Velotour Südafrika - Namibia

Reisebericht vom 10.02. - 22.02.2005

Zürich - Bremerhaven - Tilbury - Santa Cruz - Las Palmas

bepackte Velos Containerhafen Schlepper Kalahari Markus und Patricia

Vor 12 Tagen starteten wir unsere 4-monatige Reise Richtung Südafrika & Namibia! Unterdessen ist etwa die Hälfte der Frachtschiffreise von Bremerhaven nach Cape Town zurückgelegt & wir befinden uns auf einem 24-stündigen Zwischenhalt im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria.

Mit der Abschiedsparty vom Samstag 05.02.2005 ist unsere Reise so richtig lanciert. Die verbleibenden knapp 5 arbeitsfreien Tage sind voll ausgelastet mit Wohnung putzen, Homepage fertig vorbereiten, Packen, Velos mechen und nicht zuletzt auch mit Party-Resten aufessen (viele feine & süsse Sachen!) & Bierfass leertrinken (dieses war am Samstagabend nämlich entgegen anderslautenden Meinungen doch nicht leer!).

Am Donnerstag 10.02. um 17:00 ist dann alles rechtzeitig erledigt & bereit: 51kg Gepäck + 2 Velos + 1 Bob-Yak-Anhänger! Bis zum Start in Cape Town wird sich dieses Gewicht hoffentlich noch senken: Die letzten Party-Resten werden vertilgt sein & einige der wärmsten Kleider entsorgt oder in die Schweiz zurückgeschickt (dafür kommen dann jeweils einige Liter Wasser dazu...).

Kurz vor unserer Abreise in Zürich wird der Schiffsfahrplan nochmals aktualisiert: Statt wie ursprünglich geplant am 12.02. soll die 'Kalahari' nun erst am 14.02. aus Bremerhaven auslaufen.

Per Velo gehts um 19:30 los Richtung Zürich Hauptbahnhof. Velos & Gepäck können im City Night Line problemlos verstaut werden & am nächsten Morgen kommen wir um 07:00 ausgeschlafen in Bremen an. Als Erstes beziehen wird dort das bereits von zu Hause aus gebuchte Hotel. In den folgenden 2 Tagen erkunden wir Bremen hauptsächlich zu Fuss. In einem Outdoor- & einem Veloladen kaufen wir die letzten Ausrüstungsgegenstände für unsere Reise & besuchen die zufälligerweise an diesem Wochenende stattfindende grosse Fahrradmesse 'Fahrrad.Markt.Zukunft'. Dort üben wir uns u.a. im Liegevelofahren (was nach einigen Startschwierigkeiten schliesslich auch Markus gelingt), unterhalten uns mit einem Aussteller über seinen MSR-Benzinreinigungsfilter, welcher er uns kurzerhand schenkt, nachdem er realisiert, dass wir am nächsten Tag unsere Reise starten & stocken bei einem Wettbewerb unsere Vorräte an Ersatzschläuchen auf. Per E-Mail & Hotelfax kommunizieren wir nochmals mit der SGV, Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee, über welche wir unsere Frachtschiffreise buchten & erhalten den aktualisierten Fahrplan, gemäss welchem wir am Sonntag um 16:00 an Bord dürfen & am Montag 14.02. um 06:00 auslaufen werden.

Am Sonntag Morgen gehts per Zug nach Bremerhaven. Beim Besuch des Deutschen Schifffahrtsmuseums testen wir u.a. auf der Modellanlage unsere eigenen Fähigkeiten als Kapitän (was nicht sehr vielversprechend endet). Ausgerüstet mit Kappe, Handschuhen, Regenhose & Regenjacke machen wir uns dann auf den Weg zum 'Columbus-Bahnhof'. Um 15:30 erfahren wir dort, dass die Kalahari auf Grund des starken Sturmes noch nicht einlaufen konnte. Gegen 18:00 sollten wir jedoch an Bord können (was sich dann nochmals um ca. 1 Stunde verzögert). Auf der Besucherplattform des Columbus-Bahnhofs wird es bald empfindlich kühl, draussen regnet & schneit es & das einzige sich in der Nähe befindliche Restaurant ist unterdessen geschlossen. So frieren wir halt vor uns hin bis sich ein Hafenarbeiter uns erbarmt & uns einerseits den Weg zum Container-Terminal erklärt & uns andererseits auf die 'Seemannskoje' hinweist, ein Lokal für die Schiffscrews, welches von der deutschen Seefahrtsmission geführt wird. Dort wärmen wir uns bei einem Gratis-Kaffee nochmals kurz auf & machen uns dann per Velo auf den Weg zum Gate 1 des Container Terminals. Von dort dürfen wir leider nicht mehr mit dem Velo weiter, sondern müssen mit dem gesamten Gepäck in einen Shuttlebus zu einem mürrischen Fahrer einsteigen, welcher uns dann kurz nach 19:00 vor 'unserer' Kalahari ablädt. Kaum haben wir alles Gepäck in unserer Kabine & die Velos in einer Vorratskammer verstaut, werden wir auch bereits zum Nachtessen in die Offiziersmesse eingeladen.

Am nächsten Morgen, Montag 14.02. um 09:15 verlassen wir den Hafen & starten zur voraussichtlich 16-tägigen Überfahrt nach Cape Town, Südafrika! Entgegen dem ursprünglichen Fahrplan steuern wir Richtung Tilbury: Weil in den Tagen zuvor Sturm herrschte & der Hafen zudem überfüllt war, wurde Tilbury nicht wie gewohnt vor, sondern eben erst nach Bremerhaven angelaufen. Am frühen Dienstag Morgen legen wir in Tilbury an & verlassen den Hafen ca. 36 Stunden später wieder. Wir zwei entscheiden uns, diese Gelegenheit zu nutzen & einige Stunden in London zu verbringen. Per Taxi & Zug fahren wir in die Stadt & machen dort bei Sonnenschein, aber kalten Temperaturen, Sightseeing. Erst am späteren Abend kehren wir aufs Schiff zurück.

Santa Cruz auf Teneriffa erreichen wir am Sonntag Morgen 20.02. Den nur 8-stündigen Aufenthalt nutzen wir für eine kurze Entdeckungsreise von Santa Cruz & Umgebung per Velo. Weiter gehts anschliessend nach Las Palmas auf Gran Canaria. Weil der dortige Hafen überfüllt ist, dümpeln wir während 22 Stunden in einem 5x5Nm grossen Gebiet in Sichtweite des Hafens. Wir lassen uns von Wind & Wellen treiben & stellen mit dem Motor hin & wieder sicher, dass wir den uns zugewiesenen Bereich nicht verlassen. Am Montag Abend können wir schliesslich doch noch einlaufen, momentan wird das Schiff gelöscht (es brennt nicht, aber so nennt man in der Seemannssprache den Vorgang des Entladens & Ladens ;-) ) & heute Abend sollten wir zur Nonstop-Fahrt nach Cape Town starten!

Das Schiffsleben gefällt uns ausgezeichnet & wir können uns nicht vorstellen, dass man auf einem Kreuzfahrtschiff einen besseren Service geniesst! Der Bericht über unseren Schiffsalltag folgt an dieser Stelle voraussichtlich aus Cape Town, wo wir gemäss aktuellem Fahrplan am 02. oder 03. März anlegen sollten (allerdings warnte uns der Captain bereits, dass man auf Grund von Sturm & übervollem Hafen schon mal einige Tage vor Cape Town ankern müsse...!)

Zu den Fotos...

Patricia & Markus, 22.02.2005

© pk&mk 03.01.2006