Velotour Südafrika - Namibia

Reisebericht vom 23.03. - 28.03.2005 (Osterweekend)

Canoe Adventures auf dem Oranje River

Kanus für die Nacht parkiert Wulas Paddelhinweise am Sjambok Sailing Kate Selbstportrait Oranje River

deutsch:
Während dem von Felix Unite organisierten 4-tägigen Kanutrip auf dem Oranje River (Grenzfluss zwischen Südafrika & Namibia) konnten wir uns bestens von der vorangegangenen Beinarbeit erholen & die wunderschöne Landschaft & Tierwelt des Flusses geniessen. Neben dem Bestehen der Wasserabenteuer lernten wir viele neue Freunde kennen & liessen uns kulinarisch verwöhnen. Der Trip war einfach super!

english:
During the 4-day canoe trip on the Oranje River organised by Felix Unite we could best recover from the former legwork period. We loved the wonderful landscape & animal kingdom from the river. Beside the passing of the water adventures we met lots of new friends and let us indulge in culinary. The trip was just the best! Lekker!

Am frühen Mittwoch Nachmittag 23.03.2005 erreichen wir das Felix Unite Base Camp ca. 10km nordwestlich der 'Grossstadt' Noordoewer. Wir hatten vor dem 4-day canoe trip extra einen freien Tag eingeplant um noch Einiges zu erledigen (z.B. Internet...). Aber Noordoewer besteht nur aus zwei Lodges, zwei Tankstellen, einer Bank, zwei Getränke- & zwei weiteren Shops, welche gerade das Nötigste anbieten, sowie einigen Wohnhäusern!

Im Camp werden wir gleich von Wula, unserem späteren River Guide, begrüsst & über alles Wichtige vorinformiert. Zuerst herrscht etwas Verwirrung, da wir auf keiner der beiden Listen der morgen startenden Gruppen aufgeführt sind. Wir sind ja eigentlich einen Tag zu früh angekommen. Wula fragt uns dann vor dem Nachtessen, ob wir nicht doch gleich morgen mitfahren möchten. Wir sagen gerne zu, da Noordoewer bekanntlich nichts zu bieten hat ;-). Unsere Gruppe ist zwar mit 22 Teilnehmern eher gross, aber ein Tag später starten gleich 5 (!) Gruppen der ähnlichen Grösse!

Die 22 Teilnehmer setzen sich aus 4 Bekanntenkreisen zusammen. Zuerst sind da mal die 14 jungen Südafrikaner, welche sich nach ihrer Studienzeit wieder einmal für ein Wochenende treffen. Sie reisen aus Cape Town & Jo'burg sowie Miena aus Windhoek an. Weiter zwei in Cape Town lebende Deutsche Väter mit je einem Sohn und einem Bekannten aus Deutschland. Dann der Outdoorspezialist Paul aus Pretoria, welcher uns gleich mit einer zusätzlichen Namibiakarte, Reinbenzin & vielen Strassen- & Unterkunfttipps für Namibia versorgt. Und natürlich wir zwei verrückten Veloreisenden aus der Schweiz. Bestens geführt wird der ganze Trupp von unseren drei River Guides Wula (Namibia), Fleur & Kate (beide Südafrika). So findet die Kommunikation vor allem in Afrikaans, aber auch Englisch und Deutsch statt.

Der naturnah geführte 4-Tages Kanutrip startet mit dem Abendessen am Vorabend und endet offiziell mit dem Mittagessen des vierten Tages. Das erste Menu am Willkommensabend mit Lambchops, Boerwors & diversen Salaten sowie einem Tiramisu zum Dessert legt bereits den Standard fest. Baie Lekker!

Wula instruiert uns, was wir wie packen sollen. Je zu zweit ('Bootsgspändli') gibts 3 Kessel, welche wasserdicht verschlossen werden können: Einen für die Schlafsäcke (einfach hineinstopfen) & je einen für die weiteren persönlichen Sachen (Essgeschirr, Mätteli, Pijama, Necessaire, trockene Kleider für den Abend, Sonnencreme, ...). Zusätzlich gibts noch eine Cooler Box mit Eis, in welcher die Getränke für den Anfang Platz finden. Nach 1½ Tagen bringt ein Auto den vorgängig bereitgestellten Nachschub für den restlichen Trip. → Vollkommener Service!

Wir plaudern mit Paul & Miena, die auf ihre 13 Freunde wartet, welche noch auf Südafrikas Strassen unterwegs sind & das Camp erst spät erreichen werden. Es ist ein heisser Abend, um 22 Uhr immer noch 34°C!

Da es um 7 Uhr Morgenessen geben sollte, stehen wir bereits um 6 Uhr auf, um das Zelt zusammenzuräumen & alles gut zu verpacken. Die Saccochen, den Bobsack & die Lenkertaschen können wir in Pauls Wagen verstauen & die Velos inklusive Bob werden vom Felix Unite Team weggeschlossen. Wir erleben dann 'African Time', was heisst, dass das z'Morge mit Spiegeleiern, Speck, Toast & Müesli so gegen 9 Uhr bereit steht. No hurry, wir haben ja Ferien!

Nach 10 Uhr schleppen wir unsere Kessel, die Cooler Box, Schwimmwesten & das im Packsack verstaute Zelt (falls es mal regnen sollte...) zum River runter & verpacken alles gut mit Gummischletzern befestigt in unser Kanu. Wula gibt zusammen mit Kate die wichtigsten Sicherheitsanweisungen & Paddelinstruktionen & schon starten die ersten Kanus zur Testrunde.

Mit angezogenen Schwimmwesten, jeweils im Gleichtakt paddelnd, gehts schon bald über das erste Rapid. 'Paddel hoch' als Zeichen für die 'Single line' & eines nach dem andern der 11 Teilnehmer- & 3 Guideboote kommt sicher durch die Wellen. Schon am ersten Tag wird es spannend, als die 'Yellow Submarine' sowie ein zweites Boot mit männlicher Besatzung bei einem Rapid kentern. Nichts gravierendes, die Kessel sind ja wasserdicht & das Wasser ist mit 27°C angenehm warm. Die Boote werden mit vereinten Kräften wieder geleert, alles eingesammelt & neu verpackt.

Jeweils um die Mittagszeit & am Abend steuern unsere Guides ein passendes Plätzchen an, wo sie dann gleich beginnen, auf dem Feuer etwas Feines herbeizuzaubern. So gibts mal Spaghetti Bolognese, Poulet, Chakalaka, gebratene Butternut (kürbisähnliches Gemüse), Kabis oder verschiedene Salate usw. Zum Apero mal eine Käseplatte und ein anderes Mal frische Popcorn! 1.-klassiger Küchenservice: jeweils auf dem mitgebrachten Tisch, sogar mit Tischtuch schön angerichtet!

Die Landschaft des Oranje River ist einmalig. Zwischen Bergen, welche den Fluss ca. 300-500m überragen, mit verschiedensten Gesteinsformationen (z.T. Faltungen) & Farben schlängelt sich der River mal schmaler mal etwas breiter durch. So ist die Umgebung mal kräftig grün mit Wiesen, Bäumen oder Schilf & dann wieder bräunlich-rötlich oder grau mit dem Sand & den Felsen, welche z.T. direkt ins Wasser verlaufen (z.B. Witches Mountain). Zum Teil fliesst der River durch ganz toll ausgewaschene Steine oder Felsbrocken. Es gibt vereinzelte Minen & bei Aussenkehr die grösste private Grapefarm der südlichen Hemisphäre!

Der Wasserstand des Oranje River ist sehr niedrig, so dass wir des öftern über Steine kratzen oder auch mal festsitzen. Zwei Wochen vor unserem Trip stand das Wasser noch 1m höher!

Während den vier Tagen auf dem Fluss können wir auch einige Vögel beobachten: Goliath- & Graureiher, Fischadler, Kormorane und den prächtigen kleinen Kingfisher. Die diversen Angler unter uns fischen Yellowfish & Barbel, welche sie jeweils wieder schwimmen lassen. Wozu dann überhaupt gefischt wird, bleibt uns ein Rätsel...

Zwischen den Rapids gibts immer wieder genügend Zeit um zu relaxen, zu schwimmen & sich einen kühlen Drink zu genehmigen. Aber zwischendurch kommt auch harte Arbeit auf uns zu, vor allem wenn wir kräftig gegen den Wind paddeln müssen. So sind die anderen Teilnehmer am ersten Abend richtig müde, wohingegen wir uns eher erholt fühlen :-). Das Tagespensum beträgt jeweils rund 20km.

Am Abend wird jeweils die mit Paddeln markierte 'Lulu' eingerichtet (Toilette aus einem klappbaren Tischchen mit integriertem WC-Deckel & -Brille über einem Kessel). Bei Vollmond hat man/frau eine tolle Aussicht über den Sand in die Berge.

Am ersten Abend gibts bei den jungen Südafrikanern einen Liederabend mit Heimat- & internationalen Songs. So beteiligen auch wir uns mit dem Schweizer Psalm. Geschlafen wird jeweils unter freiem Himmel & das ganz ohne Mücken! Der Sternenhimmel ist wunderschön, der Orion und das Kreuz des Südens sind unsere nächtlichen Begleiter.

Sozusagen das Highlight der Tour ist am dritten Tag das Bestehen des Sjambok, ein S-förmig verlaufendes Rapid, sehr schmal, wo es die Ideallinie zu finden gilt. Mit Hilfe Wulas Paddelhinweisen schaffen mehr als die Hälfte der Boote die Probe. 4 Boote kentern ganz & bei der 'Yellow Submarine' opfert sich der Steuermann & geht über Bord. Fleur & Kate geben ihr Bestes & schwimmen Sonnencremen, Sandalen, Paddeln usw. hinterher.

Am letzten Abend gibts dann, nachdem Kate im Feuer die fluoreszierenden, Funken speienden Steine präsentiert hatte, in der erweiterten Südafrikanerrunde sozusagen ein Tribunal, bei welchem jegliches auffällige Verhalten der vergangenen Tage mit einem Schluck Alkohol geahndet wird. Wir zwei bekommen unsere Busse für den Lalalalala... Text in der Nationalhymne!

Am Ostersonntagmorgen, dem letzten Tag, gibts den Kaffee direkt an den Schlafsack serviert! Wow! Statt 'Easter Rabbits' gibts dann 'Easter Rapids'. Bei den Terraces nutzen wir zwei sozusagen die letzte Chance um zu kentern. Als letztes Boot der 5er Spitzengruppe suchen wir den Spass in der Welle & werden prompt von einem Stein seitlich überrascht, so dass wir kurzerhand baden gehen. Patricia hält das Boot fest & gemeinsam bringen wir es dann ans Ufer, wo wir es wieder flusstauglich machen (Wasser ausleeren). Markus zieht sich dabei eine kleine Schramme am Fussgelenk zu, aber wir geniessen das Abenteuer & paddeln weiter.

Bei der Norotshama Lodge (Aussenkehr) ist der Paddelspass nach total rund 60km zu Ende. Gemeinsam ziehen wir alle Boote aus dem Wasser & schleppen die Kessel, Cooler Boxes & alles weitere Material zum Bus. Zum Apero gibts ein Bier in der Lodge bevor wir mit dem Bus ins Felix Unite Base Camp zurückfahren, wo uns unsere Guides zum letzten Mal offiziell fein bekochen. Alle haben wir also bestanden & bekommen von Wula das persönliche Diplom überreicht.

Die jungen Südafrikaner sagen dann Tschüss & reisen ab Richtung Jo'burg & Cape Town sowie Miena nach Windhoek. Bei ihr werden wir spätestens vor unserer Rückkehr in die Schweiz nochmal vorbeischauen, denn wir können ihr ein paar Kleinigkeiten zur sicheren Aufbewahrung mitgeben. Die Deutschen, Paul & wir zwei bleiben noch für eine Nacht, so dass es zusammen mit den drei Guides nochmals ein Dinner gibt. Diesmal sogar mit Porzellangeschirr, Tischtuch, Servietten & Wein!

Hey Wula, Fleur & Kate, das war eine wirklich tolle Kanutour! Lekker! Dankie! Riesiges Merci auch an Kosi & Corinne, welche uns diesen Trip empfohlen haben. Auch wir möchten diesen Kanutrip mit Felix Unite wärmstens weiterempfehlen. Uns hat vor allem die natürliche Art und Weise fasziniert. Unsere engagierten Guides haben alles auf dem Feuer zubereitet & wir alle haben in der Natur kaum Spuren hinterlassen. Ganz nach dem Motto: 'Take only Photographs, leave only Footprints'.

Weiter gehts nun wieder mit dem Velo. Wir starten zur Erkundung Namibias Süden. Nach einer Schlaufe hoch zum Fish River Canyon kommen wir nochmals zurück dem Oranje River entlang weiter nach Westen über Rosh-Pinah und Aus an die Küste nach Lüderitz.

Zu den Fotos...

Patricia & Markus, 28.03.2005

© pk&mk 03.01.2006