Velotour Südafrika - Namibia

Reisebericht vom 09.05. - 24.05.2005

Süd-Nord-Durchquerung vollendet! Von Swakopmund durchs Kaokoveld bis zur angolanischen Grenze

Spitzkoppe mühsames Vorwärtskommen im tiefen Sand Keep Smiling Welwitschia - älteste Pflanze der Welt Baobab

Route:
Swakopmund - Arandis - Spitzkoppe - Uis - Brandberg - Xaragu - Petrified Forest - Palmwag - Sesfontein - Opuwo - Epembe - Kunene River - Ruacana Falls

deutsch:
Unser heimliches Ziel, die vollständige Süd-Nord- Durchquerung Namibias, ist geschafft!!!
Kurz nach Swakopmund verliessen wir die karge Wüstenlandschaft & radelten von nun an je länger je mehr durch dichter bewachsene & bevölkerte Gegenden. Die Pad führte uns durchs Kaokoveld bis zur angolanischen Grenze. Jahrtausende alte Felsmalereien, ein versteinerter Wald, viele Tiere & eine sehr sandige 'Abkürzung' machten auch diesen Abschnitt unvergesslich!

english:
We managed our secret goal, the complete south-north crossing of Namibia!!!
The sparse desert landscape was left shortly after Swakopmund & from now on, we cycled through densely overgrown & more populated areas. The road directed us through the Kaokoveld up to the angolan border. Thousands of years old rock paintings, a petrified forest, a lot of game & a quite sandy 'shortcut' made this section unforgettable, too!

Beladen mit 17l Wasser, 2.5kg Pasta & Maismehl, etwas Reis & gut 3kg Müesli & Haferflocken starten wir auf der B2 Richtung Nordosten. Nur wenige Kilometer nach Swakopmund lassen wir die Teerstrasse sowie den Verkehr hinter uns & geniessen die Ruhe & die wüstenartige Landschaft auf dem Weg Richtung Moon Valley & Welwitschia.

Gestört wird die Idylle nur durch 2 Touri-Geländewagen, die uns etwa 3x überholen & aus dem fahrenden Auto heraus Foto- & Videoaufnahmen von uns machen. Grundsätzlich haben wir ja nichts dagegen, wenn wir weltweit in Fotoalben, Videosequenzen & Diavorträgen verewigt werden (zugegeben, irgendwie ist es ja auch ein schönes Gefühl!), aber wenn sich der Photograph nicht mal darum bemüht, mit uns ein paar Worte zu wechseln, stört uns das doch ziemlich. Wir kommen uns dann irgendwie vor wie im Zoo. Wahrscheinlich ist dieses Unbehagen auch der Grund dafür, dass wir selber sehr wenig Personenfotos machen. Häufig sehen wir zwar sehr schöne Fotosujets, aber wir begnügen uns meistens damit, diese Bilder in unseren Köpfen zu speichern & nicht zu stark mit unserem Fotoapparat in die Privatsphäre der einheimischen Bevölkerung einzudringen.

Die Landschaft ist absolut karg, ausser ein paar Flechten wächst in dieser riesigen Ebene praktisch nichts. Plötzlich öffnet sich linkerhand das 'Moon Valley'! Die Landschaft macht ihrem Namen alle Ehre, noch spektakulärer kann es auch auf dem Mond nicht aussehen: Rechts von uns die grosse, kiesige Ebene, links eine canyonartige Felslandschaft, die tief in die Ebene eingeschnitten ist! Wenn man auf der Ebene weiterradeln würde, erreichte man die älteste Welwitschia Namibias. Weil dies für uns jedoch eine Sackgasse wäre & demnach ca. 35km Fahrt hin & zurück, verzichten wir darauf; zumal wir auch wissen, dass wir in einigen Tagen beim Petrified Forest Welwitschias sehen werden. Wir wählen also die Pad ins Moon Valley & vernichten einige Höhenmeter, bis wir am Talboden den Swakop überqueren. Was für ein Anblick: Das Wasser des (zur Zeit allerdings ausgetrockneten) Swakop hat hier inmitten der Wüste die Oase Goanikontes geschaffen! Palmen, Sträucher, grüner Rasen, die ganze Szenerie erscheint wie im Paradies! Leider handelt es sich bei Goanikontes jedoch um privates Farmland, eine Übernachtung ist hier nicht möglich & ausserdem wäre es sowieso noch zu früh, um unser Nachtlager aufzuschlagen. Für uns heisst es also wieder bergauf kraxeln & bei Rössing erreichen wir erneut die Teerstrasse B2. Auf dieser fahren wir weiter bis Arandis, der Arbeiterstadt, welche hauptsächlich von Angestellten der Rössing Mine (Uranabbau) & deren Angehörigen bewohnt wird. Gemäss Reiseführer sowie Touri-Info in Swakopmund gibt es hier keine öffentlichen Unterkunftsmöglichkeiten. Wir probieren es trotzdem, immerhin wohnen ein paar Tausend Leute in Arandis. Vor dem Polizeiposten leuchtet uns golfplatzmässiger Rasen entgegen & wir spekulieren bereits darauf, dort unser Zelt aufschlagen zu dürfen. Der Polizist teilt uns jedoch mit, wir sollten uns im Town Council melden. Einmal mehr freuen wir uns über die Gastfreundschaft der Namibier: Alle anwesenden Personen bestürmen uns mit Fragen & so nebenbei wird telefonisch auch noch die zuständige Lady für das städtische Guesthouse avisiert. Zu Fuss holt sie uns ab & zeigt uns stolz den kleinen Supermarkt, das riesige Minenfahrzeug & unser Zimmer. Leichte Unruhe macht sich bei uns breit, als der Wind im Laufe des Abends immer stärker wird, sich die Bäume stark im Wind biegen & unsere Zimmertüre so stark klimpert, dass Patricia in der Nacht 2x aufsteht, um sie mit einer Saccoche zu fixieren. In der Hoffnung, dass sich dieser Wind bis zum Morgen legt, schlafen wir ein.

Beim Aufwachen stellen wir aber leider fest, dass der Wind weiterhin unverändert stark bläst, natürlich von vorne! Die heutige Etappe sollte uns auf ca. 70km Teer- & 30km Gravel Road bis zur Spitzkoppe führen. Wir kämpfen mit allen Kräften gegen den Wind. Markus vorne & Patricia versucht hinten ein wenig Windschatten auszunützen, was jedoch hinter Bob (der einzige Nachteil unseres geliebten Bobs) auch nicht wirklich effizient ist. Nach nur 35km machen wir entnervt Mittagspause. Markus hat zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung bereits aufgegeben, dass wir es heute noch bis zur Spitzkoppe schaffen. Die Mittagspause fällt länger aus als normal, irgendwie fehlt uns die Motivation, gegen diesen Wind anzukämpfen. Irgendwann gehts dann doch weiter & nach 4.5h reiner Fahrzeit haben wir gerade mal 42km zurückgelegt... Doch welch ein Wunder: Nach 45km lässt der Wind etwas nach (an einem 'normalen' Tag hätten wir es wohl trotzdem als 'stärkeren Gegenwind' empfunden, heute scheint es uns wie ein laues Lüftchen...). Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit steigt, aber gleichzeitig merken wir auch, dass unsere Wasservorräte langsam zur Neige gehen: Der heutige Verbrauch ist viel höher als geplant & für eine zusätzliche Nacht würde es nicht mehr reichen... Irgendwann reagiert ein Autofahrer auf unser Winken-mit-der-leeren-Flasche & versorgt uns mit 10l Wasser & Süssgetränken! Danke! Dies gibt uns einerseits die Sicherheit, dass wir problemlos eine zusätzliche Nacht in der Pampa einlegen könnten, andererseits aber auch die Motivation, unser heutiges Ziel doch noch zu erreichen! Spitzkoppe (zwei markante, aus der Ebene aufragende Bergspitzen, auch 'das Matterhorn Namibias' genannt) erinnert irgendwie an die 'Kirche von Wassen': Mal liegt sie links, mal rechts der Strasse, aber keine Strasse scheint halbwegs direkt darauf zuzuführen. Doch so genau sehen wir das eh nicht mehr, denn die Dämmerung bricht herein & wir erleben unseren ersten namibischen Sonnenuntergang auf den Velos! Die letzten ca. 60 Minuten fahren wir in der Dunkelheit; etwas, wovon in allen Reiseführern gewarnt wird. Diese Warnung gilt jedoch insbesondere für Autofahrer, da in der Dunkelheit die Tiere aktiver werden & plötzlich auf die Strasse rennen können. Bei unserem gemütlichen Tempo ist dies jedoch keine grosse Gefahr. Mühsamer & gefährlicher ist es, dass wir die Gravel Road kaum noch sehen. Wir montieren zwar unsere Stirnlampen, aber die dienen mehr dazu, dass man uns sehen würde. Ist allerdings auch unnötig, da uns sowieso niemand mehr entgegen kommt! Oder doch? Tatsächlich, plötzlich taucht ein Fussgänger aus der Dunkelheit auf: Ein Schwarzer, der uns erzählt, er müsse noch ca. 20km nach Hause marschieren! Dies in absoluter Dunkelheit, ohne Licht & ohne Wasser oder Essen! Wir haben ja unterdessen wieder genug Wasser dabei & schenken ihm deshalb gerne eine grosse Pet-Flasche. Das Velofahren in der Dunkelheit weckt Erinnerungen ans Skifahren im Nebel: Optisch kann man den Untergrund nicht mehr erkennen, man fährt nur nach Gefühl & spürt, ob der Boden kiesig oder plötzlich wieder sandig ist. Wenn der schwache Lichtkegel von Markus Stirnlampe plötzlich verschwindet weiss Patricia, die hinten fährt, dass da vorne eine Kuppe sein muss. Um ca. 19:15, 12h 15min nach dem heutigen Start, erreichen wir den Spitzkoppe-Campsite doch noch! Im Dunkeln stellen wir unser Zelt auf & können sogar noch die Open Air Dusche geniessen. Für heute hat der Camping noch knapp genug Wasser, morgen Abend kommen am Lavabo nur noch ein paar Tropfen raus! Wir sind todmüde & dankbar, dass alles ein gutes Ende genommen hat! Zum richtig Kochen sind wir zu müde & begnügen uns mit einer heissen Bouillon sowie Müesli mit Milchpulver.

Bereits unterwegs entschieden wir, dass wir uns auf diese Windetappe einen Ruhetag gönnen. Der Spitzkoppe Camping ist ein sogenanntes NACOBTA-Projekt (Namibia Community Based Tourism Association). Die NACOBTA-Organisation unterstützt v.a. in Namibias Norden verschiedene Projekte mit dem Ziel, einen sozial verträglichen Tourismus zu fördern. So wird (wie es der Name schon sagt) die lokale Bevölkerung stark in die Projekte integriert & nach einer Startphase sollen die Projekte (z.B. Campingplätze, Craft-Shops, Tour-Guides usw.) ausschliesslich von dieser getragen werden. Ein löblicher Ansatz & wir unterstützen diese Projekte wenn immer möglich mit unserem Besuch. Leider treffen wir aber auch auf gescheiterte Projekte, welche ein oder zwei Jahre nach der Übergabe an die lokale Community zerfallen sind. Schade!

Den freien Tag nutzen wir morgens für eine geführte Wanderung zum Bushman's Paradise: Ein erhöhter Platz mit einer wunderbaren Aussicht auf die flache Umgebung. Angeblich wurde dieser bereits vor 3'500 Jahren von den Bushmen als Lagerplatz genutzt. Ganz schwach sind auch noch heute Rockpaintings aus dieser Epoche zu erkennen! Eine solche geführte Tour ist meistens mit einem vorgängigen Feilschen um den Preis verbunden, was jeweils in Markus Aufgabengebiet fällt ;-).

So langsam gehen unsere Wasservorräte von gestern zur Neige & auch auf dem Camping gibt es kein Wasser mehr. Das gesamte Campingwasser muss nämlich mit Eselskarren von einer entfernten Quellbohrung herbeigeschafft werden & ist dadurch ein sehr rares Gut. Also machen wir uns am Nachmittag zu Fuss auf den Weg in den kleinen Shop im nahegelegenen Dorf. Das spärliche Angebot stimmt allerdings nicht ganz mit unseren Bedürfnissen überein: Es gibt noch genau eine 3dl-Flasche Cola, zwei 3dl-Flaschen Sprite sowie Wasser. Dieses wird auch nur in kleinen 5dl-Fläschchen verkauft, wir träumten jedoch von zwei oder drei 5l-Bidons! Egal, so kaufen wir halt den gesamten Vorrat von 20 Flaschen zusammen & bezahlen dafür das Vermögen von N$ 100.- (ca. CHF 20.-). Zum Vergleich: Im Supermarkt kostet ein 5l-Bidon ca. N$ 15.-... Es wird uns einmal mehr deutlich vor Augen geführt, wie wertvoll (im doppelten Sinne) das Wasser hier ist!

Seit kurz vor Spitzkoppe ist die Gegend viel dichter besiedelt. Ab hier & auf der ganzen restlichen Reise durch Namibia (d.h. etwa ab Höhe Windhoek nordwärts) trifft man immer wieder einzelne (Wellblech- oder Lehm-)Hütten oder kleine Dörfer am Wegrand & entsprechend häufiger kommen wir mit der (im nördlichen Namibia vorwiegend schwarzen) Bevölkerung in Kontakt. Oft ist es nur ein gegenseitiges Zuwinken oder Zurufen, wenn es die Sprache erlaubt gibt es aber auch öfters kurze Gespräche. Der Vorteil der hier zahlreicher vorhandenen Bevölkerung ist für uns, dass am Strassenrand hin & wieder ein kleiner Shop, ein sogenannter 'Winkel', steht. Meistens besuchen wir diesen & kaufen eine Kleinigkeit: Zum Einen sind wir um jedes halbwegs kühle Getränk dankbar, zum Anderen haben wir ein besseres Gefühl, wenn wir die lokale Bevölkerung auf diese Weise unterstützen, als wenn wir unser Geld nur demjenigen geben, der am lautesten schreit: Wenn der einzige Kontakt zwischen den Einheimischen & uns nämlich darin besteht, uns 'Give me one dollar!' oder 'You must give me five dollars!' zuzurufen, fördert das unseren Spendewillen keineswegs. So richtig auf die Winkel verlassen können wir uns aber nicht, denn wir wissen nie, ob & wann die nächste Einkaufsmöglichkeit besteht. So schleppen wir weiterhin meistens genug eigenes Wasser mit & die Getränke im Winkel sind umso willkommenere kleine tägliche Aufsteller! Öfters werden am Strassenrand auch Souvenirs, Schmuck oder Steine verkauft, aber wir sind immer noch darauf erpicht, 'gewichtsoptimiert' zu reisen & kaufen deshalb fast nichts ein.

Auch die Landschaft ändert sich gegen Norden. Die absolut kargen (& so wunderbar eindrücklichen!) wüstenartigen Gegenden weichen je länger je mehr einer Steppen- und Savannenlandschaft. D.h. die Vegetation wird üppiger, oft ist es ein Mix aus kleineren, trockenen Büschen, Sträuchern oder kleinen Bäumen, Steppengras, Sand & Kies.

Im Supermarkt von Uis füllen wir unsere Vorräte wieder auf: 23l Flüssigkeit sollte für heute Abend & morgen reichen! Eine ziemlich absurde Situation erleben wir auf dem 'White Lady'-Camping in Uis: Auf Grund der Wasserknappheit in der gesamten Region fliesst in den Sanitäranlagen kein Wasser mehr, dagegen sind beide(!) Pools des Campings mit Wasser gefüllt... Da werden die Prioritäten definitiv falsch gesetzt. Nur, wir sind so verschwitzt & dreckig, dass wir uns irgendwie waschen wollen & mit einem leicht schlechten Gewissen ein Bad im Pool nehmen.

Beim Brandberg besuchen wir die berühmte 'White Lady', eine ca. 2'000 Jahre alte Felsmalerei, die gemäss aktueller Forschung jedoch keine Lady, sondern einen Jäger darstellt. Neben dieser berühmtesten Felsmalerei gibt es hier noch unzählige weitere Felsmalereien, die teilweise mehrere tausend Jahre alt sein sollen. Da diese in der Vergangenheit durch Touristen allmählich zerstört & die Farben immer schwächer wurden, darf das Gebiet heute nur noch mit einem Guide betreten werden & fotografieren ist nur ohne Blitz erlaubt. Ist schon faszinierend, diese alten Zeugnisse der Geschichte zu sehen! Die Tourguides sind sehr gut organisiert & machen die Touren auf eine sympathische Art & Weise. Aber auch nach diesem 'Must' einer Namibia-Tour müssen wir uns wieder mal zugestehen: Solche 'Highlights' sind zwar schön & gehören zu einem Namibia Besuch, aber unsere ganz persönlichen Höhepunkte liegen immer irgendwo dazwischen; eine schöne, einsame Strasse, Wüsten oder Begegnungen mit Menschen: DAS sind unsere Highlights & das ist auch gut so!

Auf einem angeblichen 'Shortcut' (auf Grund des tiefen Sandes nur teilweise fahrbar, aber immerhin distanzmässig etwas kürzer) erreichen wir das sehr schöne Ugab Wilderness Camp: Ein sehr weitläufiger Camping, bestehend fast nur aus Sand & grossen Bäumen, unter welchen sich etwa vier Parteien niedergelassen haben. Jeder Platz hat sein eigenes Freiluft-WC & -Dusche, das Warmwasser wird in einer Art Durchlauferhitzer mit Brennholz beheizt. Kurz nach unserer Ankunft hält ein 4x4-Fahrzeug bei uns an: Roman aus Rappi hat beim Einschreiben gesehen, dass zwei Schweizer mit Velos hier sind & dachte sich 'die muss ich sehen'. So gibt es einen gemütlichen Schweizer-Abend & wir geniessen das von Roman offerierte kühle Bier & den südafrikanischen Wein! Vielen Dank!

Aus Gesprächen mit einem Namibier vor zwei Wochen wissen wir, dass es vom Ugab Wilderness Camp einen 4x4-Shortcut nach Sorris Sorris gibt. So sollte die Strecke nur ca. 15km sein anstatt der 50km auf der offiziellen Strasse. Als wir uns gestern auf der Reception nach diesem Weg erkundigten, wurde uns allerdings davon abgeraten. Nur, so leicht lassen wir uns nicht abspeisen, 35km mehr oder weniger sind ja mit dem Velo doch eine beträchtliche Distanz! Als wir vor dem Zelt frühstücken, fährt ein Einheimischer mit seinem grossen Land Rover vorbei. Wir halten ihn an & erkundigen uns nochmals nach dem Shortcut. Er sagt, es gäbe drei Wege & er selber würde in 30 Minuten ebenfalls einen davon benutzen, wir könnten ihm also folgen. Wir erklären ihm, dass wir mit den Bikes unterwegs seien & die Idee mit dem ihm Folgen wohl nicht funktioniere ;-). Er ist begeistert & kurzentschlossen packt er uns in sein Auto, um uns jeweils die ersten 300m jeder Route zu zeigen! Sehr hilfsbereit! So bekommen wir endlich etwas fundiertere Informationen zu den Routen & nicht nur ein 'it's not possible by bike!'. Allerdings rät uns auch John, die längste dafür qualitativ beste Route zu benutzen, aber die Entscheidung liege bei uns. Da wir beide Lust auf Abenteuer verspüren, entscheiden wir uns für die Variante 'sandy & about 15km long'. Zu Beginn gehts auch ganz gut, der Karrweg ist zwar eher tief, aber doch ziemlich gut fahrbar. Schon bald aber wird der Boden immer sandiger & tiefer & immer wieder treffen wir auf Verzweigungen. Wegweiser gibts selbstverständlich keine & andere Leute treffen wir nur ein einziges Mal, aber diese sprechen leider kaum Englisch. Wir wählen jeweils den Weg, welcher den etwas besseren Eindruck hinterlässt oder (intuitiv) eher in Richtung unseres Zieles führt. Zum ersten Mal auf unserer Reise packen wir unser GPS aus & zeichnen den Weg auf. Wer weiss, vielleicht gibt es plötzlich kein Vorwärtskommen mehr & dann sind wir wenigstens froh, wenn wir den Rückweg wieder finden! Etwa die Hälfte der tatsächlichen 18km bis Sorris Sorris legen wir stossend zurück, was im tiefen Sand & mit total knapp 80kg Gepäck ziemlich anstrengend ist. Kein Wunder, brauchen wir für diese 18km etwa 4 Stunden! Der Umweg auf der offiziellen Strasse wäre mit Sicherheit sowohl zeitlich als auch energietechnisch optimaler gewesen... Dafür war der Abenteuerfaktor auf unserer Strecke definitiv viel grösser & die Landschaft spezieller ;-). Wir sind beide froh, als wir Sorris Sorris erreichen & wissen, dass wir uns nicht verlaufen haben! Auf weiterhin schlechter, aber fast durchwegs fahrbarer Strasse gehts noch einige Kilometer weiter, bis wir uns in einem trockenen Rivier zwischen Kuhfladen einen Platz für unser Zelt suchen.

Der weitere Streckenverlauf auf der D2612 ist wunderschön! Tafelberge, Steppe, immer wieder schöne Granitformationen! Vielleicht gefällt es uns auch einfach deshalb so gut, weil wir hier eigentlich nichts Spezielles erwartet hatten. Der Zustand der Strasse ist ebenfalls wieder sehr gut. Spannend wirds, als wir plötzlich einen grossen Kothaufen auf der Strasse entdecken. Sehr schnell ist uns klar, dass es sich um die Ausscheidungen eines Elefanten handeln muss! Unzählige runde Fussabdrücke mit wohl 30-40cm Durchmesser sowie weitere Kothaufen führen quer über die Strasse! Die Fussabdrücke liegen durchwegs über den Fahrspuren, was soviel bedeutet, wie dass die Wüstenelefanten vor nicht allzu langer Zeit die Strasse überquert haben! Gebannt packen wir den Feldstecher aus & klettern auf einen nahe gelegenen Granithügel, um die ansonsten ziemlich ebene Landschaft zu überblicken. Leider entdecken wir die Elefanten jedoch nicht. Ist aber trotzdem ein sehr spezielles Gefühl, so 'nahe' an diesen Kolossen dran zu sein! Am späteren Nachmittag erreichen wir das Mowani Mountain Camp, eines der luxuriösesten Camps in Namibia. Die Lage & Gestaltung der Bungalows ist sehr schön, der Preis von N$ 1'300.- (ca. CHF 250.-) pro Person übersteigt aber unser Budget doch knapp... Immerhin, durch eine kleine Schummelei erhalten wir am Gate die Erlaubnis, bis zur Reception zu fahren & in der Lodge etwas zu trinken. Normalerweise wird nämlich nur Übernachtungsgästen Zugang gewährt. Wir entscheiden uns dann für den etwas abseits & ebenfalls sehr schön gelegenen Campingplatz, auf welchem wir die einzigen Gäste sind.

Bereits um 09:30 erreichen wir am folgenden Tag unser nächstes Nachtlager: Der Xaragu-Camping ist das absolute Highlight aller namibischer Campingplätze! Einfache aber sehr liebevoll erstellte Infrastruktur, freundliches Personal, ein Straussenvogel, der frei im gesamten Areal herumläuft sowie ein paar Skorpione & Puffottern in Terrarien. Der ganze Platz ist ohne Strom, dafür werden abends überall Petrollampen angezündet & das Warmwasser für die Duschen wird mittels Brennholz aufbereitet. Ach ja, auf der Anfahrt zum Camping kreuzte sich unser Weg wieder mal mit demjenigen einer Schlange! Allerdings war es nur eine sogenannte Whip Snake oder Peitschenschlange, ca. 1m lang & 1cm dick & für den Menschen normalerweise harmlos. Wir legen uns nicht auf die faule Haut, sondern geniessen wieder mal das 'Velofahren light': Ohne Gepäck machen wir eine Ausfahrt zum 30km entfernten Petrified Forest & zurück. Beim Petrified Forest führt uns ein Guide auf dem Rundweg durch die versteinerten Baumreste, welche 260-280 Mio Jahre alt sind! Die Stämme sehen aus wie eben Baumstämme aussehen, mit Astlöchern, Jahrringen, Rinde usw. Alle Details sind genau erkennbar, nur wenn man einen solchen Stamm anfasst stutzt man, dass man Stein & nicht Holz berührt. Faszinierend. Des Weiteren wachsen hier auch einige Welwitschias, eine in Namibia endemische Pflanze, die bis zu 2'000 Jahre alt werden kann & damit zu den ältesten Pflanzen der Erde gehört. Unglaublich ist auch, dass die Welwitschia bis zu 5 Jahre ohne Regen überleben kann!

An Kleinigkeiten merken wir, wie sich Landschaft & Tierwelt gegen Norden stetig verändern: Seit einigen Tagen hören wir morgens plötzlich wieder Vogelgezwitscher, etwas was in den letzten 1.5 Monaten praktisch inexistent war. Auch andere, weniger angenehme Tiere machen sich wieder bemerkbar: Fliegen & Moskitos sind insbesondere während der Dämmerung aktiv & finden hauptsächlich an Patricia Gefallen.

Entgegen der Warnungen unseres Reiseführers sowie verschiedener Einheimischer, werden die Strassen gegen Norden qualitativ nicht generell schlechter; höchstens insofern anstrengender, als dass es ein dauerndes Rauf & Runter ist. Unzählige grössere & kleinere Tafelberge bieten heute eine ganz spezielle landschaftliche Kulisse. Kurz nach Sonnenuntergang & nach dem 3'000. Kilometer erreichen wir Palmwag, ein kleines Dorf, welches auch eine Lodge mit Camping aufweist. Bevor wir unser Zelt aufstellen, gönnen wir uns an der Bar ein kühles Getränk. Der Camping Manager meint bei unserem Anblick spasseshalber nur 'you look like you had a long walk'. Als wir ihm dann erklären, dass wir mit den Bikes unterwegs seien, versteht er die Welt nicht mehr. Immerhin haben wir jetzt einen kleinen Bonus bei ihm, er teilt uns den schönsten Campingplatz zu & verkauft uns am nächsten Tag die 20 5dl-Wasserflaschen (schon wieder keine grösseren Flaschen!) zu einem 'Discountpreis' von je 'nur' N$ 4.50 statt der 'offiziellen' N$ 7.-...

Die Weiterfahrt ab Palmwag gestaltet sich für uns fast wie ein privater Game Drive per Bike: So viele & so schöne Tiere haben wir (ausser natürlich in Etosha) noch nie entdeckt: Mehrere Herden Springböcke, viele Bergzebras, einige Oryxe, Kudus, Giraffen, Strausse & sogar ein Dromedar! Und das selbstverständlich alles ohne Autocarrosserie oder Drahtzaun zwischen uns & den Tieren! (Das Dromedar ist hier zwar nicht direkt heimisch, sondern gehört zum 'Save the Rhino Trust', einer Organisation, die sich um den Schutz der Nashörner kümmert & dafür u.a. mittels Dromedaren & Kamelen patrouilliert.) Auch wenn wir in Etosha z.T. näher an den Giraffen & Zebras waren, ist es nochmals viel spezieller, wenn man nur mit dem Velo unterwegs ist. Entsprechend langsam kommen wir vorwärts, viel zu fest sind wir damit beschäftigt, Tiere zu entdecken & zu bestaunen. Auch landschaftlich ist die Gegend wunderschön, plötzlich tut sich vor uns eine Ebene mit beige-grünem Gras auf, später dann nur noch Sand-Kies sowie Bäume & Büsche. Die Temperatur erreicht tagsüber wieder 37°C im Schatten, aber die Strasse ist natürlich immer an der Sonne. Eine Ziegenherde mit drei Hirten auf Eseln kommt uns entgegen, zuvorderst läuft ein Hund, dessen Zunge sich noch viel weiter dem Boden entgegenstreckt als unsere...

Auf dem 'Khowarib Schlucht Nature Campsite' sind wir die einzigen & fast ersten Gäste: Der 1km weiter liegende 'Khowarib Community Campsite' gehört nämlich zur Kategorie der nicht-erfolgreichen NACOBTA-Projekte & gammelt vor sich hin. Ein Vater & sein Sohn aus dem nahegelegenen Dorf wollen diese Chance packen & ihren eigenen Camping eröffnen. Der Camping sieht vielversprechend aus, einfach, z.Z. noch mit Plumpsklo, aber die 'Flushing Toilet' (offenbar ein wichtiges Marketinginstrument!) soll demnächst in Betrieb genommen werden.

Am nächsten Morgen weckt mich Patricia um 05:15 ganz unschuldig mit den Worten: 'Markus, schläfst du noch?'. Nein, jetzt nicht mehr. Draussen blitzt & donnert es & dunkle Wolken ziehen auf. Leicht beunruhigt fragen wir den Camping-Sohn, ob es denn heute regnen wird, er antwortet nur 'no, it's no rainy season'. Aha, so einfach ist das hier: Ausserhalb der Regensaison gibts aus Prinzip keine Niederschläge. Ausser ein paar einzelnen Regentropfen passiert auch wirklich nichts & schon bald ist der Himmel wieder klar & es folgt ein weiterer heisser Tag.

Vordergründig erkennt man in Namibia zwei Bevölkerungsgruppen, die Weissen & die Schwarzen. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass diese Aufteilung ziemlich undifferenziert ist, in Wahrheit besteht die schwarze Bevölkerung nämlich aus etwa 10 Ethnien mit sehr unterschiedlichen Sprachen, Traditionen & Lebensformen. Momentan sind wir im Stammesgebiet der Hereros unterwegs & bewundern immer wieder die Frauen & deren spezielle Trachten: mehrere Lagen Röcke & ein Kopftuch, welches kunstvoll zu einer dreieckigen Haube gebunden wird.

Spätestens in Sesfontein sind wir am für viele Namibia Touris nördlichsten Punkt ihrer Reise angelangt. Auf dem Camping sind wir einmal mehr die einzigen Gäste & suchen uns deshalb auch den schönsten Platz aus: Wieder mal ein Camping mit einem Hochsitz! Wie das gesamte Areal ist jedoch auch dieser nicht mehr in einem allzu guten Zustand, ein Teil des Bodens ist ausgebrochen & mit Filzstift hat jemand draufgekritzelt, dass man den hinteren Teil nicht mehr betreten dürfe... Die vordere Hälfte scheint uns jedoch noch genug stabil & so machen wir uns dort breit. Wir beschliessen, aufs Zelt zu verzichten & unter freiem Himmel zu übernachten, was sich aber bald als fataler Fehlentscheid entpuppt: Die ganze Nacht werden wir von Moskitos attackiert. T-Shirt & Schweisstüchli werden übers Gesicht gelegt, den Körper packen wir tief in den Schlafsack, aber das Resultat ist primär, dass wir schweissgebadet & pflotschnass sind & so erst recht nicht an Schlaf zu denken ist. Wir sind froh, als die Dämmerung einbricht, wir aufstehen dürfen & unsere letzte Nacht unter freiem Himmel doch noch ein Ende findet...

Dennoch haben wir genug Energie, um die heute anstehenden 1'300Hm in Angriff zu nehmen. Unter anderem gehts auf den Joubert Pass, welcher zuoberst mehr als 20% Steigung aufweist! Uff, da gibts für Markus & Bob auf den letzten 500m Distanz nur noch zu Fuss ein Weiterkommen. Als Nachtlager steuern wir das Camp Aussicht an. Aus dem Beschrieb wissen wir, dass dieses etwa 6km Stichstrasse abseits unserer Hauptroute liegt. Was wir allerdings nicht wissen ist, dass diese 6km auch nochmals 200Hm beinhalten. Zudem ist der Karrweg in einem miserablen Zustand, was offenbar auch dem Besitzer Marius Steiner bewusst ist, steht doch gleich zu Beginn ein Schild 'I apologize for the road condition'... Irgendwie schaffen wir es dann doch & wir müssen einen so erschöpften Eindruck hinterlassen haben, dass uns Marius das Zimmer zum halben Preis anbietet. Nach 11 Nächten auf dem Mätteli wieder mal in einem Bett zu schlafen ist eine Wohltat!

Marius lebt seit 21 Jahren als Selbstversorger hier oben: Wasser wird während der Regenzeit in einem 70'000l-Tank gesammelt & muss dann für ein Jahr reichen, Strom wird aus Sonnen- & Windenergie erzeugt, Milch liefern einige Ziegen & auch das Gemüse stammt aus dem eigenen Garten. Marius widmet sich hier seinem Lebenswerk, einer kleinen Mine, in welcher er & seine 5 Angestellten seit 21 Jahren am Buddeln sind. Abgebaut werden Dioptaz-Mineralien, welche ausschliesslich an Mineraliensammler verkauft werden. Der Erlös reicht jedoch mehr schlecht als recht zum Überleben & deshalb hat er vor 4 Jahren zusätzlich den Guestfarmbetrieb eröffnet. Vor unserer Weiterreise geniessen wir noch einen Rundgang & Erklärungen zur Mine.

Auf dem Weg nach Opuwo passieren wir mit 1'700müM den bisher höchsten Punkt unserer gesamten Tour. Die Vegetation ist ziemlich üppig, viele Gräser, Bäume & Sträucher säumen den Weg. Auf wenigen Kilometern häufen sich dann wieder einige Highlights: Während ca. 5 Minuten beobachten wir ein Chamäleon, welches sehr bedächtig die Strasse überquert; ein Vervet Monkey wälzt sich vor uns auf der Strasse; ein Rudel Dassies rennt vor uns weg; Baobabs oder Affenbrotbäume säumen die Strasse. Des Weiteren liefern wir uns heute wieder mal ein kurzes Rennen mit zwei Burschen, die auf Eseln mit uns um die Wette reiten. Wie meistens gewinnen unsere Drahtesel ;-). Womit den Jungs auch vor Augen geführt wäre, dass die armen Esel auch durch noch so kräftige Stockschläge nicht schneller werden! Wie die Esel hier jeweils malträtiert werden tut uns oft weh & wir können nicht glauben, dass sie dadurch mehr Leistung erbringen werden.

Exkurs zur Entstehung des Baobab oder Affenbrotbaum (einige Kostproben):
- Als Gott die Pflanzen erschuf, war der Baobab als letzter an der Reihe. Gott gab sich viel Mühe & der Baobab wurde der Schönste unter den Bäumen. Aber der Baum, der um seine Einzigartigkeit wusste, wurde so eingebildet, dass er den Vögeln verbot, sich auf ihm niederzulassen. Daraufhin wurde Gott so böse, dass er den Baobab mitsamt seinen Wurzeln aus dem Boden riss und kopfüber in die Erde steckte!
 
- Eigentlich wurde der Baobab als ganz normaler Baum erschaffen. Er stand mit allen Anderen friedlich im Wald & fiel gar nicht auf. Das stank ihm natürlich.
Eines Tages, als der liebe Gott wieder einmal so durch den Wald spazierte, fragte er den Baobab: 'Na, mein lieber Baobab, wie gehts dir denn so? Alles in Ordnung hier im Wald?' 'Nun,' sprach unser Baobab, 'eigentlich schon, nur fühle ich mich hier ein wenig eingezwängt & gewöhnlich, so zwischen all den anderen Bäumen. Mir wäre es viel wohler, wenn ich ein wenig mehr Platz um mich hätte!' Der liebe Gott war an diesem Abend gut aufgelegt & in der Savanne war noch Platz. Warum also nicht? Er verpflanzte den Baobab in die afrikanische Savanne. Da gab es genügend Platz, um auch den eigentümlichsten Baum zu entfalten. Das freute natürlich den Baobab. Für eine Weile.
Bald kam er sich in der Weite der afrikanischen Savanne klein und verloren vor. Und so kam es, dass er Gott, als dieser wieder einmal vorbeikam, entgegnete: 'Nun, freilich ist es besser, hier als eigenständiger Baum zu stehen als in der Masse im Wald. Aber meinst du nicht, dass mir hier ein majestätischerer Wuchs zusteht?' So kam es, dass Gott den Baobab mit einem mächtigen, grossen & gewaltigen Stamm ausstattete.
Aber, und das verwundert natürlich nicht, der Baobab war bald wieder unzufrieden. Ihn dünkte, es mangle ihm an Schönheit. Er wollte es dem Elefanten gleich tun, der sich mit seiner samtigen, grauen Haut oft an ihm rieb. Also bestellte er gleich eine ebenso zarte, graue und samtige Rinde. Und er erhielt sie.
Als Nächstes waren es dann die Früchte, die ihm zu klein waren. Sie wurden ersetzt durch grosse, saftige, welche an langen Schnüren befestigt waren wie Christbaumkugeln. Aber auch das war ihm zu wenig. So kam es, dass er zu Gott sprach: 'Ich finde, du solltest mir goldene Blüten schenken, damit jeder sieht, dass ich etwas ganz besonderes bin!'
Da schliesslich hatte Gott genug. Voller Zorn riss er den Baum aus der Erde und setzte ihn verkehrt herum ein. Seither & bis heute streckt der Baobab seine Wurzeln in die Luft!
 
- Als Gott die Erde schuf, musste jedes Tier einen Baum pflanzen. Die Hyäne hat den Baobab gekriegt, aber sie war faul & hatte keine Lust & hat den Baum einfach verkehrt rum in die Erde gesteckt. Da ist Gott sehr böse geworden und hat der Hyäne einen Klaps auf den Hintern gegeben. Seither geht die Hyäne so komisch & die Wurzeln des Baobab ragen aus der Erde auf!

In Opuwo machen wir Grosseinkauf & decken uns für ein paar Tage mit Lebensmitteln ein. Die 'Stadt' macht auf uns keinen schönen Eindruck, viele Gebäude wirken lieblos, ungepflegt & sind am Zerfallen. Was hingegen schön ist, ist die Vielfalt an Kultur: traditionell gekleidete Hererofrauen neben Himbas mit ocker-gefärbter, nackter Haut, Lendenschurz & Kupferschmuck neben ganz 'westlich' gekleideten Schwarzen.

In den nächsten zwei Tagen (d.h. 1x wild Zelten) wollen wir die Strecke bis zum Kunene River zurücklegen. Allerdings läuft es uns sehr gut, die Pad (wie immer Gravel Road) ist nicht allzu schlecht, die Landschaft toll, so dass langsam der Gedanke reift, den Kunene noch heute zu erreichen! Unterwegs begegnen wir relativ vielen Einheimischen: Viele Himbas sind hier im sogenannten Kaokoveld heimisch & wir bewundern ihren traditionellen Lebensstil, ihre Ziegen- & Rinderherden, ihre schönen Körper & Schmuck. Leider wird aber auch diese Lebensform je länger je mehr zerstört, durch den zunehmenden Tourismus ändern sich ihre Wertvorstellungen & Traditionen werden nicht mehr fortgeführt. Auch unsere einfache Reiseart ist da nicht ausgenommen, der beste Schutz wäre wohl, gar nicht in diese Gebiete zu reisen. Bei der Mittagspause ist unser Entscheid definitiv gefällt & auch die Tatsache, dass die Strecke nicht 120km (gemäss Karte), sondern 135km lang ist, ändert daran nichts mehr: Wir wollen es schaffen! Wir wären wohl auch knapp vor Einbruch der Dunkelheit angekommen, wenn da nicht wenige Kilometer vor dem Ziel plötzlich ein deftiges 'pfffff' aus Patricias Rad entwichen wäre! Das Loch ist schnell gefunden, der 4-5cm lange Dorn schaut noch auf beiden Seiten aus dem Pneu raus... Dennoch gehen wertvolle Minuten verloren, so dass wir die Kunene River Lodge erst im Schein des Vollmondes & unserer Stirnlampen erreichen.

Am folgenden Tag gehts nach einem ausgiebigen Frühstück mehr oder weniger dem Kunene River entlang bis zu den Ruacana Falls. Die Pad ist meistens nur 1-spurig, rocky & entsprechend holprig, aber bis auf ein paar kürzere Abschnitte fahrbar. Diese Strecke sollte nur mit einem 4x4-Geländewagen (oder mit Velos ;-)) befahren werden, ein normaler PW hätte hier seine Mühe.

Unser Bob bricht heute alle Rekorde: Innerhalb von 2km flicken wir 7 Löcher! Dies gibt uns eine Vorahnung auf die noch folgende Plattenserie, die Hälfte aller Löcher fangen wir nämlich in den verbleibenden 2 Wochen ein :-(. Bei den Ruacana Falls erreichen wir den Hippo Pools Camping. Der NACOBTA-Mann versichert uns, dass es praktisch keine Hippos mehr gäbe, nur noch 'so ein oder zwei'! Krokodile hingegen hätte es weiterhin, wir sollten definitiv nicht zu nahe ans Wasser. Irgendwie glauben wir das Ganze zwar nicht so recht, aber wir lassen uns doch nicht auf Experimente ein & verzichten aufs Bad im Fluss.

Abends entfachen wir mit Benzinunterstützung (eine Zeitung fehlt uns, aber zum Glück haben wir einen Benzinkocher dabei!) ein gemütliches Lagerfeuer & feiern: Unser heimliches Ziel, die vollständige Süd-Nord-Durchquerung Namibias by Bike ist geschafft!!! Nur noch ein Steinwurf entfernt, auf der anderen Seite des Kunene, liegt Angola (welches wir aber, zumindest auf dieser Tour, nicht besuchen). 3'500km haben wir seit dem Start in Zürich radelnd zurückgelegt. Es ist ein tolles Gefühl & erfüllt uns mit viel Dankbarkeit & Befriedigung!

Beim Einschlafen kommt plötzlich Unruhe auf: Als wir bereits im Halbschlaf liegen, raschelt etwas am Aussenzelt bei Patricias Fussende! Sofort sind wir beide hellwach. Durch das kleine Fensterchen sehen wir nichts, aber verschiedene Geschichten schiessen uns durch den Kopf: Der Camping-Manager von Opuwo erzählte uns vom letzten Schweizer-Velofahrer, der bei ihm übernachtete & einen Tag später beim wild Zelten von einem Leoparden attackiert wurde (& überlebte); Hartmut Fiebig beschrieb in seinem Buch 'Bike-Abenteuer Afrika', wie sein Zelt eines Nachts von Löwen beschnuppert wurde & er als Vorsichtsmassnahme sein Sackmesser ins Zelt nahm, um sich im Notfall schneller aus dem Zelt befreien zu können. Entgegen Patricias Warnung streckt Markus dann doch kurz den Kopf aus dem Zelt, um Trillerpfeife & Sackmesser reinzuholen. Ein kurzer Blick entlang dem Zelt liefert keine Erklärung für das Geraschel. Nach weiteren langen Minuten sehen wir plötzlich, wie sich in unserem Vorzelt etwas bewegt: Bei der näheren Betrachtung erkennen wir ... einen Frosch! Tiefes Durchatmen & Lachen bei uns, aber jetzt müssen wir dieses Tier ja auch noch irgendwie wieder nach draussen verfrachten! Selbstverständlich muss da wieder mal Markus in den sauren Apfel beissen...

Zum Schluss die aktualisierte Statistik:
  • Totaldistanz:
    davon Gravel Road:
  • reine Fahrzeit:
  • Höhenmeter total:
  • Anzahl Velotage:
  • Anzahl Platten:
3'532km
2'174km
254h 20min
24'859Hm
47
7x Patricia
3x Markus
10x Bob
1x Therm-a-Rest Markus

Zu den Fotos...

Patricia & Markus, 24.05.2005

© pk&mk 08.01.2006