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Veloreise AustralienReisebericht vom 22.03. - 30.04.2008Von Adelaide nach Alice Springs: Den Spuren der europäischen Siedler & der Aborigines folgend ins Red Centre |
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english: Am Ostersamstag 22.03.2008 starten wir auf den nächsten Abschnitt unserer Reise. Nachdem wir bisher mehrheitlich in Küstennähe & durch relativ dicht besiedelte Regionen radelten (mit wenigen Ausnahmen konnten wir täglich einkaufen & die Campingplätze lagen höchstens in Tagesdistanz voneinander entfernt), gehts nun ins Herz von Australien, ins Outback, dort wo die Distanzen noch viel grösser, die Bevölkerungsdichte viel dünner & die Temperaturen normalerweise viel höher liegen! Apropos Bevölkerungsdichte: Australien zählt insgesamt rund 21 Mio Einwohner. Von denen leben ca. 4.2 Mio im Grossraum Sydney, 3.8 Mio in Melbourne & 1.2 Mio in Adelaide. Wenn man noch die von uns bereits durchfahrenen Küstenregionen mitberücksichtigt bedeutet dies, dass wir bereits etwa jeden zweiten Australier gesehen haben! & wenn man jetzt noch die restlichen grösseren Städte abzieht (Brisbane, Perth,...) bleiben nicht mehr viele Einwohner übrig, die irgendwo im riesigen Outback heimisch sind. Als wir südlich von Adelaide einige der im letzten Bericht erwähnten Hitzetage erlebten, gerieten unsere Pläne allerdings kurz ins Stocken. Bei dieser brutalen Hitze velofahren ist zwar anstrengend, aber wenn abends was Kühles zum Trinken & eine Dusche zu erwarten sind, ist das erträglich. Aber wie soll das gehen, wenn wir Wasservorräte für 2-3 Tage mitschleppen müssen & ausser einem feuchten Waschlappen nichts haben, um uns abends zu waschen? Von den Australiern selber kamen verschiedene Stimmen: Die einen sagten es sei unmöglich, mit dem Velo durchs Outback zu radeln, viel zu heiss & zu grosse Distanzen, andere (zum Glück die Mehrheit) waren ob unseren Plänen begeistert, sprachen uns Mut zu & gaben Tipps. In Adelaide versuchen wir von verschiedenen Institutionen Informationen zu unserer geplanten Route, insbesondere zum Oodnadatta Track, zu erhalten, mit enttäuschenden Resultaten: Beim Automobilclub deckt man uns mit so nützlichen Tipps ein wie 'Bleiben Sie im Falle einer Panne immer bei Ihrem Wagen', 'Graben Sie unter ihrem Auto ein Loch & lagern Sie dort Ihre Wasservorräte' oder ganz einfach 'Nehmen Sie pro Person mindestens 10l Wasserreserve mit'... Bei Bike SA, sozusagen der IG Velo von South Australia, sollten wir besser dem Zielpublikum entsprechen, aber die Lady dort ist eine einzige Enttäuschung: 'Oodnadatta Track per Bike? Viel zu gefährlich & in dieser Jahreszeit viel zu heiss. Da kann man nicht alle 20km Wasser kaufen!'. Danke, das wissen wir & deshalb suchen wir ja nach verlässlichen Infos! Die besten Unterlagen inklusive nützlicher velospezifischer Homepage erhalten wir schliesslich von der Touri Info. Der Wetterbericht sagt zudem kühlere Temperaturen voraus & so entscheiden wir: Wir wagen es! Vor dem Start in Adelaide dürfen wir auf Mary & Davids Personenwaage unser definitives Reisegepäck wägen: Unsere 4 Saccochen, 2 Lenkertaschen, Bob Sack sowie 2 Packsäcke bringen 57kg auf die Waage, dies inklusive einem durchschnittlichen Essensvorrat für 2-3 Tage. Hinzu kommen jeweils die Wasservorräte, welche zwischen 8l (wenn wir abends einen Camping o.ä. erwarten) & knapp 30l variieren (wenn wir 'wilde' Nächte vor uns haben). Die ersten paar Tage nördlich von Adelaide sind harmlos. Leicht coupiert fahren wir durch Landschaften mit riesigen, z.Z. goldgelb trocken leuchtenden, geernteten Getreidefeldern. Später im Clare Valley durch Weinanbaugebiete & hier werden wir auf einem Camping von unseren australischen Nachbarn auch gleich wieder mal zu einem Barbie eingeladen. Etwa 300km nördlich von Adelaide, in der Nähe des Mt Remarkable Nationalparks, ändert sich die Landschaft innert Kürze markant: Der dominierende Farbton ist nun plötzlich rotbraun, die Vegetation reduziert sich auf trockene Gräser oder einzelne Büsche, vorwiegend ist der Boden aber nur noch von Erde, Sand & Kies bedeckt & die Topographie ist weitgehend flach. Die Tierwelt bleibt aber auch hier beeindruckend: Immer mal wieder nimmt ein Känguruh vor uns reissaus (nachdem es regungslos zugeschaut hat, wie mehrere Autos in wenigen Metern Distanz an ihm vorbeigedüst sind), Emus flüchten, ganze Schafherden spurten bereits davon, wenn wir ganz unschuldig 50m neben ihrem schattenspendenden Baum vorbeiradeln oder riesige Schwärme von Corellas fliegen in dynamisch pulsierenden Flugformationen davon. Öfters sehen wir auch wedge-tailed Eagles, welche sich am Strassenrand am zahlreich vorhandenen Roadkill gütlich tun & ebenfalls bereits davonfliegen, wenn wir noch weit entfernt sind. Die hiesige Fauna ist Velofahrer definitiv nicht gewohnt! Die Temperaturen werden von Tag zu Tag kühler. Tagsüber herrschen Maxima von 21°C, in der Nacht kühlt es aber regelmässig auf 5°C ab! Brrr, da fällt es einem nicht grad leicht am Morgen aus dem warmen Schlafsack zu schlüpfen & das Zelt zu verlassen! Auch die Tevas wärmen unsere nackten Füsse beim Velostart nicht wirklich. Bei Hawker verlassen wir die direkte Strasse Richtung Norden & zweigen in den Flinders Ranges Nationalpark ab. Sowohl bei der Anfahrt als auch im Nationalpark selber wimmelt es nur so von Känguruhs. Manchmal liefern wir uns mit denen regelrechte Rennen, denn primär hüpfen die Känguruhs jeweils dem Zaun entlang, der in einiger Entfernung parallel zur Strasse führt. Meist ist dies dieselbe Richtung wie wir radeln & in etwa ähnlicher Geschwindigkeit. Dooiing, dooiing, dooiing. Erst nach einiger Zeit realisieren sie, dass sie uns so schnell nicht abschütteln können. Also wird schneller gehüpft – doing, doing, doing – oder die ganz Cleveren entscheiden sich, unter dem Zaun durchzuschlüpfen & im 90° Winkel zur Strasse davon zu hüpfen. Dasselbe Verhalten zeigen auch die Emus, mit dem einzigen Unterschied, dass diese nicht hüpfen, sondern mehr oder weniger elegant rennen. In Wilpena grast ein Känguruh hingegen unter demselben Tisch, auf welchem wir mangels bequemeren Sitzgelegenheiten sitzen, um unser Znacht einzunehmen. Obwohl die Landschaft hier im Groben gesehen sehr flach ist, ist sie im Detail doch alles andere als eben: Immer wieder werden kleine ausnahmslos ausgetrocknete Bachbette, sogenannte Creeks, gekreuzt, wobei es jeweils einige wenige Höhenmeter zu bewältigen gibt. So fahren wir gleich am Morgen durch den 'Breakfast Time Creek', machen Mittagsrast beim 'Eating House Creek', geniessen die letzten Kilometer bei der Überquerung des 'Sunset Creek' & übernachten schliesslich am 'Paradise Creek'. (Diese Creeks haben wir effektiv alle gekreuzt, zugegebenermassen aber nicht innerhalb eines Tages). Nicht alle Creeks tragen allerdings so klangvolle Namen, einmal treffen wir auch ganz einfach auf den 'No Name Creek'. Im Flinders Ranges Nationalpark gäbe es verschiedene Hiking Trails, da wir aber während Veloferien grundsätzlich fussfaul sind, fahren wir am nächsten Tag weiter. Ab Wilpena Pound beginnt unser erster richtiger Gravel Road Abschnitt. Die Strasse soll allerdings in schlechter Verfassung sein & so entscheiden wir, die ersten Kilometer auf dem Mawson Trail zurückzulegen. Dies ist ein 900km langer Biketrail, der sich von der Fleurieu Peninsula im Süden Adelaides bis in die Flinders Ranges erstreckt. Landschaftlich ist die Strecke sehr schön, technisch aber nicht wirklich auf Tourenfahrer mit Gepäck & Trailer ausgelegt. Aber es ist machbar & wir erreichen wohlbehalten die offizielle Strasse. Diese führt uns durch die sehr attraktive (interessante Gebirgsfaltungen, schöne Gesteinsfarben) Brachina Gorge. Die Strasse hingegen ist weniger attraktiv, vermengen sich doch (ausgetrocknetes) Bachbett & Fahrstrasse immer wieder, wobei die Fahrbahnbeschaffenheit viel mehr an ein Bachbett denn an eine Strasse erinnert... Wir sind froh, als wir nach 60km pannenfrei die asphaltierte Strasse erreichen & auf dieser die letzten Kilometer bis Parachilna zurücklegen können. Der Besitzer des dortigen Restaurants, Hotels & Campingplatzes (& aus mehr besteht Parachilna auch nicht) ist zwar in diesem Nest geboren, sein Erscheinungsbild (gestylte Frisur, D&G Brille,...) erinnert aber viel mehr an seine in Italien verbrachten Jahre als ans harte Leben im australischen Outback. Egal, er ist sehr sympathisch & der Känguruh- & der Emu-Burger schmecken ausgezeichnet. Patricias Herz schlägt höher, als wir zufälligerweise gerade rechtzeitig die Zugsdurchfahrt erleben: Parachilna liegt nämlich an der Old Ghan Line, einer Bahnlinie, welche seit 1891 von Port Augusta nach Oodnadatta & seit 1929 nach Alice Springs führte. Auf dem Abschnitt Port Augusta – Leigh Creek, an welcher eben auch Parachilna liegt (resp. einer neuen Linie, welche weitgehend der alten folgt), verkehrt heute der Kohlenzug, der von der Braunkohlemine bei Leigh Creek nach Port Augusta fährt, wo die geförderte Kohlenmenge in elektrische Energie umgesetzt wird. Täglich ein Zug von 165 Wagen oder 2.85km Länge! Nicht gerade sehr umweltfreundlich, was hier verbrannt wird. Die Kohlenreserven sollen in der Leigh Creek Mine bis ca. 2025 aufgebraucht sein, was dann folgen soll konnte uns niemand sagen... Am nächsten Tag passieren wir Leigh Creek selber & wenig später beginnt das australische Outback definitiv: Von Lyndhurst bis Coober Pedy liegen 450km Gravel Road vor uns, unterwegs gibts gerade mal zwei kleine Ortschaften (Marree & William Creek); da muss auch die Versorgung mit Essen & insbesondere Wasser geplant sein. Wir haben zwar vorgängig vieles gecheckt, dabei allerdings übersehen, dass der eine Shop am Sonntag geschlossen hat (für Australien ziemlich unüblich) & der andere erst ein paar Stunden nach unserer Abreise die neue Wochenlieferung erhält & wir deshalb vor halbleeren Gestellen stehen, resp. sich die vorhandenen Artikel teilweise als Ladenhüter herausstellen: Der Philadelphia Käse beispielsweise ist seit etwa 2 Monaten abgelaufen... Egal, Self-Raising Flour & Bier sind erhältlich & so backen wir unser Beerbread halt selber! Ab Marree folgen wir dem Oodnadatta Track. Dies ist eine der ältesten von Süden Richtung Centre verlaufenden Routen. Ursprünglich folgte dieser einigen Wasserlöchern & Quellen in der ansonsten äusserst trockenen Wüste. Auch die oben erwähnte Old Ghan Line verlief weitgehend parallel zu diesem Track, ebenso die 1872 erstellte Telegrafenleitung von Sydney nach Darwin, welche via Tiefseekabel Australien dem Rest der Welt näherbrachte. Einige zur damaligen Zeit prosperierende Orte mit Railway Station, Restaurants, Pubs, Spital säumen heute noch als verlassene & zerfallene Mauerreste unseren Weg. Kurz nach Marree passieren wir den Dog Fence oder Dingo Zaun. Dieses etwa 5'500km lange Bauwerk (je nach Quelle sogar mehr als 9'000km) verläuft von der Ost- (Queensland) bis zur Südküste (Western Australia), trennt das Cattle (Nord) vom Sheep Country (Süd) & soll die Dingos daran hindern, in dieses Sheep Country vorzudringen. Tatsächlich entdecken wir wenige Kilometer später die ersten Dingos, diese scheinen dieses Prinzip also effektiv begriffen zu haben ;-). Die 207km von Marree bis William Creek wollen wir in zwei Tagen zurücklegen & nehmen auch entsprechend viel Wasser mit: Gesamthaft rund 20l, dies reicht für uns beide für 2 Tage & 1 Nacht. Nach einem halben Tag kommt jedoch immer mehr Wind auf, selbstverständlich von vorne. Bereits nach gut 90km schlagen wir unser Nachtlager auf & hoffen morgen auf besseren Wind. In dieser Nacht schlafen wir beide so tief wie noch nie: Wir befinden uns nämlich am Lake Eyre, einem ausgetrockneten Salzsee, dessen Oberfläche auf 12m UNTER Meereshöhe liegt! Der Wind rüttelt die ganze Nacht am Zelt & hat sich am Morgen weder gelegt noch seine Richtung geändert. Im Gegenteil, im Laufe des Tages wird er noch stärker. Wie wir später erfahren, handelte es sich bei diesem Wind um die Ausläufer eines Sturmes, der weiter südlich in Adelaide sogar einige Schäden anrichtete. Wir kämpfen dagegen an, erhalten motivierende Worte sowie zusätzliches Wasser von vier Schweizern, die per Auto von Nord nach Süd unterwegs sind & bereits vor ein paar hundert Kilometern von uns gehört hatten & machen Mittagsrast in Coward Springs. Auch dies ist eine ehemalige Railway Station, heute allerdings nur noch ein einfacher Campingplatz. Dort gibts eine Quelle, die noch heute aktiv ist & als 'Natural Spa' (nicht jedoch als Trinkwasser) gepriesen wird. Herrlich, da kurz nackig reinzuhüpfen, uns vom Wind trocknen zu lassen & dann weiterzuradeln! William Creek ist heute nicht mehr zu schaffen & so gibts 40km südlich davon eine weitere wilde Nacht. Am nächsten Tag hat sich der Wind glücklicherweise gelegt & in deutlich höherem Tempo gehts innert Kürze nach William Creek. Dieses Nest besteht aus einem Pub & Motel, zwei Campingplätzen, gut 10 Einwohnern, einigen Hunden sowie zwei pensionierten Arbeitspferden, die auf der Strasse vor dem Pub rumlungern & auf einige Essensresten hoffen. Im Pub essen wir Zmittag, verewigen uns wie Hunderte andere zuvor auf dessen Wänden & entscheiden uns, die Gunst des guten Windes zu nutzen & ohne eine Übernachtung in William Creek weiterzuradeln. Die nächsten 1.5 Tage laufen uns gut, die Gravel Road ist abgesehen von den ersten 30 & letzten 60km (d.h. die dazwischen liegenden 70km ;-) ) in ziemlich gutem Zustand & so treffen wir nach einer weiteren wilden Nacht wie ursprünglich gedacht am 04.04.2008 in Coober Pedy ein. Die Landschaft, die wir in den vergangenen fünf Tagen durchfuhren, kann definitiv als Desert bezeichnet werden: Streckenweise ist ausser Sand & Steinen wirklich nichts vorhanden, keine Gräser, keine Sträucher weit & breit, absolut karg. Genial! Ausser zwei Camels ganz zu Beginn sehen wir hier auch kaum Wildlife. Der motorisierte Verkehr hält sich ebenfalls sehr in Grenzen, das Minimum waren mal fünf Autos & zwei Lastwagen während eines ganzen Tages! Uns gefällts riesig, mit unserem Reisetempo haben wir auch Zeit, die kleinen Variationen in der Landschaft aufzunehmen & zu geniessen. Eintönig oder langweilig? Mitnichten, es ist eine der bisher schönsten Gegenden überhaupt! Wettermässig haben wir übrigens während der ganzen Zeit auf dem Oodnadatta Track optimale Bedingungen: Tagsüber herrschen 28-32°C, an der Sonne ists zwar einige Grad wärmer, aber mit diesen Temperaturen haben wir keinerlei Probleme. In Coober Pedy machen wir wieder mal einen Tag Pause, Wäsche wird gewaschen, Bikes geputzt, zwei auf der holprigen Schotterstrasse verlorene Schrauben werden ersetzt & selbstverständlich geniessen wir auch den Ort Coober Pedy. Hier wird angeblich weltweit am meisten Opal gefördert, was in unzähligen kleinen Minen resultiert, resp. besser sichtbar in unendlich vielen Schutthaufen, welche neben der Mine aus dem wertlosen Ausbruchmaterial aufgeschüttet sind. Die Bewohner von Coober Pedy stammen aus der ganzen Welt, oft etwas skurrile Typen, die hier ihr Glück versuchen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung wohnt im Untergrund in sogenannten Dugouts, auf natürlicher Basis bestens klimatisierte Höhlen. Ab Coober Pedy gehts auf dem Stuart Highway weiter Richtung Norden. Dies ist die Hauptverkehrsachse zwischen der australischen Süd- & Nordküste & ist seit gut 20 Jahren durchgängig asphaltiert. Auch wenn sich die Strasse Highway nennt, so hält sich der Verkehr darauf sehr in Grenzen. Ja, in unseren Augen ist es sogar eine der angenehmsten Strassen zum Velofahren überhaupt: Wir fahren meistens nebeneinander, die meisten Autofahrer überholen uns freundlich. Den Stuart Highway teilen wir uns auch mit den berüchtigten Roadtrains, vor denen wir im Vorfeld ebenfalls von vielen Touris & Einheimischen gewarnt wurden. Aber auch hier stellt sich heraus: Alles halb so schlimm! Wenn wir einen dieser mächtigen Trucks (LKW mit bis zu vier Anhängern, bis zu 19 Achsen & bis zu 54m lang) sich nähern hören oder sehen (Rückspiegel sei Dank!) fahren wir jeweils hintereinander. Die Driver sind durchwegs sehr freundlich & überholen uns wenn möglich auf der Gegenfahrbahn. Der resultierende Windstoss fühlt sich zwar teilweise wie eine Ohrfeige an, aber darauf sind wir gefasst & halten den Lenker entsprechend fest in den Händen. Auf Grund der vielen Stories im Vorfeld haben wir uns die Roadtrains sogar noch grösser & schlimmer vorgestellt & sind deshalb positiv überrascht, dass wir uns gegenseitig so gut vertragen. Solange wir den Roadtrains zuwinken & von ihnen ein freundliches Hupen oder Lichtzeichen zurückkommt gehen wir zumindest davon aus, dass auch sie uns nicht als Störfaktor, sondern als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrnehmen. Liegt vielleicht auch daran, dass Markus zusammen mit Bob ja immerhin auch eine imposante Länge von drei Achsen aufweist ;-). Entlang dem Stuart Highway übernachten wir entweder auf Campingplätzen bei einem Roadhouse (die gibts so alle 100-200km) oder entfernen uns nach getaner Arbeit einige Meter von der Strasse & stellen unser Zelt halb versteckt hinter Büschen auf. Grundsätzlich ist es in Australien fast überall erlaubt wild zu zelten, es gibt aber auch ein paar unschöne Stories, die wir von mehreren Einheimnischen in mehreren Varianten erzählt hören. Wieviel Wahrheit & wieviel Fiktion dahintersteckt sei dahingestellt, wir haben jedenfalls noch keinerlei negative Erfahrungen gemacht. Markus schläft auch immer tief & fest, Patricia hört nachts hingegen öfters Tiere um unser Zelt streichen (auch hier gilt: Ob diese real oder nur fiktiv sind konnte noch nicht schlüssig bewiesen werden). Auf Anraten von Markus schläft Patricia nun ab & zu mit Ohropax ;-). Die Landschaft ist merklich weniger karg, ja wir sind sogar überrascht, wieviel Vegetation hier vorhanden ist! Büsche, Sträucher oder weiter nördlich auch Bäume sind keine Seltenheit mehr, dazwischen wächst hin & wieder auch Spinifex Gras. Die Vegetation ist hier bereits wieder grüner als erwartet. Von Langeweile oder Eintönigkeit kann keine Rede sein, immer wieder ändert sich die Landschaftsform subtil, die Strassenführung ist abwechslungsreich & leicht kurvig & die Topographie weist auch hier immer wieder leichte Wellen auf. Wie gesagt befinden wir uns nun im Cattle Country. Ab & zu sehen wir Kühe & Rinder & wundern uns öfters, wie diese mit der insgesamt doch spärlichen & trockenen Vegetation überleben können. Leider häufen sich nun auch die toten Kühe, welche als Roadkill neben der Strasse liegen. Nach 5.5 Tagen auf dem Stuart Highway sind wir nur noch 200km von Alice Springs entfernt. Statt diese in zwei Tagen zurückzulegen biegen wir jedoch nach Westen ab Richtung Uluru & erreichen 'The Alice' erst zwei Wochen & knapp 1'200km später. Beim Mt. Ebenezer Roadhouse sitzen wir abends gemütlich draussen beim Kochen, bestaunen die weit entfernten Blitze, wundern uns über das herzerweichende Geheul der Hunde des Roadhouses & machen uns Sorgen über den starken Wind, der uns morgen entgegenblasen könnte. Der Wind wächst weiter an & plötzlich ist das ganze Areal in feinen Staub gehüllt: Ein Standsturm fegt über uns hinweg, von den Hunden offenbar schon lange bemerkt, von den Campinggästen ignoriert. Patricia schliesst sofort alle Luken im Zelt, Markus fixiert die Heringe & Zeltschnüre mit schweren Steinen & wir verziehen uns ins Zelt & warten dort, bis das Schlimmste vorüber ist. Anschliessend wagen wir uns nach draussen. Die Sicht ist wieder klar & wir bilanzieren: Unser Hilleberg Zelt hat einmal mehr seine Sturmtauglichkeit bewiesen, wir haben aber leider zu spät die Lüftungsöffnungen geschlossen, so dass unsere Schlafsäcke, Mätteli & Kleider nun von einer ganz feinen Staubschicht bedeckt sind. Am nächsten Morgen bläst der Wind immer noch ziemlich stark, aber – welch ein Wunder! – er hat seine Richtung geändert & stösst uns heute innert Kürze über 100km weit. So machts Velofahren noch viel mehr Spass! Eine weitere Rückenwindetappe später erreichen wir das 'Ayers Rock Resort' (Unverständlich: Der Berg wurde vor mehr als 20 Jahren von 'Ayers Rock' nach 'Uluru' umbenannt, trotzdem finden sich überall noch beide Bezeichnungen. Dasselbe gilt auch für 'The Olgas' resp. in der lokalen Aboriginessprache 'Kata Tjuta'). So viele Touris auf so engem Raum haben wir schon lange nicht mehr gesehen, aber man kann den Besitzern des Resorts zu Gute halten, dass die Anlage (trotz mehreren Hotels, Backpacker Unterkunft, Campingplatz, diversen Restaurants, Supermarket,...) schön angelegt ist: Grosszügig & gut in die Landschaft integriert kommt zum Glück kein Gefühl von 'Massenhaltung' auf. Der Schock kommt erst am nächsten Morgen: Mit Stirnlampe & Rücklicht bewaffnet radeln wir bei kühlen 8°C zum Uluru, um dort den Sonnenaufgang zu geniessen. Fast auf die Sekunde pünktlich erreichen wir um 07:03 die offizielle 'Sunrise Area' mit dem angeblich besten Blick auf Uluru & Sonnenaufgang. Leider erwarten uns dort auch bereits Dutzende weitere Touris, die mit diversen Bussen oder Mietautos angekarrt wurden. Das Schlimme daran sind nicht nur die Horden von aufgeregt fotografierenden Leuten, sondern die Tatsache, dass der erste Car eine Minute nach Sonnenaufgang den Motor startet & zwei Minuten später vollbeladen wegfährt; 10 weitere Minuten später gehört die Plattform uns alleine... Oder zumindest fast, ein Tourist hat nämlich seinen Klappstuhl vergessen. So stehen nun zwei durchfrorene Velofahrer & ein einsamer Klappstuhl gemeinsam dort & geniessen in aller Ruhe die eindrücklich rote Farbe von 'The Rock'. Später nehmen wir an einem sehr spannenden Walk entlang dem Fuss des Uluru teil. Eine Rangerin erläutert dabei interessante Hintergrundinformationen zur Bedeutung des Berges für die lokalen Aboriginaltribes. Anschliessend fahren wir ein weiteres Mal mit den Bikes um diesen magischen Felsen herum. Am nächsten Morgen ist unsere Abfahrt erneut auf 05:45 terminiert. Heute gehts Richtung Kata Tjuta, eine weitere spannende Felsformation, die hier aus der Ebene aufragt & erwartungsgemäss für die Aborigines ebenfalls von grosser spiritueller Bedeutung ist. Kata Tjuta liegt ca. 55km vom Resort entfernt & da es verboten ist im Nationalpark zu übernachten, müssen wir die Hin- & Rückfahrt an einem Tag schaffen. Den Sonnenaufgang geniessen wir auf etwa halber Distanz, am Fuss des Berges gibts feines selber mitgebrachtes Frühstück mit den am Vorabend auf dem Barbie gekochten Pancakes. Eine etwa 2-stündige Wanderung führt uns später mitten rein in diese 'vielen Köpfe' (dies die Bedeutung von 'Kata Tjuta'). Die eindrücklichen Felsformationen & Farben begeistern uns sehr. Dies ist eine Frage, die sich wohl jeder Uluru Besucher stellt. Soll ich den Berg besteigen oder nicht? Im Vorfeld unserer Australienreise wars für uns beide klar: Wir akzeptieren den Willen der Aborigines & werden diesen heiligen Berg nicht besteigen. Während unserer ersten 2.5 Monate in Australien wurden wir jedoch zunehmend unsicher. Wir sprachen mit verschiedenen Personen & kamen mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen in Kontakt. Hier einige Beispiele: - Ein ca. 60-jähriger Mann (sein Vater Aborigine, seine Mutter Irländerin) erzählte uns, wie er den Uluru selber mehrmals bestiegen hat & in seinem Testament verfügt hat, dass seine Asche durch Familienangehörige auf dem Uluru verstreut werden soll. Dies obwohl es gemäss dem staatlichen Gesetz nicht erlaubt ist. - Einer Rangerin des Uluru - Kata Tjuta Nationalpark ist es an bestimmten, für Aborigines sehr bedeutenden Stellen bei Kata Tjuta selbst im Fall eines Buschbrandes untersagt, hinzugehen & diesen zu löschen; sie muss einen männlichen Ranger oder eingeweihten Aborigine herbeirufen, der dies erledigen darf (Kata Tjuta ist ein spiritueller Ort für Aborigines Männer, Aborigines Frauen meiden sogar den Anblick dieser Gesteinsformation). Andererseits darf/muss dieselbe Rangerin Uluru im Rahmen ihrer Arbeit etwa alle 2-4 Wochen besteigen. - Eine Schweizerin, die seit mehreren Jahren in Australien lebt & selber auch in verschiedenen Sozialprojekten mit Aborigines mitwirkt, erzählte von einem Radiointerview mit dem Oberhaupt eines Tribes. Dieser sagte, der Berg selber sei für die Aborigines nicht heilig; heilig seien nur einzelne Stätten primär am Fusse des Berges. Diese sind für die Touristen effektiv mehr oder weniger weiträumig abgesperrt & an einigen Stellen befinden sich auch Aufforderungen, welche selbst das Fotografieren dieser Orte untersagen. Diese Aufforderungen sollten definitiv eingehalten werden! - Eine weisse Australierein hat Uluru mit folgender Begründung bestiegen: 'Unsere Familie lebt seit vier Generationen in Australien, ich bin hier geboren, aufgewachsen & zahle seit jeher Steuern. Uluru gehört mir genauso wie den Aborigines, weshalb sollte ich ihn dann nicht besteigen?' - Die Aborigines selber nennen die weissen Touristen, welche den Berg besteigen, mit ironischem Unterton 'Weisse Ameisen'. - Im Visitor Centre werden insbesondere zwei Gründe genannt, weshalb Uluru nicht bestiegen werden sollte: . Während der 'Creation Time' wurde Uluru von den Vorfahren der heutigen Aborigines bestiegen. Es ist nicht passend resp. nicht notwendig, dies heute erneut zu machen, resp. es gehört sich nicht (ist aber auch keine Art von Gotteslästerung oder so) . Die lokalen Aborigines fühlen sich für Besucher ihres Bodens mitverantwortlich. Wenn sich jemand auf ihrem Grundstück verletzt oder gar stirbt fühlen sie sich mitverantwortlich & machen sich selber entsprechend Vorwürfe Dies nur ein paar Beispiele. Wir selber kamen inzwischen zum Schluss, dass der Entscheid 'Climb it or not?' nicht ganz so einfach mit Ja oder Nein zu beantworten ist; die Frage lässt nicht nur ein Schwarz oder Weiss zu, sondern erlaubt auch viele Grauschattierungen. Jeder von uns beiden hat schliesslich für sich entschieden, ob er den Berg besteigen will oder nicht. PS: Während der Tage, welche wir im Uluru - Kata Tjuta Nationalpark verbrachten, wehte dauernd ein starker Wind, so dass die Nationalpark Verantwortlichen den Fussweg auf den Uluru aus Sicherheitsgründen geschlossen hielten. PPS: Bei einer Umrundung des Uluru auf dem Fussweg sieht man vom Berg & seinen eindrücklichen Auswaschungen & Höhlen sicherlich mehr als wenn man ihn besteigt. Im Vorfeld unseres Besuchs von Uluru & Kata Tjuta war insbesondere Markus skeptisch: Was erwartet uns da? Ein Riesenrummel? Ist der Berg wirklich so eindrücklich wie alle Australienbesucher erzählen oder ist es 'just a rock', der dank gutem Marketing in aller Welt bekannt ist & als ein Must gepriesen wird? Rückblickend können wir sagen: Uluru & Kata Tjuta sind beides definitiv sehr eindrückliche Stätten. Insbesondere wenn man sich auch mit der spirituellen Bedeutung für die Aborigines näher auseinandersetzt wirkt eben nicht nur der optische Anblick, sondern die Formationen strahlen noch viel mehr aus. Wir sagens mal so: Zu einem Australienbesuch gehören Uluru & Kata Tjuta nicht zwingend dazu, wenn man sich aber schon mal in der Nähe von Alice Springs aufhält, dann ist dieser Abstecher definitiv ein Muss. Vom Uluru gehts 1.5 Tage auf derselben Strasse retour wie wir gekommen sind. Dabei ist der Einfluss des Windes 1:1 ersichtlich: Während wir bei der Hinfahrt von Rückenwind profitierten kämpfen wir uns nun gegen den Wind zurück :-(. Danach zweigen wir nach Norden zum Kings Canyon ab. Hier treffen wir uns erneut mit Barbara & Erik aus Sydney, welche im Red Centre ein paar Ferientage verbringen. Zusammen wandern wir diesem sehr eindrücklichen Canyon entlang (ja, ausnahmsweise bewegen sogar wir uns zu Fuss!). Senkrecht fallen die rötlichen Felswände in den Canyon ab, oben stehen unzählige von Wind & Wetter geformte 'Domes', die wie grosse Bienenstöcke aussehen. Der Canyon selber ist meistens ausgetrocknet & fliesst nur während einiger Tage nach grossen Regenfällen, es gibt aber ein paar Wasserlöcher die permanent Wasser führen & von den Aborigines in langen Dürreperioden seit Jahrtausenden als sichere Wasserspender genutzt wurden. Auf dem Campingplatz treiben sich auch unzählige Dingos herum die wissen, dass sie hier Nahrung finden. So zerrt einer eine Tasche voller Esswaren von unseren Nachbarn weg Richtung Bush, einer schnappt sich einen Wanderschuh eines anderen Touristen & auch unser Equipment bleibt nicht ganz verschont: Patricias Sattel weist bei der Abfahrt einige Bissspuren auf & zwei Zeltschnüre sind gerissen, resp. vermutlich von Dingos (oder evt. Vögeln?) durchgebissen. Nichtsdestotrotz: V.a. Markus, der sonst nicht gerade als grosser Hundefreund bekannt ist, ist von diesen cleveren Wildhunden fasziniert. Vom Kings Canyon wollen wir via dem sogenannten Mereenie Loop nach Glen Helen Gorge & weiter nach Alice Springs gelangen. Dieser Track führt durch Aboriginesland & ein spezielles Permit ist notwendig um ihn zu befahren. Für Autofahrer ist dies eine reine Formsache & mit keinerlei Schwierigkeiten verbunden, für Velofahrer sieht dies anders aus: Zum Teil hören & lesen wir, dass das Permit für unsereins überhaupt nicht erhältlich sei, vor Ort erhalten wir hingegen die Auskunft, dass das Permit pro Vehicle gelöst werden müsse & wir somit zwei bräuchten! Da siegt Bürokratie definitiv über gesunden Menschenverstand... Wir lassens vorerst bleiben, am Morgen der Abreise startet Markus einen neuen Versuch. Auf die Frage '4WD?' wird cool & knapp mit 'Yes' geantwortet & beim Formular schreibt er unter 'Vehicle Reg No' 'AT2008' hin. Steht ja schliesslich so auch gross auf unseren Velos, 'Australian Tour 2008' & sieht zudem aus wie eine der normalerweise 6-stelligen australischen Autonummern ;-). Vom Kings Canyon bis Glen Helen Gorge liegen 230km vor uns, von denen 160km Gravel Road sind. & da die Australier ein ehrliches Volk sind ist da wo Gravel draufsteht auch Gravel drin. & viel Corrugations/Wellblechpiste. & noch viel mehr Sand. So schlechte Strassen auf so langer Distanz haben wir noch nirgends gesehen, die Gravel Roads in Namibia & auch der Oodnadatta Track sind dagegen fast Autobahnen! Da wir uns zum Glück auf schlechte Pisten eingestellt haben, planen wir für diesen Abschnitt drei Tage ein & nehmen auch entsprechend viel Wasser mit. Wir starten mit gut 28l & Essensvorräten für etwa sechs Tage. Unterwegs erhalten wir von Automobilisten 4l Wasser geschenkt, bei der Ankunft in Glen Helen haben wir noch genau 2l Wasser im Gepäck. Gut geplant! Die drei Tage sind sehr anstrengend, immer wieder müssen wir die Velos durch tiefe Sandpassagen schieben, was viel Energie kostet. Auf den fahrbaren Sandstrecken fehlt die Kraft um ein einigermassen anständiges Tempo zu fahren, wenn die Strasse mal härter ist erlauben die vielen Schläge sowie die Sorge um unser Material keine schnellere Fahrweise. Wir machen öfters Pausen als normal & müssen dabei auch mehr Kalorien zu uns nehmen. An den ersten beiden Tagen definieren wir unser Tagsziel bei jeweils 70km & genau dort suchen wir dann ein schönes Plätzchen für unser Zelt. Unsere Anstrengungen lohnen sich aber alleweil! Die Landschaft in den West MacDonnell Ranges ist riesig schön, wir fahren entlang von mehreren kleinen Gebirgszügen, die mit ihren abgerundeten Formen an überdimensionale Raupen erinnern, die Vegetation besteht aus Bäumen, Büschen & einzelnen Gräsern, dazwischen liegt viel rötlichbrauner, feinster Sand. Auch die Tierwelt bietet einiges, wir sehen einige Dingos, wilde Pferde sowie am zweiten Tag zahlreiche Camels (die einhöckrigen Dromedare). Faszinierend, wie gut diese Tiere an die hier herrschenden Bedingungen angepasst sind! Ein Kamel kann mehrere Tage ohne Wasser auskommen, trinkt dann aber bei der nächsten Möglichkeit innert weniger Minuten dutzende von Litern. Ja, das wäre auch für uns Velofahrer von Vorteil, da müssten wir nicht so viel Wasser schleppen ;-). Wie leider immer auf Strassen, welche sich Velo- & Autofahrer teilen, gibts auch hier die weniger freundlichen Autofahrer. Diejenigen, die ungebremst mit 80 Sachen an uns vorbeidüsen & uns in dichte Staubwolken hüllen, oder diejenigen, die uns überholen, in sicherer Distanz anhalten, aus dem Auto steigen, ein Foto von uns schiessen, uns zuwinken & weiterfahren, bevor wir bei ihnen angekommen sind. Da kommen wir uns dann jeweils eher wie Wildlife denn wie ganz normale Menschen vor, mit denen man auch reden kann. Zum Glück gibts aber auch die anderen, z.B. Debbie & Michele, Australier, er mit halb italienischem Blut. Die beiden überholen uns am zweiten Morgen, wir sind knapp zwei Stunden auf der Strasse & ausser ein paar Kamelen noch niemandem begegnet. Sie stoppen, fragen wies uns geht & offerieren uns ein Cola. Nach ein paar Minuten Smalltalk fragt Michele plötzlich, ob wir einen Kaffee möchten! Er fährt seinen Wagen neben die Strasse, packt Gaskocher, Plunger & gemahlenen Coffee aus & beginnt für alle mitten in der Pampa feinsten italienischen Espresso zu brauen. Wahnsinn, nun sind wir diejenigen, die dieses Ereignis fotografisch festhalten müssen. Wir verbringen eine schöne gemeinsame Znünipause, zum Abschluss drücken sie uns noch ein Pack Guetsli in die Hand. Am Abend des dritten Tages kommen wir müde in Glen Helen Gorge an. Von hier sinds noch 130 grösstenteils geteerte Kilometer & eine weitere wilde Nacht bis Alice Springs, welche nochmals mit unzähligen seitlichen Abstechern zu Gorges, Waterholes, Lookouts oder sonstigen Gesteinsformationen aufwarten. Einige davon besuchen wir, andere lassen wir aber auch aus. Die Route Kings Canyon – Glen Helen Gorge – Alice Springs via Mereenie Loop ist zwar anstrengend, wir können sie aber auch allen bestens weiterempfehlen, die Landschaft ist wirklich sehr abwechslungsreich! Am 25.04.2008 treffen wir abends glücklich in Alice Springs ein. Als erstes suchen wir eine Unterkunft (nach fünf Wochen Zelt gönnen wir uns wieder mal ein Bett) & laden dort schnell unser Gepäck ab. Als zweites gehts gleich weiter zum Supermarket, die Dusche kann bis später warten. Unsere Augen glänzen & die Mägen knurren, endlich können wir wieder mal aus dem Vollen schöpfen: Joghurt, Früchte, Gemüse,... Die Etappe von Adelaide bis Alice Springs dauerte für uns exakt fünf Wochen & war mit Sicherheit die schönste, abwechslungsreichste & auch herausforderndste unserer bisherigen Australienreise. Abgesehen von den ersten paar kühlen Tagen herrschten optimale Temperaturen, nachts zwischen 8-15°C, tagsüber 28 bis maximal 34°C. Unser Timing scheint wirklich optimal, wir befinden uns nun im australischen Herbst & die letzten Eskapaden der Sommerhitze (Heatwave südlich von Adelaide) fanden gerade rechtzeitig ein Ende. Meistens herrschte Sonnenschein, einmal pro Woche gabs vielleicht einen Tag mit Wolken & etwa drei Mal spürten wir sogar ein paar Regentropfen. In Alice Springs bleiben wir fünf Tage, die wie im Flug vergehen: Organisatorisches für die Weiterreise; Abendessen & Aboriginestanzshow mit Dino & Heidi, zwei Schweizern, die wir im Flinders Ranges Nationalpark sowie drei Wochen später am Kings Canyon kennenlernten; feuchtfröhliche Pubbesuche mit Debbie & Michele, unseren Baristi vom Mereenie Loop; Mails beantworten; Homepage aufarbeiten; & nachts (erfolglos) darum kämpfen, unser Hotelzimmer aufzuschliessen (dies hat allerdings keinen Zusammenhang mit den erwähnten Pubbesuchen, selbst der Schlüsselservice schaffte es erst nach längerem Pröbeln am nächsten Morgen...). & was unbedingt auch noch erwähnt werden muss: Wir sind nun seit bald 6'000km on the road & hatten noch keinen einzigen Platten! Unser Entscheid, die etwas schwereren dafür pannenresistenteren Schwalbe Marathon PLUS Reifen zu verwenden, scheint sich definitiv gelohnt zu haben! Auch hatten wir noch keinerlei Krankheiten, Verletzungen oder sonstwie negativen Erlebnisse zu verzeichnen. Wir hoffen, dass auch die zweite Hälfte unserer Reise so positiv verläuft! Zum Schluss die aktualisierte Statistik:
Patricia & Markus, 30.04.2008 |
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