Velotour Südafrika - Namibia

Reisebericht vom 23.02. - 07.03.2005

Las Palmas - Cape Town; unser Frachtschiff 'Kalahari'

Sunset Frühschoppen Delphine Fischfang Immer die Besten Midnight-Dinner Table Mountain

We got it! In 22 Tagen (statt der geplanten 16) hat uns das Frachtschiff 'Kalahari' sicher nach Cape Town gebracht. Die Reise war ein tolles Erlebnis, geprägt durch viel Ruhe, Erholung, 1.-klassigem Service, viel Essen, Lesen, Routenplanung unserer Velotour & diversen Begegnungen mit Tieren. Diese umfassten sowohl das friedliche Beobachten von Walen, Delphinen, Robben & Pinguinen als auch das eher 'martialische' Fischen, Ausnehmen & Grillieren von Red Snappern...
2 Tage wollen wir in Cape Town bleiben, anschliessend gehts nach einer Aufwärmrunde ans Cape of Good Hope nach Norden Richtung Namibia!

Am Montag 07.03.2005 um 17:15 erreichen wir Cape Town! Die gesamte Reise ab Bremerhaven dauerte somit 22 Tage, 6 Tage mehr als ursprünglich geplant. 'Schuld' für diese Verzögerung ist einerseits der zusätzliche Hafenstopp in Tilbury (1-2 Tage), das Warten auf einen Anlegeplatz vor Las Palmas (1 Tag) & insbesondere die 3½ Tage, die wir ca. 3km vor Cape Town ankern müssen, bis im Hafen ein Anlegeplatz frei wird! Wobei ich eigentlich nicht von 'Schuld' reden sollte, denn jeder Tag auf dem Schiff ist wunderschön. Eine Frachtschiffreise ist extrem entspannend, erholsam & keineswegs langweilig! Das Wetter, der Wind, die Wellen, die Farbe des Wassers, alles ändert sich von Tag zu Tag. Die Distanz ist spür- & erlebbar & das Durchqueren von verschiedenen Klimazonen innert weniger Tage ist sehr reizvoll. Als Reiseeinstieg können wir dieses Fortbewegungsmittel nur weiterempfehlen & wir hoffen, dass es nicht unsere letzte Frachtschiffreise war!

Zusammen mit der um 2 Tage verspäteten Abfahrt ab Bremerhaven liegt die Ankunft in Cape Town somit 8 Tage hinter der ursprünglichen Planung. Aber was ist das schon auf einer 4-monatigen Reise???

Bei unserem Frachtschiff 'Kalahari' handelt es sich um ein Containerschiff der Reederei DAL, Deutsche Afrika-Linien, welches 1987 gebaut wurde & unter der liberianischen Flagge segelt. Die Kalahari ist 258m lang, 32m breit & fasst theoretisch maximal ca. 3'200 Container oder 35'000 Tonnen Ladung sowie 8 Passagiere. Aktuell haben wir knapp 2'000 Container an Bord. Um mit der Maximalgeschwindigkeit von ca. 21 Knoten vorwärtszukommen, verbrennen wir täglich ca. 150t Schweröl. Die Kalahari war in den letzten 13 Jahren konstant auf der Route Rotterdam-Tilbury-Bremerhaven-Teneriffa-Las Palmas-Cape Town-Port Elizabeth-Durban & zurück im Einsatz. Für eine komplette Runde werden normalerweise 7 Wochen benötigt.

Dies alles ist demnächst Geschichte, denn wir begleiten die Kalahari auf ihrer letzten Reise als DAL-Schiff! In Durban, d.h. in ca. 5 Tagen, geht das Schiff für ca. 20 Mio US$ an eine neue Reederei. Zukünftig wird sie Afrika mit dem Fernen Osten verbinden & ob auch weiterhin Passagiere befördert werden, ist noch unklar. Die DAL ersetzt die Kalahari durch ein neues Containerschiff, welches rund 1'000 Container mehr laden kann & mit einer Geschwindigkeit von ca. 25 Knoten unterwegs sein wird. Das neue Schiff trägt originellerweise den Namen 'DAL Kalahari'...

Doch zurück zu 'unserer' Kalahari: Auf dieser Reise sind 34 Personen an Bord: 26 Crewmitglieder, 6 Passagiere sowie der zukünftige Captain & Chief Engineer der neuen Reederei. Die Passagiere setzen sich aus einem norddeutschen Ehepaar (er ca. 80J., sie ca. 70J.), einer Engländerin (ca. 60J.), einem Berliner (ca. 50J.) & uns zwei zusammen. Wir sind somit mit Abstand die Jüngsten & für eine Frachtschiffreise offenbar eher Exoten (Captain: 'Als ich die Passagierliste sah, musste ich 2x schauen. Normalerweise sind alle Passagiere Pensionäre'). Die Crew besteht aus 1 deutschen Captain & 1 deutschen Chief Engineer (der sog. 'Schief'), 1 weiteren Deutschen, 2 Russen sowie Filippinos.

Die Kalahari besitzt einen 5-stöckigen Schiffsaufbau. Dieser besteht aus Küche, Essräumen, Aufenthaltsräumen & Bar (1. Stock), Kabinen der Crew & Laundry (2. & 3. Stock), Kabinen des Captains, des Chief Engineers sowie der Passagiere (4. Stock) sowie der Brücke (5. Stock). Zudem gibts im 3. Stock einen Open-Air-Swimming Pool (ca. 4x5x2.5m), welcher jede Nacht mit frischem Meerwasser gefüllt wird & deshalb auch täglich eine andere Temperatur aufweist, sowie über der Brücke eine grosse 'Dachterrasse'.

In unserer Kabine halten wir uns fast nur zum Schlafen auf, obwohl sie sehr komfortabel ausgestattet ist: 2 Räume (total ca. 20m²) mit Sofa, Salontisch, Schreibpult, Buffet mit Kühlschrank, TV, Video, 2 Betten, Kleiderschrank sowie separatem Bad mit Dusche, WC & Lavabo. Die Kabine wird vom Schiffssteward täglich gereinigt, Frotteewäsche & Bettzeugs werden auf der gesamten Reise mehrmals gewechselt!

Mindestens 3 Stunden pro Tag verbringen wir Passagiere zusammen mit dem Captain & dem Chief Engineer in der Offiziersmesse beim Essen! 08:00 Breakfast, 12:00 Lunch, 18:00 Dinner! Die Chancen, auf einer Frachtschiffreise Gewicht zu verlieren, stehen äusserst schlecht... Das Zmorgen besteht aus frischen Früchten, diversen Broten, verschiedenen Konfitüren, Honig, Nutella, Aufschnitt, Käse, jeglichen Arten von Eiern & Speck, Fruchtsaft, Kaffee, Tee. Das Zmittag ist dann jeweils ein 4-Gänger mit Salat, Suppe, Fleisch & Sauce, Reis und/oder Kartoffeln, Gemüse, frischen Früchten, Mineral, Fruchsaft, Kaffee. Das Highlight aber stellt das Abendessen dar, welches uns täglich einen 5-Gänger beschert: Starter, Salat, Fleisch & Sauce, Reis und/oder Kartoffeln, Gemüse, Aufschnitt & Käse, Dessert, Wein, Mineral, Kaffee! Wahnsinn! So alle 3-4 Tage gibts um 10:00 zusätzliches Znünigebäck... Bedient werden wir jeweils am weiss gedeckten Tisch von 2 Stewards, welche uns wie in einem 1.-Klass Hotel behandeln. Manchmal wirkt die ganze Szenerie schon fast grotesk. In nächster Zeit werden wir uns erst wieder an unser eigenes Camping-Kocher-Essen gewöhnen müssen...

Wenn wir ausnahmsweise mal nicht mit Essen beschäftigt sind, halten wir uns meistens auf der Brücke auf, lassen uns Navigationsinstrumente erklären, suchen auf dem Radar oder am Horizont andere Schiffe, studieren das Log-Buch, reden mit den Officers, lesen Krimi oder Reiseführer, machen eine grobe Routenplanung für die folgende Velotour, geniessen den Blick aufs Wasser, bewundern Sonnenauf-, untergänge & Sternenhimmel oder träumen ganz einfach vor uns hin! Mit Ausnahme des Maschinenraums dürfen wir uns überall frei bewegen. Wir zwei machen täglich mindestens einen Spaziergang um das gesamte Upperdeck & geniessen den Wind, die Wellen & suchen Meeresgetier. Einige Male werden wir belohnt, wir sehen mehrmals Wale, Delphine & viele fliegende Fische! Nach dem Abendessen setzen wir Passagiere uns meistens in die Selbstbedienungsbar, schwatzen, lesen oder schauen einen Video.

Das 'Bord-Animationsprogramm' umfasst die Angebote 'Sicherheitsinstruktion für Passagiere', 'Rettungsübung für die Crew', 'Besichtigung des Maschinenraums', 'Äquatorüberquerung', 'Barbequeparty auf dem Achterdeck' sowie den sonntäglich um 10:30 stattfindenden 'Sunday Church Service', an welchem wir in der Bar dem deutschen Bierfass huldigen...

Wettermässig haben wir meistens Sonne oder Wolken, jedoch kaum Regen. Die Temperaturen klettern von anfänglich 5°C in Bremerhaven auf schwül-heisse 30°C in Äquatornähe & sinken Richtung Cape Town dann wieder auf 18°C. Die Wassertemperatur erreicht ihr Maximum mit 29°C ebenfalls am Äquator, vor Cape Town fällt sie jedoch wieder auf 14°C! Der Wind weht gleich am 1. Tag ziemlich stark (Beaufort 6), Patricia muss da zum einzigen Mal einen Kaugummi gegen Reisekrankheit nehmen. (Wer Bedarf nach Tabletten & Kaugummis gegen Reisekrankheit hat, soll sich bitte bei uns melden, wir verhökern unsere Resten gerne!). Ansonsten ist das Meer meistens sehr ruhig (Bf 2), erst gegen Ende der Reise wird der Wind wieder täglich stärker: Beaufort 4, 5, 6, 7! Der Wellengang ist entsprechend gross, doch schlecht wird es niemandem mehr.

3 Tage vor der geplanten Ankunft in Cape Town fällt das Schiffs-Satellitentelefon aus. Fax, E-Mail & Telefon sind somit nicht mehr verfügbar & beim Telex ist man nicht so ganz sicher, ob der wirklich alles sendet & empfängt... In guter Hoffnung auf einen Hafenplatz in der Nacht von Donnerstag 03.03.2005 auf Freitag fahren wir deshalb mit Vollgas Richtung Cape Town. Als wir allerdings in Funkdistanz zum Hafen sind erfahren wir, dass der gesamte Hafen auf Grund des stürmischen Windes die vergangenen Tage komplett geschlossen war & erst heute wieder geöffnet werden konnte. Für uns heisst das, dass wir uns hinten in die Warteschlange einreihen müssen... Wir ankern somit während 84 Stunden ca. 3km vor Cape Town mit wunderschöner Sicht auf Table Mountain, Lion's Head, Twelve Apostles & Chapman's Peak. Die Tage verbringen wir weiterhin mit Lesen, Schreiben & Tierbeobachtungen: Delphine, Robben & Pinguine tümmeln sich in nächster Nähe um unser Schiff! Abends führen uns die Filippinos in die Kunst des 'Fischens ohne Angelrute, nur mit Schnur, Köder, Haken & Schraube' ein. Am ersten Abend beläuft sich der Fang auf ca. 20 Red Snapper, was aber gemäss den Filippinos sehr wenig sei. An 'unserer' Angel beisst sogar auch einer an! Der Fisch wird dann bei lebendigem Leib ausgenommen, eingesalzen & direkt auf den Grill gelegt, wo er noch ein Weilchen weiterzappelt... Das Resultat ist äusserst schmackhaft!

Am Montag 07.03.2005 um 17:15 können wir dann endlich anlegen & nach Erledigung der Zollformalitäten der ganzen Crew auf Wiedersehen sagen & unsere Bikes packen. Ein bisschen Wehmut befällt uns schon, denn die vergangenen 3 Wochen waren wirklich ein sehr tolles Erlebnis! Unsere 'Ferien' sind somit beendet, die eigentliche 'Reise' liegt vor uns!

Wir haben diese 3 Wochen auch intensiv genutzt, um Reiseführer zu lesen & eine grobe Routenplanung vorzunehmen: Nach 2 Tagen Cape Town starten wir zur Einrolltour Richtung Süden ans Cape of Good Hope. Anschliessend gehts zurück durch Cape Town & dann die Westküste Südafrikas hoch bis ca. Lamberts Bay/Heerenlogement. Von da ins Landesinnere & voraussichtlich Anfangs April werden wir die Namibische Grenze bei Onseepkans überqueren. Den folgenden Monat wollen wir hauptsächlich dem südlichen Teil Namibias widmen. Wir gehen davon aus, dass wir ca. am 10.05.2005 Windhoek erreichen! Wer Lust hat, kann uns nach Windhoek gerne auch Post senden:

Patricia KOTTMANN
resp. Markus KOLLER
Main Post Office
General Delivery/Poste Restante
Windhoek
NAMIBIA

Jetzt freuen wir uns sehr aufs Velofahren & die körperliche Aktivität. Wir sind gespannt auf Strasse, Sand, Staub, Wüste & Hitze & was uns sonst noch alles erwartet!

Zu den Fotos...

Patricia & Markus, 08.03.2005

© pk&mk 03.01.2006