! Sieht zum Schreien witzig aus! Von Maryna erfahren wir viel über die verschiedenen Probleme, mit denen Namibia zu kämpfen hat: Grosse Unterschiede zwischen Schwarz & Weiss, keine Rechte für Frauen in der schwarzen Tradition, Arbeitslosigkeit v.a. im Norden, Angst der weissen Farmer vor staatlicher Enteignung (à la Zimbabwe...), hohe Aidsrate, Bildung, Politik, übernutztes Farmland. Die Farm wird übrigens von zwei Hunden 'bewacht': Der eine ist ein Riesenvieh mit einer Dauer-Schlabber-Schnauze, der uns auf Schritt & Tritt hinterher trottet, der andere ist seit einer Konfrontation mit einer Schlange blind & stolpert dementsprechend immer mal wieder über unsere Zeltschnüre ;-). Seit einigen Tagen ist der nahende Herbst nicht mehr weg zu leugnen: Tagsüber herrschen zwar weiterhin Temperaturen von etwa 30°C, in der Nacht kühlt es allerdings auf 3-5°C ab! Brrr, öfters müssen wir im Zelt frühstücken & anschliessend mit nach vorne gekrempelten Hemdsärmeln oder Fasi losfahren. Am nächsten Tag fahren wir kilometerweit auf frisch gegradeten Strassen: Super, keine Schläge, nur etwas tieferer Untergrund. Offenbar hat der Grader aber nicht nur das Kies gleichmässig auf der ganzen Strassenbreite verteilt, sondern gleichzeitig auch einige Pflanzendornen daruntergemischt... Patricia fängt heute jedenfalls wieder 3, Markus 1 & Bob 2 Platten ein. Beim Bernabé-de-la-Bat Campsite im Waterberg Plateau National Park handelt es sich wieder mal um einen NWR-Camping. Nach unseren bisherigen durchwegs negativen NWR-Erfahrungen machen wir uns aufs Schlimmste gefasst, werden aber positiv überrascht: Es ist der schönste, sauberste & billigste aller von uns besuchten NWR-Campings & v.a. derjenige mit dem freundlichsten Personal! Ein versöhnlicher Abschluss! Die Tatsache, dass wir von den hier angeblich zahlreich vorkommenden Baboons, von welchen immer wieder gewarnt wird, keinen einzigen sehen sondern sie nur brüllen hören, ist der einzige Wehmutstropfen. Zwei Tage später erfahren wir hingegen von anderen Reisenden, dass ihr Kofferraum innert Kürze von den Baboons ausgeräumt worden sei! In Okahandja wollen wir nochmals einen kurzen Blick ins Internet werfen. Das einzige Internet-Cafe hat keinen freien Platz mehr, der Besitzer meint jedoch 'I'll make a plan!' & wir sollten in 10 Minuten wieder kommen. Dieses 'I will make a plan' scheint bei allen möglichen Problemen DAS namibische oder auch südafrikanische Motto zur Lösungsfindung zu sein & meistens klappt es auch gut. Markus sollten die 10 Minuten ja beinahe für einen Besuch beim Hairdresser reichen! Dort heisst es zuerst, sie würden keinen Männerschnitt mit Schere durchführen, sondern nur mit Rasierer. Das will er allerdings nicht & verlässt das Geschäft schon fast, als sich die Bedienung ans Motto 'I'll make a plan' erinnert & sagt, er solle Platz nehmen. Was darauf folgt, wirkt jedoch nicht sehr Vertrauen erweckend, so dass Patricia das Geschäft bald wieder verlässt & Markus alleine seinem Schicksal ausgeliefert ist. Dieser wird nun Zeuge, wie sich seine Bedienung zum ersten Mal mit Schere an einem Männerkopf zu schaffen macht... Oje, das Resultat sind viel zu kurze Fransen, Löcher im Hinterkopf & ungleichmässig geschnittene Haare. Aber tagsüber tragen wir ja sowieso einen Velohelm & Haare wachsen bekanntlich schnell nach... Zum Abschluss unserer Reise gönnen wir uns eine etwas edlere Farm, die Otjisazu Guestfarm. Auch hier sind wir die einzigen Gäste & werden vom Managerpaar Monika & Herbert sowie den Miteigentümern Hartmut & Elke sehr herzlich empfangen. Wir geniessen das ausgezeichnete Mittag- & Nachtessen, den Pool (Markus rettet u.a. eine in den Pool gefallene Echse vor dem Ertrinkungstod, indem er sie nach erfolgreicher Poolüberquerung aus dem Wasser fischt) sowie die Gespräche über unsere Reise, Landwirtschaft & Namibia. Den letzten namibischen Velotag beginnen wir mit einem privaten Game Drive: Um 06:20 starten wir zusammen mit Hartmut auf einem alten 'Cabrio' Land Rover zur Rundfahrt im Farmgelände. Ausgerüstet sind wir mit T-Shirt, Hemd, Fasi, Velohose, langer Hose & Socken, kehren nach 45 Minuten aber trotzdem komplett durchfroren zurück. Auf dem ersten Kilometer wird unser Fahrzeug übrigens von 'Bocki' begleitet, einem 10-monatigen, halbzahmen Springbok, der hinter uns seine wilden 4-beinigen Sprünge vollführt. Bei der Rückkehr wartet 'Bocki' auch bereits wieder brav vor dem Farmtor bis wir ihn reinlassen & er seine Milchflasche kriegt ;-). Ansonsten sehen wir heute Morgen nicht viele Tiere, zu kalt ist es um diese Zeit & sie liegen wohl noch versteckt irgendwo im Gras. War aber trotzdem eine schöne Fahrt durchs Farmareal! Nach einem ausgiebigen Frühstück & herzlicher Verabschiedung schwingen wir uns endlich auf unsere Bikes & nehmen die letzten Kilometer namibischer Strasse unter die Räder! Es ist die bereits dritte 120km-Etappe innert 9 Tagen! Weil wir wegen des morgendlichen Game Drives viel später starten als normal, stehen wir von Beginn an unter Zeitdruck. Die Gravel Road ist zum Abschluss nochmals viel schlechter als der namibische Durchschnitt, Wellblech von A-Z & relativ tief, so dass wir teilweise das Gefühl haben, kleben zu bleiben. Zudem ist es ein dauerndes Rauf & Runter, insgesamt erklimmen wir mehr als 1'000Hm. Mit einer Höhe von 1'985müM erreichen wir heute auch den höchsten Punkt unserer gesamten Reise! Die Strecke fordert nochmals alles von uns ab. Markus flucht laut oder leise vor sich hin & nervt sich über die Topographie & den Strassenzustand. Die eigentlich notwendigen Pausen fallen heute nur sehr kurz aus oder finden gar nicht statt, stattdessen versuchen wir, möglichst schnell viele Kilometer hinter uns zu bringen, um Windhoek noch bei Tageslicht zu erreichen. Trotz der Flüche & Anstrengungen geniessen wir aber unseren letzten Velotag auch: Die Landschaft ist sehr schön, hügeliges bis bergiges Farmland, wir treffen auf mehrere Warthog-Families, Kudus, Eland, viele Baboons & (erstmals ausserhalb Etosha) auf Gnus! Nach 100km Gravel Road treffen wir endlich auf die B6, die geteerte Hauptstrasse, die vom Internationalen Flughafen nach Windhoek führt. Die Sonne ist bereits hinter dem Horizont verschwunden, innert weniger Minuten wird es dunkel & auf uns warten nochmals gut 20km bis Windhoek. Wir montieren unser volles Lichtprogramm: LED-Blinklicht an Patricias Hintern, rote Stirnlampe nach hinten an Markus Arm sowie weisse Stirnlampe nach vorne an Markus Lenkertasche. So richtig wohl ist uns dennoch nicht, der Verkehr ist hier ziemlich stark & an Velofahrer, insbesondere in der Nacht, sind sich die Namibier nicht gewöhnt. Glücklicherweise geht es nun endlich bergab & wir kommen schneller voran. Einerseits sind wir uns bewusst, dass unsere Nachtfahrt nicht ganz ungefährlich ist & hoffen, dass nicht jetzt am Ende der Reise noch etwas passiert, andererseits ist unser Ehrgeiz eben doch zu gross, um für diese letzten Kilometer auf ein Taxi umzusteigen... Ein Autofahrer fährt langsam neben uns her & fragt, ob alles i.O. sei & ob wir bereits eine Übernachtungsmöglichkeit hätten. Diese Frage können wir zum Glück mit 'Ja' beantworten: Vor 2.5 Wochen lernten wir auf dem Palmwag Camping Gudrun & Wolfgang aus Deutschland kennen. Sie wohnen seit Januar 2005 in Windhoek, er unterrichtet an der dortigen Deutschen Schule. Spontan luden sie uns damals ein, unsere letzten paar Tage in Windhoek bei ihnen zu verbringen! Besonders in der jetztigen Situation sind wir heilfroh, dass wir bereits eine Unterkunft haben! Wir erreichen Windhoek ohne Probleme & finden Gudruns & Wolfgangs Haus auf Anhieb. Dort werden wir herzlich empfangen, erhalten ein eigenes Zimmer & nach einer Dusche gibts ein feines Znacht! Mmmh, tausend Dank Euch beiden! Die folgenden zwei Tage verbringen wir in Windhoek mit Stadtbesichtigung, Schlendern auf dem afrikanischen Markt & Souvenirs einkaufen. Tagsüber bewegen wir uns meistens zu Fuss & nur ausnahmsweise mal per Taxi. Wir fühlen uns hier immer sicher, obwohl die Geschichten, welche uns Gudrun & Wolfgang erzählen, nicht sehr positiv klingen: Die Kriminalität in Windhoek muss ziemlich gross sein, es vergehe keine Woche, ohne dass ein Lehrerkollege berichtet, wie bei ihm zu Hause eingebrochen wurde. Vielleicht haben wir einfach Glück oder wir bewegen uns schon genug selbstsicher, aber ausser einem ca. 9-jährigen Junge, der an Markus Bauchtäschli mit Portemonnaie will, erleben wir keine negativen Situationen (& auch dieser versuchte Taschendiebstahl wird dank Patricias Aufmerksamkeit zum Glück vereitelt). Kaum ist die Dunkelheit eingebrochen, sind allerdings alle Strassen leergefegt & da ist es auch uns nicht mehr wohl, zu Fuss unterwegs zu sein. Gefeilscht wird in Namibia fast überall: Auf dem Markt, beim Taxi, bei Führungen. Markus ist in dieser Disziplin schon ziemlich gut & schafft es sogar meistens, Patricias Patzer & voreiligen Zugeständnisse wieder auszumerzen ;-). Manchmal wird einem jedoch unmissverständlich klar gemacht, dass hier kein Feilschen erwünscht ist: An der Kasse eines CD-Ladens steht der Spruch 'Don't ask for discount! He doesn't work in this shop anymore!'... An einem Abend treffen wir uns nochmals mit Miena, sie bringt uns unser Hab & Gut, welches wir ihr vor etwa 2 Monaten zur Aufbewahrung übergeben haben. Viel Zeit verbringen wir auch mit Gudrun & Wolfgang, gehen gemeinsam Nachtessen & machen einen Ausflug in einen nahe gelegenen Naturpark. Am Mittwoch 08.06.2005 heisst es dann definitiv Abschied nehmen von Namibia! Den ganzen Morgen verbringen wir mit Packen (alte Kleider hinterlassen wir für einen guten Zweck in Namibia, aber wo bringen wir nur all unsere Souvenirs unter?). Gudrun fährt uns am Mittag mit dem Auto zum Flughafen. Dabei erleben wir nochmals eine Schrecksekunde: Hinter einer Kuppe taucht plötzlich eine Kuduherde auf, welche in vollem Lauf auf unser Auto zusteuert & wohl ein paar Zehntelsekunden hinter uns die Strasse überquert! Autsch, das hätte ziemlich ins Auge gehen können (sowohl für den vordersten Kudu als auch für uns)! Im South African Airways-Büro teilte man uns vor 2 Tagen mit, wir müssten die Fahrräder nicht speziell verpacken, Pedale weg, Luft raus & Lenker querstellen würden genügen. So ganz wohl ist uns dabei nicht, mussten wir doch für bisherige Flüge die Velos immer in Karton oder mindestens Plastik einpacken. Beim Check-In kommt dann erwartungsgemäss nochmals Hektik auf, der Angestellte will unsere Bikes nämlich wie das restliche Gepäck wägen & als Übergewicht deklarieren! Wir versuchen ihm klar zu machen, dass wir die (leider nur mündliche) Zusage hätten, dass die Velos pauschal verrechnet würden. Nach einigen Diskussionen (& dem Versuch, dabei immer ganz freundlich zu lächeln, ein paar lockere Sprüche zu machen & die eigene Nervosität zu verbergen) & dem Besuch des nahen SAA-Büros klappts dann doch noch & wir müssen pro Velo nur N$ 250.- (CHF 50.-) bezahlen. Wir verabschieden uns herzlich von Gudrun & hoffen, uns wieder mal zu sehen. Herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft, die interessanten Gespräche & den Einblick ins namibische Leben, den ihr uns gegeben habt! Auf dem 2-stündigen Flug nach Johannesburg geniessen wir den letzten Blick auf namibischen Boden sowie den farbenprächtigen Sonnenuntergang. In Jo'burg verbringen wir knapp 2 Stunden auf dem Flughafen, shoppen im Duty Free-Bereich & lassen unsere Reise nochmals Revue passieren. Der folgende Flug nach Zürich ist wunderschön! Während der ganzen Strecke herrscht praktisch wolkenloser Himmel, wir sehen die Lichter der nordafrikanischen Küste & geniessen am Morgen einen absolut klaren Blick auf die Alpen. So stört es uns auch nicht, dass wir kaum schlafen können & wohl nur etwa 3 Stunden leicht dösen. Zuletzt drehen wir über der Stadt Zürich & Uetliberg eine Extrarunde, bevor wir dann pünktlich um 06:42 nach 4 Monaten wieder europäischen Boden berühren! Der Empfang in Zürich ist überwältigend: Unsere Mütter, Regina, welche während unserer Abwesenheit alle administrativen Aufgaben erledigte sowie Markus beide Schwestern mit ihren Kindern Mirko, Céline, Remo, Joëlle & Rahel erwarten uns mit Blumen, Zopf, Kuchen, Käse & selbstgebasteltem Willkommens-Plakat!!! Herzlichen Dank an Euch alle, mit einem solchen Empfang fällt es uns doch gleich etwas leichter, das Ende der Reise zu verdauen! Nachdem gegenseitig die ersten Stories erzählt sind, schwingen wir zwei uns auf die vollbepackten Bikes (welche übrigens abgesehen von einem fehlenden Lenkerhörnchen keinerlei Transportschaden genommen haben) & nehmen die allerletzten 15km vom Flughafen bis zu unserer Wohnung in Angriff! Am Ziel zeigt unser Kilometerzähler einen Schlussstand von 4'455km! Wieder daheim machen wir uns bald an die Nachbearbeitung unserer Tour: Die gesamte Ausrüstung reinigen & entsanden, rund 18kg(!) von Regina perfekt geordnete Post durchackern, Bikes auf Vordermann bringen, Internet-Reiseberichte fertig stellen usw. Patricia beginnt wie vereinbart 4 Tage nach unserer Ankunft bei ihrem bisherigen Arbeitgeber wieder zu arbeiten, Markus macht sich auf Jobsuche & wird bereits innert Monatsfrist fündig. Schon bald wird uns der Alltag wieder eingeholt haben, aber die Erfahrungen der vergangenen 4 Monate werden wir noch lange in Erinnerung haben & aus diesen Erlebnissen in verschiedenen Lebenssituationen frische Energie ziehen! Und falls wir irgendwann mit Problemen zu kämpfen haben, erinnern wir uns gerne ans namibische Lebensmotto 'We'll make a plan!' Zum Schluss die aktualisierte Statistik:
Patricia & Markus, 09.06.2005 |
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| © pk&mk 08.01.2006 | |||