Velotour Südafrika - Namibia

Reisebericht vom 20.04. - 08.05.2005

Namibias Westen von Lüderitz bis Swakopmund

Namibischer Schneepflug Trittst im Morgenrot daher... Zelten in der Wüste Sossusvlei Two Swiss Cyclists

Route:
Lüderitz - Aus - Tirasberge (D707) - Betta - Sossusvlei - Weltevrede - Sesriem - Solitaire - Gaub Pass - Kuiseb Pass - Vogelfederberg - Walvisbaai - Swakopmund

deutsch:
In den 2 Wochen von Lüderitz nach Swakopmund durchquerten wir zweimal die Namibwüste. Auf dem Zentralen Hochland erlebten wir landschaftliche Höhepunkte wie die Tirasberge & Sossusvlei! Im Gegensatz zu den einheimischen Pflanzen- & Tierarten hat sich unser Wasserbedarf leider noch nicht dem Wüstenklima angepasst...

english:
During the last 2 weeks from Luderitz to Swakopmund we crossed the Namib Desert twice. On the Central Highland we enjoyed scenic highlights like Tirasberge & Sossusvlei. Unlike the domestic flora & fauna, our water demand hasn't yet adapted to the desert climate...

Nach gut 2 Wochen Velotourpause, in welcher sich Patricia von ihrer Krankheit fast vollständig erholte, schwingen wir uns am Mittwoch 20.04.2005 wieder voller Tatendrang auf den Velosattel! In den folgenden 2 Tagen gilt es die 125km zwischen Lüderitz & Aus zu bezwingen. In Namibia lassen sich grob gesagt 3 grosse Landschaftsräume unterscheiden: Die beiden Wüstenebenen Namib (im Westen) & Kalahari (im Osten), sowie das dazwischen liegende Zentrale Hochland. Auf der Strecke Lüderitz - Aus durchquert man die Namibwüste & erklimmt das Zentrale Hochland, welches in Aus ein Niveau von ca. 1'400müM aufweist.

Neben der stetigen Steigung kämpfen wir auf dieser Strecke aber auch mit dem starken Gegenwind & dem Verkehr & wir spüren, dass wir die vergangenen Tage körperlich nicht sehr aktiv waren. Wenigstens handelt es sich um eine der wenigen geteerten Strassen Namibias, was immerhin den Rollwiderstand senkt. Neben der Hauptstrasse B1, welche das ganze Land von Süd nach Nord durchquert sowie den beiden Küstenverbindungen Lüderitz - Aus - Keetmanshoop & Walvisbaai - Swakopmund - Okahandja besteht das gesamte Strassennetz Namibias nämlich fast ausnahmslos aus Gravel Roads. Die Teerstrassen ziehen aber leider auch einige Nachteile mit sich: Mehr Verkehr, schmalere Strassen & höhere Geschwindigkeiten der Autos, Busse & Lastwagen. So sind wir eigentlich ganz froh, dass wir uns mit den Velos meist auf Gravel Roads fortbewegen.

Das Gebiet rechts der Strasse gehört zur Diamond Area oder Sperrgebiet, links der Strasse liegt der riesige Namib Naukluft Park. Dies bedeutet, dass sich zwischen Lüderitz & Aus absolut nichts befindet. Die Landschaft ist geprägt von Sand, Kies & Dünen & im östlicheren Teil auch einigen Gräsern, welche ein paar anwesenden Oryxen, Springböcken, Straussen und wilden Pferden Nahrung bieten.

Nach ca. 75km haben wir unser Tagessoll erreicht & suchen uns in der grossen Einöde einen passenden Schlafplatz. Damit wir von der Strasse nicht direkt gesehen werden können, verziehen wir uns hinter den ca. 100m entfernten Bahndamm & aufgestapelte rostige Bahnschwellen (die Strecke ist stillgelegt & der Bahndamm wird seit nunmehr 3 Jahren neu gebaut...). Weil wir zu faul sind & auch damit wir weniger gut sichtbar sind, verzichten wir aufs Zelt & legen unsere Mätteli & Schlafsäcke direkt auf den Sand.

Die zweite Etappe ist dann kürzer, dennoch sind wir ziemlich schlapp, als wir (bereits zum 2. Mal auf dieser Tour) den Klein-Aus Campingplatz erreichen. Uff, das waren 2 anstrengende Tage, doch nun haben wir uns wieder ans Velofahren gewöhnt & schon am nächsten Morgen starten wir zu einer 90km-Etappe.

Kurz nach Aus verlassen wir die Teerstrasse & setzen unsere Tour auf der Gravel Road fort. Während der nächsten 3 Tage fahren wir den Tirasbergen entlang. Die Farmer entlang der Strasse D707 haben sich zusammengeschlossen & diese wunderschöne Gegend zum Naturpark erklärt. Es wird Wert gelegt auf eine nachhaltige Landwirtschaft & ein sanfter Tourismus soll die durch die extensive Landwirtschaft entstehenden Mindereinnahmen ausgleichen. So agieren hier verschiedene Farmen als Gästebetriebe, welche Zimmer, Guesthouses oder Campsites anbieten. Für uns sind jedoch die meisten Unterkünfte nicht brauchbar, denn 15km Stichstrasse abends zur Farm hin & morgens zurück sind mit dem Fahrrad nicht attraktiv. Wir entscheiden uns für die Farm Gunsbewys, welche nur 3km von der D707 entfernt liegt. Besitzerin der Farm ist Frau Gräbner, eine pensionierte Deutsche, welche erst vor 11 Jahren nach Namibia ausgewandert ist. Sie empfängt uns mit einem feinen Feigenblütensaft & weiss viel Interessantes über die Landschaft & Tierwelt zu berichten. Ebenfalls gibt sie uns wertvolle Tipps für unsere Weiterreise.

Die Landschaft entlang der D707 ist traumhaft schön: Links der Strasse liegt eine mal breitere, mal schmalere Sandebene, am Horizont bilden rötliche Sanddünen den Übergang zum blauen Himmel. Rechts der Strasse bilden steinige & schroffe Berge einen Kontrast zur sanften Sandseite. Zwischendurch wird die Sandebene auch durch pastellgrüne Grasflächen unterbrochen, immer wieder sehen wir Strausse, Springböcke, Oryxe & Eland.

Im Gegensatz zur Gegend zwischen Lüderitz & Aus befinden wir uns hier wieder im für Namibia typischen Farmland: Ein Grossteil des namibischen Bodens ist in Farmen unterteilt. Diese weisen eine immense Grösse auf, die durchschnittliche Fläche liegt bei 8-10km². Auf Grund des kargen Bodens & der allgegenwärtigen Wasserknappheit wird diese Fläche jedoch nur sehr extensiv genutzt. Ackerbau ist praktisch inexistent & die Dichte an Tieren ist äusserst dünn (1 Rind pro 15-30ha!). Viele Farmer halten überhaupt kein Vieh, sondern haben vollständig auf Game (Oryx, Springbock,...) umgestellt & schöpfen Zusatzeinnahmen aus dem Guestfarmbetrieb. Kennzeichen des Farmlandes ist, dass jeweils beidseits der Strasse in ca. 20m Entfernung ein Zaun die Tiere davon abhält, das Farmgelände zu verlassen.

Die Temperaturen sind in diesen Tagen einiges kühler als noch vor Lüderitz. Tagsüber steigen sie nie über 28°C & kurz nach Sonnenuntergang kühlt es deutlich ab. In der Nacht liegt das Minimum bei 7-10°C! Dies führt dazu, dass wir unser Frühstück wegen der Kälte auch schon mal im Zelt einnehmen.

Der Tag nach Gunsbewys entwickelt sich zum wahren Cola-Tag & nicht nur Markus, sondern auch Patricia entpuppt sich als grosse Liebhaberin dieses Energiespenders! Gegen Mittag entdecken wir in der Ferne ein Auto am Strassenrand. Patricia meint noch 'Komm, das entern wir!' & so geschieht es dann auch. Beim Näherkommen erkennen wir, dass es sich um ein Unfallauto mit Totalschaden handelt: Komplett zerbeult, Reifen platt, keine einzige Scheibe mehr dort, wo sie eigentlich sein sollte. Das Auto muss sich mehrmals überschlagen haben, bevor es dann auf den Rädern zum Stillstand kam. Auf den Vordersitzen kleben auf Papier gezeichnete Gesichter mit weit aufgerissenen Augen & offenen Mündern, auf dem Hintersitz liegt ein vollgepackter Tramperrucksack & aussen klebt ein Zettel: 'We're both OK & walked in this ⇐ direction', Datum von heute! Oops, da müssen 2 Touris ein Riesenschwein gehabt haben, dass sie diesem Wrack unverletzt & mit so viel Galgenhumor (Papiergesichter) entsteigen konnten! Wir werfen einen Blick in den total demolierten Kofferraum & entdecken dort neben Broccoli, Champignons & weiteren Esswaren eine noch kühle Flasche Cola! Mit einem leicht schlechten Gewissen genehmigen wir uns ein paar erfrischende Schlucke & bedanken uns mit einem Zettel bei den unbekannten Spendern. Wie wir später erfuhren, stand der Wagen noch mindestens 1.5 weitere Tage samt allem Inhalt dort & unser 'Diebstahl' stellte sich somit als gerechtfertigt heraus... Wir verfolgen die Fussspuren der beiden während gut 2km, dann konnten sie offenbar in eines der sehr spärlich vorbeifahrenden Fahrzeuge einsteigen: Pro Tag begegnen uns in dieser Gegend nur gerade ca. 10 Autos! Mit frisch aufgefülltem Zuckerspeicher fahren wir auf der zwischendurch sehr schlechten Strasse weiter. Tiefer Sand & Steine zwingen uns mehrmals, die Velos einige Meter zu schieben. Umso schöner sind die Begegnungen am Nachmittag: Ungebremst werden wir von einem Auto überholt & in eine Staubwolke gehüllt. Kurz nachher leuchten jedoch dessen Bremslichter auf, der Wagen hält & vier südafrikanische Männer, welche gemeinsam Urlaub machen, steigen mit 2 eisgekühlten Colas in der Hand aus & überreichen uns diese! Eine Stunde später wiederholt sich dieses Ereignis, diesmal mit 3 Süadafrikanern & so können wir unser Nachtessen draussen in der Pampa sogar mit einer Cola krönen!

Die Nacht nach Gunsbewys verbringen wir nämlich wieder wild: Gegen Abend halten wir nach einem Nachtlager Ausschau. Im Farmzaun erscheint ein Tor & gerne hätten wir den Farmer um Erlaubnis gefragt, aber da weit & breit kein Farmgebäude zu sehen ist, ist dies nicht möglich. Wir schlagen unser Zelt in der riesigen Sand-/Kiesebene auf & bewundern die in der Abendsonne rot angeschienenen Berge am Horizont sowie den aufgehenden Vollmond. Selbstverständlich nehmen wir am Morgen jeweils unseren gesamten Abfall wieder mit, verbuddeln unseren Kot im Sand & verbrennen das WC-Papier, so dass ausser Fussspuren wirklich nichts mehr an uns erinnert. Hintergrund des WC-Papier-Verbrennens ist der, dass in der hier herrschenden Trockenheit der Verrottungsprozess nur sehr langsam stattfindet & mit dieser Massnahme nur ein paar Aschestückchen in der Wüste zurückbleiben.

Auch der heutige Tag beginnt positiv: 3 südafrikanische Autofahrer beglücken uns mit 2 Bier, 1 Hipo-Softdrink ('the softest we have') & 1 Tafel Schokolade! Doch damit ist es vorerst mit der Freude mal zu Ende: Innert der nächsten 24 Stunden erhöhen wir unsere Plattenstatistik um mehr als das Doppelte! Insbesondere ein Bob-Flick macht uns während der folgenden Tage immer wieder Mühe, nachpumpen & neue Flicken drauf nützen nur beschränkt, so dass wir schliesslich einen neuen Schlauch einsetzen. Unterdessen haben wir auch den Urheber unserer Plattenserie erkannt: Eine hübsche, harmlos aussehende gelbe Blume am Strassenrand bildet Ableger, welche ganz gemeine kugelförmige Dornen besitzt. Da bleibt selbst einem Schwalbe Marathon die Luft weg!

Die Nachmittagsstunden vergehen auf dem sehr liebevoll angelegten, neuen Campingplatz in Betta im Nu: Patricia macht wieder mal eine grosse Handwäsche & Markus betätigt sich als Velomech. Da er gleichzeitig in 4 von 5 Pneus ein Loch flicken muss, benutzt er die Gelegenheit für eine Pneurochade: Der meistbeanspruchte Pneu von Markus Hinterrad kommt neu an Patricias Vorderrad usw. Dadurch sollten alle Pneus bis zum Ende der Tour ihren Dienst erfüllen.

Auf dem Camping sind wir die einzigen Gäste. Die meisten Autos fahren hier nur durch, denn Sesriem (eines der offiziellen 'musts' auf jeder noch so kurzen Namibiareise) ist ja 'nur noch' 140km entfernt. Für uns zwei weitere Tagesetappen. Der Betta-Camping besitzt tolle Hochsitze & trotz der nächtlichen 6°C nehmen wir nur unsere Schlafsäcke, stopfen ein paar Kleider rein & schlafen so, ohne allzu stark zu frieren.

Am nächsten Tag durchqueren wir das NamibRand-Gebiet. Ähnlich den Tirasbergen haben sich auch hier mehrere private Farmer zusammengeschlossen & betreiben nachhaltige Landwirtschaft sowie sanften Tourismus. Positiv fällt auf, dass hier die Farmzäune entfernt wurden & sich das Areal als einzige riesige Fläche zeigt, auf welcher sich das Wild frei bewegen kann. Dies scheinen leider auch die Insekten bemerkt zu haben, denn heute herrscht wieder mal Fliegenplage, so dass Patricia vor lauter Rumfuchteln beinahe in den Strassengraben fährt! Als wir müde werden taucht ca. 2km von der Strasse entfernt eine Farm auf. Wir fragen nach, ob wir zelten dürfen, erhalten dann gegen einen kleinen Obolus sogar das Guesthouse mit richtigen Betten, Dusche & Gasküche angeboten. Da können wir natürlich nicht nein sagen!

Am nächsten Morgen folgt das nächste Unheil: Beim Bepacken des Bob entwischt Patricia ein Gummischletzer & schletzt ihr voll ins Gesicht! Resultat ist eine blutende Wunde zwischen Oberlippe & Nase, wenigstens schön zentrisch platziert... Markus betätigt sich als Arzt, verabreicht Notfalltropfen (danke, Brigit!), schneidet mit Sackmesser & Pinzette ein kleines Stückchen tote Haut weg & zum Schluss kommt noch Merfen & ein Pflaster drauf. Fazit knapp 2 Wochen später: Die Wunde ist gut geheilt, zurück bleibt wohl nur eine kleine Narbe, so wie sie Markus an derselben Stelle auch schon besitzt. Partnerlook ;-).

Mit ca. 1 Stunde Verspätung starten wir Richtung Sesriem. 29km der heutigen Etappe verlaufen schnurgerade, es ist unsere bisher längste Gerade! Die Strassenqualität weist von sehr gut bis sandig bis viele Schläge wieder mal alle Varianten auf.

Direkt hinter dem Sesriem-Camping beginnt der Namib Naukluft Park. Eine 65km lange Stichstrasse führt durch den Park zum berühmten Sossusvlei (ein Vlei ist eine Senke, in der sich nach Regenfällen Wasser sammelt). Da es verboten ist, im Park zu übernachten, müssen die total 130km an einem Tag zurückgelegt werden; für uns zuviel, insbesondere da die Strasse ziemlich übel ist & beim Sossusvlei schliesslich auch noch Zeit für die Besteigung der Dünen bleiben soll. Die letzten 5km sind nur für 4x4-Fahrzeuge zugelassen, weshalb es für die 2x4-Touris für dieses Teilstück einen Shuttlebus gibt. Der Chaffeur erklärt sich bereit, uns am nächsten Morgen von Sesriem aus mitzunehmen. Wie abgemacht stehen wir also um 05:00 vor dem Parkgate. Neben uns warten bereits andere Touristen mit dem Auto bis das Gate öffnet, damit sie als erste beim Sossusvlei ankommen. Aber denkste! Unser Chaffeur startet einige Minuten später als die ersten Touris & die Fahrt entwickelt sich zu einem wahren Höllenritt! Patricia darf vorne zum Fahrer in die Kabine steigen, Markus setzt sich hinten aufs offene 'Passagierdeck'. Dann heisst es 'festhalten' & möglichst nichts denken. Mit über 120 Sachen rasen wir in die dunkle Nacht hinaus. Unser Chauffeur scheint jedes Schlagloch (& von denen hat es viele!) & jede Bodenwelle zu kennen, fährt Schlangenlinien, mal links, mal rechts, mal sind 2 Räder, mal gar keines auf der offiziellen Strasse, einfach so, wie die Route angeblich am wenigsten Schläge aufweist. In der Dunkelheit tauchen die roten Rücklichter der ein paar Minuten vor uns gestarteten Fahrzeuge auf, in haarsträubender Geschwindigkeit nähern wir uns diesen & lassen sie links liegen. Nach gut einer halben Stunde erreichen wir den 2x4 Parkplatz & die letzten 5km, welche durch tiefen Sand führen, werden etwas langsamer in Angriff genommen. Um ca. 5:45 sind wir am Ziel angelangt & verlassen etwas durchfroren & sandgestrahlt das Auto. Zu Fuss steigen wir etwa 100 Höhenmeter auf eine grosse Düne, ganz nach dem Motto '2 Schritt vor, 1 Schritt zurück'. Uff, ist das anstrengend! Gerade rechtzeitig zum Sonnenaufgang erreichen wir den Gipfel! Traumhaft schön, all diese rötlich scheinenden Sanddünen! Der starke Wind, welcher bereits die halbe Nacht an unserem Zelt rüttelte & dazu führte, dass wir fast 3 Stunden wach lagen, trägt das seine zur speziellen Stimmung bei. Ähnlich wie bei einem Schneesturm liegt ein Sandschleier über den Kreten der Dünen. Nachdem wir uns sattgesehen haben, rennen oder fliegen wir beinahe die Düne runter. Zu Fuss machen wir uns auf den Weg zum Deadvlei, ein anderes Vlei mit Überresten von toten Bäumen. Sieht sehr mystisch aus, insbesondere mit dem immer noch herrschenden Sandsturm!

Gegen Mittag gehts dann per Autostopp wieder nach Sesriem zurück. Dort erwartet uns leider eine böse Überraschung: Obwohl wir die Heringe extra mit Steinen beschwert hatten, riss der Wind einen davon aus. Im Innenzelt ist alles voller Sand, Schlafsack, Kleider, Geschirr,... Ortlieb hingegen kann seinen Slogan erweitern: '100% wasser- & sanddicht'. Da der Wind weiterhin ungebremst bläst, lassen wir mal alles wie es ist & fahren mit den Bikes zum nahe gelegenen Sesriem Canyon. Ein ca. 30m tiefer Canyon mitten in einer riesigen Ebene. Auf der gegenüberliegenden Canyonseite unterhält uns eine Baboonsippe mit Klettereinlagen. Im Laufe des Nachmittags lässt der Wind zum Glück nach & nach 2 Stunden Reinigung ist unser Material wieder mehr oder weniger sandfrei (so weit dies in dieser Umgebung überhaupt möglich ist).

Die Strecke von Sesriem nach Solitaire 'beglückt' uns wieder mit viel Gegen- & Seitenwind. Wir haben unterdessen als Hauptwindrichtung in Namibia Nordosten eruiert & mit unserer Routenplanung von Süd nach Nord bedeutet dies zwangsläufig, dass der Wind meist gegen uns ist. Manchmal kann einem das schon echt auf die Nerven gehen & an der Psyche kratzen. Dies v.a. auch darum, weil der Wind oft wirklich absolut fies ist: Als wir auf eine Gerade einbiegen, treibt uns der Wind endlich von hinten an! Doch nach 2km kommt die Ernüchterung: Mitten in der offenen Geraden dreht der Wind & bläst uns entgegen... Doch damit sei nun bezüglich Wind genug geklagt & wir wenden uns wieder den schönen Dingen zu: Nicht alle Autofahrer sind so aufmerksam & zuvorkommend wie einige Südafrikaner (siehe weiter oben) & so müssen wir sie teilweise mit dem Holzhammer auf unsere Bedürfnisse hinweisen. Wenn wir gefragt werden, ob wir fotografiert werden dürfen, lautet unser Slogan 'One picture, one cool drink' & damit bekommen wir auch heute 1l eiskaltes Wasser. Ein in East London wohnhafter Deutscher kreuzt uns heute mit seinem Mietwagen, wendet, hält etwas weiter vorne an & filmt uns dann beim Näherkommen. Wir wechseln ein paar Worte & bevor er losdüst fragt ihn Markus, ob er wohl nicht 'ne Cola hätte. Siehe da, 2 eisgekühlte Colas sind die Belohnung! & nicht nur das, am nächsten Tag begegnet er uns erneut, stoppt & überreicht uns spontan 2 weitere Colas. Eigentlich sollte er uns 2 oder 3 Tage später auf dem Weg nach Walvisbaai nochmals überholen & er versprach uns bereits erneuten Support, aber leider verpassen wir ihn.

Die 85km zwischen Sesriem & Solitaire wollten wir eigentlich in einem Tag zurücklegen. Doch als nach 50km, plattem Bob & wenig Wasser unerwartet die Weltevrede Farm mit Campsite am Strassenrand auftaucht, sind wir flexibel & ändern unseren Plan. Schliesslich leben wir auch nach dem Motto, dass wir jede gastwirtschaftliche Institution am Strassenrand unterstützen möchten, um sie vor dem Untergang zu bewahren ;-).

Einen Tag später erreichen wir Solitaire, diesen Knotenpunkt mitten in der Wüste! Solitaire besteht aus einer Lodge, einem grossen Camping (auf welchem wir die einzigen Gäste sind!), einer Tankstelle, einem kleinen Shop mit Restaurant. Es scheint fast, dass alle Touri-Gruppen auf dem Weg von & nach Sesriem hier einen Zwischenhalt einlegen. Den ganzen Nachmittag herrscht ein reges Kommen & Gehen von Autos & Reisecars & der Platz wirkt so gar nicht 'solitaire'! Wir nutzen die Zeit, um bei absolut lekkerem, hausgemachtem Apfelstreuselkuchen unsere Reiseplanung für die Zeit nach Swakopmund vorzunehmen.

Plötzlich werden wir angesprochen: 'Seid ihr die beiden Schweizer Radfahrer mit dem kaputten Fuss?'. Ja, damit sind wohl wir gemeint: Vor 6 Tagen passierten wir den Abzweiger zum 15km von der D707 entfernten Namtib Biosphären Reservat, dessen Besitzer Walter Theile uns 2 Wochen vorher auf der Strecke Aus - Lüderitz chauffiert hat. Wir schrieben ihm damals einen Brief, beschwerten diesen mit einem Stein beim Abzweiger zu seiner Farm & der Herr, den wir heute treffen, spielte 1 Tag später Postbote! So klein kann Namibia sein!

Heute haben wir übrigens wieder mal eine Schlangenbegegnung: Eine ca. 40cm lange, nur 4-5mm dicke Schlange liegt auf der Strasse & wäre von uns beinahe überfahren worden. Auch auf unser Stampfen & Steinchen werfen reagiert sie nicht, erst als Patricia sie mit dem Wasserbidon bespritzt, bewegt sie sich & kommt schlängelnd in unsere Richtung. Oops, so war das nicht gemeint & wir machen uns schleunigst aus dem Staub.

Ab Solitaire starten wir zu 2.5 Tagen Wüste & Nichts bis Walvisbaai. Es handelt sich um fast schon 'typische' Velotage: Mit dem ersten Anzeichen von Dämmerung holt uns der Wecker um 05:30 aus dem Schlaf, um 06:10 ist Sonnenaufgang. Aufstehen, waschen, anziehen, Müesli mit Milchpulver & Wasser zum Frühstück, Zelt abbrechen & alles packen. Wenn wir abends wild zelten, werden die Waschlappen schon mal nass gemacht & so eingepackt, damit können wir abends wertvolles Wasser sparen. Ja, das Wasser ist immer wieder limitierender Faktor: Wir starten heute mit 22l, während dieser 2.5 Tage erbetteln wir von vorbeifahrenden Autofahrern zusätzliche 17l & bei der Ankunft in Walvisbaai bleiben noch genau 3.5l übrig! Der Verbrauch setzt sich wie folgt zusammen: 28l Trinken, 4l Kochen, 3.5l Waschen & Abwaschen. Den sich auf dem Bob befindenden Trinkflaschen ziehen wir jeweils nasse Socken über, damit bleiben sie länger kühl. Danke Monika & Loisi für diesen Tipp! Vor der Abfahrt singt Patricia jeweils die Nationalhymne & schwenkt dazu die Schweizerflagge (siehe Foto) ;-). Zwischen 07:00 und 07:30 sind wir startklar & düsen los. Heute mit gut 70kg Gepäck, wobei wir dies fair zu je 1/3 auf uns drei (Patricia, Markus & Bob) aufteilen. Zwischendurch gibts mal eine Znünipause mit Riegeln oder Dörrfrüchten & irgendwann zwischen 11:00 & 12:00, wenn wir hoffentlich schon mehr als die Hälfte der für heute geplanten Strecke zurückgelegt haben (psychologischer Aspekt!) gibts Mittagspause: Brot mit Aufstrich, Biltong & Guetsli zum Dessert.

Die Temperaturen sind seit Sesriem übrigens wieder wärmer, tagsüber 34°C, nachts angenehme 15-20°C. Am Nachmittag stehen die beiden Pässe Gaub & Kuiseb auf dem Programm. Anstatt wie gewohnt bergauf, gehen diese Pässe zuerst in die Tiefe, es handelt sich nämlich um 2 Canyons, etwa 90m resp. 130m tief. Zwischen den beiden Canyons gilt es 200Hm zu erklimmen. Dies nicht stetig, sondern mit unzähligen kleinen Hügeln dazwischen: 20Hm rauf, 10Hm runter & weil dazwischen jeweils ein Rivier (Trockenfluss) liegt, sprich viel Sand vorhanden ist, muss auch noch voll abgebremst werden. Das Nachtlager schlagen wir um ca. 16:00 am (leider trockenen) Kuiseb River auf. Ausser einem Plumpsklo ist nichts vorhanden & wir begnügen uns damit, den Schweiss & Sand mit dem am Morgen befeuchteten Waschlappen abzuwaschen. Anschliessend heissts möglichst schnell Zelt aufstellen & kochen, denn um 17:45 ist Sonnenuntergang & um 18:30 herrscht dunkle Nacht! Nicht sehr campingfreundlich, dieser natürliche Sonnenlauf Namibias. So legen wir uns des Öftern bereits um 20:00 zum Schlafen.

Die nächste Etappe führt uns durch total karge, aber wunderschöne Wüstenlandschaft zum Vogelfederberg, einem einsamen Granitblock in der Sandebene. Irgendwo am Strassenrand steht plötzlich eine Kaktusoase mit einem Schild: 'If you have a drop to spare, let us share!' Ja, so fühlen wir uns teilweise auch...

Am nächsten Tag erreichen wir noch vor dem Mittag Walvisbaai. Das Küstenklima wird uns auch in den folgenden Tagen in Swakopmund begleiten: Nebel, feucht, tagsüber 20°C & immerhin etwa jeden 2. Tag nachmittags Sonnenschein. Wir fragen uns, weshalb heute, am Montag 02.05.2005 viele Geschäfte geschlossen sind, als man uns erklärt, dass der auf einen Sonntag gefallene Feiertag (1. Mai) nachgeholt wird! Mit gemischten Gefühlen realisieren wir, dass diese Woche am Mittwoch & Donnerstag gleich nochmals 2 Feiertage anstehen (Cassinga-Tag & Auffahrt). Da haben wir unsere paar Tage in der Zivilisation ja wieder mal super geplant ;-(.

Am nächsten Morgen nehmen wir die 35km Teerstrasse bis Swakopmund in Angriff. Uff, das macht keinen Spass! Viel Verkehr, enge Strasse & sehr rücksichtslos fahrende Autos & Lastwagen. Wir freuen uns definitiv wieder auf unsere Gravel Roads!

In Swakopmund verbringen wir 5 geruhsame Tage. Nebst Shopping, durch die Stadt bummeln, verschiedene Cafes & Restaurants testen & einem Tagesausflug per Bus nach Windhoek (Vielen Dank für die dort bereitliegende Post aus der Schweiz!) ist auch noch Dünenschlitteln angesagt: Ausgerüstet mit Helm, Handschuhen & Ellbogenschonern legt man sich bäuchlings auf eine Pavatexplatte, zieht das vordere Ende der Platte leicht hoch & schon gehts kopfvoran die Düne runter! Angeblich erreicht man so ein Spitzentempo von 70-80km/h! Adrenalin pur! & da man die Düne immer wieder zu Fuss erklimmt, scheint uns der ganze Spass auch wirklich umweltverträglich zu sein, zumindest ökologischer als unser Skifahren. Einen kleinen Einblick in diese 'Sportart' gibt es hier: Sandboarding (*.wmv, 3.0MB)

Swakopmund hat uns bisher als Stadt eindeutig am Besten gefallen. Viel Charme, sehr nette & hilfsbereite Leute (der Fahrradmech hat wegen uns sogar seine ersten Ferien seit 10 Jahren unterbrochen!), feine Cafes. Eigentlich könnten wir hier noch lange bleiben, wenn nur das Klima nicht so feucht & neblig wäre. So zieht es uns wieder weiter. Morgen Montag verlassen wir die Küste & starten zur nächsten Etappe über Spitzkoppe, Brandberg, Sesfontein bis zur angolanischen Grenze!

Zum Schluss die aktualisierte Statistik:
  • Totaldistanz:
    davon Gravel Road:
  • reine Fahrzeit:
  • Höhenmeter total:
  • Anzahl Velotage:
  • Anzahl Platten:
2'443km
1'189km
171h 01min
16'946Hm
33
6x Patricia
3x Markus
3x Bob
1x Therm-a-Rest Markus

Zu den Fotos...

Patricia & Markus, 08.05.2005

© pk&mk 07.01.2006