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Veloreise AustralienReisebericht vom 01.05. - 24.05.2008Von Alice Springs nach Darwin: Vom Red Centre zum Top End, von der Wüste in die Tropen |
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Route:
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english: Nach fünf Tagen Erholung in Alice zieht es uns wieder auf die Velos & am 01.05.2008 fahren wir los. Wir spuren auf den Stuart Highway ein & verlassen diesen erst 1'200km später in Katherine wieder! Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir mit ca. 700müM den höchsten Punkt des gesamten Stuart Highways überhaupt, von nun an gehts also nur noch bergab. Na ja, einige Hügel gilt es weiterhin zu überwinden, aber netto vernichten wir doch täglich einige Höhenmeter. Der Wind weht tagsüber meistens ziemlich stark, hauptsächlich aus Osten: Für uns, die wir primär nordwärts fahren, heisst das oft Seiten-, ab & zu aber auch Rücken- oder Gegenwind. Wir kommen jedenfalls gut vorwärts. Mehrmals weisen Strassenschilder schon von Weitem auf die nächste Touristenattraktion hin: 'Historical Marker, 5km', 'World War II Heritage Site, 10km', 'XY Memorial, 5km' usw. Was nach viel tönt entpuppt sich meistens als nicht sehr spektakulär: Ein gepflastertes Monument mit einer Bronzeinschrift, einige Ruinen, ein paar alte Telegrafenstangen. Die Geschichten dahinter sind aber doch jedes Mal beeindruckend & wir staunen immer wieder, wie jung die moderne Geschichte Australiens ist. Hier nur eine ganz kurze Übersicht: 1770 erkundete der Engländer James Cook die Ostküste, 1788 entsendete England einen Sträflingstransport in Richtung heutiges Sydney & begann damit die Kolonialisierung dieses bis dahin einzig von den eingeborenen Aborigines besiedelten Kontinents. In den Folgejahren wurden über 100'000 Sträflinge nach Australien deportiert, welche nach ihrer Freilassung meist als Siedler vor Ort blieben. Zwischen 1824 & 1836 wurden die Städte Brisbane, Perth, Melbourne & Adelaide gegründet & erst 1862 gelang John McDouall Stuart bei seinem dritten Versuch eine erfolgreiche Süd-Nord Durchquerung des Kontinents (& v.a. kam er auch wieder lebend von Nord nach Süd zurück). Bereits 10 Jahre später konnte die im letzten Bericht erwähnte Telegrafenleitung zwischen Sydney & Darwin (resp. England) in Betrieb genommen werden! Australiens Geschichte ist jung & so werden auch Dinge als historisch gepriesen, die es gemäss unserem europäischen Verständnis noch gar nicht sind. Auch auf diesem Teils des Stuart Highways gibt es in unregelmässigen Abständen ein Roadhouse, bestehend aus Tankstelle, Restaurant/Pub, Campground (manchmal sogar bewässert & mit grünem Rasen!), einigen Cabins oder Motelzimmern & evt. einem kleinen Shop mit ein paar Konservendosen & Getränken. Frischwaren sind kaum erhältlich & so werden auch unsere Nachtessen weniger abwechslungsreich; Pasta mit Pulversauce wird schon fast zum Standard. Wir übernachten entweder bei einem Roadhouse, irgendwo im Gebüsch oder bei einer der offiziellen Rest Areas. Diese Rest Areas bieten meistens einen Tisch & Bänke, oft einen Wassertank & wenn's hoch kommt sogar ein Plumpsklo. Viele Roadhouses sind in gutem Zustand & die Besitzer geben sich Mühe, den vorbeireisenden Touristen etwas zu bieten: In Banka Banka sitzen alle Campinggäste zu einem Sunsetbier & zum Austausch von Reisetipps zusammen, anschliessend findet die allabendliche Diashow über die Geschichte dieser Cattle Station statt. Oder zumindest würde stattfinden, denn gerade heute ist leider die Glühbirne des Projektors kaputt... Dem Pub von Daly Waters eilt sein legendärer Ruf ebenfalls schon weit voraus & so sind auch dessen Campground sowie das Pub abends gut besetzt. Ein paar wenige Roadhouses sind allerdings nur noch ein Loch & man tut besser daran, dort nicht zu übernachten. Barrow Creek ist leider ein solches Beispiel. Nur hartgesottene Velofahrer lassen sich von den beinahe gefauchten Worten der Besitzerin 'but we only have cold showers!' nicht abschrecken. Auch in Elliott werden wir nicht gerade freundlich empfangen, als wir am Vormittag nach einer Buschnacht einradeln. Nein, die Duschen stünden nur den Campinggästen zur Verfügung & selbst gegen Bezahlung wird es uns nicht erlaubt, diese kurz zu benutzen. Äusserst positiv in Erinnerung bleibt uns hingegen Wycliffe Well, 'the U.F.O. capital of Australia' (so zumindest dessen Eigenwerbung). Auf unsere scherzhaft gemeinte Frage, wann denn das letzte UFO gelandet sei, versichert uns die Campinglady mit todernster Miene, dass gerade letzte Nacht wieder eines gesichtet worden sei. Ob sie wirklich daran glaubt oder ob sie nur eine gute Schauspielerin ist, wissen wir bis heute nicht. Ihr Mann spricht dann immerhin nur noch von 'unerklärlichen Lichterscheinungen', welche angeblich sogar schon die australische Armee auf den Plan gerufen haben. Jedenfalls ist der ganze Camping sehr detailversessen gestaltet, die Sanitäranlagen beispielsweise sind unterteilt in 'Maliens' resp. 'Femaliens' & überall stehen Ausserirdische rum oder entsprechende Graffitis schmücken die Bauten. Am nächsten Vormittag verkürzen wir uns die Wartezeit bis zur nächsten UFO Landung mit grossem Velounterhalt: Die ganzen Bikes, insbesondere Ketten, Ritzel & Umwerfer, werden sauber gereinigt & von Staub, Sand & Ölrückständen befreit. Zudem nehmen wir eine Pneurotation vor (Patricias Vorder- wird mit Markus Hinterpneu getauscht etc.), um so deren Lebensdauer hoffentlich bis Perth zu verlängern. Leider entdecken wir bei diesen Arbeiten in Markus erst in Melbourne ersetzter Hinterradfelge bei fast jeder zweiten Speiche feine Risse. Der Mereenie Loop scheint also doch seinen Tribut gefordert zu haben, resp. in Melbourne wurde uns ein schlechtes Produkt verkauft... Bis Katherine fahren wir aber sowieso nur auf befestigten Strassen & dies macht die Felge problemlos mit. UFOs haben wir in Wycliffe Well übrigens keine gesichtet. Aber, & dies ist wirklich wahr, wir haben in der Nacht genau vor sowie derjenigen nach Wycliffe Well ein für uns unerklärliches & noch nie gesehenes Licht gesehen. Dieses bewegte sich relativ langsam knapp über & parallel zum Horizont, leuchtete stark & schien langsam zu verglühen. Für uns sah es zumindest gar nicht wie eine Sternschnuppe aus, die sind normalerweise schwächer & fliegen schneller. Mögliche Erklärungen dazu nehmen wir gerne entgegen ;-)! Kurz nach Wycliffe Well erreichen wir die Devils Marbles, den fast einzigen offiziellen Tourispot zwischen Alice & Katherine. Rote Granitfelsen, während Jahrtausenden von der Verwitterung zu rundlichen Blöcken geformt, liegen hier in spektakulärer Anordnung auf- & nebeneinander. Man staunt, wie die Statik scheinbar ausser Kraft gesetzt wird & die Blöcke in diesen labilen Positionen liegen bleiben. Insbesondere die Abend- & Morgensonne produziert hier wunderschöne, kräftige Farben. Erstmals in Australien übernachten wir nur mit Mätteli & Schlafsack unter dem klaren & von keinem künstlichen Licht gestörten Sternenhimmel & bewundern einmal mehr die deutliche Milky Way, das Southern Cross & weitere Sternbilder der südlichen Hemisphäre! Bald darauf passieren wir das Three Ways Roadhouse, wo der Barkly Highway aus Queensland in den Stuart Highway mündet. Ab hier ist der Verkehr auf dem Stuart Highway gleich etwa doppelt so stark wie bisher, aber auch so bleibt er ziemlich angenehm: Während unserer Stunden im Sattel begegnen wir pro Tag ca. 200 Fahrzeugen (d.h. etwa 100 in jede Richtung), wovon etwa 20-30 Roadtrains sind. Stark zugenommen hat insbesondere der Anteil der Caravans & Campervans. Juni bis August gelten in Australiens Norden als Hauptreisezeit & diese zieht eine auf dem ganzen Kontinent stark verbreitete Spezies an, die 'Grey Nomads'. Bei diesen grauen Nomaden handelt es sich um pensionierte Australier, welche oft ihr Haus verkauft haben & nun im Wohnwagen oder Wohnmobil, einige zusätzlich mit dem 'kleinen' 4x4 im Schlepptau(!), auf unbestimmte Zeit durchs Land reisen. Man sagt ihnen auch nach, sie lebten nach dem Motto 'SKIN': spend your kids inheritance now!' ;-).
Nachdem wir in den ersten gut drei Monaten unserer Veloreise noch keinen einzigen Langzeitvelofahrer getroffen haben (von mehreren Autofahrern hörten wir allerdings, dass südlich Alice Springs zwei Schweden (oder warens wohl doch Schweizer?) ein paar Tage hinter uns unterwegs waren; wir haben uns aber nie getroffen) ergeben sich in den nächsten paar Tagen gleich mehrere Begegnungen: Während wir heute mit Rückenwind nordwärts düsen, kämpft Tim gegen den Wind. Vor etwa 20 Monaten startete er in seiner Heimat England & ist nun nicht mehr weit von seinem Ziel Sydney entfernt. Am Strassenrand fachsimpeln wir über unsere jeweiligen Touren & tauschen Infos über die bevorstehenden Strecken aus, bevor jeder wieder seinen Weg geht.
Die Landschaft ist seit Alice weiterhin ziemlich trocken, lockeres Spinifex Gras, Mulga Sträucher & einige Akazien prägen das Bild. Der Blick ist mal offen & lässt das Auge in die Ferne schweifen, dann aber wieder wachsen Büsche nahe am Strassenrand & man sieht kaum weiter als 20 Meter. Der Stuart Highway ist hier definitiv direkter angelegt als weiter südlich, kilometerlange Geraden (die längste beträgt etwa 45km) sind typisch für diesen Strassenabschnitt. Plötzlich ändert sich die Landschaft radikal: Ca. 700km nördlich des Tropic of Capricorn (knapp nördlich von Alice haben wir diesen passiert; dort beginnen vereinfacht gesagt die Tropen) kann man die Veränderung in der Vegetation deutlich sehen: Der Boden ist nun plötzlich flächendeckend mit Mitchell Gras bedeckt, die Bäume werden grösser & zahlreiche Creeks sind noch mit Wasser gefüllt. Auch die Luftfeuchtigkeit steigt an: Obwohl sich die Temperaturen seit Alice dauernd zwischen 30-34°C bewegen, beginnen wir erst jetzt spürbar zu schwitzen & am Morgen ist unser Zelt vom Kondenswasser feucht. Wir sind definitiv in den Tropen angelangt! Dies bringt aber auch angenehme Seiten mit sich: In Mataranka fliesst das Wasser aus einer 34°C warmen Quelle in einen idyllischen Monsoon Forest & in Katherine ist eine andere Quelle immerhin noch 32°C warm. Beide laden zum Baden & zum Entspannen ein. Mit der Ankunft in Katherine am 13.05.2008 haben wir ein weiteres Zwischenziel unserer Velotour erreicht. Die Tropen machen sich übrigens nicht nur mit veränderter Flora, sondern auch veränderter Fauna bemerkbar: Abends werden wir seit Längerem wieder von Mücken belästigt, daran können auch die ebenfalls neu aufgetauchten Amphibien nichts ändern. Auf den Campingplätzen & Strassen hüpfen alle Arten von Fröschen & Kröten rum oder liegen flach & ausgetrocknet in der Sonne: Vom kaum 1cm grossen Fröschlein bis zur riesigen Cane Toad, welche auf Grund ihrer epidemie-artigen Ausbreitung auch als 'Alien des Northern Territory' bezeichnet wird. Wir machen uns auch auf die Suche nach dem grünen WC-Frosch, den unsere Kollegen Monika & Loisi vor fünf Jahren in Elliott vermuteten & in Daly Waters fanden. Unterdessen ist er weitergewandert & lebt aktuell in einem WC in Dunmarra. Dort hockt er unter der WC-Brille, nimmt nach jedem Spülen ein ausgiebiges Bad & klettert dann erneut unter die Brille. Wir sind gespannt, wie weit ihn sein Leben in der australischen Kanalisation noch bringt ;-). Der Abschnitt von Alice nach Katherine wies definitiv weniger landschaftliche Highlights auf als unsere bisherigen Teilstücke. Dennoch genossen wir es sehr, auch hier per Velo unterwegs zu sein. Die Gegend war zwar nicht sehr abwechslungsreich, dennoch empfanden wir sie abgesehen von etwa zwei Tagen kaum je als langweilig. Mit unserem langsamen Reisetempo gibt es am Strassenrand immer was zu entdecken: Tausende zum Teil riesige Termitenhügel, welche auf den ersten Blick wie Grabsteine auf einem Friedhof aussehen; eine Schlange, die knapp vor uns über die Strasse schlängelt & vom entgegenkommenden Fahrzeug beinahe überfahren wird; kleine Echsen, die auch wir erst im letzten Moment entdecken & denen wir noch knapp ausweichen können; Red-tailed Black Cockatoos, die auf den Bäumen am Strassenrand sitzen & insbesondere dadurch auf sich aufmerksam machen, dass sie laut schreiend vor uns davonfliegen; schöne Blumen, Bäume & Sträucher; ein Creek, in welchem eine letzte Pfütze an die zu Ende gehende Wet Season erinnert; ein Sumpfgebiet, in welchem mehrere Reiher auf Fischjagd sind. Es gibt wohl auch kaum ein besseres Reisemittel als das Velo, um sich der riesigen Distanzen in Australien wirklich bewusst zu werden. Von Alice Springs bis Katherine haben wir knapp 1'200km zurückgelegt & haben dabei nicht viel mehr Zeichen der Zivilisation gesehen als zwei Dörfer & etwa 10 Roadhouses. Mit derselben Anzahl Strassenkilometer reist man in unserer Heimat z.B. von Zürich nach Berlin, notabene mit einem Abstecher via Bremen! Ein anderer beeindruckender Grössenvergleich zeigt Folgendes: Mehr oder weniger ganz Europa, von Griechenland bis Schottland, von Portugal bis zur Ukraine, füllt nicht mal den ganzen Kontinent Australien (siehe Abbildung hier)! Die Distanzen sind gigantisch & das 'lot of nothing' beeindruckend: Oder wer kann sich vorstellen, mit einer Karte im Massstab 1:3Mio. von Zürich via Bremen nach Berlin zu radeln, auf welcher die gesamte Strecke nur ca. 40cm lang ist? Exakt mit einer solchen Karte haben wir diesen Abschnitt zurückgelegt & wir hätten uns sogar ohne Karte nicht verfahren können, da es schlichtweg kaum andere Strassen als den Stuart Highway gibt ;-). Trotz aller Lobeshymnen aufs Velo lassen wir dieses in Katherine zusammen mit Bob für 7 Tage stehen. Während dieser Zeit mieten wir uns einen PW & erkunden das sogenannte australische 'Top End' ausnahmsweise autofahrend statt radelnd. Als Erstes gehts in den Kakadu Nationalpark. Dieser ist besonders für seinen Aboriginal Hintergrund sowie seine reiche Tierwelt bekannt: Fresh- & Saltwater Crocodiles, zahlreiche Fische, Unmengen von Vogelarten, Lizards sowie auch zahlreiche kleinere Säugetiere leben hier. Hier kennt man nicht vier sondern sechs Jahreszeiten, welche grundsätzlich in eine Wet Season (Okt-Apr) & eine Dry Season (Mai-Sep) zusammengefasst werden können. Ein eindrücklicher Film im Bowali Visitor Centre gibt uns einen Eindruck dieser sechs Jahreszeiten. Während der Wet Season stehen im Kakadu ganze Landstriche metertief unter Wasser, während sie anschliessend im Laufe der Dry Season wieder komplett austrocknen. Auf Grund des noch nahen Endes der Wet Season sind z.Z. noch etliche Strassen für den Verkehr gesperrt. Trotzdem gibt es auch jetzt viel zu sehen. Zahlreiche Felsmalereien zeugen davon, dass sich Aborigines schon seit Jahrtausenden mit diesen extremen Klimabedingungen arrangiert haben. Beim Ubirr geniessen wir einen eindrücklichen Blick über das Gebiet des South Alligator River; einmal mehr können wir es nicht lassen, unseren Kocher & unser Abendessen auf einen kurzen Walk mitzunehmen & beim Sonnenuntergang feine Bikerpasta zu kochen, während anderen Touris nur ein neidischer & hungriger Blick auf uns bleibt ;-). An einem Morgen nehmen wir an einem sehr empfehlenswerten Morning Cruise auf dem Yellow Water teil. Unsere Bootsführerin ist Halbaborigine & weitgehend nach Aboriginal Kultur aufgewachsen. Sie hat ein immenses Wissen über die Natur & Kultur im Kakadu Nationalpark & weiss dieses bestens an die Teilnehmer weiterzugeben. Getrübt wird unser Wohlbefinden im Kakadu einzig durch die Heerscharen von Mücken, welche uns von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang angreifen. Kaum ist man aus dem Zelt, schwirren sie um einen rum, auf dem WC sitzend sieht man überall nur Mücken & jeder Arm oder Fuss, der nicht gerade unter dem Wasserstrahl der Dusche versteckt ist, ist potenzielles Ziel einer Mückenattacke. Seit dem Oodnadatta Track hatten wir immer wieder Tage mit unzähligen Fliegen, etwa zwei Tage lang fuhr Patricia sogar mit Fliegennetz. Diese Fliegen können zwar sehr eklig sein, fliegen sie doch mit Vorliebe in die Augen, Nasenlöcher, Ohren oder den Mund, aber immerhin stechen sie einen nicht. Die Mücken hingegen sind definitiv viel ärgerlicher & sie hinterlassen mit ihren Stichen auch viel bleibendere Erinnerungen... Doch zurück zu den Aborigines: Der weiter oben beschriebene unvollständige historische Abriss Australiens umfasste nur die Zeit seit der Entdeckung des Kontinents durch die Europäer. Aborigines hingegen leben seit mindestens 40'000 Jahren auf diesem Kontinent & haben dabei eine sehr naturnahe & im positiven Sinne 'nachhaltige' Lebensform entwickelt. Sie wussten mit den oft lebensfeindlichen Naturextremen auszukommen, trotzten beispielsweise der Hitze & Trockenheit im Landesinnern gleichsam wie der Regenzeit im Norden. Die Natur lieferte ihnen Nahrung & Medizin, wobei sie immer darauf achteten, nur soviel zu nehmen wie gerade notwendig war, um so das Gleichgewicht der Natur intakt zu halten. Dieses harmonische Leben zwischen Menschen, Tieren & Pflanzen wurde durch die Ankunft der europäischen Siedler jäh gestört & mit Sicherheit wurde den Aborigines in den folgenden zwei Jahrhunderten auch viel Unrecht getan. Heute kann der Reisende an verschiedenen Orten auf Informationstafeln oder in Cultural Centres mehr über die Kultur der Aborigines erfahren ('DEN Aboriginal' gibts im Übrigen gar nicht. Die Aborigines lebten meist in kleineren Tribes ziemlich lokal & es existierten über 200 verschiedene Sprachen). Uns fällt es aber weiterhin schwer zu erkennen, wie die Aborigines heute leben. Die Trennung zwischen indigener & europäischer Abstammung ist sehr deutlich, eine Durchmischung findet selten statt. Viele Aborigines leben in sogenannten Communities, Dörfern, die abseits der Hauptrouten liegen, auf Karten oft nicht mal eingezeichnet sind & deren Zufahrt für Weisse teilweise untersagt ist. Was man als Reisender öfters sieht sind diejenigen Aborigines, welche in Städten oder Dörfern auf der Strasse leben oder auf dem Trottoir vor Einkaufszentren sitzen. Diese scheinen weder in der traditionellen noch in der modernen Lebensform Halt zu finden, Alkohol wurde in der Vergangenheit zum grossen Problem. Eine Studie deckte 2004 riesige Missstände sowie Missbrauch von Kindern in den Communities auf. Seither wurde das Alkoholgesetz stark erweitert, der Verkauf von Alkohol wird stärker kontrolliert, in gewissen Regionen untersagt das Gesetz sogar explizit dessen Verkauf an Aborigines & an vielen Orten darf Alkohol in der Öffentlichkeit nicht mehr konsumiert werden. Soweit wir hören, hat sich die Situation bzgl. Alkoholkonsum in den letzten paar Jahren deutlich gebessert, dennoch scheint es für Australien auch für die Zukunft eine der grossen sozialen Herausforderungen zu sein, die weisse mit der Aboriginalkultur in Einklang zu bringen. Wir empfinden es jeweils als Hoffnungsschimmer für eine bessere Zukunft, wenn wir eine Aborigineperson antreffen, die den mit Bestimmtheit schwierigen Spagat zwischen den beiden Kulturen geschafft hat. Mehrere Nationalparks werden seit einigen Jahren ebenfalls in diesem Sinne gemanagt, deren Board besteht sowohl aus Weissen als auch aus Aborigines & seit Jahrtausenden gültige Grundsätze der Landbewirtschaftung, welche nach der Ankunft der Europäer vergessen wurden, werden heute erneut gelebt: So treffen auch wir im Kakadu zahlreiche kleine Buschfeuer an. Mit diesem absichtlichen Patchwork Burning kurz nach der Wet Season sollen einerseits spätere grosse & unkontrollierbare Buschbrände verhindert werden, andererseits werden dem Boden notwendige Nährstoffe in Form von Asche zurückgegeben & die Diversität an Pflanzen wird gewährleistet. Nach dem Kakadu Nationalpark ziehen wir weiter in den kleineren Litchfield Nationalpark. Hier gibt es zahlreiche Wasserfälle & natürliche Pools zu geniessen, in welchen wir ausgiebig baden. Sofern sie denn auf Grund der noch nahen Wet Season, den daraus resultierenden hohen Wasserständen & somit der Gefahr von Saltwater Crocodiles nicht noch geschlossen sind. Wir sehen jedenfalls keine Crocs (abgesehen von den Freizeitschuhen an bleichen Touristenfüssen) sondern geniessen das reichlich vorhandene Wasser! Anschliessend verbringen wir zwei Nächte in Darwin, wo wir u.a. für Markus eine neue Hinterradfelge erstehen. Für Patricia gibts einen Coffee Plunger: Seit sie diesen am Kings Canyon in Eriks Reisegepäck entdeckt hat, träumt sie von einem solchen Utensil. & alle Versuche von Markus, ihr dies auszureden ('wir haben schon genug Gepäck'), blieben erfolglos. Der Kaffee ist aber definitiv erstklassig, das muss auch Markus zugeben & so haben wir beide Freude daran. In Katherine bleiben wir nochmals ein paar Tage. Wir besuchen u.a. die School of the Air, eine vom Staat unterstützte Schule, welche für Schüler in abgelegenen Gegenden computergestützten Unterricht offeriert. Eindrücklich & spannend, dass dadurch auch Kids auf entlegenen Cattle Stations oder in Aboriginal Communities die Chance haben, einen regulären Schulunterricht zu besuchen. Am Tag vor unserer Weiterreise unternehmen wir eine Tagesbiketour zur Katherine Gorge. Wir mieten ein Kanu, bewegen uns ausnahmsweise mal per Arm- statt Beinkraft vorwärts & geniessen die idyllische Schlucht. In wenigen Metern Distanz entdecken wir am Ufer sogar ein Freshie, ein normalerweise harmloses Freshwater Crocodile! Zum Schluss die aktualisierte Statistik:
Patricia & Markus, 24.05.2008 |
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| © pk&mk 03.01.2009 | |||